CGM für Gesunde: Interessantes N=1-Experiment oder Marketing auf der Haut?
In den USA gibt es Glukose-Sensoren inzwischen rezeptfrei für gesunde Erwachsene, in DACH kaufst du die Diabetes-Sensoren als Selbstzahler. Die Studien zeigen spannende Muster, aber keinen belegten Vorteil für Gesundheit oder Lebensdauer. Dieser Guide zeigt, was die Daten hergeben, was ein Sensor kostet und welche Bluttests mehr verraten.
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Kurz erklärt
Für Gesunde ist ein kontinuierliches Glukose-Messgerät (CGM) ein spannendes Zwei-Wochen-Experiment, aber kein belegtes Gesundheitswerkzeug: Keine randomisierte Studie zeigt, dass es bei gesunden Menschen Herz oder Lebenserwartung verbessert.[15, 16] Schlanke, eher junge Erwachsene liegen im Tagesschnitt bei etwa 99 mg/dl, also Milligramm Glukose pro Deziliter,[3] Erwachsene mittleren Alters bei etwa 115 mg/dl.[10] Ein selbst bezahlter Libre-3-Plus-Sensor für gut zwei Wochen kostet in Deutschland etwa 70 Euro, dauerhaft getragen rund 1.700 Euro im Jahr (Stand: Oktober 2026).[24] Nüchternglukose und HbA1c (dein Blutzucker-Schnitt der letzten zwei bis drei Monate) kosten einen Bruchteil davon und sind die Tests, mit denen Ärztinnen und Ärzte Prädiabetes und Diabetes tatsächlich feststellen.[19]
Diese Inhalte dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere immer einen qualifizierten Arzt, bevor du Änderungen an deiner Ernährung, deinem Trainingsprogramm oder deiner Nahrungsergänzung vornimmst.
Was ein CGM misst und wie genau es ist
Ein CGM misst nicht deinen Blutzucker, sondern die Glukose in der Gewebeflüssigkeit unter der Haut, und rechnet daraus einen Blutwert hoch. Der Sensor ist ein haarfeiner Faden im Unterhautfett, meist am Oberarm, der bis zu zwei Wochen lang laufend misst. Weil die Glukose erst aus dem Blut in diese Flüssigkeit wandern muss, hinkt der Sensor hinterher: In einem unabhängigen Test lag er im Schnitt etwa 6 Minuten zurück.[17] Steigt oder fällt dein Zucker schnell, etwa nach einem Glas Saft, sieht die CGM-Kurve deshalb anders aus als ein Fingerstich in derselben Minute.
Diese Verzögerung erklärt viele Abweichungen, aber nicht alle, denn Sensoren können auch schlicht danebenliegen. Wie weit, gibt die Forschung als MARD an: den durchschnittlichen Prozentsatz, um den ein Sensor den Laborwert verfehlt (kleiner ist besser). In einer Vergleichsstudie an Erwachsenen mit Diabetes kam der FreeStyle Libre 3 auf 8,9 Prozent und der Dexcom G7 auf 13,6 Prozent.[7] Der Libre lag dort also näher am Laborwert, bezahlt hat diese Studie allerdings Abbott, der Hersteller des Libre.[7]
Menschen ohne Diabetes waren in diesem Vergleich nicht dabei. In einer separaten, unabhängigen Messung an 39 jungen Erwachsenen ohne Diabetes verfehlten rezeptfreie Sensoren den Fingerstich-Wert im Schnitt um etwa 13 Prozent.[17] Nach einem Zuckergetränk und bei schnell wechselnden Werten waren sie noch unzuverlässiger.[17] Die Autoren raten deshalb, die Geräte für Trends zu nutzen.[17] Wo eine Entscheidung an einem Grenzwert hängt, etwa beim Erkennen einer Unterzuckerung oder beim Selbsttest auf Diabetes, mahnen sie zur Vorsicht.[17] Kleine Unterschiede zwischen zwei Sensoren sind also normal, und eine einzelne Zahl auf dem Handy sagt weniger, als sie auf den ersten Blick verspricht.
Ein Sensor kann außerdem fehlerhaft sein. Seit November 2025 läuft ein Rückruf für einzelne FreeStyle-Libre-3- und Libre-3-Plus-Sensoren, weil sie zu niedrige Werte anzeigen können.[23] Abbott schrieb die Betroffenen damals an, die US-Behörde FDA warnte im Dezember 2025 öffentlich und stufte den Rückruf im Februar 2026 in ihre ernsteste Klasse ein.[23] Prüf deshalb die Seriennummer jedes Sensors, den du trägst oder zu Hause hast, auf freestylecheck.com. Einen betroffenen Sensor nimmst du ab und entsorgst ihn, Ersatz forderst du dort kostenlos an.[23]
Passt ein Wert nicht zu deinem Befinden, prüf ihn mit einem Fingerstich-Messgerät nach.[23] Am gefährlichsten ist ein falsch tiefer Wert für Menschen, die Insulin oder Kohlenhydrate nach der Anzeige dosieren. Aber auch ein Gesunder isst dann womöglich etwas, das er gar nicht braucht.
Welche CGM-Werte sind ohne Diabetes normal?
Ohne Diabetes liegt der Tagesschnitt auf dem CGM etwa zwischen 99 und 115 mg/dl, also Milligramm Glukose pro Deziliter, je nachdem, wie alt und wie schwer jemand ist. Die niedrigere Zahl stammt aus einer Studie mit 153 schlanken, überwiegend jungen Menschen ohne Diabetes, darunter auch Kinder und Jugendliche.[3] Die Teilnehmenden trugen rund 8 Tage lang einen Sensor mit verdecktem Display und lagen fast den ganzen Tag zwischen 70 und 140 mg/dl.[3] Werte über 180 mg/dl kamen bei ihnen praktisch nicht vor.[3]
Diese Referenz ist allerdings eng gefasst, weil die Studie nur Menschen ohne Adipositas aufnahm und die Sensoren einmal täglich von Hand kalibrierte.[3] Ein anderes Bild zeigt eine größere Studie mit 560 Erwachsenen mit normalen Zuckerwerten, die im Schnitt etwa 58 Jahre alt waren.[10] Ihr 24-Stunden-Schnitt lag bei etwa 115 mg/dl, und über 140 mg/dl verbrachten sie rund 3 Stunden am Tag.[10] Wer mit Mitte 50 im Schnitt auf 115 kommt, liegt in dieser Gruppe also im Normalbereich und muss sich nicht an der Kurve eines schlanken 25-Jährigen messen.
In der Tabelle stehen beide Gruppen untereinander, oben die schlanken, eher jungen Gesunden aus der kleineren Studie, unten die Erwachsenen um 58 aus der größeren.
| Was ein CGM bei Menschen ohne Diabetes zeigt | Typischer Wert |
|---|---|
| 24-Stunden-Schnitt, schlanke, eher junge Gesunde | 98 bis 99 mg/dl, ab 60 etwa 104 mg/dl.[3] |
| Zeit zwischen 70 und 140 mg/dl, schlanke, eher junge Gesunde | Median 96 Prozent[3] |
| Zeit über 140 mg/dl, schlanke, eher junge Gesunde | Median 2,1 Prozent, etwa 30 Minuten am Tag[3] |
| Zeit unter 70 mg/dl, schlanke, eher junge Gesunde | Median 1,1 Prozent, etwa 15 Minuten am Tag[3] |
| Schwankung (Variationskoeffizient), schlanke, eher junge Gesunde | etwa 17 Prozent[3] |
| 24-Stunden-Schnitt, Erwachsene um 58 mit normalem Zucker | etwa 115 mg/dl[10] |
| Zeit zwischen 70 und 140 mg/dl, Erwachsene um 58 | etwa 87 Prozent[10] |
| Zeit zwischen 70 und 180 mg/dl, Erwachsene um 58 | etwa 98 Prozent[10] |
| Zeit über 140 mg/dl, Erwachsene um 58 | etwa 12 Prozent, rund 3 Stunden am Tag[10] |
Quelle: Shah 2019[3] und Spartano 2025[10]
Über 180 mg/dl steigt der Zucker bei Erwachsenen mit normalen Werten nur selten. Ganz ohne solche Phasen sind aber nicht alle, denn in der größeren Studie lag rund jeder Fünfte mehr als 2 Prozent des Tages darüber.[10] Ein einzelner Ausreißer über 180 ist deshalb noch kein Befund, lange Phasen dort lässt du dagegen besser ärztlich abklären.
Ab wann eine Phase zu lang ist, legt für Gesunde allerdings kein offizieller Zielwert fest. Der internationale Konsens zur Time in Range (der Zeit im Zielbereich) bestimmt CGM-Ziele ausdrücklich nur für Menschen mit Diabetes.[1] Entwickelt wurde diese Kennzahl, um in der Diabetesbehandlung den HbA1c zu ergänzen, also den Langzeit-Blutzuckerwert.[8]
Auch die US-Diabetesgesellschaft ADA beschrieb rezeptfreie CGMs in ihren Standards von 2025 als gedacht für Menschen mit Prädiabetes oder Diabetes ohne Insulin.[4] In den Standards von 2026 steht inzwischen, dass auch Menschen ohne Diabetes diese Sensoren kaufen können, um den Einfluss von Essen und Bewegung zu sehen.[5] Eine Empfehlung für Gesunde spricht aber keine der beiden Ausgaben aus.[4, 5] Die Normalwerte aus den Studien zeigen dir damit, wo Gesunde ungefähr liegen, eine Note für deine eigene Kurve geben sie aber nicht.
Was du in zwei Wochen mit einem CGM lernen kannst
In zwei Wochen zeigt dir ein CGM vor allem, wie deine eigene Kurve auf Essen, Bewegung und Alltag reagiert. Du kannst zum Beispiel vergleichen, was Weißbrot pur mit deiner Kurve macht und was dasselbe Brot nach einem Spaziergang oder zusammen mit Eiweiß und Fett. Ebenso lässt sich beobachten, ob Alkohol, Stress, eine Erkältung oder ein hartes Training deine Linie verschieben. Das sind deine eigenen Daten, kein Durchschnitt aus einer Studie, und genau darin liegt der Reiz des Experiments.
Auch Schlaf lässt sich in der Kurve wiederfinden, wenn auch unscharf. In einer Studie bekamen 953 gesunde Erwachsene standardisierte Frühstücke.[11] Schlechterer Schlaf, also mehr wache Zeit im Bett, und späteres Zubettgehen hingen dort mit stärkeren Blutzuckeranstiegen nach dem Frühstück zusammen.[11] Wie deine Kurve nach einer kurzen Nacht aussieht, kannst du also anschauen. In deinen eigenen Daten lässt sich dieser Effekt aber kaum von dem trennen, was du gegessen und getan hast.
Wie stark eine Kurve auf dasselbe Essen reagiert, unterscheidet sich außerdem von Mensch zu Mensch. Bekannt gemacht hat diese Unterschiede vor allem eine Stanford-Studie, die das Wort Glucotypes geprägt hat.[2] Das Team gab 57 Erwachsenen einen Sensor und einem Teil von ihnen standardisierte Testmahlzeiten.[2] Selbst auf dasselbe Essen reagierten die Teilnehmenden sehr unterschiedlich, in drei Mustern von ruhig bis stark schwankend.[2] Ganz gesund war die Gruppe allerdings nicht: Unter denen mit Testmahlzeiten hatten einige Prädiabetes oder Diabetes, und die drei Muster unterschieden sich auch im durchschnittlichen Zucker.[2]
Genau an diesem Unterschied im Mittelwert setzt ein europäisches Team an. Es bezweifelt, dass Glucotypes mehr abbilden als den durchschnittlichen Zucker und dass sie sich auf andere Gruppen übertragen lassen.[12] Dass Menschen unterschiedlich auf Essen reagieren, bleibt trotzdem real, über Herz oder Lebensdauer sagt diese Beobachtungsstudie aber nichts.
Auch eine Diagnose kann dir ein CGM nicht liefern. Ob du Prädiabetes oder Diabetes hast, klären Nüchternglukose, HbA1c oder ein Zuckerbelastungstest (OGTT), nicht ein paar Spitzen auf dem Handy.[19] Ebenso wenig sagt dir das Gerät, ob ein Peak auf 150 mg/dl schadet oder ob dein Muster in 20 Jahren Herzkrankheit oder Tod vorhersagt. Die randomisierten Studien an Menschen ohne Diabetes, in denen das Los die Gruppen einteilt, liefen meist nur Wochen oder Monate und haben solche Folgen nicht gemessen.[15, 16, 37]
Ob du jetzt Low-Carb, Keto oder Intervallfasten machen solltest, beantwortet eine 14-Tage-Kurve auch nicht, solche Umstellungen besprichst du besser mit Hausarzt oder Ernährungsfachkraft. Nützlich wird ein CGM, wenn du es als Experiment an dir selbst behandelst: Du notierst Muster und besprichst die seltsamen mit einer Ärztin oder einem Arzt. Behandelst du es dagegen als tägliches Zeugnis, kann es Angst vor dem Essen und unnötigen Verzicht fördern. Für manche Menschen ist deshalb schon das Experiment keine gute Idee.
Wer besser auf ein CGM-Experiment verzichtet
Menschen mit einer Essstörung und Menschen unter Medikamenten, die Unterzucker auslösen können, sollten auf ein CGM-Experiment verzichten oder es vorher ärztlich absprechen. Wer mit dem Sensor eine Krankheit abklären will, greift ebenfalls zum falschen Werkzeug. Hersteller und US-Behörden schreiben das zum Teil selbst dazu:
- Wenn du eine Essstörung hast oder hattest, sprich vor dem Kauf mit einer Ärztin oder einem Arzt. Abbott schreibt diesen Hinweis selbst zu seinem rezeptfreien Sensor Lingo.[27]
- Wenn du Insulin oder andere blutzuckersenkende Mittel nimmst, die Unterzucker auslösen können (etwa Sulfonylharnstoffe), gehören ein verordnetes System mit Alarmen und dein Diabetes-Team dazu. Wellness-Sensoren wie Lingo und Stelo warnen nämlich nicht vor tiefen Werten.[5, 20]
- Wenn du schon schwere oder wiederholte Unterzuckerungen hattest, ist Dexcoms rezeptfreier Sensor Stelo laut FDA nicht für dich gedacht.[20]
- Wenn du wissen willst, ob du Diabetes hast, hilft dir ein CGM nicht weiter. Die rezeptfreien Geräte sind ausdrücklich nicht zur Diagnose gedacht,[27] und in einem unabhängigen Test stimmten ihre Einzelwerte nur locker mit dem Fingerstich überein, weshalb die Autoren an Grenzwerten zur Vorsicht raten.[17]
- Wenn du starken Durst hast, oft Wasser lassen musst oder ungewollt abnimmst, gehören diese Beschwerden zu einer Ärztin oder einem Arzt, nicht unter einen Sensor.[19]
Auch wenn keiner dieser Punkte auf dich zutrifft, kann das Display einmal einen tiefen Wert zeigen. Ein tiefer CGM-Wert allein beweist aber keine Unterzuckerung, deshalb prüfst du einen unerwarteten Tiefwert mit einem Fingerstich nach, auch wenn es dir gut geht.[17, 23] Bestätigt der Fingerstich einen Wert unter 70 mg/dl und du zitterst, schwitzt oder dir ist schwindelig, gehst du so vor.[30]:
- Iss oder trink nur etwas, wenn du wach bist und sicher schlucken kannst.
- Nimm dann etwa 15 g schnelle Kohlenhydrate zu dir, zum Beispiel Saft oder Traubenzucker[30]
- Miss nach 15 Minuten erneut.[30]
- Liegt der Wert weiter unter 70 mg/dl, nimm noch einmal 15 g.[30]
Wer benommen oder stark verwirrt ist, nicht schlucken kann oder bewusstlos wird, bekommt nichts in den Mund und braucht sofort Hilfe über den Notruf 112. Wiederholte bestätigte Tiefwerte gehören zum Hausarzt.
Für alle anderen ist ein kurzer Versuch vertretbar, solange der Rückruf-Check erledigt ist und ein Fingerstich-Gerät zur Kontrolle bereitliegt.
Wo das Marketing der Wissenschaft vorauseilt
Viele CGM-Anbieter werben bei Gesunden mit besserer Stoffwechselgesundheit und einem längeren Leben, doch diesen Nutzen belegen die bisherigen Studien nicht. Echt ist der Befund, auf dem die Werbung aufbaut: Der Zucker steigt nach dem Essen von Mensch zu Mensch und von Lebensmittel zu Lebensmittel unterschiedlich stark.[2] Darauf setzen die rezeptfreien Sensoren Lingo und Stelo ebenso wie Coaching-Apps, etwa Levels, NutriSense oder Hello Inside.
Oft dient die Zulassung als Beleg, obwohl sie keiner ist. 2024 hat die FDA zwei der ersten rezeptfreien CGMs freigegeben: Dexcom Stelo im März.[20] und Abbott Lingo, dessen Freigabe Abbott im Juni bekannt gab[22] Lingo ist für Erwachsene ab 18 gedacht, die kein Insulin nehmen.[27] Stelo wurde zunächst für Erwachsene ohne Insulin freigegeben.[20] und im Juni 2026 auch für Kinder ab 2 Jahren, die kein Insulin nehmen (Stand: Oktober 2026)[21] Eine solche Freigabe heißt, dass ein Gerät sicher genug für den freien Verkauf ist, aber nicht, dass ein gesunder Mensch davon gesünder wird.
Was die Studien bisher zeigen, ist deutlich bescheidener. Ein Review von 2024 fand keine durchgängig belastbaren Belege für einen Nutzen bei Menschen ohne Diabetes.[6] Kommerzielle Versprechen für diese Gruppe hielten die Autoren für irreführend, und sie forderten eine strengere Überwachung der Geräte nach der Zulassung.[6] Eine Meta-Analyse von 2026, die viele Studien gemeinsam auswertet, bestätigt dieses Bild und präzisiert es.[15] CGM-Feedback half dort vor allem Menschen mit Prädiabetes, bei normalem Zucker zeigte sich kein klarer Vorteil.[15]
Ganz ohne Erfolge ist das Feld allerdings nicht. Zwei kleine, kurze randomisierte Studien an Menschen mit Übergewicht oder Adipositas fanden mehr Gewichtsverlust, wenn die Teilnehmenden in einem Ernährungsprogramm mehr CGM-Feedback bekamen.[13, 14] Die Meta-Analyse fand trotzdem keinen klaren Effekt auf den BMI, also das Gewicht im Verhältnis zur Größe.[15] Dass ein CGM ohne Programm drumherum beim Abnehmen hilft, halten ihre Autoren für unwahrscheinlich.[15]
Herzinfarkte oder Todesfälle hat keine dieser Studien gemessen, die meisten liefen nur Wochen oder Monate.[15, 16] Die längste, die wir gefunden haben, begleitete 41 Menschen mit Prädiabetes zwei Jahre lang und maß den HbA1c.[37] Gern zitiert wird stattdessen ein anderer Befund, nämlich dass Glukoseschwankungen mit Herzkrankheit zusammenhängen. Ein Review zeigt diesen Zusammenhang aber bei Menschen mit Typ-2-Diabetes,[9] und auf Gesunde lässt er sich nicht einfach übertragen.
Auch die möglichen Nachteile sind eher plausibel als gut vermessen. Wer jede Spitze beobachtet, kann in Angst vor dem Essen oder unnötigen Verzicht rutschen. Im Extrem führt das zur Orthorexie, also dem Punkt, an dem gesundes Essen selbst zum Zwang wird. Ein naheliegendes Beispiel: Jemand sieht nach Haferflocken 145 mg/dl, steigt auf Speck und Eier um und prüft die Annahme nie wieder, obwohl ein solcher Anstieg bei Gesunden vorkommt.[3] Wie oft so etwas passiert, ist offen, denn das Review von 2024 nannte die Folgen fürs Essverhalten kaum untersucht.[6] Eine Übersicht von 2026 kommt zum selben Schluss und fand die psychologischen Daten zu dünn, um Nutzen oder Schaden zu belegen.[16]
Diesem schmalen Nutzen steht ein spürbarer Preis gegenüber, denn als Gesunder zahlst du jeden Sensor selbst.[32] Dauerhaft getragen kostet allein der Libre-3-Plus-Sensor in Deutschland rund 1.700 Euro im Jahr,[24] womit die Frage nach dem günstigsten Kaufweg ziemlich konkret wird.
Wo kaufst du ein CGM ohne Diabetes in DACH?
Als gesunder Erwachsener kommst du in Deutschland auf drei Wegen an ein CGM, alle als Selbstzahler (Stand: Oktober 2026).[24, 25, 26] Zur Wahl stehen der FreeStyle Libre 3 Plus, der Dexcom G7 und ein Paket von Hello Inside. Am günstigsten ist der Libre 3 Plus, den Abbott für etwa 70 Euro pro Sensor mit bis zu 15 Tagen Tragedauer an Selbstzahler verkauft.[24] Die Tabelle stellt alle Wege mit Preis und Tragedauer nebeneinander, und weil sich die Preise ändern, prüfst du sie am Tag des Kaufs.
| Option | Tragedauer | Preis (Stand: Oktober 2026) | Für Gesunde in DACH? |
|---|---|---|---|
| FreeStyle Libre 3 Plus (Abbott-Webshop) | bis 15 Tage | etwa 70 Euro pro Sensor.[24] | Ja, als Selbstzahler |
| Dexcom G7 (Dexcom-Shop) | 10 Tage | 99 Euro pro Sensor[25] | Ja, in Deutschland als Selbstzahler |
| Hello Inside (Libre-Sensor plus App) | 14 Tage | 149,90 Euro Test-Paket mit 2 Monaten App, weiterer Sensor 90 Euro[26] | Ja, als Selbstzahler |
| Abbott Lingo | bis 14 Tage | ab 54 US-Dollar für zwei Wochen, USA[27] | Kein offizieller Verkauf[27] |
| Dexcom Stelo | 15 Tage | 89 US-Dollar im Monat, USA[28] | Kein offizieller Verkauf |
| Private Blutuntersuchung (HbA1c, Nüchternglukose, Lipide inkl. ApoB) | einmal im Jahr | grob 150 bis 350 Euro, je nach Labor | Ja |
Der Dexcom G7 ist eigentlich ein Diabetes-Gerät, in Deutschland kannst du ihn als Selbstzahler aber ohne Rezept kaufen, für 99 Euro pro 10-Tage-Sensor[25] Pro Tag kostet er mit knapp 10 Euro allerdings rund doppelt so viel wie der Libre 3 Plus mit knapp 5 Euro.[24, 25] Für ein reines Neugier-Experiment lohnt sich der teurere Sensor deshalb kaum.
Hello Inside legt eine Coaching-App über einen FreeStyle-Libre-Sensor, dessen Modell je nach Land wechselt, mit 14 Tagen Tragedauer.[26] Zum Test-Paket für 149,90 Euro gehören neben Sensor und zwei Monaten App auch ein Testzugang zum Premium-Coaching.[26] Jeder weitere Sensor kostet dort 90 Euro, also etwa 6,40 Euro pro Tag.[26] Beim Libre 3 Plus direkt von Abbott sind es etwa 4,70 Euro (Stand: Oktober 2026).[24] Ob dir die App diesen Aufpreis wert ist, hängt davon ab, wie viel Begleitung du dir beim Lesen der Kurve wünschst. Levels und NutriSense arbeiten nach demselben Prinzip, kommen aber aus den USA.
Die beiden rezeptfreien US-Geräte gibt es hier nicht offiziell. Abbott hat Lingo weder in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch sonst in der EU gestartet.[27] Wer es hier trotzdem nutzt, bezieht es über grenzüberschreitende Pakete oder Reshipper.[27] Stelo verkauft Dexcom für 89 US-Dollar im Monat in den USA.[28] Beide warnen nicht vor tiefen Werten,[5, 20] was vor allem für Menschen mit Unterzucker-Risiko zählt.
Bei keinem dieser Wege zahlt eine Krankenkasse für die Nutzung als Gesunder. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt ein CGM wie den Libre 3 Plus nur bei Typ-1- oder Typ-2-Diabetes mit intensivierter Insulintherapie, und auch dann entscheidet jede Kasse im Einzelfall.[32] Grundlage ist ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) von 2016 zu Echtzeit-CGM bei insulinpflichtigem Diabetes.[36] Private Versicherer entscheiden nach ihrem Vertrag, ohne diese Voraussetzungen zahlst du selbst, egal bei welchem Anbieter. Preise und Kostenübernahme sind hier für Deutschland geprüft, in Österreich und der Schweiz fragst du vorher deine Kasse.
Auch eine DiGA, also eine Gesundheits-App auf Rezept, ist für Gesunde kein Weg zu einem bezahlten Sensor. Glucura zum Beispiel ist eine DiGA für Menschen mit diagnostiziertem Typ-2-Diabetes, die nicht insulinpflichtig sind.[31] Die Kasse zahlt eine DiGA auf ärztliche Verordnung oder nach eigener Genehmigung, wenn die Diagnose nachgewiesen ist.[38]
Für einen ersten Versuch reicht deshalb ein einziger Libre-3-Plus-Sensor für etwa 70 Euro, der gut zwei Wochen abdeckt.[24] Ein ganzer Monat mit zwei Sensoren kostet etwa 140 Euro.[24]
Welche Bluttests die Forschung stattdessen stützt
Die Forschung stützt Blutwerte, nicht CGM-Kurven, und die wichtigsten davon kosten einen Bruchteil eines Sensorjahres. Für den Zucker sind das die Tests, mit denen Ärztinnen und Ärzte Prädiabetes und Diabetes feststellen: Nüchternglukose, HbA1c und bei Bedarf ein 75-g-Zuckerbelastungstest (OGTT).[19] Beim OGTT wird die Glukose nüchtern und zwei Stunden nach einem Zuckergetränk gemessen.[19] Der HbA1c spiegelt deinen Blutzucker-Schnitt der letzten zwei bis drei Monate, die Nüchternglukose deinen Wert am Morgen des Tests.[19] Als normal gelten eine Nüchternglukose unter 100 mg/dl und ein HbA1c unter 5,7 Prozent.[19]
Fürs Herz kommen Werte dazu, die jahrzehntelange Studien zu Herzinfarkten und Schlaganfällen stützen. ApoB zählt die Partikel, die Cholesterin in die Gefäßwand tragen, und Studien zeigen, dass weniger von diesen Partikeln weniger Herzinfarkte und Schlaganfälle bedeutet.[33] Für Lp(a), einen weiteren Blutfettwert, stützen große genetische und Beobachtungsstudien eine ursächliche Rolle bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen.[35] Europäische Fachleute empfehlen, ihn mindestens einmal im Erwachsenenleben zu bestimmen.[35] Dazu gehört der Blutdruck, denn ihn zu senken beugt Herz-Kreislauf-Ereignissen auch bei Menschen ohne stark erhöhte Werte vor.[34]
Nüchterninsulin und der daraus berechnete HOMA-IR-Wert schätzen dagegen nur, wie gut dein Körper auf Insulin anspricht, also ob sich eine Insulinresistenz anbahnt. Genau messen lässt sich das nur mit einem aufwendigen Forschungsverfahren, dem Clamp-Test.[18] Manche Ärztinnen und Ärzte nehmen die günstigen Schätzwerte trotzdem als Hinweis dazu, ebenso wie einen OGTT mit zusätzlichen Insulinmessungen. Eine Labor-Leitlinie rät aber davon ab, bei Menschen mit Diabetes- oder Herzrisiko routinemäßig Insulin zu messen.[18] Insulinwerte verbessern die Risikovorhersage laut ihr kaum, und abgestimmte Grenzwerte gibt es nicht.[18]
Beim Preis wird der Abstand zum CGM deutlich. Eine private Blutuntersuchung mit HbA1c, Nüchternglukose und Lipiden inklusive ApoB kostet je nach Labor und Umfang grob 150 bis 350 Euro. Ein Jahr Libre-3-Plus-Sensoren als Selbstzahler kostet dagegen etwa 1.700 Euro.[24] Hinter den Bluttests stehen jahrzehntelange Studien zu den Krankheiten, die sie anzeigen. Hinter dem CGM stehen bei Gesunden vor allem Musterstudien wie die Glucotypes-Arbeit.[2] und die Referenzwerte für Gesunde[3]
Wenn du wissen willst, wie es um deinen Zucker und dein Herz steht, sind diese Bluttests deshalb der naheliegende erste Schritt. Welche davon für dich sinnvoll sind, besprichst du in der Hausarztpraxis, und vorher lohnt ein Blick darauf, was deine Krankenkasse ohnehin übernimmt.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich ein CGM, wenn ich gesund bin?
Kann ich FreeStyle Libre ohne Diabetes nutzen und was kostet das?
FreeStyle Libre 3 oder Dexcom G7: Welches CGM ist genauer?
Ist mein FreeStyle Libre 3 Plus vom Rückruf betroffen?
Lingo vs Libre vs Stelo, was ist der Unterschied?
Kann ich Abbott Lingo oder Dexcom Stelo in Deutschland kaufen?
Kann ich den Dexcom G7 in Deutschland ohne Rezept kaufen?
Ist ein Peak von 145 mg/dl nach dem Essen schlecht?
Mein CGM zeigt Werte unter 70 mg/dl. Ist das eine Unterzuckerung?
Hello Inside vs Levels Health, lohnt sich das?
Welchen Glukosewert sollte ich haben?
Hilft ein CGM beim Abnehmen?
Geheimtipp oder Geldverschwendung?
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Erstellt von Maurice Lichtenberg, Gründer, Longevity Cities
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