Zum Inhalt springen

Was ist Longevity?

Bedeutung, Herkunft, Aussprache und die sechs Säulen, jede Zahl mit Quelle

Kurz erklärt

Longevity bedeutet Langlebigkeit. Gemeint ist heute nicht nur ein längeres Leben, sondern vor allem eine längere Gesundheitsspanne, also die Jahre ohne schwere chronische Krankheit. Weltweit liegen Lebenserwartung und gesunde Lebenserwartung im Mittel 9,6 Jahre auseinander [2]. Die Schätzungen zum Erbanteil der Lebensspanne reichen je nach Methode von unter 10 bis rund 50 Prozent [3, 4, 5]. Auf Verhalten und Umwelt entfällt in allen Auswertungen ein erheblicher Teil.

Aktualisiert am · 14 Min. Lesezeit

Diese Inhalte dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere immer einen qualifizierten Arzt, bevor du Änderungen an deiner Ernährung, deinem Trainingsprogramm oder deiner Nahrungsergänzung vornimmst.

Das Wichtigste in Kürze

Longevity ist innerhalb weniger Jahre vom Fachbegriff zum Alltagswort geworden. Was das Wort bedeutet, woher es kommt, wie man es ausspricht, was die Forschung für belastbar hält und wo der Markt dem Wissen vorausläuft: Die zentralen Zahlen unten sind mit einer Quelle hinterlegt, jede Modellrechnung ist als solche gekennzeichnet.

Longevity auf Deutsch: Bedeutung, Herkunft, Aussprache

Longevity heißt auf Deutsch Langlebigkeit, meint im heutigen Sprachgebrauch aber mehr als das Erreichen eines hohen Alters. Der Begriff steht für ein Forschungsfeld und für einen Rahmen von Lebensstilentscheidungen, in dessen Zentrum die Gesundheitsspanne liegt: die Jahre, die jemand ohne schwere chronische Krankheit und ohne dauerhafte Einschränkung der Selbstständigkeit verbringt. Eine Kurzdefinition steht im Longevity-Glossar.

Das Wort stammt aus dem Lateinischen: longus bedeutet lang, aevum bedeutet Lebenszeit. Daraus entstand longaevus für hochbetagt, daraus das spätlateinische longaevitas, daraus im Englischen longevity. Ins Deutsche kam der Begriff nicht direkt aus dem Lateinischen, sondern über das Englische, weshalb er auch hierzulande englisch ausgesprochen wird.

Die Aussprache lautet [lɒnˈdʒɛvᵻti]. Auf Deutsch übertragen klingt das etwa wie lon-DSCHE-wi-ti, mit der Betonung auf der zweiten Silbe. Der Anfangslaut der zweiten Silbe ist ein weiches Dsch wie in Journalist, kein hartes G. Als Substantiv wird Longevity im deutschen Satz großgeschrieben.

Warum hat sich das englische Lehnwort durchgesetzt, obwohl es mit Langlebigkeit ein deutsches Wort gibt? Weil die beiden Wörter nicht dasselbe transportieren. Langlebigkeit beschreibt schlicht eine lange Dauer, das Wort funktioniert auch für Waschmaschinen. Longevity trägt seit einigen Jahren eine zusätzliche Bedeutungsebene mit: gesunde Jahre statt bloßer Jahre, messbare Marker, Vorsorge statt Reparatur. Genau diese Verschiebung fehlt dem deutschen Wort. Deshalb steht in deutschsprachigen Texten heute meist Longevity, wenn die Gesundheitsspanne gemeint ist, während Langlebigkeit eher die reine Dauer beschreibt.

Im Fachdeutsch existieren zwei weitere Nachbarbegriffe. Geroscience oder Alternsforschung bezeichnet die Biologie des Alterns auf Zellebene. Präventionsmedizin bezeichnet die klinische Seite, also Früherkennung und Risikofaktoren. Longevity wird im Alltag als Klammer über beide benutzt.

Gesundheitsspanne vs. Lebensspanne

Zwei Begriffe tragen die gesamte Debatte. Die Lebensspanne beschreibt, wie viele Jahre jemand lebt. Die Gesundheitsspanne beschreibt, wie viele dieser Jahre ohne schwere chronische Erkrankung und ohne dauerhafte Einschränkung verlaufen. Im Englischen heißen die beiden Lifespan sowie Healthspan.

Für Deutschland liefert das Statistische Bundesamt die Referenzzahlen. Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt betrug im Jahr 2025 bei Frauen 83,6 Jahre und bei Männern 79,1 Jahre, für beide Geschlechter neue Höchstwerte [19]. Wer bereits 65 Jahre alt ist, hat statistisch noch einige Jahre vor sich: bei Frauen 21,2 Jahre, bei Männern 18,2 [19]. Zum Jahresende 2024 lebten in Deutschland rund 17.900 mindestens Hundertjährige, davon 83,8 Prozent Frauen [20].

Das obere Ende ist schmaler, als der Trend vermuten lässt. Die höchste zweifelsfrei dokumentierte Lebensspanne liegt bei 122 Jahren, erreicht von Jeanne Calment, die 1997 starb [17]. Eine Analyse in Nature argumentiert, dass das maximal erreichte Alter seit den 1990er Jahren bei rund 115 Jahren stagniert und 122 Jahre ein statistischer Ausreißer bleiben [8]. Die Arbeit ist fachlich umstritten, mehrere Erwiderungen in Nature bezweifeln die Methode. Eine Auswertung der langlebigsten Bevölkerungen der Welt kommt zu dem Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit, 100 Jahre alt zu werden, kaum über 15 Prozent bei Frauen und 5 Prozent bei Männern steigen dürfte, solange sich der biologische Alterungsprozess selbst nicht verlangsamen lässt [7].

Interessanter als das Maximum ist die Lücke dazwischen. Eine Auswertung von 183 WHO-Mitgliedsstaaten beziffert den weltweiten Abstand zwischen Lebenserwartung und gesunder Lebenserwartung für das Jahr 2019 auf durchschnittlich 9,6 Jahre. Am größten war er in den USA mit 12,4 Jahren [2]. Diese Jahre verbringen Menschen im Durchschnitt mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Demenz oder eingeschränkter Beweglichkeit.

Genau diese Spanne ist das Ziel der Longevity-Forschung. Nicht die Verschiebung des Rekords, sondern die Verkürzung der kranken Jahre am Ende. In der Fachsprache heißt das „compression of morbidity“, also Verdichtung der Krankheitslast auf einen kürzeren Abschnitt.

Die drei Kernaspekte

Wer sich durch deutsche und englische Longevity-Texte liest, findet unter sehr verschiedenen Oberflächen immer wieder dieselben drei Aussagen.

Gesundheitsspanne vor Lebensdauer. Das erklärte Ziel ist nicht das Maximum an Jahren, sondern das Maximum an funktionsfähigen Jahren. Der Begriff hat allerdings eine bekannte Schwäche. Matt Kaeberlein hat 2018 dargelegt, dass es bis heute keine einheitliche, allgemein akzeptierte Messgröße für die Gesundheitsspanne gibt, was den Vergleich von Studien erschwert [1]. Sorgfältige Texte nennen deshalb die Definition, mit der sie arbeiten.

Lebensstil schlägt Genetik. Die klassische dänische Zwillingsstudie mit 2.872 Zwillingspaaren schätzte die Erblichkeit der Lebensspanne auf 0,26 bei Männern und 0,23 bei Frauen, also etwa ein Viertel [3]. Eine deutlich größere Stammbaumanalyse von 2018 korrigierte diesen Wert nach unten: Sobald man berücksichtigt, dass Menschen häufig ähnliche Partner wählen, sinkt die geschätzte Erblichkeit auf deutlich unter 10 Prozent [4]. Eine Arbeit von 2026 dreht die Perspektive noch einmal. Rechnet man äußere Todesursachen wie Unfälle und Infektionen heraus, liegt die Erblichkeit der rein intrinsischen Lebensspanne bei rund 50 Prozent [5]. Die Bandbreite ist groß, die praktische Schlussfolgerung bleibt trotzdem stabil: Ein erheblicher Teil der Unterschiede geht auf Verhalten und Umwelt zurück. Wie groß dieser Teil sein kann, zeigt eine US-Kohortenstudie mit mehr als 120.000 Teilnehmenden. Wer fünf risikoarme Faktoren kombinierte, hatte ab dem 50. Lebensjahr eine höhere Lebenserwartung als Menschen ohne einen einzigen davon: bei Frauen 14,0 Jahre mehr, bei Männern 12,2 [13]. Die fünf Faktoren waren lebenslanges Nichtrauchen, normales Körpergewicht, regelmäßige Bewegung, moderater Alkoholkonsum und hohe Ernährungsqualität.

Evidenz statt Hype. Der wissenschaftliche Bezugsrahmen sind die zwölf Hallmarks of Aging, zuletzt 2023 in Cell aktualisiert [6]. Sie beschreiben verknüpfte Prozesse von DNA-Schäden über Telomere und Zellalterung bis zu Mitochondrien und chronischer Entzündung. Gleichzeitig mahnt die Demografie zur Nüchternheit. Die Analyse von Olshansky und Kollegen zeigt, dass sich der Anstieg der Lebenserwartung in den langlebigsten Ländern seit 1990 verlangsamt hat und radikale Lebensverlängerung im 21. Jahrhundert daher unwahrscheinlich ist [7]. Beides gehört zusammen: ein klares Forschungsprogramm ohne Heilsversprechen.

Die sechs Säulen im Überblick

Wir gliedern die Evidenz in sechs Säulen: Bewegung, Ernährung, Schlaf, soziale Kontakte, Stressmanagement sowie Prävention und Vorsorge. Verschiedene Quellen zählen 3 bis 9 Säulen, von einer knappen Dreiteilung bis zu den Power 9 aus der Blue-Zones-Literatur. Die Zahl ist eine Gliederungsfrage, keine Naturkonstante. Sechs sind es bei uns, weil sich für genau diese sechs Verhaltensfelder jeweils eigene große Kohorten- oder Meta-Analysen anführen lassen. Die Reihenfolge folgt der Stärke der Datenlage, nicht einer Rangfolge für den Alltag.

Was in keiner der Aufzählungen auftaucht, sind einzelne Präparate: Die Säulen beschreiben Verhaltensfelder, keine Produkte. Jede Säule hat eine eigene Zahlenbasis, von der kardiorespiratorischen Fitness über die Schlafdauer bis zu sozialen Beziehungen. Die 6 Säulen im Detail nimmt jede einzeln auseinander, mit den Studien, den Effektgrößen und den Grenzen der jeweiligen Datenlage.

Biologisches vs. chronologisches Alter

Das chronologische Alter zählt Geburtstage. Das biologische Alter versucht zu schätzen, wie weit der Alterungsprozess im Körper tatsächlich fortgeschritten ist. Die bekannteste Methode sind epigenetische Uhren. Steve Horvath zeigte 2013, dass sich das Alter aus dem Methylierungsmuster der DNA über viele Gewebe hinweg erstaunlich genau schätzen lässt [14]. Seither sind zahlreiche weitere Uhren hinzugekommen, die unterschiedlich stark auf Gesundheitsverläufe reagieren und untereinander nicht austauschbar sind.

Für den Alltag heißt das: Ein einzelner Wert ist eine Schätzung, kein Befund. Was hinter den Verfahren steckt, steht im Guide zum biologischen Alter. Wer es ausprobieren möchte, findet bei uns den kostenlosen Alterstest sowie die fotobasierte Gesichtsalter-Schätzung. Beide dienen dem Bildungszweck, liefern eine Schätzung und ersetzen keine ärztliche Untersuchung.

Blue Zones und was daraus wirklich folgt

Blue Zones heißen fünf Regionen, in denen auffällig viele Menschen sehr alt werden: Okinawa in Japan, die Barbagia auf Sardinien, Ikaria in Griechenland, die Halbinsel Nicoya in Costa Rica sowie Loma Linda in Kalifornien. Die daraus abgeleiteten Gemeinsamkeiten klingen vertraut: viel Alltagsbewegung, überwiegend pflanzliche Kost, enge soziale Bindung, ein Grund zum Aufstehen.

Seit einigen Jahren steht die Datengrundlage in der Kritik. Der Demograf Saul Justin Newman hat gezeigt, dass Regionen mit besonders vielen dokumentierten Hochaltrigen auffällig oft mit lückenhafter Geburtenregistrierung, hoher Armut sowie kurzer durchschnittlicher Lebenserwartung zusammenfallen. Sein Erklärungsvorschlag: In den USA sagt vor allem eine fehlende Geburtsregistrierung diese Rekorde vorher, in Großbritannien, Italien, Japan und Frankreich eher regionale Armut. Dazu häufen sich die angegebenen Geburtstage auffällig auf dem Ersten des Monats und auf durch fünf teilbaren Tagen [15]. Die Arbeit ist ein Preprint und blieb nicht unwidersprochen, sie hat die Debatte aber verschoben.

Was bleibt, ist unspektakulärer und trotzdem brauchbar. Die beschriebenen Lebensstilmuster decken sich weitgehend mit dem, was große Kohortenstudien unabhängig von den Blue Zones zeigen [13]. Vorsicht verdienen die Rekordzahlen selbst, nicht die Muster. Den ganzen Fall behandelt der Blue-Zones-Guide.

Was Longevity nicht ist

Der Begriff wird stark vermarktet, deshalb lohnt sich die Abgrenzung nach drei Seiten.

Kein Nahrungsergänzungsprogramm. Der sichtbarste Teil des Longevity-Marktes besteht aus Kapseln. Für die meisten dieser Präparate liegen keine Daten zur Wirkung auf die Lebensspanne des Menschen vor, sondern Zellversuche, Tierversuche sowie kurze Studien zu Surrogatmarkern. Eine Übersicht in Nature Reviews Drug Discovery ordnet den Stand der Wirkstoffsuche ein. Kandidaten wie Rapamycin, Metformin oder NAD-Vorstufen sind wissenschaftlich interessant, für gesunde Menschen ist aber keiner davon durch Endpunktstudien belegt [16]. Was zu einzelnen Substanzen bekannt ist, steht in NMN in Deutschland sowie in Rapamycin in Deutschland.

Keine Anti-Aging-Kosmetik. Anti-Aging beschreibt im Handel meist das Aussehen, also Haut, Falten, Haare. Longevity beschreibt Funktion: Herz-Kreislauf-System, Stoffwechsel, Muskulatur, Kognition. Die Begriffe überschneiden sich im Marketing, nicht in der Forschung.

Kein Protokoll von Bryan Johnson. Der US-Unternehmer Bryan Johnson dokumentiert seit 2021 ein umfangreiches Selbstversuchsprogramm und hat das Thema im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht. Ein Einzelfall ohne Kontrollgruppe ist allerdings kein Studiendesign, aus dem sich allgemeine Aussagen ableiten lassen. Als Medienphänomen ist das Projekt relevant, als Evidenz nicht.

Woran sich unbelegte Versprechen erkennen lassen, sammelt der Guide zu Longevity und Pseudowissenschaft.

Was ist Longevity-Medizin und was eine Longevity-Therapie?

Longevity-Medizin ist kein geschützter Begriff und keine anerkannte Facharztbezeichnung. In der Praxis beschreibt das Wort ein Angebot: Kliniken und Praxen, die ausführliche Diagnostik, Laborpanels, Bildgebung sowie Lebensstilberatung bündeln, meist als Selbstzahlerleistung.

Eine Longevity-Therapie im engeren Sinn gibt es nicht. Was unter diesem Etikett angeboten wird, zerfällt in drei Gruppen. Erstens etablierte Prävention, die es auch in der Regelversorgung gibt: Blutdruck, Blutfette, Blutzucker, Impfstatus, Krebsfrüherkennung. Zweitens Diagnostik, für die bei Beschwerdefreien kein Nutzennachweis vorliegt. Drittens experimentelle Ansätze, von Infusionen bis zur Off-Label-Verordnung von Medikamenten, deren Nutzen-Risiko-Verhältnis bei gesunden Menschen nicht geklärt ist [16].

Der belegte Kern ist unspektakulär. Die ursächliche Rolle von LDL-Cholesterin bei der Atherosklerose gilt im Fachkonsens als gesichert, gestützt auf genetische, epidemiologische sowie randomisierte Evidenz [12]. Der Zusammenhang von Fitness und Sterblichkeit ist ebenfalls gut dokumentiert [9]. Beides ist Standardmedizin, nicht Longevity-Medizin.

Dieser Abschnitt beschreibt nur, wie der Markt aufgebaut ist. Eine Empfehlung für einzelne Leistungen ist damit ausdrücklich nicht verbunden. Welche Angebote in Deutschland typischerweise privat abgerechnet werden, steht in Selbstzahler-Longevity. Die Abgrenzung zu heilpraktischen Angeboten behandelt Heilpraktiker und Longevity.

Wie du anfängst, ohne etwas zu kaufen

Longevity hat ein Preisproblem. Der sichtbare Teil des Feldes besteht aus Tests, Kapseln sowie Abonnements. Der belegte Teil ist weitgehend kostenlos. Drei Wege, die nichts kosten:

Treffen. In München sowie weiteren Städten gibt es regelmäßige Meetups, bei denen Forschende, Ärztinnen und Ärzte sowie Interessierte zusammenkommen. Der Eintritt ist frei. Eine Übersicht aller Städte findest du unter Chapter. Angesichts der Datenlage zu sozialen Beziehungen ist das die Säule mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Evidenz [11].

Rechnen. Unsere Tools sind kostenlos und ohne Konto nutzbar, vom Kalorienbedarf über die VO2max-Schätzung bis zur Griffkraft. Sie ersetzen keine Diagnostik, ordnen eigene Werte aber ein.

Vorsorge nutzen. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt in Deutschland den Gesundheits-Check-up ab 35 Jahren, der unter anderem Blutdruck, Blutfette sowie Nüchternblutzucker umfasst [18]. Das deckt einen Teil der sechsten Säule bereits ab. Was darüber hinaus sinnvoll ist, besprichst du am besten ärztlich.

Wenn du nur eine Sache mitnimmst: Der größte Unterschied zwischen den Menschen in den großen Kohortenstudien lag nicht in einem Präparat, sondern in wenigen Gewohnheiten, die über Jahrzehnte durchgehalten wurden [13].

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Longevity?

Longevity ist das englische Wort für Langlebigkeit. Im heutigen Sprachgebrauch meint es mehr als viele Jahre: Im Zentrum steht die Gesundheitsspanne, also die Zeit ohne schwere chronische Krankheit. Sprachlich führt die Spur ins Lateinische, zu longus für lang und aevum für Lebenszeit. Der Begriff bündelt Alternsforschung und Prävention und beschreibt kein Behandlungsverfahren.

Was steckt hinter Longevity?

Hinter Longevity steht die Idee, die Gesundheitsspanne zu verlängern statt nur die Lebensspanne. Das Feld verbindet Alternsforschung mit Prävention. Es untersucht, welche biologischen Prozesse das Altern treiben und welche Verhaltensfaktoren mit weniger Krankheit im Alter verbunden sind. Der wissenschaftliche Bezugsrahmen sind die zwölf Hallmarks of Aging in ihrer Fassung von 2023.

Wie viele Säulen der Longevity gibt es?

Je nach Quelle sind es 3 bis 9. Die Zahl ist eine Frage der Gliederung, keine Naturkonstante. Wir nutzen sechs, weil sich für genau diese Verhaltensfelder jeweils eigene große Kohorten- oder Meta-Analysen anführen lassen: Bewegung, Ernährung, Schlaf, soziale Kontakte, Stressmanagement sowie Prävention und Vorsorge. Jede einzeln aufgeschlüsselt findest du in [Die 6 Säulen im Detail](/de/guide/longevity-saeulen).

Was ist Longevity Ernährung?

Als Longevity-Ernährung wird meist ein überwiegend pflanzliches Muster bezeichnet: viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn und Nüsse, dazu Fisch, wenig verarbeitetes Fleisch sowie wenig gezuckerte Getränke. Eine Modellrechnung schätzt für einen dauerhaften Wechsel ab dem 20. Lebensjahr rund 10 bis 13 zusätzliche Lebensjahre [10]. Das ist eine Modellschätzung, kein gemessener Wert.

Was ist eine Longevity-Therapie?

Einen definierten Behandlungspfad mit diesem Namen gibt es nicht. Der Begriff bündelt Angebote von etablierter Vorsorge über ausgedehnte Diagnostik bis zu experimentellen Verfahren, meist als Selbstzahlerleistung. Der wissenschaftlich belegte Anteil entspricht weitgehend normaler Prävention. Bei allem, was darüber hinausgeht, ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis für gesunde Menschen nicht geklärt.

Was heißt Longevity auf Deutsch?

Longevity heißt auf Deutsch Langlebigkeit. Das Wort stammt aus dem Lateinischen, von longus für lang und aevum für Lebenszeit, über longaevus und das spätlateinische longaevitas. Im heutigen Sprachgebrauch meint Longevity allerdings mehr als eine lange Dauer. Es schließt die Gesundheitsspanne ein, also die Jahre ohne schwere chronische Krankheit. Genau diese Zusatzbedeutung fehlt dem deutschen Wort.

Wie spricht man Longevity aus?

Die Aussprache folgt dem Englischen: [lɒnˈdʒɛvᵻti], auf Deutsch etwa lon-DSCHE-wi-ti. Die Betonung liegt auf der zweiten Silbe. Der Anfangslaut der zweiten Silbe ist ein weiches Dsch wie in Journalist, kein hartes G. Im deutschen Satz wird Longevity als Substantiv großgeschrieben.

Ist Longevity nur ein Trend?

Das Wort ist ein Trend, der Gegenstand nicht. Alternsforschung gibt es seit Jahrzehnten, die Daten zu Bewegung, Ernährung, Schlaf sowie sozialen Beziehungen stammen aus großen Kohorten- und Meta-Analysen. Trend ist vor allem die Vermarktung mit Kapseln, Tests sowie Kliniken. Die Unterscheidung zwischen Forschungsfeld und Markt lohnt sich.

Was ist der Unterschied zwischen Longevity und Anti-Aging?

Anti-Aging zielt im Handel meist auf das Aussehen, also Haut, Falten, Haare. Longevity zielt auf Funktion: Herz-Kreislauf-System, Stoffwechsel, Muskulatur, Kognition. Der zweite Unterschied liegt im Anspruch. Longevity-Forschung arbeitet mit Endpunkten wie Sterblichkeit oder Krankheitsfreiheit, während Anti-Aging-Werbung häufig ohne solche Endpunkte auskommt.

Was heißt Healthspan auf Deutsch?

Healthspan heißt Gesundheitsspanne: die Jahre, die du ohne schwere chronische Erkrankung und ohne dauerhafte Einschränkung lebst. Lifespan ist die Lebensspanne, also die reine Zahl der Jahre. Longevity zielt darauf, die Lücke zwischen beiden zu schließen, nicht nur die Lebensspanne zu verlängern. Wie groß diese Lücke in Deutschland ist und woran sie sich messen lässt, steht im Abschnitt Gesundheitsspanne und Lebensspanne.

Quellen

  1. Kaeberlein M. (2018). How healthy is the healthspan concept?. GeroSciencedoi:10.1007/s11357-018-0036-9
  2. Garmany A, Terzic A. (2024). Global Healthspan-Lifespan Gaps Among 183 World Health Organization Member States. JAMA Network Opendoi:10.1001/jamanetworkopen.2024.50241
  3. Herskind AM, McGue M, Holm NV, Sørensen TI, Harvald B, Vaupel JW. (1996). The Heritability of Human Longevity: A Population-Based Study of 2872 Danish Twin Pairs Born 1870-1900. Human Geneticsdoi:10.1007/BF02185763
  4. Ruby JG, Wright KM, Rand KA, et al.. (2018). Estimates of the Heritability of Human Longevity Are Substantially Inflated due to Assortative Mating. Geneticsdoi:10.1534/genetics.118.301613
  5. Shenhar B, Pridham G, De Oliveira TL, et al.. (2026). Heritability of intrinsic human life span is about 50% when confounding factors are addressed. Sciencedoi:10.1126/science.adz1187
  6. López-Otín C, Blasco MA, Partridge L, Serrano M, Kroemer G. (2023). Hallmarks of aging: An expanding universe. Celldoi:10.1016/j.cell.2022.11.001
  7. Olshansky SJ, Willcox BJ, Demetrius L, Beltrán-Sánchez H. (2024). Implausibility of radical life extension in humans in the twenty-first century. Nature Agingdoi:10.1038/s43587-024-00702-3
  8. Dong X, Milholland B, Vijg J. (2016). Evidence for a limit to human lifespan. Naturedoi:10.1038/nature19793
  9. Mandsager K, Harb S, Cremer P, Phelan D, Nissen SE, Jaber W. (2018). Association of Cardiorespiratory Fitness With Long-term Mortality Among Adults Undergoing Exercise Treadmill Testing. JAMA Network Opendoi:10.1001/jamanetworkopen.2018.3605
  10. Fadnes LT, Økland JM, Haaland ØA, Johansson KA. (2022). Estimating impact of food choices on life expectancy: A modeling study. PLOS Medicinedoi:10.1371/journal.pmed.1003889
  11. Holt-Lunstad J, Smith TB, Layton JB. (2010). Social Relationships and Mortality Risk: A Meta-analytic Review. PLoS Medicinedoi:10.1371/journal.pmed.1000316
  12. Ference BA, Ginsberg HN, Graham I, et al.. (2017). Low-density lipoproteins cause atherosclerotic cardiovascular disease. 1. Evidence from genetic, epidemiologic, and clinical studies. European Heart Journaldoi:10.1093/eurheartj/ehx144
  13. Li Y, Pan A, Wang DD, et al.. (2018). Impact of Healthy Lifestyle Factors on Life Expectancies in the US Population. Circulationdoi:10.1161/CIRCULATIONAHA.117.032047
  14. Horvath S. (2013). DNA methylation age of human tissues and cell types. Genome Biologydoi:10.1186/gb-2013-14-10-r115
  15. Newman SJ. (2019). Supercentenarian and remarkable age records exhibit patterns indicative of clerical errors and pension fraud. bioRxiv (Preprint)doi:10.1101/704080
  16. Partridge L, Fuentealba M, Kennedy BK. (2020). The quest to slow ageing through drug discovery. Nature Reviews Drug Discoverydoi:10.1038/s41573-020-0067-7
  17. Robine JM, Allard M. (1998). The oldest human. Sciencedoi:10.1126/science.279.5358.1831h
  18. Gemeinsamer Bundesausschuss. (2020). Richtlinie über die Gesundheitsuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten (Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie). Gemeinsamer Bundesausschuss
  19. Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. 236 vom 7. Juli 2026. (2026). Lebenserwartung bei Geburt für Frauen und Männer im Jahr 2025 auf neue Höchstwerte gestiegen. Statistisches Bundesamt
  20. Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. N052 vom 29. September 2025. (2025). 17.900 mindestens Hundertjährige lebten Ende 2024 in Deutschland. Statistisches Bundesamt

Wie alt schätzt ein Modell dich?

Kostenlose fotobasierte Schätzung zum Bildungszweck. Kein medizinischer Test und weniger präzise als Laborverfahren.

Foto-Schätzung ausprobieren

Experten auf diesem Gebiet

Speaker aus der Longevity Cities Community zu diesem Thema

Verwandte Ratgeber

Erstellt von Maurice Lichtenberg, Gründer, Longevity Cities

Die hier bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich Bildungszwecken. Longevity Cities bietet keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Suche bei Fragen zu medizinischen Zuständen immer den Rat qualifizierter Gesundheitsdienstleister.