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Therapeutika

Nicotinamid (NAM)

ENNicotinamide (NAM)

Nicotinamid (NAM, auch Niacinamid) ist die Amidform des Vitamins B3 und ein direkter Vorläufer in der NAD+-Biosynthese über das Salvage-Pathway-Enzym NAMPT. Es unterscheidet sich biochemisch von den NAD+-Vorstufen Nicotinamidmononukleotid (NMN) und Nicotinamidribosid (NR): Während NR und NMN im Salvage-Weg noch vor dem NAMPT-Eintrittspunkt liegen, ist NAM das gemeinsame Endprodukt des NAD+-Verbrauchs durch Sirtuine, PARPs und CD38, weshalb eine intrazelluläre NAM-Akkumulation bei hohen Konzentrationen ein Feedback-Inhibitor von SIRT1 und anderen Sirtuinen ist. Diese Doppelrolle, sowohl Vorläufer als auch Sirtuin-Inhibitor, erschwert die Interpretation von Supplementierungsstudien und grenzt NAM mechanistisch von NR/NMN ab. NAM besitzt etablierte medizinische Anwendungen: Topisches Niacinamid wird verbreitet bei Akne und zur Stärkung der Hautbarriere eingesetzt, und orales hochdosiertes Nicotinamid (500 mg zweimal täglich) senkte in einer randomisierten Studie an immunkompetenten Hochrisiko-Erwachsenen (Chen et al., 2015, NEJM) die Rate aktinischer Keratosen und nicht-melanozytärer Hautkrebserkrankungen; eine Folgestudie an Empfängern solider Organtransplantate (ONTRANS; Allen et al., NEJM 2023) zeigte jedoch keine Reduktion von Keratinozytenkarzinomen oder aktinischen Keratosen, sodass die Verallgemeinerbarkeit des ONTRAC-Befunds auf die Hochrisiko-Transplantatpopulation offen bleibt. Der Einsatz als systemisches Longevity-Supplement ist experimentell, und der Nettoeffekt auf sirtuin-abhängige Prozesse bei supplementierten Dosen ist beim Menschen nicht etabliert.

Quellen

  1. Chen AC, Martin AJ, Choy B et al.. (2015). A Phase 3 Randomized Trial of Nicotinamide for Skin-Cancer Chemoprevention. *New England Journal of Medicine*doi:10.1056/NEJMoa1506197
  2. Allen NC, Martin AJ, Snaidr VA, et al.. (2023). Nicotinamide for Skin-Cancer Chemoprevention in Transplant Recipients. *New England Journal of Medicine*doi:10.1056/NEJMoa2203086