Magnesium-Formen im Vergleich: Glycinat, Citrat, Threonat, Oxid
Das eine beste Magnesium gibt es nicht: Welche Form passt, hängt von deinem Ziel und deinem Darm ab. Die Unterschiede zwischen den Formen sind kleiner, als die Werbung vor allem für Threonat verspricht.
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Kurz erklärt
Magnesium bietet dir mehrere gute Optionen, und welche Form passt, hängt von deinem Ziel und deinem Darm ab. Für den Schlaf ist Bisglycinat ein vernünftiger erster Versuch, weil es in einer Studie gut verträglich war und Schlafprobleme leicht linderte, auch wenn die Schlafdaten insgesamt wenig belastbar sind.[18, 25] Citrat wurde im wichtigsten Direktvergleich am besten aufgenommen,[1] Oxid schlechter, hebt den Blutspiegel aber trotzdem,[23] und Threonat ist die experimentelle Wahl fürs Gehirn: Es besteht nur zu etwa 8 Prozent aus Magnesium und stützt sich bisher auf kleine, herstellernahe Studien.[17, 4] Hochdosiertes Magnesium kann Migräne vorbeugen,[8, 9] bei Wadenkrämpfen und Angst ist der Nutzen bisher schwach belegt.[6, 10]
Diese Inhalte dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere immer einen qualifizierten Arzt, bevor du Änderungen an deiner Ernährung, deinem Trainingsprogramm oder deiner Nahrungsergänzung vornimmst.
Welche Magnesium-Form ist die beste? Glycinat, Citrat, Threonat und Oxid im Vergleich
Jede Magnesium-Form hat ihre Stärken, und welche zu dir passt, hängt von deinem Ziel und von deinem Darm ab. Grundsätzlich nimmt dein Körper Magnesium aus allen zugelassenen Verbindungen auf. Laut Verbraucherzentrale ist der Unterschied zwischen organischen Formen wie Citrat und anorganischen wie Oxid in der Praxis kaum relevant.[22] Trotzdem unterscheiden sich die Formen in drei Punkten: wie gut sie aufgenommen werden, wie stark sie den Stuhl lockern und wie gut ihre Werbeversprechen belegt sind.
Vor der Wahl der Form steht die Frage, ob ein Präparat bei dir eine Lücke schließt. Die Grundlage liefert dein Essen: Bei üblicher Ernährung ist ein Magnesiummangel selten,[21] und typische Erwachsene in Deutschland essen schon ungefähr so viel, wie die Referenzwerte vorsehen.[19] Ob du zu einer Gruppe mit höherem Mangelrisiko gehörst, erklärt der Abschnitt zur Dosis.
Hast du einen Grund zum Auffüllen, zeigt die Tabelle, wofür die vier gängigen Formen taugen und wie gut das jeweils belegt ist. Bisglycinat heißt auf vielen Dosen auch Glycinat, Threonat wird meist unter dem Namen Magtein verkauft. Andere Formen wie Malat werden oft als gut aufgenommen beworben, manchmal für Energie oder Muskeln, sind aber weniger gezielt untersucht als diese vier.
| Form | Aufnahme | Darmverträglichkeit | Passt für (Studienlage) |
|---|---|---|---|
| Bisglycinat | Wahrscheinlich gut, aber kaum direkte Daten; das „Aminosäure-Chelat“ im wichtigsten Direktvergleich war nicht als Bisglycinat benannt.[1] | In seiner Schlafstudie gut vertragen[18] | Erster Versuch für den Schlaf (eine Studie, kleiner Effekt[18]) |
| Citrat | Am besten im wichtigsten Direktvergleich[1] | Kann den Stuhl lockern, wird auch als Abführmittel genutzt[32] | Auffüllen, wenn dir eine leicht abführende Wirkung recht ist (Migräne-Studien nutzten Dicitrat[15]) |
| Oxid | Schwächer; hob den Blutspiegel in einer 24-Wochen-Studie trotzdem[23] | Kann den Stuhl lockern, wird auch als Abführmittel genutzt[19] | Kleines Budget, gelegentliche Verstopfung |
| Threonat (Magtein) | Bioverfügbar, aber nur etwa 8 % Magnesium nach Gewicht[17] | In Studien gut vertragen[4] | Experiment fürs Gehirn (kleine, herstellernahe Studien[4, 13, 16]) |
Legt man sich auf eine Reihenfolge fest, steht für den Schlaf Bisglycinat vorn und zum einfachen Auffüllen Citrat. Oxid ist schwächer, aber kein Fehlkauf, und Threonat ist die Wahl für Neugierige, die ein Experiment wagen wollen, denn sein Gehirn-Versprechen beruht bisher vor allem auf Ratten-Studien[3] Die meiste Werbung hängt allerdings an der Aufnahme, also daran, wie viel Magnesium aus der Kapsel tatsächlich in deinem Blut ankommt.
Aufnahme: Citrat liegt vorn, Oxid ist besser als sein Ruf
Im wichtigsten Direktvergleich der Magnesium-Formen wurde Citrat am besten aufgenommen, Oxid am schlechtesten. Diese Studie gab 46 gesunden Menschen 60 Tage lang täglich 300 mg elementares Magnesium als Citrat, als Aminosäure-Chelat oder als Oxid.[1] Eine Vergleichsgruppe bekam ein Scheinpräparat (Placebo). Die höchsten Magnesiumwerte im Blut und im Speichel erzeugte Citrat. Citrat und Chelat brachten außerdem mehr Magnesium in den Urin als Oxid, ein Zeichen dafür, dass mehr davon im Körper angekommen war. Bei Oxid dagegen unterschieden sich die gemessenen Werte nicht von Placebo.[1]
Über Bisglycinat sagt diese Studie allerdings weniger, als oft behauptet wird, denn ihr Aminosäure-Chelat war nicht als Bisglycinat benannt.[1] Ein Chelat ist eine Verbindung, in der ein Molekül das Magnesium an zwei oder mehr Stellen festhält, bei Bisglycinat die Aminosäure Glycin. Direkte Aufnahmedaten zu Bisglycinat bei gesunden Menschen gibt es kaum, und ob die feste Bindung die Aufnahme verbessert, muss jedes Produkt erst zeigen.
Zu Oxid kursiert dagegen eine Zahl, die schlecht klingt: nur etwa 4 Prozent Aufnahme. Diese Schätzung stammt aus einer US-Studie und gilt für die dort getestete Oxid-Tablette, nicht als fester Wert für jedes Oxid.[2] Abgeleitet wurde sie daraus, wie viel zusätzliches Magnesium im Urin auftauchte.[2] In derselben Studie schnitten Chlorid, Lactat und Aspartat deutlich besser und untereinander gleich gut ab.[2] Weil Chlorid genauso anorganisch ist wie Oxid, bedeutet „anorganisch“ allein also noch keine schlechte Aufnahme.[2]
Eine spätere, längere Studie zeigt, dass Oxid den Spiegel trotzdem anhebt. Über 24 Wochen erhöhte Oxid mit 450 mg pro Tag das Magnesium im Blut etwa so stark wie Citrat.[23] Im Urin landete unter Citrat allerdings mehr Magnesium.[23] Ein systematisches Review, also eine Auswertung aller passenden Studien, kommt zu einem ähnlichen Bild.[12] Anorganische Formen sind demnach etwas schlechter verfügbar, und wie viel du aufnimmst, hängt auch von der Dosis ab.[12] Beruhigend ist: Bei Gesunden ohne Mangel hält laut diesem Review jedes Magnesium-Präparat den Blutspiegel im Normalbereich. Für ältere Menschen, Kranke und Menschen mit niedrigem Spiegel lässt sich das nach Angabe der Autoren aber nicht einfach annehmen.[12]
Für gesunde Menschen zählt die Verträglichkeit deshalb mehr als der letzte Prozentpunkt Aufnahme. Oxid wird schlechter aufgenommen, füllt mit der Zeit aber trotzdem auf. Es wirkt außerdem als osmotisches Abführmittel, denn Magnesium, das im Darm bleibt, zieht Wasser an und lockert den Stuhl.[19] Hat dir eine Ärztin oder ein Arzt Oxid gegen einen niedrigen Magnesiumspiegel verschrieben, nimm es weiter und sprich die Form beim nächsten Termin an, statt selbst zu wechseln.
Wer Oxid regelmäßig und hoch dosiert nimmt, sollte allerdings seine Nieren im Blick haben. In einer japanischen Studie entwickelten 23 Prozent der 320 Klinikpatienten unter verschriebenem Oxid zu hohe Magnesiumwerte im Blut.[20] Diese Patienten waren keine typischen Supplement-Nutzer, deshalb lässt sich der Anteil nicht auf gesunde Menschen übertragen. Das Risiko stieg mit schwacher Nierenfunktion, mit Dosen ab 1.650 mg Magnesiumoxid pro Tag und mit einer Einnahme über mehr als etwa fünf Wochen.[20] Erhöhte Werte sind bei älteren Menschen ohnehin häufiger, sodass du eine Dauereinnahme vorher ärztlich abklären solltest.[20]
Die passende Form für Schlaf, Verstopfung, Krämpfe oder Stress
Für den Schlaf ist Bisglycinat ein vernünftiger erster Versuch, bei Verstopfung passen Citrat oder Oxid, und fürs einfache Auffüllen zählt vor allem, was du verträgst; gegen Krämpfe oder Stress hilft bisher keine Form verlässlich.[6, 10, 18] Diese Zuordnung folgt vor allem der Verträglichkeit und dem Ziel, nicht einem belegten Vorsprung einer Form bei der Wirkung.
Für den Schlaf: Bisglycinat. Eine Studie an der Leibniz Universität Hannover gab 155 Erwachsenen mit schlechtem Schlaf vier Wochen lang täglich 250 mg Magnesium als Bisglycinat.[18] Ihre Werte in einem Fragebogen zur Schlaflosigkeit sanken etwas stärker als unter Placebo, ein kleiner Effekt, der gerade noch über dem Zufall lag.[18] Magen-Darm-Beschwerden traten nicht häufiger auf als unter Placebo, und auf den empfundenen Stress hatte Bisglycinat keinen Effekt.[18] Eine Zusatzauswertung deutet an, dass Menschen mit wenig Magnesium im Essen mehr profitierten, gesichert ist das nicht.[18] Ist Schlaf dein eigentliches Ziel, deckt unser Guide zu tiefem Schlaf die Gewohnheiten ab, die am meisten bewegen; Magnesium kommt als kleines Extra obendrauf.
Bei Verstopfung: Citrat oder Oxid. Beide Formen lockern den Stuhl und werden als Abführmittel genutzt, wobei Citrat im Direktvergleich besser aufgenommen wurde.[1] Welche Form dich stärker abführt, lässt sich nicht pauschal sagen, weil die Studien in verschiedene Richtungen zeigen. Bei gleicher Dosis berichteten Menschen unter Oxid weniger Darmbeschwerden als unter Citrat.[23] In einer kleinen Studie nach Darmoperationen wurde dagegen ein Glycin-Chelat besser vertragen als Oxid.[31] Citrat ist eine vernünftige Wahl, wenn dir neben dem Auffüllen ein leicht abführender Effekt recht ist, Oxid, wenn es vor allem günstig sein soll.
Als Abführmittel gehört Magnesium allerdings nur in gelegentliche Einsätze. Frag eine Ärztin oder einen Arzt, wenn du länger als eine Woche ein Abführmittel brauchst oder Blut bemerkst.[32] Dasselbe gilt, wenn sich dein Stuhlgang plötzlich ändert und zwei Wochen so bleibt.[32]
Gegen Krämpfe und Stress: keine Form mit verlässlichem Nutzen. Für nächtliche Wadenkrämpfe fand das Cochrane-Review, eine systematische Auswertung der vorhandenen Studien, keinen relevanten Nutzen von Magnesium.[6] Auch für Angst und Stress ist die Datenlage schwach,[10] sodass du bei diesen Zielen einfach nach Verträglichkeit wählen kannst, statt nach einer bestimmten Form zu suchen.
Fürs Gehirn oder Gedächtnis: Threonat, als Experiment. Threonat ist die Form für alle, die neugierig auf Effekte bei Denken, Gedächtnis und Schlaf sind. Die Studien am Menschen sind bisher klein, und hinter jeder steht eine Firma, die mit dem Produkt verbunden ist.[4, 13, 16] Wer es probieren will, behandelt es deshalb am besten als Experiment und nicht als belegte Wirkung.
Ohne besonderes Ziel: Bisglycinat oder Citrat. Willst du eine eher niedrige Zufuhr anheben, sind beide Formen eine gute Wahl, und entscheidend ist, welche du verträgst. Beim Kauf zählt dann das elementare Magnesium pro Tagesdosis auf dem Etikett, nicht das Gewicht der ganzen Verbindung. Die beiden Zahlen können weit auseinanderliegen, bei Threonat um mehr als das Zehnfache.[17]
Nimmst du andere Medikamente, achte außerdem auf den zeitlichen Abstand. Magnesium kann die Aufnahme mancher Mittel verringern, darunter Tetracyclin- und Fluorchinolon-Antibiotika und Bisphosphonate gegen Osteoporose.[24] Wie viel Abstand nötig ist, hängt vom Medikament ab: Das Etikett eines Magnesium-Abführmittels rät zu mindestens 2 Stunden in beide Richtungen.[32] Beim Antibiotikum Ciprofloxacin rät die Fachinformation dagegen, es 2 Stunden vor oder 6 Stunden nach magnesiumhaltigen Antazida einzunehmen, also nach Mitteln gegen Magensäure.[33] Richte dich deshalb nach dem Beipackzettel deines Medikaments und frag in der Apotheke, wenn du unsicher bist.
Magnesium-Threonat vs. Glycinat: Lohnt sich Magtein?
Threonat ist eine spannende Idee fürs Gehirn, die noch auf starke Belege am Menschen wartet, deshalb kaufst du mit dem Aufpreis für die meisten vorerst ein Experiment und keinen belegten Nutzen. Sein Gehirn-Versprechen beruht vor allem auf Tierversuchen, und die Studien am Menschen sind bisher klein und herstellernah. Die ganze Geschichte, dass Magnesium-L-Threonat das Magnesium im Gehirn anhebt und das Gedächtnis verbessert, stammt aus einer sorgfältigen Studie von 2010, deren Versuchsteilnehmer allerdings Ratten waren.[3] Bei jungen wie alten Tieren stieg das Gehirn-Magnesium, es bildeten sich mehr Verbindungen zwischen Nervenzellen, und das Gedächtnis wurde besser.[3] Das ist eine echte Spur, aber was bei Ratten klappt, belegt noch keinen Nutzen in deinem Kopf.
Eine Studie am Menschen von 2026 fällt deutlich nüchterner aus. Sie gab 100 Erwachsenen, die mit ihrem Schlaf unzufrieden waren, sechs Wochen lang täglich 2 g Threonat.[4] In einem Computertest für die Denkleistung verbesserten sie sich etwas stärker als unter Placebo, ebenso in ihrer eigenen Einschätzung, wie sehr schlechter Schlaf sie tagsüber beeinträchtigte.[4] Beide Ergebnisse lagen nur knapp über dem Zufall, und weil die Studie viele Werte gemessen hat, steigt die Chance auf Zufallstreffer. Bei der Schlafstörung insgesamt und beim Schlaf, den ein Tracking-Ring maß, schnitt Threonat nicht besser ab als Placebo.[4]
Bezahlt hat diese Studie der Hersteller Threotech Inc., der auch das Präparat lieferte.[4] Der Hersteller hat damit ein wirtschaftliches Interesse am Ergebnis, und entsprechend vorsichtig solltest du den Befund einordnen. Bei den früheren Studien ist es ähnlich. Eine Studie von 2024 mit 80 Erwachsenen finanzierte der Zutatenlieferant AIDP, von dem auch die Hälfte der Autoren kam.[16] Sie berichtete bessere Ring-Werte für Tief- und REM-Schlaf,[16] die größere Studie von 2026 beim gemessenen Schlaf dagegen keinen solchen Effekt.[4]
Noch älter ist eine Studie mit 44 älteren Erwachsenen, die einen großen Gewinn bei der Denkleistung berichtete.[13] Drei ihrer fünf Autoren, darunter der Erstautor, arbeiteten allerdings für den Entwickler Neurocentria.[13] Für den Schlaf spricht nach diesen Studien mehr für Bisglycinat als für Threonat, wobei auch dessen Schlafstudie nicht ganz unabhängig ist. Sie lief an einer Universität, doch die Kapseln kamen vom österreichischen Supplement-Hersteller Biogena, und ein Mitautor leitet eine Auftragsforschungsfirma, die für Supplement-Firmen arbeitet.[18]
Neben der Datenlage zählt bei Threonat die Menge, denn es ist ein schwerer Träger. Laut EFSA, der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, stecken in 3.000 mg Magnesium-L-Threonat etwa 250 mg Magnesium, also rund 8 Prozent.[17] Die Studie von 2026 nennt ihre eigene Zahl: 2 g Magtein pro Tag lieferten 145 mg elementares Magnesium.[4] Weil Threonat so wenig Magnesium enthält, schluckst du für jedes Milligramm Magnesium deutlich mehr Pulver.[17]
Sicher ist Threonat nach Einschätzung der EFSA für Erwachsene bis 3 g pro Tag, Schwangere und Stillende sind davon ausgenommen.[17] In der EU ist Magnesium-L-Threonat seit dem 7. November 2024 als neuartiges Lebensmittel für Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, und auf dem Etikett muss stehen, dass es nur für Erwachsene und nicht für Schwangere oder Stillende gedacht ist.[26] Bis November 2029 darf nur der Antragsteller, derselbe Zutatenlieferant AIDP, es auf den EU-Markt bringen, sofern keine andere Firma eine eigene Zulassung erhält.[26] Seit 2025 steht es außerdem auf der EU-Liste der erlaubten Magnesiumquellen für Nahrungsergänzungsmittel (Stand: Oktober 2026).[27] Sicherheitsbewertung und Zulassung machen einen eigenen Versuch für Erwachsene also einfach: Behandle ihn als Experiment mit festem Zeitraum, notier vorher und nachher, wie du schläfst und dich konzentrierst, und erwarte keine Gehirn- oder Schlafeffekte, die die Daten am Menschen bisher nicht hergeben.
Was Studien für Migräne, Blutdruck, Schlaf, Krämpfe und Angst zeigen
Bei der Migräne-Vorbeugung zeigt Magnesium den nützlichsten Effekt, beim Blutdruck einen kleinen und beim Schlaf einen bescheidenen, unsicheren.[8, 28, 7, 29, 25] Für Wadenkrämpfe und Angst ist der Nutzen bisher schwach belegt.[6, 10] Getestet wurden zum Teil Dosen weit über üblichen Präparaten, deshalb steht bei jedem Ziel dabei, was genau in den Studien steckte.
Migräne-Vorbeugung: möglicherweise wirksam. Vorbeugung heißt hier, Magnesium täglich zu nehmen, damit Anfälle seltener werden. Ein Review von 2018 fand nur eine von zwei hochwertigen Studien positiv und stufte Magnesium als „möglicherweise wirksam“ ein.[8] Eine US-Leitlinie der American Academy of Neurology und der American Headache Society hatte es 2012 noch als „wahrscheinlich wirksam“ bewertet. Die AAN hat diese Leitlinie 2015 aber zurückgezogen, wegen Sicherheitsbedenken bei einem anderen Mittel, der Pestwurz, sodass ihre Einstufungen nicht mehr als aktuelle Empfehlung gelten.[28] Eine Metaanalyse, die mehrere Studien gemeinsam auswertet, sah unter Magnesium zum Schlucken seltenere und mildere Anfälle, allerdings aus recht unterschiedlichen Studien.[9]
Getestet wurde dabei meist eine hohe Dosis. Die bekannteste positive Studie gab 600 mg elementares Magnesium pro Tag als Trimagnesiumdicitrat,[15] also mehr als das Doppelte der 250-mg-Grenze für Nahrungsergänzungsmittel.[19] Etwa jede fünfte Person bekam in dieser Studie Durchfall,[15] deshalb planst du diese Dosis am besten gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Blutdruck: ein kleiner Effekt, vor allem bei Bluthochdruck. Eine Auswertung von Studien fand den Blutdruck unter rund 368 mg Magnesium pro Tag um etwa 2 mmHg gesenkt, auf deinem Messgerät also um etwa 2 Punkte.[7] Eine neuere, größere Metaanalyse kam auf einen ähnlichen Durchschnitt, wobei die einzelnen Studien stark voneinander abwichen.[29] Deutlicher war der Effekt bei Menschen mit Bluthochdruck, die schon Medikamente nahmen, und bei Menschen mit niedrigem Magnesiumspiegel; bei normalem Blutdruck war er statistisch nicht gesichert.[29] Bei Bluthochdruck kann Magnesium also eine kleine Ergänzung zur Behandlung sein, aber kein Ersatz dafür. Nimmst du Blutdruckmittel, sag deiner Ärztin oder deinem Arzt Bescheid, bevor du Magnesium dazunimmst.
Schlaf: bescheiden und unsicher. Eine Metaanalyse wertete zwei Studien mit älteren Erwachsenen gemeinsam aus.[5] Die Teilnehmenden schliefen darin etwa 17 Minuten schneller ein als unter Placebo, doch die gesamte Schlafdauer stieg nicht verlässlich.[5] Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz stuften die Autoren als niedrig ein.[5] Beide Studien nutzten Magnesiumoxid mit 500 bis 729 mg elementarem Magnesium pro Tag, also das Zwei- bis Dreifache der Supplement-Grenze, und keine nutzte Bisglycinat.[5, 14] Die 17 Minuten zeigen also einen Effekt hoher Dosen, keinen Vorteil einer bestimmten Form.
Auch für wen dieser Befund gilt, ist begrenzt. Die Metaanalyse umfasste nur ältere Erwachsene und sagt deshalb nichts über Jüngere.[5] Eine ihrer beiden Studien hatte zudem gesunde Freiwillige statt Menschen mit Schlafstörung untersucht.[5] Ein neueres systematisches Review über zwölf Studien bestätigt dieses vorsichtige Bild, denn die Effekte waren dort bescheiden, uneinheitlich und von niedriger bis sehr niedriger Sicherheit.[25] Laut den Autoren stützen die Daten Magnesium deshalb nicht als Routinebehandlung bei Schlaflosigkeit.[25]
Wadenkrämpfe: schwach und widersprüchlich belegt. Das Cochrane-Review von 2020 fand bei älteren Erwachsenen mit nächtlichen oder ursachenlosen Wadenkrämpfen keinen relevanten Nutzen gegenüber Placebo.[6] Seine Literatursuche endete allerdings 2019. Eine spätere Studie mit 175 Erwachsenen und einem bestimmten Oxid-Präparat berichtete etwas weniger nächtliche Krämpfe als unter Placebo, wurde aber erst registriert, als sie schon lief.[30] Die Evidenz ist damit schwach und widersprüchlich, aber nicht abschließend geklärt. Krämpfe in der Schwangerschaft sind eine eigene Frage, weil sich die Studien dort widersprechen.[6]; sprich darüber mit deiner Hebamme, deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Angst und Stress: am schwächsten belegt. Ein Review von 2017 sichtete 18 Studien und fand nur in anfälligen Gruppen einen angedeuteten Nutzen, etwa bei leichter Angst, prämenstruellen Beschwerden oder Bluthochdruck[10] Weil die Autoren die Qualität dieser Evidenz als schlecht einstuften, bleibt dieser Nutzen bisher unsicher.[10]
Wie viel Magnesium brauche ich wirklich und wann sollte ich supplementieren?
Der Referenzwert für Erwachsene liegt bei etwa 300 mg Magnesium pro Tag für Frauen und 350 mg für Männer.[11, 21] Darin sind sich die D-A-CH-Referenzwerte für Deutschland, Österreich und die Schweiz und die EFSA einig. Streng genommen sind das Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr, keine festen Mindestmengen.[21] Laut Nationaler Verzehrsstudie II, deren Daten 2008 erschienen, essen typische Erwachsene in Deutschland schon etwa 330 bis 450 mg pro Tag.[19] Bei üblicher Ernährung ist ein Mangel selten.[21] Gute Lieferanten sind Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, grünes Blattgemüse, Nüsse und Samen sowie Fisch und Meeresfrüchte.[21]
Manche Menschen haben ein höheres Risiko, zu wenig Magnesium zu haben, und für sie ist ein Präparat ein einfacher Gewinn.[22, 24]:
- Langzeiteinnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI, gängige Säureblocker bei Sodbrennen und Reflux)
- regelmäßig viel Alkohol
- Schleifen- oder Thiazid-Diuretika, also entwässernde Medikamente, die oft gegen Bluthochdruck oder bei Herzproblemen verschrieben werden
- Darmerkrankungen, die die Aufnahme stören, etwa chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
- zu häufiger Gebrauch von Abführmitteln
Die Verbraucherzentrale nennt dabei ausdrücklich ältere Menschen, die Entwässerungsmittel nehmen[22] Gehörst du zu einer dieser Gruppen, lass deine Versorgung ärztlich abklären: Dann weißt du, ob ein Präparat eine echte Lücke schließt, statt auf Verdacht zu supplementieren.
Supplementierst du, gilt für Präparate eine gesundheitliche Obergrenze. Der Wissenschaftliche Lebensmittelausschuss der EU hat für Magnesium aus Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln eine tolerierbare Obergrenze von 250 mg pro Tag festgelegt.[19] Das Magnesium, das natürlich im Essen steckt, zählt dabei nicht mit, angereicherte Getränke dagegen schon.[19] Der Grund für die Grenze ist Durchfall, die Nebenwirkung, die die Dosis begrenzt, denn Magnesium, das im Darm bleibt, zieht Wasser an.[19] Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt deshalb höchstens 250 mg pro Tagesdosis eines Präparats, verteilt auf zwei oder mehr Portionen.[19]
Viele Produkte liegen über dieser Grenze: Bei einem Marktcheck der Verbraucherzentralen 2020 enthielten 57 Prozent der Magnesium-Präparate mehr als 250 mg pro Tagesdosis.[22] Die 250 mg sind eine Empfehlung für Nahrungsergänzungsmittel, keine gesetzliche Höchstmenge (Stand: Oktober 2026).[22] Magnesium, das als Arzneimittel in der Apotheke verkauft wird, darf höher dosiert sein und folgt seinem eigenen Beipackzettel.[22] Wer die Migräne-Dosis von 600 mg erwägt,[15] bespricht das deshalb besser ärztlich, statt mehrere Präparate zu stapeln.
Frag vorher ärztlich nach, wenn deine Nieren nicht voll arbeiten, wenn du schwanger bist oder stillst oder wenn du Entwässerungsmittel oder andere Medikamente regelmäßig nimmst.[22, 24, 32] Gesunde Nieren scheiden überschüssiges Magnesium aus, geschwächte nicht, sodass es sich mit jeder Form im Blut anstauen kann.[24, 20] Die Bisglycinat-Schlafstudie schloss Menschen mit Nieren- oder Leberschwäche aus, dazu Schwangere, Stillende und alle, die regelmäßig Abführmittel nehmen.[18] Ihre Ergebnisse lassen sich auf diese Gruppen also nicht übertragen.
Gehörst du zu keiner dieser Gruppen und entscheidest dich für ein Präparat, prüf vor dem Kauf auf dem Etikett, wie viel elementares Magnesium die Tagesdosis enthält. Für die 250 mg zählt nämlich die Angabe „Magnesium“, nicht das Gewicht der ganzen Verbindung wie Bisglycinat oder Threonat.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Magnesiumglycinat, -citrat, -threonat und -oxid?
Welche Magnesium-Form ist am besten für den Schlaf?
Magnesiumglycinat oder -threonat: Was ist besser für den Schlaf?
Hilft Magnesium wirklich gegen Wadenkrämpfe?
Ist Magnesium-Threonat das Extra-Geld wert?
Wie viel Magnesium sollte ich pro Tag nehmen?
Warum bekomme ich von Magnesium Durchfall und welche Form ist am sanftesten?
Kann ich genug Magnesium über die Nahrung statt über ein Supplement bekommen?
Ist Magnesiumcitrat oder Glycinat besser bei Angst und Stress?
Welches Magnesium hilft bei Migräne?
Magnesium morgens oder abends einnehmen?
Ist Magnesiumglycinat dasselbe wie Bisglycinat?
Verträgt sich Magnesium mit meinen Medikamenten?
Ist Magnesium-Threonat in der EU zugelassen?
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Magnesium ehrlich einordnen, statt dem Hype zu folgen
Bei Longevity Cities tauschen wir uns über Supplemente wie Magnesium aus, teilen, was Studien wirklich zeigen, und welche Form bei Schlaf, Krämpfen oder Stress geholfen hat. Komm dazu und stell deine Fragen den Menschen, die genauso skeptisch lesen wie du.
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Erstellt von Maurice Lichtenberg, Gründer, Longevity Cities
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