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CoQ10: Ubiquinol oder Ubiquinon, was die Studien wirklich zeigen

„Ubiquinol wird 2- bis 3-mal besser aufgenommen“, heißt es auf vielen Produktseiten. Die Studien, die dafür zitiert werden, haben Ubiquinol-Hersteller bezahlt. Hier steht, was die übrigen Daten zeigen, Stand Oktober 2026.

Aktualisiert am 23 Min. Lesezeit56 Quellen

Kurz erklärt

Beide Formen erfüllen ihren Zweck, du kannst also nach Qualität und Preis statt nach dem Etikett wählen, denn dein Körper wandelt Ubiquinon, das übliche Q10 auf Etiketten, und seine reduzierte Form Ubiquinol laufend ineinander um.[5] Mehr als die Form zählt, wie ein Präparat gemacht ist: In einem Vergleich von sieben Präparaten schlug ein gut gemachtes Ubiquinon-Softgel das getestete Ubiquinol.[4, 5] Die Studien hinter der „2- bis 3-fach besseren Aufnahme“ haben Ubiquinol-Hersteller finanziert, während Vergleiche anderer Herkunft gemischt ausfielen.[7, 8, 9, 23, 24, 32, 33, 34] Die Herzinsuffizienz-Studie mit dem stärksten Ergebnis, Q-SYMBIO, nutzte Ubiquinon mit 300 mg am Tag.[1]

Diese Inhalte dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere immer einen qualifizierten Arzt, bevor du Änderungen an deiner Ernährung, deinem Trainingsprogramm oder deiner Nahrungsergänzung vornimmst.

Was Q10 ist und wie sich Ubiquinol und Ubiquinon unterscheiden

Coenzym Q10 (kurz Q10 oder CoQ10) ist ein fettlösliches Molekül, das dein Körper selbst herstellt, und Ubiquinon und Ubiquinol sind zwei Zustände genau dieses Moleküls.[26] Ubiquinon ist die oxidierte Form, Ubiquinol die reduzierte mit zwei zusätzlichen Elektronen, und beide werden im Körper laufend ineinander umgewandelt.[5] Im Blut gesunder Erwachsener liegt Q10 deshalb zu rund 95 Prozent als Ubiquinol vor.[31] Steht auf dem Etikett nur „Q10“, ist fast immer Ubiquinon gemeint.

Auf Etiketten begegnen dir für diese zwei Zustände gleich fünf Namen. Die Tabelle ordnet sie und stellt daneben, worin sich die beiden Formen im Alltag unterscheiden.

Ubiquinon Ubiquinol
Was es ist Oxidiertes Q10, die übliche Form auf Etiketten Reduziertes Q10, dasselbe Molekül mit zwei zusätzlichen Elektronen
Andere Namen Ubichinon, als Arzneistoff Ubidecarenon Ubichinol
Im Blut Wird bei der Aufnahme größtenteils zu Ubiquinol umgewandelt.[5] Schon reduziert; im Blut Gesunder liegen so oder so rund 95 % als Ubiquinol vor[31]
Aufnahme Schwankt je nach Formulierung (Öl, Zusatzstoffe, Kristallaufbereitung) um ein Mehrfaches[4, 5] In einem Test etwa doppelt so viel wie ein schwächeres Ubiquinon-Softgel, etwa halb so viel wie ein besseres[5]
Stabilität Stabil Empfindlicher, lässt sich nicht genauso aufbereiten[5]

Gebraucht wird genau dieses Hin und Her zwischen beiden Zuständen. In den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle, läuft die Energiegewinnung als Kette von Arbeitsschritten ab, die Atmungskette heißt, und Q10 reicht dabei Elektronen von einer Station zur nächsten[5] Ohne Q10 können die Mitochondrien den Großteil des ATP nicht herstellen, also der Energiewährung, mit der jede Zelle arbeitet.[5] Wie diese Kette im Detail funktioniert, erklärt der Mitochondrien-Guide.

Als Ubiquinol hat Q10 noch eine zweite Aufgabe: Es schützt die Membranen, also die fetthaltigen Hüllen der Zelle und ihrer Bestandteile.[5] Dort fängt es freie Radikale ab, reaktionsfreudige Moleküle, die solche Hüllen beschädigen können.[5] Am meisten Q10 steckt deshalb in Organen mit hohem Energiebedarf wie Herz, Niere, Leber und Muskeln.[26]

Dass Q10 überhaupt als Longevity-Supplement gilt, hat zwei Gründe. Der erste ist das Alter: Eine ältere Untersuchung menschlicher Organe fand, dass der Q10-Gehalt in den meisten Organen um das 20. Lebensjahr am höchsten war und danach stetig sank.[20] Ob eine Kapsel diesen Rückgang ausgleichen muss oder kann, zeigt diese Messung allerdings nicht.

Der zweite Grund sind Statine, die verbreiteten Cholesterinsenker. Sie bremsen ein Enzym, das am Anfang sowohl der Cholesterin- als auch der Q10-Herstellung steht, und senken so messbar den Q10-Spiegel im Blut.[10] Wie viel das klinisch ausmacht, ist unklar; die Autoren der Metaanalyse fordern dafür weitere Studien.[10] Aus diesen beiden Befunden ist ein großer Markt gewachsen, und mit ihm die Werbeaussage, Ubiquinol werde zwei- bis dreimal besser aufgenommen als Ubiquinon.

Woher die Aussage „2- bis 3-fach besser verfügbar“ stammt

Die Aussage „2- bis 3-fach besser verfügbar“ stützt sich meist auf fünf Studien, die jeweils der Hersteller des getesteten Ubiquinol-Produkts bezahlt oder mitgeschrieben hat.[7, 8, 9, 23, 24] Zwei Mitarbeiter des Ubiquinon-Herstellers Pharma Nord führen die Zahl zum Teil auf einen schiefen Vergleich zurück.[5] Dabei lag eine Kaneka-Studie zu Ubiquinol von 2007 neben einer Studie von 1998, die ein schlecht aufnehmbares, trockenes Ubiquinon-Kristallpulver nutzte.[5]

Kaneka aus Japan entwickelte die erste kommerzielle Ubiquinol-Zutat, KanekaQH, die laut Kaneka 2006 in den USA und 2007 in Japan und Europa als Nahrungsergänzung auf den Markt kam.[48] Die Firma ist ein großer Lieferant von fermentiertem Q10.[5] und hat mehrere der Studien bezahlt oder mitgeschrieben, mit denen Ubiquinol beworben wird[7, 8, 23] Offengelegte Sponsoren sind in der Supplement-Forschung üblich, und sie beim Lesen zu benennen ist gängige Praxis. Ein Vorwurf von Fehlverhalten ist das nicht, das wiederkehrende Muster gehört aber mitgedacht.

Die fünf Studien im Überblick zeigen, wer sie bezahlt hat und was sie messen konnten:

Studie Aufbau Wer bezahlt hat Ergebnis
Hosoe 2007.[7] Sicherheits- und Aufnahmestudie an Gesunden, ohne Ubiquinon-Vergleich Erstautor bei Kaneka, getestet wird Kanekas Rohstoff Ubiquinol wird aufgenommen und vertragen; kein Formvergleich
Failla 2014[8] Zellkulturmodell der Verdauung, keine Menschen Kaneka North America, ein Autor dort angestellt Ubiquinol im Zellmodell besser aufgenommen
Evans 2009[24] Doppelblinder Crossover, 10 ältere Erwachsene Soft-Gel Technologies, Hersteller des Testprodukts Testprodukt überlegen
Langsjoen 2014[23] Offen, 12 Gesunde, je 4 Wochen 200 mg, Ubiquinon immer zuerst Kaneka zahlte und lieferte beide Softgels Höhere Blutspiegel unter Ubiquinol
Mei 2026[9] Doppelblinder Crossover, 12 Gesunde, eine Dosis Cocrystal Health, lieferte beide Produkte Spitzenwert nach Korrektur etwa 2,2-fach

Zwei Zeilen der Tabelle werden oft größer zitiert, als sie sind. Failla 2014 ist ein Labormodell, in dem kein Mensch eine Kapsel geschluckt hat; das Paper behauptet auch nichts anderes, erst manche Folgezitate machen klinische Evidenz daraus[8] Langsjoen 2014 dagegen lief an Menschen, war aber offen, sodass alle wussten, was sie nahmen, und Ubiquinon kam immer zuerst.[23]

Mei 2026 ist die jüngste Studie, die für die Aussage zitiert wird, und an ihr sieht man, wie viel an der Rechenweise hängt. Zwölf Gesunde bekamen einmalig 2 × 120 mg.[9] Rechnet man heraus, wie viel Q10 jeder schon vorher im Blut hatte, lag der Spitzenwert unter Ubiquinol etwa 2,2-mal höher.[9] Ohne diese Korrektur schrumpft der Vorsprung auf das 1,5-Fache.[9] Für verlässliche Zahlen war die Studie allerdings zu klein, wie ihre eigene Nachberechnung zeigt.[9]

Dieselbe Linse gilt für die Gegenseite. Die Übersicht, die der Aussage widerspricht, stammt von zwei Mitarbeitern von Pharma Nord,[5] dem dänischen Hersteller des Ubiquinons aus Q-SYMBIO und KiSel-10.[1, 3] Pharma Nord verkauft vor allem Ubiquinon, bietet aber auch ein Ubiquinol an (Stand: Oktober 2026). Beide Seiten haben also ein kommerzielles Interesse, und beide legen es offen.

Wird Ubiquinol besser aufgenommen? Was die Vergleichsstudien zeigen

Ob Ubiquinol besser aufgenommen wird, hängt vor allem davon ab, gegen welches Ubiquinon man es antreten lässt. Die Formulierung verändert die Aufnahme stärker als die Form, und direkte Vergleiche der beiden Formen fallen gemischt aus.[4, 5, 32, 33, 34] Am deutlichsten zeigt das ein Test mit sieben Präparaten.

Sieben Präparate im selben Test

Eine Forschungsgruppe aus Sevilla gab 14 jungen Gesunden nacheinander sieben handelsübliche Präparate mit je 100 mg, zwei davon Ubiquinon-Softgels von Pharma Nord.[4, 5] Wie viel Q10 ins Blut kam, schwankte je nach Formulierung um ein Mehrfaches, denn das Öl und die übrigen Zutaten, etwa zugesetztes Vitamin C, veränderten die Aufnahme.[4] Die beiden am besten aufgenommenen Präparate waren Softgels, eines mit Ubiquinon und eines mit Ubiquinol.[4]

Die beiden Pharma-Nord-Softgels haben Mitarbeiter der Firma später genauer aufgeschlüsselt.[5] Sie waren bis auf einen Schritt identisch: gleiches Ubiquinon, gleiches Sojaöl, gleiche Hülle, aber nur eines war mit einem patentierten Wärmeverfahren aufbereitet, das die Q10-Kristalle auflöst.[5] Ohne diese Kristallaufbereitung kam rund viermal weniger Q10 ins Blut.[5] Das getestete Ubiquinol erreichte etwa doppelt so viel wie das schwächere Softgel, aber nur etwa halb so viel wie das bessere.[5] Dieses bessere Softgel war Pharma Nords eigenes Produkt.[5]

Ein Herstellungsschritt verändert die Aufnahme stärker als die Form

Q10 im Blut im Vergleich zum Standard-Ubiquinon-Softgel; Präparate mit 100 mg, 14 junge Erwachsene

Ubiquinon, Standard1xUbiquinoletwa 2xUbiquinon, erhitztetwa 4xUbiquinon,Standard1xUbiquinoletwa 2xUbiquinon,erhitztetwa 4x
Quelle: Mantle und Dybring, Antioxidants 2020, nach Daten von López-Lluch et al., Nutrition 2019. Beide Autoren der Übersicht arbeiten für den Hersteller der zwei Ubiquinon-Softgels.

Auf Ubiquinol lässt sich diese Kristallaufbereitung nicht anwenden, weil es weniger stabil ist.[5] Die Autoren schließen daraus, die Vorstellung einer besseren Aufnahme von Ubiquinol „scheint ein Irrtum zu sein“.[5] Weil beide bei einem Ubiquinon-Hersteller arbeiten, ist das eine Sicht aus der Gegenrichtung, die sie offenlegen.

Ein Vergleich mit 150 Gesunden

Ein weiterer direkter Vergleich passt zu diesem Bild. Darin nahmen 150 gesunde Erwachsene acht Wochen lang handelsübliche Präparate in der Dosis laut Etikett, unter anderem Ubiquinon, Ubiquinol oder ein Placebo.[34] Beide Q10-Formen hoben das Q10 im Blut, Ubiquinol im Schnitt etwas stärker, ein signifikanter Unterschied zwischen ihnen zeigte sich aber nicht.[34] Ganz ohne Firmenbindung ist auch dieser Vergleich nicht, denn der Erstautor sitzt im wissenschaftlichen Beirat des Supplement-Herstellers Designs for Health, was die Studie offenlegt.[34]

Wie der Körper Q10 aufnimmt

Egal welche Form du schluckst, im Blut landet überwiegend Ubiquinol, denn Ubiquinon wird schon auf dem Weg dorthin umgewandelt, vermutlich in der Lymphe.[5] Die Idee, man müsse die reduzierte Form schlucken, damit sie im Blut ankommt, geht deshalb an der Biologie vorbei. Begrenzt ist eher die Menge, die der Darm auf einmal schafft: In einer Studie hoben zweimal 100 mg den Blutspiegel stärker als 200 mg auf einmal.[5]

Wie viel Q10 aus einer Kapsel im Blut ankommt, entscheidet also vor allem die Machart, und das Wort „Ubiquinol“ auf dem Etikett sagt darüber wenig.[4, 5] Ein Öl-Softgel ist ein vernünftiges Format, garantiert aber keine gute Aufnahme.[4, 5]

Für wen Ubiquinol trotzdem infrage kommt: Statine, Alter, gestörte Fettaufnahme

Ubiquinol ist vor allem für drei Gruppen eine vernünftige Wahl: Menschen, die Statine nehmen, ältere Erwachsene und Menschen, die Fett schlecht aufnehmen. Begründet ist das mit dem Mechanismus und mit kleinen Studien zum Blutspiegel.[13, 32, 33] Einen Vergleich beider Formen bei Beschwerden oder Krankheitsverläufen haben wir für keine dieser Gruppen gefunden.

Wenn du Statine nimmst

Statine senken das Q10 im Blut,[10] und die Überlegung ist, dass die bereits reduzierte Form diesen Verlust leichter ausgleicht. Gestützt wird das bisher nicht. In der einen Studie, die Ubiquinol bei Menschen mit gesicherten Statin-Muskelschmerzen testete, berichteten unter 600 mg am Tag sogar etwas mehr Teilnehmende über Schmerzen als unter Placebo.[13] Einen Ubiquinon-Arm hatte diese Studie nicht.[13] Was Q10 insgesamt bei Statin-Beschwerden bringt, und warum du dein Statin nicht auf eigene Faust absetzen solltest, steht im Abschnitt zur klinischen Evidenz.

Wenn du älter bist

Für ältere Menschen gibt es zwei kleine direkte Vergleiche. Bei 10 Männern über 55 hob Ubiquinol den Q10-Spiegel über zwei Wochen deutlich stärker als Ubiquinon, in einer Studie, die kein Supplement-Hersteller finanziert hat.[32] Bei 21 Menschen zwischen 65 und 74 ergab eine Einzeldosis Ubiquinol einen höheren, aber nicht signifikant verschiedenen Spiegel.[33] Beide Studien maßen nur den Blutspiegel, nicht die Gesundheit. Dass ältere Menschen auch ein gut gemachtes Ubiquinon aufnehmen, zeigen die großen Herzstudien, deren Teilnehmende im Schnitt 63 und 78 Jahre alt waren.[5]

Wenn du Fett schlecht aufnimmst

Wer Fett schlecht aufnimmt (zu wenig Galle oder Verdauungsenzyme, geschädigte Darmschleimhaut), könnte die reduzierte Form womöglich besser aufnehmen. Betroffen sind etwa Menschen mit Mukoviszidose, chronisch-entzündlicher Darmerkrankung, chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung oder nach einer Magenverkleinerung. Das ist eine Überlegung aus dem Mechanismus, einen direkten Vergleich haben wir nicht gefunden.

Weil eine bessere Wirkung in keiner der drei Gruppen belegt ist, kannst du nach dem Aufpreis entscheiden. Gegen ein Ubiquinon-Softgel ist er im Oktober 2026 klein, gegen eine Pulverkapsel dagegen groß, wie die Preistabelle im Abschnitt zu Marken zeigt.

Wobei hilft Q10 nachweislich?

Unabhängig von der Form hat Q10 einen echten Platz in einigen klar umrissenen Fällen: Am deutlichsten zeigt sich sein Nutzen bei Herzinsuffizienz und Migräne.[1, 15] Bei anderen Beschwerden wie Statin-Muskelschmerzen, Bluthochdruck oder Parkinson fallen die Ergebnisse gemischt, klein oder negativ aus.[11, 12, 17, 38]

Herzinsuffizienz

Das stärkste Ergebnis kommt aus Q-SYMBIO. Die Studie gab 420 Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Herzinsuffizienz zwei Jahre lang dreimal täglich 100 mg Ubiquinon, zusätzlich zur üblichen Therapie.[1, 5] Nach 16 Wochen unterschieden sich Beschwerden, Gehstrecke und der Herzschwäche-Blutwert NT-proBNP nicht von Placebo.[1] Über zwei Jahre hatten aber weniger Menschen ein schweres Herz-Ereignis: 15 Prozent gegenüber 26 Prozent unter Placebo.[1] Auch die Todesfälle lagen niedriger, 10 gegenüber 18 Prozent, allerdings als Nebenendpunkt, also als Ergebnis jenseits der Hauptfrage der Studie.[1]

Weniger Herz-Ereignisse in zwei Jahren unter Q10 bei Herzinsuffizienz

Anteil mit schwerem Herz-Ereignis oder Tod in 2 Jahren, 420 Menschen mit Herzinsuffizienz, dreimal täglich 100 mg

Ereignis, Q1015 %Ereignis, Placebo26 %Tod, Q1010 %Tod, Placebo18 %Ereignis,Q1015 %Ereignis,Placebo26 %Tod, Q1010 %Tod,Placebo18 %
Quelle: Q-SYMBIO, Mortensen et al., JACC: Heart Failure 2014. Die Todesfälle waren ein Nebenendpunkt, nicht die Hauptfrage der Studie.

Ältere und neuere Daten weisen in dieselbe Richtung. Eine italienische Studie fand schon 1993 unter rund 2 mg Ubiquinon pro Kilogramm Körpergewicht über ein Jahr weniger Klinikaufenthalte wegen einer verschlechterten Herzinsuffizienz.[46] Eine Metaanalyse von 2024 über 33 meist kleine Studien sah ebenfalls weniger Todesfälle und Klinikaufenthalte, bei mittlerer Vertrauenswürdigkeit der Evidenz.[53]

Q-SYMBIO und die italienische Studie gaben beide Ubiquinon,[1, 46] und eine Übersicht aus Graz über 28 Studienberichte empfiehlt bei Herzinsuffizienz ebenfalls diese Form statt Ubiquinol.[6] Die Ubiquinon-Studien darin nutzten meist 60 bis 300 mg am Tag, eine 400 mg, die Ubiquinol-Studien 300 bis 600 mg.[6] Weil die Ubiquinol-Studien klein und kurz waren, konnten sie einen Unterschied bei den Todesfällen gar nicht zeigen.[6] Bei anderen Messgrößen fanden kleine, kurze Ubiquinol-Studien immerhin einen Nutzen.[44, 45] Auch hier gehört die Offenlegung dazu: Der Erstautor arbeitet in Teilzeit für Apomedica, deren Marke Dr. Böhm ein Ubiquinon-Präparat verkauft.[6]

In die Leitlinien hat es Q10 trotzdem nicht geschafft. Weder die europäische Herzinsuffizienz-Leitlinie von 2021 mit ihrem Update von 2023.[49, 50] noch die US-Leitlinie von 2022[51] zählt Q10 zu den empfohlenen Behandlungen. Auch die neue Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie vom August 2026 erwähnt Q10 nicht[52] Ein naheliegender Grund für die Zurückhaltung ist, dass das stärkste Ergebnis aus einer einzigen mittelgroßen Studie stammt. Bei Herzinsuffizienz lohnt es sich deshalb, Q10 mit deiner Kardiologin oder deinem Kardiologen zu besprechen, die es in deine Behandlung einpassen können, statt es im Selbstversuch zu nehmen.

Ältere Menschen zu Hause: KiSel-10

KiSel-10 prüfte etwas anderes, nämlich ältere Menschen, die zu Hause lebten. Die Studie gab 443 Schwedinnen und Schweden zwischen 70 und 88 Jahren vier Jahre lang Selen plus 200 mg Q10 am Tag, in Kapseln von Pharma Nord.[2, 3] Die Autoren nennen sie gesund, doch rund drei von vier hatten Bluthochdruck und etwa jede fünfte Person eine Herzerkrankung oder Diabetes.[3] In dieser Gruppe starben weniger Menschen an Herz-Kreislauf-Ursachen, und der Unterschied hielt auch zwölf Jahre später noch.[3] Weil zusätzlich Selen gegeben wurde und die Studie klein war, nennen die Autoren das Ergebnis selbst hypothesengenerierend, also einen Hinweis, der erst bestätigt werden muss.[3]

Migräne

Bei Migräne ist der Effekt bescheiden, aber mehrfach gesehen, und für Erwachsene eine echte Option. In einer Studie nahmen 42 Erwachsene drei Monate lang 3 × 100 mg am Tag.[14] Bei knapp der Hälfte halbierte sich die Zahl der Attacken, unter Placebo nur bei etwa jeder siebten Person.[14] Eine Metaanalyse von sechs Studien bestätigte weniger und kürzere Attacken, aber keine schwächeren.[15] Bei Kindern und Jugendlichen fand eine Studie keinen Vorteil.[29] Die US-Fachgesellschaft der Neurologen (AAN) stufte Q10 2012 in einer Leitlinie als „möglicherweise wirksam“ ein. Diese Leitlinie zog sie 2015 zurück, weil ein anderes darin empfohlenes Mittel, die Pestwurz, Sicherheitsbedenken weckte, und damit gilt auch die Einstufung für Q10 nicht mehr.[27]

Männliche Unfruchtbarkeit

Bei Männern mit unerklärter Unfruchtbarkeit verbessert Q10 die Spermienwerte, doch ob daraus mehr Kinder werden, ist offen. Eine Metaanalyse von drei Studien mit 296 Männern fand mehr und beweglichere Spermien, aber keine höhere Schwangerschaftsrate.[16] Spätere Auswertungen widersprechen sich: Eine Metaanalyse zu Selen, Carnitin und Q10 fand keinen klaren Unterschied bei den Schwangerschaften und nannte die Studien schwach.[37] Eine neuere über neun Q10-Studien berichtete dagegen mehr klinische Schwangerschaften, allerdings aus kleinen Studien.[36] Daten zu Lebendgeburten, um die es Paaren am Ende geht, fehlen bisher.

Muskelbeschwerden unter Statinen

Bei Muskelbeschwerden unter Statinen ist die Lage gemischt. Eine Metaanalyse von 2015 fand keinen Nutzen,[11] ein späteres Update mit mehr Studien dagegen weniger Schmerzen, Schwäche, Krämpfe und Müdigkeit.[12] Eine weitere Auswertung von 2025 über sieben kleine Studien sah eine kleine Schmerzlinderung und fordert weitere Forschung.[39] Gegen den Trend lief die Studie mit 600 mg Ubiquinol bei gesicherten Statin-Muskelschmerzen, in der etwas mehr Teilnehmende Schmerzen meldeten als unter Placebo, ein grenzwertiges Ergebnis.[13]

Unter Ärzten und Patienten ist Q10 trotzdem das beliebteste Mittel gegen Statin-Muskelschmerzen.[13] Die Europäische Atherosklerose-Gesellschaft empfiehlt es weder zur Behandlung noch zur Vorbeugung dieser Beschwerden.[40] Setz dein Statin nicht eigenmächtig ab und reduzier es nicht, weil die Muskeln ziehen oder schmerzen. Muskelbeschwerden gehören zu den Hauptgründen, warum Menschen Statine absetzen, und das verschlechtert ihre Herzprognose.[40] Deine Ärztin oder dein Arzt kann die Ursache prüfen und ein anderes Statin oder eine andere Dosis versuchen.[40] Anders ist es bei starken oder unerklärlichen Muskelschmerzen oder Muskelschwäche, vor allem mit dunklem Urin: Das kann auf einen seltenen, ernsten Muskelschaden hinweisen und gehört sofort ärztlich abgeklärt.[40]

Parkinson

Bei Parkinson ist das Ergebnis negativ. Eine große Studie mit 600 Menschen in einem frühen Stadium testete 1.200 oder 2.400 mg am Tag plus Vitamin E.[17] Sie wurde vorzeitig abgebrochen, weil kein Nutzen zu erwarten war.[17] Das hoffnungsvolle Signal einer kleineren Studie von 2002 hat sich damit nicht bestätigt.[55]

Blutdruck

Beim Blutdruck sind die bekannten Zahlen größer als der Effekt, den strenge Studien finden. Eine ältere Metaanalyse berichtete Senkungen um bis zu 17 mmHg beim oberen (systolischen) und 10 mmHg beim unteren Wert.[28] Sie stützte sich aber auf meist kleine, oft offene Studien, die nur Werte vor und nach der Behandlung verglichen.[28] Die Cochrane-Übersicht nahm dagegen nur verblindete Studien mit Placebo auf und fand keine deutliche Senkung, allerdings in nur zwei kleinen Studien.[18] Eine Metaanalyse von 2025 über 45 Studien liegt dazwischen: Sie sah eine kleine Senkung des oberen Werts um etwa 3 bis 4 mmHg und keinen Effekt auf den unteren.[38]

Angeborener Q10-Mangel und andere Mitochondrien-Erkrankungen

Beim angeborenen Q10-Mangel kann der Körper Q10 wegen eines Gendefekts nicht ausreichend selbst herstellen; hoch dosiertes Q10 ersetzt dann das Fehlende und ist fachärztliche Standardbehandlung.[42, 43] Für andere Mitochondrien-Erkrankungen wie MELAS oder das Leigh-Syndrom rät eine US-Fachgesellschaft, Q10 anzubieten.[42] Eine Cochrane-Übersicht fand allerdings keine klaren Studienbelege, dass irgendeine Behandlung bei diesen Erkrankungen hilft.[41] Fachtabellen nennen für Ubiquinon 10 bis 30 mg pro Kilogramm am Tag bei Kindern und 300 bis 2.400 mg am Tag bei Erwachsenen, für Ubiquinol niedrigere Mengen.[43] Das ist Behandlung unter fachärztlicher Aufsicht, keine Selbstversorgung.

Wofür die Belege fehlen

Für gesunde Menschen, die sich mehr Energie oder Leistung wünschen, ist Q10 ein Feld mit solider Biologie, in dem die Studien noch hinterherkommen. In einer Studie mit 41 jungen Erwachsenen hoben zwei Wochen mit 200 mg am Tag zwar den Q10-Spiegel, die Leistung verbesserte sich aber nicht klar.[30] Einen Energie-Claim für Q10 hat die EFSA 2010 ebenfalls abgelehnt.[19] Auch eine Studie, die bei gesunden Menschen einen Anti-Aging-Nutzen zeigt, haben wir nicht gefunden. Welche Alltagshebel das Fundament bilden und nachweislich etwas bewegen, steht im Guide wie du das Altern verlangsamst, und welche Präparate besser belegt sind, ordnet der Guide zu Longevity-Supplementen ein. Die Studien mit klarem Nutzen betreffen also fast nur kranke Menschen, und KiSel-10 bei Älteren bleibt wegen des zusätzlichen Selens ein Hinweis, der erst bestätigt werden muss.[3]

Q10-Dosierung: wie viel pro Tag, wann einnehmen, welche Wechselwirkungen

Die Studien mit Nutzen liefen fast alle an Kranken, eine belegte Q10-Dosis für Gesunde gibt es deshalb nicht. Q-SYMBIO gab Menschen mit schwerer Herzinsuffizienz 300 mg am Tag, verteilt auf dreimal 100 mg,[1] und die Migränestudie nutzte dieselbe Menge.[14] Das sind Studiendosen für Patienten, keine Supplement-Dosis.

Für Nahrungsergänzungsmittel gelten eigene Regeln. Eine gesetzliche Höchstmenge für Q10 gibt es in der EU nicht.[26] In Deutschland erlaubt eine Allgemeinverfügung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) von 2014 Nahrungsergänzungsmittel mit bis zu 100 mg pro Tag.[26] Die Auflage dazu ist ein Warnhinweis: Schwangere, Stillende und unter 18-Jährige sollen solche Produkte nicht verzehren.[26] In der Schweiz liegt die Höchstmenge bei 200 mg pro Tag,[47] (Stand: Oktober 2026). Höhere Dosen gehören in ärztliche Hand.

Bei der Einnahme zählt vor allem die Mahlzeit. Q10 ist fettlöslich und wird im Darm wie andere Fette verarbeitet[5] deshalb nimmst du es am besten zu einer Mahlzeit mit etwas Fett. Ein Öl-Softgel ist ein vernünftiges Format, garantiert aber keine gute Aufnahme.[4, 5] Weil zweimal 100 mg den Blutspiegel in einer Studie stärker hoben als 200 mg auf einmal,[5] liegt es nahe, mehr als 100 mg am Tag auf zwei Mahlzeiten zu verteilen.

Bis sich der Spiegel einpendelt, dauert es ein bis zwei Wochen, denn aufgenommenes Q10 hat eine Halbwertszeit von etwa 33 Stunden.[5] Willst du deinen Q10-Spiegel messen lassen, sagt eine Blutprobe nach zwei Wochen gleicher Dosis deshalb mehr als eine kurz nach einer Änderung.

Wechselwirkungen und wer vorher fragen sollte

Bei einigen Medikamenten und Lebenslagen klärst du vor dem Start ärztlich, ob Q10 passt:

  • Warfarin und Phenprocoumon (Marcumar). Q10 ist chemisch mit Vitamin K verwandt,[26] und ein Fallbericht von 1994 beschreibt eine schwächere Wirkung von Warfarin.[21] In einer kontrollierten Studie änderten 100 mg Q10 am Tag die nötige Warfarin-Dosis dagegen nicht.[22, 35] Das BfR rät, bei Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ vor mehr als 100 mg pro Tag ärztlichen Rat einzuholen.[26] Nimmst du Warfarin oder Phenprocoumon, lass nach Beginn oder Absetzen von Q10 deinen Gerinnungswert INR kontrollieren. Wie oft, legt deine Ärztin oder dein Arzt fest.
  • Apixaban (Eliquis) und ähnliche neuere Gerinnungshemmer. Für sie taugt der INR nicht als Kontrollwert.[54] Daten zu Q10 haben wir keine gefunden, sprich also vor dem Start mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
  • Blutdrucksenker. Eine kleine zusätzliche Senkung um wenige mmHg ist möglich, die Wechselwirkung selbst ist aber kaum untersucht.[38, 26] Das BfR rät, bei Blutdrucksenkern vor mehr als 100 mg pro Tag ärztlichen Rat einzuholen.[26]
  • Krebsbehandlung. Bist du in Krebsbehandlung, frag vor dem Start dein Onkologie-Team.
  • Schwangerschaft, Stillzeit und unter 18. Das BfR rät, in diesen Lebenslagen relevante Dosen nur nach ärztlicher Abklärung zu nehmen.[26] Präparate, die in Deutschland unter der BVL-Allgemeinverfügung verkauft werden, müssen den Warnhinweis tragen, dass Schwangere, Stillende und unter 18-Jährige sie nicht verzehren sollen.[26]

Nebenwirkungen

Bis 300 mg am Tag berichten Studien gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Sodbrennen, Bauchschmerzen oder Durchfall und vereinzelt Hautausschläge.[26] Ob Nebenwirkungen oberhalb von 300 mg häufiger werden, ist laut BfR nicht erforscht.[26] Kurze Studien an Gesunden gaben bis zu 900 mg am Tag über vier Wochen, ohne dass Nebenwirkungen mit der Dosis zunahmen.[56] Über längere Zeit ist die Einnahme bei Gesunden aber kaum untersucht, die Daten dazu bleiben dünn.[26] Bei Kranken gingen Studien bis 2.400 mg am Tag, etwa bei Parkinson.[17] Keine der beiden Formen ist nachweislich sicherer. In der Studie, die beide gab, traten in allen Gruppen nur selten Nebenwirkungen auf, und das BfR sieht für Ubiquinol wie für Ubiquinon Datenlücken.[34, 26]

Welches Q10 kaufen? Marken und Preise im Vergleich (Stand Oktober 2026)

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Q10 ein Nahrungsergänzungsmittel und damit rechtlich ein Lebensmittel, kein Arzneimittel.[26, 47] Gesetzliche Kassen (GKV, ÖGK, Schweizer Grundversicherung) zahlen für Nahrungsergänzungsmittel nicht. Beim angeborenen Q10-Mangel kann eine Fachärztin oder ein Facharzt Q10 verordnen, etwa als Rezeptur aus der Apotheke; ob die Kasse das übernimmt, klärst du am besten mit dem behandelnden Zentrum.

Kaufen kannst du Q10 in Apotheken vor Ort und online (Shop-Apotheke, DocMorris, easyApotheke, Apotal), in den Drogerien dm, Rossmann und Müller, bei Amazon und direkt bei Marken wie Sunday Natural, Sanct Bernhard und Pharma Nord. Die Eigenmarken der Drogerien (dm Mivolis, Rossmann Altapharma) führen Q10 meist als eine Zutat in Kombiprodukten, nicht als 100-mg-Einzelpräparat.

In der Schweiz fällt Q10 unter das Lebensmittelrecht und nicht unter Swissmedic; Nahrungsergänzungsmittel dürfen dort bis zu 200 mg pro Tag liefern.[47] Burgerstein, Pure Encapsulations und Pharma Nord gehören zu den dort verbreiteten Marken, und Burgersteins 100-mg-Produkt enthält Ubiquinon-Pulver in einer pflanzlichen Kapsel.

Die Tabelle zeigt, was 100 mg Q10 bei gängigen Produkten kosten, und die Spanne reicht von rund 16 Cent bis knapp 2 Euro.

Produkt Form und Träger Packung, Preis Pro 100 mg
Pharma Nord Q10 Bio-Qinon Gold 100 mg Ubiquinon, Sojaöl-Softgel (Präparat aus KiSel-10) 150 Kaps., ~103 € ~0,69 €
Pharma Nord BioActive Uniqinol QH 100 mg Ubiquinol 90 Kaps., ~78 € ~0,87 €
Doppelherz system Q10 Ubiquinol 100 Ubiquinol (Kaneka), Öl-Softgel 60 Kaps., ~43 € ~0,71 €
Sanct Bernhard Ubiquinol Q10-bioaktiv 100 mg Ubiquinol (Kaneka), Öl-Softgel 75 Kaps., ~40–43 € ~0,53–0,57 €
Sunday Natural Kaneka Ubiquinol 100 mg Ubiquinol (Kaneka), MCT-Öl-Softgel 60 Softgels Preis variiert
Pure Encapsulations Coenzym Q10 120 mg Ubiquinon, hypoallergene Kapsel 60 Kaps., ~85 € ~1,17 €
Pure Encapsulations Ubiquinol-QH 50 mg Ubiquinol (Kaneka) 60 Kaps., ~59 € ~1,98 €
NaturaForte Ubiquinol Kaneka 100 mg Ubiquinol (Kaneka), Öl-Softgel 90 Kaps. Preis variiert
ZeinPharma Coenzym Q10 100 mg Ubiquinon, Pulverkapsel 240 Kaps., ~66 € ~0,27 €
RedcareVita Coenzym Q10 100 mg Ubiquinon, Pulverkapsel 120 Kaps., ~19 € ~0,16 €
Burgerstein Coenzym Q10 100 mg (CH) Ubiquinon, Pulver in pflanzlicher Kapsel 30 Kaps. Preis variiert

Quelle: Preise bei Shop-Apotheke, abgerufen am 21. und 22. Oktober 2026; Burgerstein-Angaben vom Hersteller. Preise schwanken, prüf sie vor dem Kauf.

Bei 100 mg am Tag kostet ein Monat damit zwischen etwa 5 € für eine Ubiquinon-Pulverkapsel und knapp 60 € für das Ubiquinol-QH von Pure Encapsulations. Die Ubiquinol-Softgels von Doppelherz und Sanct Bernhard liegen pro 100 mg gleichauf mit dem Ubiquinon-Softgel von Pharma Nord oder darunter, das rund 21 € im Monat kostet. Der große Abstand besteht also zwischen Pulverkapseln und Premium-Softgels. Er spiegelt Form, Träger, Marke und Vertriebsweg, nicht eine entsprechend höhere Menge Q10 im Blut.[4, 5]

Wer das Präparat aus den Studien sucht, findet es bei Pharma Nord. KiSel-10 und Q-SYMBIO nutzten Ubiquinon-Softgels der Firma,[1, 3] im deutschen Handel als Q10 Bio-Qinon Gold und außerhalb des deutschsprachigen Raums als Myoqinon.[5] Q-SYMBIO gab dreimal 100 mg am Tag, KiSel-10 zweimal 100 mg plus Selen,[1, 3] beides mehr als die 100 mg, die die BVL-Allgemeinverfügung für Nahrungsergänzungsmittel erlaubt.[26] Dieselbe Firma hat auch die Gegen-Übersicht zur Ubiquinol-Werbung geschrieben,[5] was beim Lesen beider Seiten mitzudenken ist.

Bei Ubiquinol nennt ein Siegel wie KanekaQH oder Kaneka Ubiquinol den Hersteller des Rohstoffs; Kaneka ist ein großer Lieferant von fermentiertem Q10.[5] Weil Ubiquinol empfindlicher ist als Ubiquinon,[5] halten wir einen benannten Rohstoff für ein vernünftiges Auswahlkriterium. Ein Beleg für bessere Wirkung ist das Siegel allerdings nicht.

Auf dem Etikett lohnt sich ein Blick auf fünf Punkte:

  1. Die Form ist klar angegeben, also Ubiquinon oder Ubiquinol statt eines vagen „aktives Q10“.
  2. Die Menge steht pro Kapsel und nicht bloß pro Tagesportion, denn manche „100 mg“-Produkte verteilen das auf zwei Kapseln.
  3. Der Träger steht in der Zutatenliste: MCT-, Soja-, Oliven- oder Sonnenblumenöl oder Lecithin für ein Öl-Softgel, Cellulose oder Reismehl für eine Pulverkapsel.
  4. Der Hersteller ist benannt, bei Ubiquinol auch der Rohstoff.
  5. Ein Analysezertifikat, also der Laborbericht zur Charge, ist auf Anfrage erhältlich.

Was auf der Packung über die Wirkung stehen darf, regelt dagegen das EU-Recht, und bei Q10 ist das sehr wenig.

Warum Q10-Etiketten in der EU keine Gesundheitsversprechen tragen dürfen

Q10-Etiketten in der EU dürfen dem Q10 selbst keinen gesundheitlichen Nutzen zuschreiben, weil die EFSA, die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, 2010 alle sechs beantragten Aussagen abgelehnt hat.[19] Das Gremium prüfte sie nach der Health-Claims-Verordnung (EG) Nr. 1924/2006.[19]:

  1. Beitrag zum normalen energieliefernden Stoffwechsel
  2. Erhalt eines normalen Blutdrucks
  3. Schutz von DNA, Proteinen und Fetten vor oxidativen Schäden
  4. Beitrag zur normalen kognitiven Funktion
  5. Erhalt normaler Cholesterinwerte im Blut
  6. Steigerung der Ausdauer

Die Begründung war jedes Mal dieselbe: Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Q10 und dem behaupteten Nutzen sei nicht belegt[19] Seit 2010 fanden wir keine EFSA-Stellungnahme, die eine Q10-Aussage stützt (Stand: Oktober 2026).[19]

Ein Etikett darf deshalb Substanz und Dosis nennen, aber keine Aussage zu Herz, Energie, Blutdruck, Cholesterin, Denken oder Leistung, die sich auf Q10 bezieht.[19] Kombinationsprodukte dürfen zugelassene Aussagen für andere Zutaten tragen, etwa für bestimmte Vitamine, und zwar unter den Bedingungen, die für diese Zutaten gelten. Liest du auf einer Q10-Packung ein Herz- oder Energieversprechen, hängt es also entweder an einer solchen Zutat oder ist nicht konform.

Für Menschen mit angeborenem Q10-Mangel spielt dieser Rahmen keine Rolle, weil eine Fachärztin oder ein Facharzt Q10 dort als Behandlung verordnet, etwa als Rezeptur aus der Apotheke. Alle anderen kaufen ein Nahrungsergänzungsmittel ohne zugelassene Gesundheitsaussage und ohne Erstattung.[26]

Ubiquinol oder Ubiquinon: Was solltest du nehmen?

Beim Kauf hast du es leichter, als die Werbung vermuten lässt: Zwischen Ubiquinol und Ubiquinon gibt es keinen verlässlichen Unterschied, auf den du dich stützen müsstest. Wie ein Produkt gemacht ist und ob du es zu einer Mahlzeit nimmst, verändert die Aufnahme stärker als die Form.[4, 5, 34] Der zwei- bis dreifache Vorteil aus der Werbung stammt aus Studien, die Ubiquinol-Hersteller bezahlt haben.[7, 8, 9, 23, 24] Weniger Todesfälle hat bisher keine Ubiquinol-Studie gezeigt, denn dafür waren sie zu klein und zu kurz.[6]

Wer ein Statin nimmt, älter ist oder Fett schlecht aufnimmt, kann gut zu Ubiquinol greifen, solange der Aufpreis klein bleibt. Im Oktober 2026 kostet ein Ubiquinol-Softgel pro 100 mg etwa so viel wie ein gutes Ubiquinon-Softgel, wie die Preistabelle zeigt. Teuer wird es erst im Vergleich mit Pulverkapseln, und dieser Aufpreis kauft dir keine belegte Wirkung.

Wichtiger als die Form ist die Frage, was du dir von Q10 erhoffst. Hast du eine Herzinsuffizienz oder Migräne, wo die Belege am stärksten sind, lohnt sich ein Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.[1, 14] Gesunde Menschen stellen Q10 selbst her, und das BfR hält eine zusätzliche Einnahme für sie nicht für nötig.[26] Willst du Q10 ohne solchen Anlass ausprobieren, ist ein Öl-Softgel mit 100 mg am Tag zu einer Mahlzeit ein naheliegender Versuch, im Rahmen dessen, was die BVL-Allgemeinverfügung für Nahrungsergänzungsmittel erlaubt.[26] Gib ihm etwa drei Monate bei gleicher Dosis, wenn du einen Effekt beurteilen willst.

Häufig gestellte Fragen

Soll ich also Ubiquinol oder Ubiquinon nehmen?

Beide Formen können funktionieren, denn wie ein Präparat gemacht ist, zählt mehr als die Form; für gesunde Erwachsene ohne Statin und ohne Probleme mit der Fettaufnahme spricht deshalb wenig für einen Aufpreis.[4, 5] Gesunde stellen Q10 selbst her, und das BfR sieht keinen Bedarf für eine zusätzliche Einnahme.[26] Willst du es ausprobieren, liegen 100 mg am Tag als Öl-Softgel zu einer Mahlzeit im Rahmen der deutschen BVL-Allgemeinverfügung.[26] Bei Statinen, im Alter oder bei gestörter Fettaufnahme ist Ubiquinol vertretbar, belegt überlegen ist es dort nicht.[13, 32, 33]

Ist Coenzym Q10 dasselbe wie Ubiquinon oder Ubichinon?

Ja. Steht auf dem Etikett nur Q10, ist fast immer Ubiquinon gemeint, die oxidierte Form; Ubichinon ist dieselbe Substanz in deutscher Schreibweise, Ubidecarenon ihr Arzneistoffname. Ubiquinol (Ubichinol) ist dasselbe Molekül mit zwei zusätzlichen Elektronen.[5] Dein Körper wandelt beide ständig ineinander um, sodass Q10 im Blut Gesunder zu rund 95 Prozent als Ubiquinol vorliegt.[31]

Welche Dosis wirkt tatsächlich?

Eine für Gesunde belegte Dosis gibt es nicht. Die Studien mit Nutzen bei Herzinsuffizienz und Migräne gaben Kranken 300 mg am Tag, verteilt auf drei Gaben.[1, 14] In Deutschland erlaubt eine BVL-Allgemeinverfügung von 2014 Nahrungsergänzungsmittel mit bis zu 100 mg pro Tag, die Schweiz bis zu 200 mg (Stand: Oktober 2026), und mehr gehört in ärztliche Hand.[26, 47] Weil zweimal 100 mg den Blutspiegel stärker hoben als 200 mg auf einmal, verteilst du größere Mengen besser auf Mahlzeiten.[5]

Wann soll ich Q10 einnehmen, morgens oder abends?

Am besten zu einer Mahlzeit mit etwas Fett, die Uhrzeit ist zweitrangig. Q10 ist fettlöslich, und im Vergleich von sieben Präparaten entschieden Öl und weitere Zutaten mit über die Aufnahme.[4] Mehr als 100 mg am Tag verteilst du auf zwei Mahlzeiten, weil geteilte Dosen den Spiegel stärker heben.[5] Bei einer Halbwertszeit von rund 33 Stunden zählt die regelmäßige Einnahme mehr als die genaue Uhrzeit.[5]

Wie lange dauert es, bis Q10 wirkt?

Der Blutspiegel pendelt sich nach ein bis zwei Wochen ein.[5] Klinische Effekte brauchen länger: Die Migränestudie zählte die Erfolge nach drei Monaten,[14] und Q-SYMBIO sah weniger schwere Herz-Ereignisse erst über zwei Jahre.[1] Ein fairer Versuch dauert also etwa drei Monate bei gleichbleibender Dosis.

Ist der Herzinsuffizienz-Nutzen real?

Ja, es gibt ein echtes Signal, das vor allem auf einer Studie ruht. In Q-SYMBIO hatten über zwei Jahre 15 Prozent der Patienten unter 300 mg Ubiquinon ein schweres Herz-Ereignis, unter Placebo 26 Prozent, während sich Beschwerden und Gehstrecke kurzfristig nicht änderten.[1] Eine Metaanalyse von 2024 fand ebenfalls weniger Todesfälle und Klinikaufenthalte,[53] doch die europäische Leitlinie von 2021 mit Update 2023 und die US-Leitlinie von 2022 empfehlen Q10 nicht.[49, 50, 51] Die neue europäische Leitlinie vom August 2026 erwähnt Q10 gar nicht.[52] Hast du eine Herzinsuffizienz, lohnt sich das Gespräch darüber mit deiner Kardiologin oder deinem Kardiologen.

Hilft CoQ10 bei Statin-Nebenwirkungen?

Die Daten sind gemischt: Eine Metaanalyse von 2015 fand keinen Nutzen,[11] spätere Auswertungen eine kleine Linderung der Muskelschmerzen.[12, 39] In der Studie mit Ubiquinol bei gesicherten Statin-Muskelschmerzen meldeten etwas mehr Teilnehmende Schmerzen als unter Placebo,[13] und die Europäische Atherosklerose-Gesellschaft empfiehlt Q10 hier nicht.[40] Setz dein Statin wegen Muskelschmerzen nicht eigenmächtig ab, denn das erhöht dein Herzrisiko; deine Ärztin oder dein Arzt kann die Ursache prüfen und ein anderes Statin oder eine andere Dosis versuchen.[40] Starke oder unerklärliche Muskelschmerzen oder Muskelschwäche, vor allem mit dunklem Urin, gehören sofort ärztlich abgeklärt.[40]

Kann ich Q10 mit Blutverdünnern wie Marcumar, Warfarin oder Eliquis nehmen?

Bei Warfarin beschreibt ein Fallbericht eine schwächere Wirkung,[21] eine kontrollierte Studie mit 100 mg am Tag fand dagegen keine Änderung der nötigen Dosis,[22, 35] und das BfR rät bei Cumarinen wie Marcumar (Phenprocoumon) ab 100 mg pro Tag zu ärztlichem Rat.[26] Nimmst du Warfarin oder Phenprocoumon, lass nach Beginn oder Absetzen von Q10 deinen Gerinnungswert INR kontrollieren. Wie oft, legt deine Ärztin oder dein Arzt fest. Für Apixaban (Eliquis) und ähnliche neuere Gerinnungshemmer taugt der INR nicht als Kontrollwert.[54] Daten zu Q10 haben wir dafür keine gefunden, sprich also vor dem Start mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Hat Q10 Nebenwirkungen, ist es gefährlich?

Bis 300 mg am Tag berichten Studien gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Sodbrennen oder Durchfall und vereinzelt Hautausschläge[26]; kurze Studien an Gesunden gingen bis 900 mg am Tag, Langzeitdaten bleiben aber dünn.[56, 26] Das BfR rät Schwangeren, Stillenden und unter 18-Jährigen, relevante Dosen nur nach ärztlicher Abklärung zu nehmen, und Präparate, die in Deutschland unter der BVL-Allgemeinverfügung verkauft werden, müssen einen Warnhinweis für diese Gruppen tragen.[26] Bei Blutdrucksenkern oder Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ rät das BfR vor mehr als 100 mg am Tag zu ärztlichem Rat.[26] Für beide Formen sieht das BfR Datenlücken, keine ist nachweislich sicherer.[34, 26]

Ubiquinol oder Ubiquinon bei Kinderwunsch?

Bei Männern verbessert Q10 Spermienzahl und Beweglichkeit, die Daten zu Schwangerschaften sind aber gemischt: Eine Metaanalyse aus drei Studien fand keine höhere Schwangerschaftsrate,[16] eine von 2022 keinen klaren Unterschied[37] und eine von 2025 mehr klinische Schwangerschaften aus kleinen Studien.[36] Bei Frauen in der Kinderwunschbehandlung (IVF) fand eine Metaanalyse aus fünf Studien mit 449 Frauen mehr klinische Schwangerschaften, 28,8 gegenüber 14,1 Prozent, aber keinen Unterschied bei den Lebendgeburten.[25] Einen Vergleich von Ubiquinol und Ubiquinon bei Fruchtbarkeit haben wir nicht gefunden, die Dosis besprichst du am besten mit deiner Kinderwunschpraxis.

Welche Lebensmittel enthalten Q10, reicht die Ernährung?

In einer üblichen Ernährung liefert vor allem Fleisch Q10, danach Fisch, Nüsse und einige Öle; Obst, Gemüse, Getreide und Milchprodukte enthalten nur 0,01 bis 0,3 mg pro 100 g.[26] Im Schnitt kommen so 3 bis 6 mg pro Tag zusammen,[26] weit unter den 300 mg aus den Herzstudien.[1] Für Gesunde ist das kein Problem, denn dein Körper bildet Q10 selbst, und ein behandlungsbedürftiger Mangel ist bei ihnen nicht bekannt.[26]

Warum ist Ubiquinol so viel teurer?

Teurer ist Ubiquinol vor allem im Vergleich mit Ubiquinon-Pulverkapseln: Im Oktober 2026 kosteten 100 mg Ubiquinol im Öl-Softgel etwa 0,53 bis 0,71 €, ungefähr so viel wie das Ubiquinon-Softgel von Pharma Nord mit 0,69 €, eine Pulverkapsel dagegen ab 0,16 €. Ubiquinol ist empfindlicher als Ubiquinon und lässt sich nicht genauso aufbereiten, was die Herstellung aufwendiger macht.[5] Der Preis sagt aber nichts darüber, wie viel Q10 ins Blut gelangt, denn das hängt stärker an der Formulierung als an der Form.[4, 5]

Hilft es tatsächlich bei Energie oder Müdigkeit bei Gesunden?

Gezeigt haben Studien das bisher nicht. Die EFSA hat 2010 sechs Q10-Aussagen geprüft, darunter den Beitrag zum Energiestoffwechsel, und alle abgelehnt.[19] In einer Studie mit 41 jungen Erwachsenen hob Q10 zwar den Blutspiegel, verbesserte die Leistung aber nicht klar.[30] Die Rolle von Q10 in der Energiegewinnung der Zelle ist echt,[5] einen durchgängigen, messbaren Nutzen bei Gesunden haben Studien bisher aber nicht gezeigt.[30]

Was ist der Unterschied zwischen Kaneka-Ubiquinol und Nicht-Kaneka-Ubiquinol?

Kaneka aus Japan hat die erste kommerzielle Ubiquinol-Zutat entwickelt, KanekaQH, die laut Kaneka 2006 in den USA und 2007 in Japan und Europa auf den Markt kam.[48] Kaneka ist ein großer Lieferant von fermentiertem Q10[5] und erklärte 2011, die Firma sei als einzige in der Lage, Ubiquinol herzustellen[48]; heute ist auch Ubiquinol ohne Kaneka-Siegel im Handel. Weil Ubiquinol empfindlich ist,[5] halten wir ein Siegel, das den Rohstoff-Hersteller nennt, für ein vernünftiges Auswahlkriterium, aber nicht für einen Beleg besserer Wirkung.

Wie viel Q10 darf ein Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland, Österreich und der Schweiz enthalten?

Eine gesetzliche Höchstmenge setzt die EU nicht.[26] In Deutschland erlaubt eine Allgemeinverfügung des BVL von 2014 Nahrungsergänzungsmittel mit bis zu 100 mg Q10 pro Tag, unter der Auflage eines Warnhinweises, dass Schwangere, Stillende und unter 18-Jährige das Produkt nicht verzehren sollen.[26] In der Schweiz liegt die Höchstmenge bei 200 mg pro Tag[47] (Stand: Oktober 2026). Österreich haben wir nicht geprüft, und höhere Dosen aus medizinischen Gründen gehören in ärztliche Hand.

Ist Ubiquinol für Menschen über 60 besser?

Möglicherweise, aber die Daten sind gemischt. Bei 10 Männern über 55 hob Ubiquinol den Blutspiegel über zwei Wochen stärker als Ubiquinon,[32] bei 21 Menschen zwischen 65 und 74 war der Spiegel nach einer Einzeldosis höher, aber nicht signifikant.[33] Beide Studien maßen nur den Blutspiegel, und einen Vergleich bei Gesundheitsergebnissen haben wir nicht gefunden. Ist der Aufpreis klein, ist Ubiquinol im Alter eine vertretbare Wahl.

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Erstellt von Maurice Lichtenberg, Gründer, Longevity Cities

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