Perimenopause: der Übergang, nicht das Ziel

Die Perimenopause ist eine hormonelle Umstellung über 5 bis 10 Jahre, die die meisten Frauen zwischen etwa 40 und 55 erleben. Was die Evidenz wirklich sagt, und was du getrost ignorieren kannst.

Erstellt von Maurice Lichtenberg, Gründer, Longevity Cities

Aktualisiert am · 11 Min. Lesezeit

Diese Inhalte dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere immer einen qualifizierten Arzt, bevor du Änderungen an deiner Ernährung, deinem Trainingsprogramm oder deiner Nahrungsergänzung vornimmst.

Was ist Perimenopause eigentlich (und was nicht)?

Die Menopause ist ein einziger Tag: der 12-Monats-Jahrestag deiner letzten Regelblutung. Alles davor, bis zu einem Jahrzehnt zurück, ist Perimenopause. Das Übergangsfenster, in dem die Eierstockfunktion unregelmäßig wird, bevor sie sich endgültig einstellt.

Das internationale STRAW+10-Stagingsystem (Stages of Reproductive Aging Workshop, der klinische Referenzrahmen für die Reproduktionsalterung) teilt dieses Fenster in zwei Phasen. Die frühe Menopausetransition zeigt eine anhaltende Differenz von mindestens 7 Tagen zwischen aufeinanderfolgenden Zyklen. Die späte Menopausetransition bringt ausbleibende Zyklen mit Pausen von mindestens 60 Tagen. Die Postmenopause beginnt ein Jahr nach der letzten Blutung und dauert für den Rest des Lebens.

Bei den meisten Frauen beginnt die Perimenopause zwischen 40 und 47, eine relevante Minderheit erlebt sie früher. Die SWAN-Studie (Study of Women's Health Across the Nation, die längste Längsschnittstudie zur Menopausetransition in einer multiethnischen US-Kohorte) fand eine mediane Gesamtdauer häufiger Hitzewallungen von 7,4 Jahren, mit einer medianen Persistenz von 4,5 Jahren nach der letzten Periode. Die Zahlen stammen aus der Auswertung von 2015 in JAMA Internal Medicine. Damit liegt die typische Perimenopause-Dauer eher bei rund 7 Jahren als bei wenigen Monaten. Das populäre Bild der Menopause als kurzer Unannehmlichkeit entspricht den Daten also nicht. Es ist näher an einem Lebenskapitel als an einer Saison.

Drei Rahmungen kannst du früh über Bord werfen. Perimenopause ist keine Krankheit, kein Mangel und kein Ein-Symptom-Syndrom, sondern eine normale (wenn auch oft fordernde) endokrine Transition, und die Erfahrung ist enorm unterschiedlich. Manche Frauen merken kaum etwas. Etwa ein Viertel berichtet von Symptomen, die schwer genug sind, um Arbeit oder Beziehungen zu beeinträchtigen. Beides ist normal.

Zu wissen, wo du im STRAW+10-Staging stehst, ist relevant. Dasselbe Symptom mit 43 bei regelmäßigem Zyklus kann etwas anderes bedeuten als mit 51 nach einem Jahr mit ausbleibenden Zyklen.

Welche Symptome treten auf?

Perimenopause ist nicht das 'Hitzewallungs-Problem mit Extras', sondern ein Multi-System-Übergang. Der Symptommix unterscheidet sich zwischen Frauen und über die Zeit auch innerhalb derselben Frau.

Vasomotorische Symptome (Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche, kurz VMS) sind das bekannteste Merkmal und betreffen rund 75 bis 80 % der Frauen irgendwann. Die Intensität reicht von leichter Wärme bis zu durchnässenden Schweißausbrüchen, die den Schlaf jahrelang fragmentieren.

Schlafstörungen sind ihr eigenes Thema. SWAN-Daten und ein experimentelles GnRH-Agonist-Modell (Joffe und Kolleginnen) bestätigen einen kausalen Zusammenhang zwischen objektiv gemessenen Hitzewallungen und verschlechterter objektiver Schlafeffizienz. Viele Frauen entwickeln aber auch Insomnie-Muster unabhängig vom Nachtschweiß: frühes Erwachen, Grübel-Insomnie, leichteres Schlafprofil. Beides verstärkt sich gegenseitig.

Stimmung und Kognition verdienen sorgfältige Einordnung. Die Perimenopause erhöht das Risiko für neu auftretende Depression und Angststörungen tatsächlich, auch bei Frauen ohne entsprechende Vorgeschichte. Das ist Biologie, keine Schwäche, und es verdient echte Aufmerksamkeit, keine Selbstdiagnose.

Wenn Stimmungssymptome unverhältnismäßig zu deinen Umständen wirken oder über Wochen anhalten, sollte das Gespräch mit Hausärztin oder Frauenärztin nicht warten. Zur Kognition: SWAN beschrieb in der Auswertung von 2009 in Neurology (Greendale) eine messbare, aber reversible Delle in Verarbeitungsgeschwindigkeit und verbalem Gedächtnis während der Perimenopause, die sich in der frühen Postmenopause weitgehend zurückbildet. Der berühmte 'Brain Fog' ist also real und in aller Regel nicht der Beginn einer Demenz.

Urogenitale Veränderungen werden breit unterdiskutiert: vaginale Trockenheit, wiederkehrende Harnwegsinfekte, Harndrang und Beschwerden beim Sex sind häufig, kommen oft spät in der Transition und verschwinden, anders als Hitzewallungen, nicht von allein.

Gelenkschmerzen ('die Wechseljahres-Gelenke'), Herzklopfen, veränderte Migränemuster, Fettumverteilung Richtung Körpermitte sowie Veränderungen von Haut und Haar runden das Bild ab. Nichts davon bildest du dir ein, und nichts davon ist für sich allein diagnostisch.

Was passiert hormonell im Körper?

Die populäre Erzählung lautet: 'Östrogen fällt ab.' Für die Perimenopause ist das irreführend, denn das definierende Merkmal der frühen Transition ist Schwankung, nicht Entleerung.

Estradiol kann in manchen Zyklen deutlich über prämenopausalen Werten liegen und im nächsten abstürzen. FSH (follikelstimulierendes Hormon, das Signal vom Gehirn an die Eierstöcke) steigt, weil das Gehirn 'lauter ruft' nach immer weniger reagierenden Eierstöcken. Aber FSH selbst ist in der frühen Perimenopause erratisch. Genau deshalb ist ein einzelner Bluttest an einem zufälligen Zyklustag für die Diagnose in den 40ern fast wertlos. Die Diagnose ist in dieser Phase klinisch und basiert auf Zyklusmusterveränderungen und Symptomen.

Die kardiometabolische Biologie verschiebt sich in einer Weise, die Alterungseffekte verstärkt. Die SWAN-Herzstudie und andere Arbeiten dokumentieren eine beschleunigte Zunahme viszeralen Fetts, ein ungünstigeres Lipidprofil (steigendes LDL, sinkendes HDL) und messbare Veränderungen kardiovaskulärer Risikomarker über die Transition hinweg, teils unabhängig von Gewichtsveränderungen.

Auch der Knochendichteverlust beschleunigt sich, und zwar früher, als viele denken. Die jährliche Verlustrate des trabekulären Knochens (der schwammartige Innenbau der Wirbel und Hüften) zieht etwa 1 Jahr vor der letzten Periode messbar an und bleibt in den ersten zwei Jahren danach am höchsten. Das ist der entscheidende Grund, Krafttraining und gegebenenfalls eine MHT-Entscheidung nicht erst Jahre nach der letzten Blutung zu treffen. Wie die HRT-Entscheidung im Detail aussieht, behandelt der Leitfaden zur Hormonersatztherapie (HRT/TRT) ausführlicher.

Das Gehirn selbst passt sich an. Eine multimodale Neuroimaging-Studie (Mosconi, Scientific Reports 2021) verglich prä-, peri- und postmenopausale Frauen und berichtete stadienbezogene Unterschiede in Hirnstruktur, Konnektivität und Energiestoffwechsel, mit etwas günstigeren Werten in der Postmenopause als in der Perimenopause. Die Studie ist querschnittlich. Eine 'Erholung' wird also aus dem Vergleich zwischen Gruppen abgeleitet, nicht über Verläufe einzelner Frauen. Das ist ein plausibles neurobiologisches Korrelat des Brain Fog. Nichts davon bedeutet, dass dein Gehirn kaputtgeht. Es bedeutet, dass es sich unter veränderten hormonellen Bedingungen reorganisiert.

Was hilft beim Lebensstil mit echter Evidenz?

Einige Interventionen sind durch Studien gut gestützt, andere sind Wunschdenken mit Wellness-Budget. Hier die ehrliche Karte.

Krafttraining ist die wirkungsvollste Lebensstilintervention für diese Lebensphase, Punkt. Die LIFTMOR-Studie (Watson, J Bone Miner Res 2018) zeigte, dass hochintensives progressives Widerstands- und Impacttraining die Knochendichte an Wirbelsäule und Schenkelhals bei postmenopausalen Frauen mit niedriger Knochendichte verbessert. Eine Gruppe, der man zuvor schwere Belastungen abgeraten hatte. Skelettmuskulatur ist außerdem die größte Glukosesenke des Körpers, was dem metabolischen Drift der Transition direkt entgegenwirkt. Zwei bis drei strukturierte Einheiten pro Woche mit progressiver Belastung sind das Rezept.

Schlafhygiene wird nicht-verhandelbar, aber sei realistisch: Wenn nächtliche Schweißausbrüche der Treiber sind, sind verhaltenstherapeutische Schlafmaßnahmen allein nur teilweise wirksam. Kühles Schlafzimmer (16 bis 18 °C), atmungsaktive Nachtwäsche und eine konstante Aufstehzeit helfen. Kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie (KVT-I / CBT-I, die Standard-Psychotherapie für chronische Schlafstörungen) hat die stärkste Evidenz für chronische Schlafstörungen in dieser Gruppe und ist über die gesetzliche Krankenkasse erstattungsfähig.

Ernährung: Die Datenlage ist hier unordentlicher, als Wellness-Marketing vermuten lässt. Mediterrane Ernährung ist mit besseren kardiometabolischen Outcomes assoziiert, auch bei Frauen in der Lebensmitte. Spezifische 'Menopause-Diäten' oder phytoöstrogenlastige Protokolle stützen sich überwiegend auf Beobachtungs- und kurze Studiendaten, also nützlich, aber nicht definitiv. Ausreichend Eiweiß (rund 1,2 bis 1,6 g/kg Körpergewicht) unterstützt den Muskelerhalt in Kombination mit Krafttraining. Alkohol verschlechtert Hitzewallungen und Schlaf bei den meisten Frauen zuverlässig, und Reduzieren zahlt sich oft schnell aus.

Stressregulation ist hier echte Physiologie, kein Wellness-Add-on. HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophyse-Nebennieren, die zentrale Stressachse) und Sexualhormonachsen sind eng verzahnt, und unbehandelter chronischer Stress verstärkt die Symptomschwere. Was RCT-Evidenz hat (Mindfulness-Based Stress Reduction, Yoga, strukturierte Ausdauerbewegung) ist sinnvoll. Was keine starke Evidenz hat: Nahrungsergänzungs-Stacks mit Menopause-Marketing, 'Cortisol-Detox' und außerhalb der regulären Versorgung verschriebene 'bioidentische' Magistralrezepturen.

HRT/MHT: was sagen die Leitlinien 2026?

Das ist das Thema, bei dem die Debatte den größten Schaden angerichtet hat, und das sich gerade langsam korrigiert. Die Kurzfassung: Die Hormonersatztherapie (HRT) bzw. Menopausal Hormone Therapy (MHT) ist für symptomatische Frauen wieder Teil der seriösen Diskussion, aber die Entscheidung ist wirklich individuell. Sie gehört in ein Gespräch mit deiner Frauenärztin, Gynäkologin oder (in Österreich) Wahlärztin, nicht ins Internet. Die volle Tiefe zu Präparaten, Applikationswegen und Risikoprofilen findest du im Leitfaden zur Hormonersatztherapie (HRT/TRT).

Die drei Referenzen, die 2026 zählen: NICE NG23 (UK, aktualisiert November 2024), das NAMS Hormone Therapy Position Statement 2022, und die DGGG/OEGGG S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause (AWMF 015/062, Version 2020 mit Addendum September 2020). Wichtiger Caveat zur deutschen Leitlinie: Die AWMF-Gültigkeit ist Ende 2024 abgelaufen, und seit 2025 ist die Leitlinie offiziell in Überarbeitung, die Neufassung wird im Laufe von 2026 erwartet. Bis dahin gilt die 2020er-Fassung weiter, ist aber technisch außerhalb ihrer Gültigkeitsperiode. Alle drei Referenzen konvergieren auf ähnliche Kernprinzipien, auch wenn Dosierungs- und Produktdetails variieren.

Worauf sich die aktuellen Leitlinien in Klartext einigen: Für gesunde Frauen unter 60 oder innerhalb von 10 Jahren nach der Menopause, die unter belastenden vasomotorischen Symptomen leiden, ist das Nutzen-Risiko-Profil der MHT in der Regel günstig.

Die ursprünglichen Schadenssignale der Women's Health Initiative (WHI) waren teilweise ein Artefakt einer älteren Studienpopulation (mittleres Alter 63) und sind durch spätere Re-Analysen neu eingeordnet worden. Das 18-Jahres-Follow-up der WHI (Manson, JAMA 2017) fand keinen signifikanten Unterschied in der Gesamtmortalität zwischen Hormontherapie und Placebo im Langzeitverlauf. Die ELITE-Studie (Hodis, NEJM 2016) testete direkt die 'Timing-Hypothese' und zeigte einen günstigen Effekt auf die Progression subklinischer Atherosklerose nur, wenn die Therapie innerhalb von 6 Jahren nach der Menopause begonnen wurde, nicht später. Der ELITE-Nutzen war auf einem Surrogatmarker zu sehen, nicht auf klinischen kardiovaskulären Ereignissen.

Das Brustkrebsrisiko ist präparat- und dauerabhängig. Im Langzeit-Follow-up der WHI (Chlebowski, JAMA 2020) konzentrierte sich die erhöhte Brustkrebs-Inzidenz auf den Kombinationsarm aus Östrogen plus Gestagen (CEE + MPA). Der reine Östrogen-Arm (CEE bei Frauen nach Hysterektomie) zeigte keinen vergleichbaren Anstieg, und im erweiterten Follow-up war sogar eine signifikante Reduktion sowohl der Brustkrebs-Inzidenz als auch der Brustkrebs-Mortalität sichtbar. Eine pauschale Aussage 'HRT erhöht Brustkrebs' verkürzt das also.

Was das nicht heißt: Es heißt nicht, dass MHT risikofrei ist, und es heißt nicht, dass jede Frau eine bekommen sollte. Und es heißt vor allem nicht, dass magistralisch zusammengemischte 'bioidentische' Präparate sicherer wären als regulierte Produkte. Sie sind es nicht, und die großen Leitlinien warnen ausdrücklich vor unregulierten Magistralrezepturen. Individuelles Brustkrebsrisiko, kardiovaskuläre Vorgeschichte, Migränemuster, eingesetztes Gestagen und Applikationsweg sind alle relevant. Der Punkt: 'HRT ist gefährlich' ist 2026 nicht der Stand der Evidenz, und das Thema verdient ein ehrliches Gespräch statt einem reflexartigen Nein.

Wie baust du deinen eigenen Check-up?

Es gibt kein Perimenopause-Paket, das die Krankenkasse pauschal als Screening übernimmt. Was bezahlt wird und was nicht, hängt davon ab, was untersucht wird und warum. Ein praktischer Ansatz:

Was die gesetzliche Krankenkasse in der Regel bei klinischer Indikation deckt: gynäkologische Untersuchung, Basisblutbild (TSH, Ferritin, großes Blutbild, Lipide, HbA1c bei Risikofaktoren) und Knochendichtemessung (DEXA, Dual-Energy X-Ray Absorptiometry) bei Frakturanamnese oder klarem Osteoporoserisiko. Wichtig: Eine DEXA als routinemäßiges Screening bei asymptomatischen Frauen vor dem 65. Lebensjahr ist meist nicht im GKV-Leistungskatalog, sondern fällt unter IGeL/Selbstzahler.

Wo private/IGeL-Preise gelten: 'Wechseljahres-Panels' mit Estradiol, FSH, LH, AMH und Progesteron, umfangreichere kardiometabolische Profile über die Standardlipide hinaus, und Wahl-DEXA als Baseline-Tracking. Hormontests sind außerdem stark zyklustag-abhängig, ein zufällig terminiertes Estradiol in der frühen Perimenopause kann irgendwo liegen. Besteh darauf, dass ein Hormonpanel mit konkreter Zyklustag-Begründung kommt, sonst ist es im Grunde ein Vanity-Test. In Österreich gibt dir der Wahlärztin-Pfad längere Termine und einfacheren Zugang zu erweiterten Panels, mit Teilerstattung über die e-card im Nachgang.

Mental Health Screening wird routinemäßig vergessen. Ein validierter Fragebogen (PHQ-9 für Depression, GAD-7 für Angst) dauert fünf Minuten und ist die richtige Baseline in dieser Lebensphase. Schlägt etwas an, gibt es in Deutschland Wege zur GKV-finanzierten Psychotherapie, auch wenn die Wartelisten lang sind.

Ehrliches Minimum für die meisten Frauen im Eintritt oder mitten in der Perimenopause: Blutdruck, Lipidprofil, HbA1c, TSH, Ferritin, Vitamin D (wenn länger nicht gemessen) und mindestens ein validierter Mental-Health-Fragebogen. Eine DEXA als Baseline-IGeL ist sinnvoll, wenn Familienanamnese für Osteoporose oder eine Fragilitätsfraktur in der Vorgeschichte existiert. Zyklus-Tracking (per Notizbuch oder App) ist ein wertvolles Werkzeug für Selbstkenntnis, aber keine Diagnostik.

Häufig gestellte Fragen

Bin ich schon in der Perimenopause?

Wenn du zwischen 40 und 50 bist und deine Zyklen anfangen, um mehr als 7 Tage zu variieren, oder du neue Schlafstörungen, Stimmungsveränderungen oder Hitzewallungen bemerkst, kannst du dich in der frühen Perimenopause befinden. Es gibt keinen einzelnen Bluttest, der das in den 40ern zuverlässig bestätigt. FSH und Estradiol sind zu erratisch. Die Diagnose ist klinisch und basiert auf Zyklusmuster und Symptomen über Monate, nicht auf einem einzelnen Panel. Das Gespräch mit deiner Frauenärztin ist der richtige nächste Schritt.

Wie lange dauert die Perimenopause?

Im Schnitt erstreckt sich das Übergangsfenster von den ersten spürbaren Symptomen bis ein Jahr nach der letzten Periode über 4 bis 8 Jahre. Manche Frauen haben Symptome über 10+ Jahre. Die SWAN-Studie (Avis 2015, JAMA Internal Medicine) fand eine mediane Gesamtdauer häufiger Hitzewallungen von 7,4 Jahren, mit 4,5 Jahren Persistenz nach der letzten Periode. Das einfach 'auszusitzen' ist also meist unrealistisch. Es ist näher an einem Lebenskapitel als an einer Saison.

Ist HRT 2026 sicher?

Die aktuellen Leitlinien (NICE NG23, aktualisiert 2024; NAMS 2022; DGGG/OEGGG S3 015/062) stimmen darin überein, dass für die meisten gesunden Frauen unter 60 oder innerhalb von 10 Jahren nach Menopause mit belastenden Symptomen das Nutzen-Risiko-Profil der MHT in der Regel günstig ist. Die ursprünglichen WHI-Schadenssignale wurden durch das Langzeit-Follow-up (Manson 2017) und die ELITE-Timing-Studie neu eingeordnet. Trotzdem: Brustkrebsrisiko, Herz-Kreislauf-Vorgeschichte, Präparatetyp und Applikationsweg sind individuell wirklich relevant. Die Details findest du im [HRT/TRT-Leitfaden](/de/guides/hormonersatztherapie-hrt-trt). Das ist ein Gespräch für deine Frauenärztin oder Gynäkologin, kein pauschales Ja oder Nein.

Soll ich zur Ärztin oder einfach abwarten?

Geh zur Ärztin, wenn Symptome Schlaf, Arbeit, Stimmung oder Beziehungen beeinträchtigen. Das sind die Schwellen, die zählen, nicht die Schwere auf dem Papier. Mental-Health-Symptome (anhaltend gedrückte Stimmung, neu auftretende Angst, aufdringliche Gedanken) verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil das Depressionsrisiko in diesem Fenster real steigt. Wenn du Gedanken hast, dich selbst zu verletzen oder zu suizidieren, wende dich bitte an die Telefonseelsorge (Deutschland: 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, kostenlos, 24/7; Österreich: 142; Schweiz: 143). Abwarten ist nur sinnvoll, wenn die Symptome mild sind und du aktiv lieber nichts tun möchtest. Es gibt keinen Orden fürs Stille-Aushalten.

Sind bioidentische Hormone sicherer als reguläre HRT?

Nein, und das ist einer der hartnäckigsten Mythen in diesem Bereich. Regulär verschreibbare transdermale Estradiolpräparate sind selbst chemisch bioidentisch. Das Problem sind magistralisch zusammengemischte Präparate, die unter dem 'bioidentisch'-Label vermarktet werden. Diese haben schwankende Dosierungen, keine großen Sicherheitsdatensätze, und werden von NAMS, NICE und der Endocrine Society ausdrücklich nicht empfohlen. Wenn dir 'bioidentisch' wichtig ist: Regulär verschreibbare transdermale Estradiolpräparate sind chemisch bereits bioidentisch. Das ist ein Thema fürs Gespräch mit deiner Frauenärztin oder Gynäkologin, nicht etwas, das man außerhalb der regulären Versorgung beziehen sollte.

Was hilft gegen Schlafstörungen in den Wechseljahren?

Wenn nächtlicher Nachtschweiß der Treiber ist, ist die direkte Adressierung am effizientesten. Das kann MHT sein, nicht-hormonelle medikamentöse Optionen (SSRI, SNRI, Gabapentin und der neuere NK3-Rezeptor-Antagonist Fezolinetant, in der EU 2023 als Veoza zugelassen) oder verhaltensorientierte Kühlstrategien, jeweils in Absprache mit deiner Frauenärztin/Gynäkologin. Für Insomnie, die nicht vollständig durch Nachtschweiß erklärt ist, hat KVT-I (kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie) die stärkste Evidenz und ist über die gesetzliche Krankenkasse erstattungsfähig. Schlafhygiene-Basics (konstante Aufstehzeit, kühles Schlafzimmer, kein Alkohol am Abend) helfen, reichen aber selten allein.

Was ist mit Gewichtszunahme in der Perimenopause?

Zwei Dinge passieren parallel. Die Gesamtgewichtszunahme in der Lebensmitte ist überwiegend ein Alterungseffekt (im Schnitt etwa 0,5 kg/Jahr für Frauen 40-60, mit oder ohne Menopause). Aber die Körperzusammensetzung verschiebt sich unabhängig davon. Fett verteilt sich Richtung Körpermitte, Muskelmasse nimmt ab, wenn du sie nicht aktiv verteidigst. Die wirksamste Antwort ist nicht aggressive Kalorienreduktion, sondern progressives Krafttraining plus ausreichend Eiweiß (1,2 bis 1,6 g/kg). Crash-Diäten in diesem Fenster verschlimmern oft genau den Muskelabbau, den sie verhindern sollen.

Quellen

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