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Hormonersatztherapie und TRT: Was die Studien zeigen und was in Deutschland gilt

2002 ließ die Women's Health Initiative die Verordnungen von Wechseljahres-Hormonen einbrechen. Spätere WHI-Auswertungen haben dieses Urteil nach Alter, Präparat und Zeitpunkt verfeinert, und für Männer hat die TRAVERSE-Studie 2023 die Herzsorge beim Testosteron entschärft. Hier ist der Stand vom Oktober 2026 für Frauen, die über HRT nachdenken, und Männer, die TRT erwägen, mit Blick auf Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Aktualisiert am 30 Min. Lesezeit70 Quellen

Kurz erklärt

Für die meisten Frauen, die vor 60 oder innerhalb von 10 Jahren nach der Menopause wegen Hitzewallungen mit einer Hormonersatztherapie (HRT) beginnen, überwiegt der Nutzen die Risiken.[14] In der großen WHI-Studie starben Frauen mit Hormonen über 18 Jahre nicht häufiger als Frauen mit Placebo, das Risiko für Blutgerinnsel, Schlaganfall und Brustkrebs steigt aber messbar.[1, 5, 35, 43] Bei Männern mit bestätigtem Testosteronmangel führte eine Testosteronersatztherapie (TRT) in der TRAVERSE-Studie über rund drei Jahre nicht zu mehr schweren Herzereignissen als Placebo.[25] Beide behandeln Beschwerden und Mangel, ein längeres Leben ist für keine von beiden belegt.[5, 29]

Diese Inhalte dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere immer einen qualifizierten Arzt, bevor du Änderungen an deiner Ernährung, deinem Trainingsprogramm oder deiner Nahrungsergänzung vornimmst.

Ist eine Hormonersatztherapie gefährlich? Was die WHI-Studie wirklich zeigte

Für die meisten Frauen, die vor 60 oder innerhalb von 10 Jahren nach der Menopause mit Beschwerden beginnen, ist eine Hormonersatztherapie (HRT) sicher genug.[14] Die Menopause Society hält das Verhältnis von Nutzen und Risiko in dieser Gruppe für günstig.[14] Ihren Ruf als gefährliche Therapie hat die HRT seit dem Sommer 2002. Damals brach die Women's Health Initiative (WHI), eine große US-Studie, ihren Hormonarm vorzeitig ab und meldete mehr Brustkrebs, Herzinfarkte und Schlaganfälle.[1] In den USA fielen die Verordnungen von Wechseljahres-Hormonen daraufhin von rund 90 Millionen im Jahr 1999 auf geschätzte 57 Millionen im Jahr 2003.[3] Dabei hatte die Studie eine ganz bestimmte Gruppe mit einem ganz bestimmten Präparat getestet.[3]

Diese Gruppe waren 16.608 Frauen zwischen 50 und 79 Jahren, im Durchschnitt 63 Jahre alt und viele schon 10 Jahre oder länger nach der Menopause.[1, 43] Sie bekamen Placebo oder eine Kombination aus konjugierten Pferdeöstrogenen (CEE) und dem synthetischen Gestagen Medroxyprogesteronacetat (MPA).[1] Nach gut fünf Jahren fiel die Bilanz gemischt aus. Unter Hormonen gab es mehr Brustkrebs, Herzerkrankungen, Schlaganfälle und Lungenembolien, dafür weniger Hüftbrüche und Darmkrebs.[1] Die Autoren schlossen daraus, dass man CEE plus MPA zur Vorbeugung von Herzkrankheiten weder beginnen noch fortführen soll.[1]

Wie groß diese Risiken für die einzelne Frau waren, zeigen erst die absoluten Zahlen. Hinter dem relativen Plus von 26 % beim Brustkrebs standen etwa 8 zusätzliche Fälle pro 10.000 Frauen und Jahr, bei Schlaganfall und Lungenembolie ebenfalls je etwa 8.[1] Dem standen etwa 5 Hüftbrüche und 6 Darmkrebsfälle weniger gegenüber.[1] Ein Plus von einem Viertel klingt dramatisch, betraf pro Jahr aber weniger als eine von 1.000 Frauen.

Zwei Jahre später kam der zweite WHI-Arm, und der sah anders aus. Darin bekamen Frauen ohne Gebärmutter CEE allein, also ohne Gestagen.[2] Brustkrebs und Herzerkrankungen nahmen dabei nicht zu, Schlaganfälle aber ähnlich stark wie im Kombinationsarm.[2] Die Tabelle stellt die Veränderungen gegenüber Placebo in beiden Armen nebeneinander:

Ereignis CEE plus MPA (2002) CEE allein (2004)
Brustkrebs +26 % −23 % (nur ein Trend)
Herzerkrankung +29 % −9 % (nicht sicher)
Schlaganfall +41 % +39 %
Hüftbruch −34 % −39 %

Quelle: WHI-Hauptauswertungen.[1, 2]

Nach 13 Jahren Nachbeobachtung bestätigte sich dieser Unterschied zwischen den Armen: Unter CEE allein war Brustkrebs sogar seltener, unter der Kombination häufiger.[4] Die Schlagzeilen von 2002 hatten also zwei verschiedene Therapien unter dem Wort „HRT“ zusammengeworfen. Aus Sicht dieses Guides war der pauschale Rückzug deshalb zu breit, weil er auch die 51-Jährige mit Hitzewallungen traf, über die die Studie wenig aussagte. Für Frauen, die erst nach 60 oder mehr als 10 Jahre nach der Menopause beginnen, sehen die Fachgesellschaften das Verhältnis allerdings bis heute weniger günstig.[14]

Ob Hormone das Leben verkürzen, beantwortete später eine gemeinsame Auswertung beider WHI-Arme. Über eine Nachbeobachtung von insgesamt 18 Jahren starben Frauen mit Hormonen nicht häufiger als Frauen mit Placebo, weder insgesamt noch an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs.[5] Bei Frauen, die in ihren 50ern begonnen hatten, fiel die Bilanz während der Behandlung günstiger aus als bei 70- bis 79-Jährigen.[5] Die Schäden von 2002 hingen also an Präparat und Alter. Die höheren Risiken für Blutgerinnsel, Schlaganfall und, mit CEE plus MPA, Brustkrebs gelten aber weiter.[1, 5, 43]

Heutige Leitlinien wägen deshalb nach Präparat, Dosis, Dauer, Darreichungsform und Zeitpunkt des Beginns ab.[14] Ähnlich ordnen die International Menopause Society und die deutsche S3-Leitlinie die WHI ein.[15, 17] Die US-Arzneimittelbehörde FDA ist einen Schritt weitergegangen: Im November 2025 kündigte sie an, die schärfsten Warnhinweise (Boxed Warnings) zu Herzkrankheit, Brustkrebs und Demenz von Wechseljahres-Hormonen zu streichen.[36] Am 12. Februar 2026 genehmigte sie die ersten geänderten Fachinformationen für sechs Produkte, weitere werden angepasst (Stand: Oktober 2026).[57]

Die Warnung vor Gebärmutterkrebs bleibt bei systemischen reinen Östrogenpräparaten bestehen.[36] Laut FDA sollen die neuen Texte außerdem einen Beginn vor 60 oder innerhalb von 10 Jahren nach der Menopause empfehlen.[36] Diese Änderung gilt für die USA. In der deutschen Fachinformation stehen Brustkrebs, Blutgerinnsel und Schlaganfall weiterhin als Risiken.[48] Ins Gespräch mit deiner Ärztin gehören deshalb beide Seiten: die entlastenden Langzeitdaten und diese Warnungen.

Ab wann und wie lange ist eine Hormonersatztherapie sinnvoll?

Eine Hormonersatztherapie (HRT) beginnt am günstigsten vor 60 oder innerhalb von 10 Jahren nach der Menopause, und ein festes Enddatum gibt es nicht.[14, 36] Diese Faustregel stützt sich auf die Erfahrung aus der WHI, dass Alter und Abstand zur Menopause die Risiken verändern.[5, 14]

Wer früh beginnt und weiter Beschwerden hat, muss deshalb nicht zu einem festen Datum aufhören. Die Menopause Society sieht keinen Grund, mit 65 routinemäßig abzusetzen, wenn die Hitzewallungen bleiben.[14] Eine längere Behandlung braucht aber einen dokumentierten Grund und eine regelmäßige neue Abwägung mit deiner Ärztin.[14] Ein Erststart nach 60 ist dagegen eine andere Rechnung, weil die absoluten Risiken für Herzkrankheit, Schlaganfall, Thrombose und Demenz dann höher sind.[14]

Ob ein früher Beginn das Herz sogar schützt, haben zwei randomisierte Studien geprüft, in denen das Los über Hormone oder Placebo entschied. Die erste, ELITE, teilte 643 gesunde Frauen nach dem Abstand zur Menopause ein: weniger als 6 Jahre oder 10 Jahre und mehr.[11] Sie nahmen 1 mg Östradiol als Tablette oder Placebo, Frauen mit Gebärmutter zusätzlich ein vaginales Progesteron-Gel.[11] Gemessen wurde, wie schnell die Wand der Halsschlagader dicker wird, ein früher Hinweis auf Gefäßverkalkung. Bei den frühen Starterinnen verdickte sie sich unter Östradiol langsamer als unter Placebo, bei den späten gab es keinen Unterschied.[11] Beim Kalk in den Herzkranzgefäßen unterschieden sich die Gruppen in keinem der beiden Fenster.[11]

Die zweite Studie, KEEPS, fand nicht einmal diesen Effekt auf die Gefäßwand. Sie schloss gesunde Frauen ein, deren Menopause 6 bis 36 Monate zurücklag.[12] Über 4 Jahre bekamen sie niedrig dosiertes CEE als Tablette, ein Östradiol-Pflaster oder Placebo, die Hormongruppen zusätzlich mikronisiertes Progesteron.[12, 13] Am Ende hatte sich die Halsschlagader in allen drei Gruppen gleich schnell verdickt, obwohl sich einzelne Risikomarker verbesserten.[12] Allerdings nutzte KEEPS niedrigere Dosen als die WHI und war zu klein, um Unterschiede bei Herzinfarkten oder Schlaganfällen zu erkennen.[12]

Beide Studien maßen die Gefäßwand, und eine langsamer wachsende Gefäßwand ist noch kein verhinderter Herzinfarkt. Kein großer verblindeter Versuch hat gezeigt, dass früh begonnene HRT Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Herztod verhindert. Das deutlichste randomisierte Signal kommt aus der dänischen DOPS-Studie mit Frauen kurz nach der Menopause.[42] Nach 10 Jahren traten dort Todesfälle, Krankenhausaufenthalte wegen Herzschwäche und Herzinfarkte zusammengenommen seltener auf, doch die Studie war klein und die Frauen wussten, ob sie Hormone bekamen.[42]

Auch beim Gehirn blieb ein Nutzen aus. Die KEEPS-Teilstudie zum Denken fand nach bis zu 4 Jahren Behandlung keinen Effekt auf Gedächtnis, Aufmerksamkeit oder Denkgeschwindigkeit.[13] Unter CEE-Tabletten besserten sich Niedergeschlagenheit und Angst etwas, unter dem Pflaster nicht.[13] In der Gedächtnisstudie der WHI traten bei Frauen ab 65 unter CEE plus MPA sogar mehr Demenzfälle auf.[4] Die Behauptung, Östrogen beuge Demenz vor, stützen diese Versuche also nicht.

Was bringt eine Hormonersatztherapie, und was nicht?

Gegen Hitzewallungen und nächtliche Schweißausbrüche ist eine Hormonersatztherapie (HRT) die wirksamste Behandlung: In Studien mit Placebo sank die Zahl der Hitzewallungen um etwa 75 %.[44] Als weitere belegte Einsatzgebiete nennt die Menopause Society die Beschwerden im Intimbereich und den Schutz vor Knochenschwund und Brüchen.[14] Welche Beschwerden überhaupt zu den Wechseljahren gehören, sortiert der Perimenopause-Guide; hier geht es darum, was die Hormone dagegen ausrichten.

Scheidentrockenheit, Schmerzen beim Sex und häufige Blasenentzündungen fassen Ärztinnen als genitourinäres Menopausensyndrom (GSM) zusammen. Helfen Gleitmittel und Feuchtigkeitscremes nicht, empfiehlt die Menopause Society niedrig dosiertes Östrogen direkt in der Scheide, etwa als Tablette, Ring oder Creme (Vagifem, Estring, OeKolp).[14] Davon kommt im restlichen Körper so wenig an, dass du kein zusätzliches Gestagen brauchst.[14] Eine systemische HRT, die über das Blut im ganzen Körper wirkt, kann die Trockenheit ebenfalls lindern, doch gegen wiederkehrende Harnwegsinfekte half in Studien nur vaginales Östrogen.[45] Östrogen als Tablette senkte die Zahl der Infekte nicht.[45]

Auch für die Knochen ist der Nutzen gut belegt: HRT bremst den Knochenabbau und senkt das Bruchrisiko, in der WHI gab es rund ein Drittel weniger Hüftbrüche.[1, 14] In Deutschland ist Östradiol auch ohne Hitzewallungen zur Vorbeugung von Osteoporose zugelassen.[48] Das gilt für Frauen nach der Menopause mit hohem Bruchrisiko, die andere dafür zugelassene Mittel nicht vertragen oder nicht nehmen dürfen.[48]

Bei Herz, Gehirn und Lebensdauer fällt die Bilanz anders aus. Zur Vorbeugung von Herzkrankheiten soll CEE plus MPA laut WHI weder begonnen noch fortgeführt werden.[1] Auch bei frühem Beginn zeigte sich nur ein Effekt auf die Gefäßwand, nicht auf Herzinfarkte.[11] Vor Demenz schützte HRT in den Studien nicht, bei Frauen ab 65 traten unter CEE plus MPA sogar mehr Fälle auf.[4, 13] Weil die Gesamtsterblichkeit über 18 Jahre unverändert blieb, ist HRT auch kein Anti-Aging-Mittel.[5]

Bei der Stimmung kann sie dagegen helfen, wenn diese rund um die Wechseljahre gedrückt ist.[34] NICE, das britische Institut für Behandlungsleitlinien, empfiehlt dafür zusätzlich kognitive Verhaltenstherapie.[34] Eine diagnostizierte Depression ist aber ein eigenes Krankheitsbild, das du mit deiner Ärztin gesondert behandeln solltest.

Wenn die Menopause früh beginnt

Frauen, deren Menopause vor dem 40. Lebensjahr eintritt (prämature Ovarialinsuffizienz, POI) oder sonst früh beginnt, leben länger ohne Östrogen.[58] Das ist mit einem kürzeren Leben und mehr Herz-, Knochen- und Gehirnproblemen verbunden.[58] Die deutsche S3-Leitlinie empfiehlt, Frauen mit POI über eine Hormonbehandlung mit HRT oder kombinierter Pille aufzuklären.[17] Sie soll mindestens bis zum natürlichen Menopausenalter laufen, sofern nichts dagegen spricht.[17] Ein internationales Positionspapier von 2026 nennt eine rechtzeitige, ausreichend dosierte und langfristige Hormontherapie sogar die Grundlage der Versorgung, ebenfalls ohne Gegenanzeigen.[58]

Wenn du keine Hormone nehmen kannst oder willst

Für Frauen, die keine Hormone nehmen dürfen oder wollen, gibt es inzwischen zwei hormonfreie Tabletten. Fezolinetant (Veoza) ist seit Dezember 2023 in der EU zugelassen und senkte in einer Studie Häufigkeit und Stärke der Hitzewallungen stärker als Placebo.[41, 53] Seit dem 17. November 2025 ist mit Elinzanetant (Lynkuet) ein zweites Mittel in der EU zugelassen (Stand: Oktober 2026).[54] Es gilt für mittelschwere bis schwere Hitzewallungen der Wechseljahre und für Hitzewallungen durch eine Antihormontherapie nach Brustkrebs.[54] Ob Lynkuet in Deutschland schon erhältlich ist, klärst du am besten mit deiner Apotheke.

Für Veoza gelten feste Sicherheitsregeln.[53] Die Leberwerte werden vor der ersten Tablette und in den ersten drei Monaten jeden Monat kontrolliert, danach nach ärztlichem Ermessen.[53] Bei deutlich erhöhten Werten wird gar nicht erst begonnen.[53] Bekommst du gelbe Haut oder gelbe Augen, dunklen Urin, Juckreiz oder auffällige Müdigkeit, setzt du ab und rufst sofort deine Ärztin an.[53] Tabu ist die Kombination mit mittelstarken oder starken CYP1A2-Hemmern, also Stoffen, die den Abbau in der Leber bremsen.[53] Dazu gehören kombinierte Pillen mit Ethinylestradiol und das Antidepressivum Fluvoxamin.[53] Auch in der Schwangerschaft ist Veoza tabu, und zusammen mit einer systemischen Östrogen-HRT wird es nicht empfohlen.[53]

Ganz ohne Tablette geht es auch: NICE empfiehlt kognitive Verhaltenstherapie gegen Hitzewallungen.[34] Bei pflanzlichen Mitteln wie Traubensilberkerze, Isoflavonen oder Johanniskraut ist die Evidenz laut NICE unsicher, die Qualität der Produkte schwankt, und manche wechselwirken mit anderen Medikamenten.[34]

Progesteron oder synthetisches Gestagen: Was ist besser für die Brust?

Ob mikronisiertes Progesteron die Brust weniger belastet als ein synthetisches Gestagen, ist nicht sicher geklärt.[8, 9] Beobachtungsdaten, also Auswertungen von Frauen, die ihre Hormone ohnehin nahmen, sprechen dafür, doch ein randomisierter Versuch hat es noch nicht gezeigt.[8, 9] Die Frage betrifft jede Frau mit Gebärmutter, denn sie braucht zum Östrogen ein zweites Hormon, ein Gestagen, das die Schleimhaut der Gebärmutter schützt.[14] Mikronisiertes Progesteron (Utrogest, Famenita) gleicht dem körpereigenen Hormon, während synthetische Gestagene wie MPA, Norethisteronacetat, Levonorgestrel oder Dienogest verwandte, aber andere Moleküle sind.

Viele Daten zu diesem Unterschied stammen aus der französischen E3N-Kohorte, einer Gruppe von rund 80.000 Frauen, die über etwa acht Jahre beobachtet wurden.[8] Mit Östradiol plus einem der gängigen synthetischen Gestagene trat Brustkrebs der Milchgänge (duktal) etwa 1,6-mal so häufig auf wie bei Frauen ohne Hormone.[8] Brustkrebs der Drüsenläppchen (lobulär) war sogar etwa doppelt so häufig.[8] Mit Östradiol plus mikronisiertem Progesteron stieg das Gesamtrisiko dagegen nicht statistisch sicher.[8] Bei längerer Anwendung zeigte sich aber auch dort ein steigendes Risiko für einzelne Tumorarten.[8]

Eine Übersichtsarbeit schloss aus solchen Daten, dass Östrogen mit mikronisiertem Progesteron das Brustkrebsrisiko bis zu 5 Jahre lang nicht erhöht.[9] Bei längerer Anwendung fand sie begrenzte Hinweise auf ein höheres Risiko.[9] Auch diese Einschätzung ruht aber auf Beobachtungen, und andere Daten sind weniger beruhigend. Die britische Million Women Study sah kaum Unterschiede zwischen einzelnen Gestagenen.[7] Eine weltweite Sammelauswertung fand mit jeder kombinierten systemischen HRT ein höheres Risiko, schon in den ersten Jahren der Anwendung.[35]

Viele Ärztinnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz geben trotzdem lieber mikronisiertes Progesteron, weil es nach diesen Daten zumindest nicht schlechter abschneidet. Oft heißt es dann „bioidentisch“, was nur bedeutet, dass ein Hormon dem körpereigenen Molekül gleicht. Hierzulande meint das meist zugelassene Präparate mit Östradiol und mikronisiertem Progesteron, zum Beispiel Estramon, Gynokadin, Utrogest oder Famenita. Außerhalb der Evidenz bist du dagegen bei individuell gemischten Pellets, Lutschtabletten (Troches) oder Speicheltest-Protokollen, wie sie vor allem in den USA verkauft werden.[31] Eine Expertenkommission der US-Akademien riet von deren routinemäßigem Einsatz ab, weil Dosis und Sicherheit nicht verlässlich belegt sind.[31]

Wie Progesteron eingenommen wird

Die deutschen Fachinformationen von Utrogest und Famenita nennen 200 mg vor dem Schlafengehen an mindestens 12 bis 14 Tagen pro Monat, in der zweiten Zyklushälfte.[65, 66] Die britische Fachinformation von Utrogestan nennt zusätzlich 100 mg abends an den Tagen 1 bis 25,[49] und 100 mg jeden Abend durchgehend ist ebenfalls gängige Praxis. Nimm die Kapseln vor dem Schlafen und nicht zum Essen, weil sie müde machen können.[49, 65] Utrogest enthält Phospholipide aus Sojabohnen und ist bei Soja- oder Erdnussallergie tabu.[65] Famenita führt kein Soja unter seinen Bestandteilen,[66] bei anderen Marken hilft der Beipackzettel.

Pflaster, Gel oder Tablette: Welche Form ist am sichersten?

Beim Thromboserisiko einer Hormonersatztherapie schneiden Pflaster und Gel besser ab als Tabletten.[10] Gemeint sind venöse Thromboembolien, also Blutgerinnsel in einer tiefen Beinvene oder in der Lunge. Sie waren in Beobachtungsstudien mit oralem Östrogen etwa 1,6-mal so häufig wie mit Östrogen über die Haut.[10] Diese Zahl stammt aus einer Meta-Analyse, die 15 Beobachtungsstudien zusammenfasst und deren Evidenz die Autoren als niedrig einstufen.[10] Beim Schlaganfall gab es nur in einer einzelnen Studie ein leichtes Plus für Tabletten, beim Herzinfarkt keinen Unterschied.[10]

Den Unterschied erklärt der Weg, den das Hormon nimmt. Östrogen aus der Tablette läuft zuerst durch die Leber, bevor es ins Blut kommt, und die Leber verschiebt daraufhin das Gleichgewicht der Gerinnungsfaktoren in Richtung Gerinnung. Pflaster und Gel bringen Östradiol dagegen über die Haut direkt ins Blut.

Die Leitlinien ziehen daraus ähnliche Schlüsse. Die deutsche S3-Leitlinie verlangt, Frauen über das höhere Thromboserisiko von Östrogentabletten gegenüber Pflaster oder Gel aufzuklären.[17] Eine kombinierte Tablettentherapie kann laut Leitlinie zudem das Risiko für einen Schlaganfall durch Gefäßverschluss erhöhen, Östrogen über die Haut nach bisheriger Datenlage nicht.[17] Auch die Menopause Society hält es für möglich, dass Wege an der Leber vorbei und niedrigere Dosen Gerinnsel und Schlaganfälle seltener machen, direkte randomisierte Vergleiche fehlen aber.[14] In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Östradiol über die Haut mit mikronisiertem Progesteron deshalb verbreitete Praxis, gestützt auf Beobachtungsdaten.[8, 9, 10] Das ältere Pferdeöstrogen CEE hat Östradiol hier weitgehend abgelöst.

Welche Form zu dir passt, hängt von deinem Gerinnungsrisiko ab, und dabei gibt es zwei Gruppen, die man nicht verwechseln darf. Eine systemische HRT, die über das Blut im ganzen Körper wirkt, wird gar nicht verordnet, auch nicht als Pflaster oder Gel, wenn eines davon zutrifft.[48]:

  • eine frühere oder bestehende venöse Thromboembolie
  • eine bekannte Thrombophilie (angeborene oder erworbene Gerinnungsneigung, etwa Faktor-V-Leiden)
  • eine aktive oder kürzliche arterielle Thrombose, etwa ein Herzinfarkt oder Angina pectoris

Eine Ausnahme davon kann nur eine Fachärztin oder ein Facharzt entscheiden[48] Anders ist es bei Risikofaktoren, die eine HRT nicht ausschließen: Dann ist Östradiol über die Haut die bevorzugte Form, sofern HRT sonst zu dir passt.[10, 17]

  • BMI über 30
  • Rauchen
  • Beginn nach 60
  • längere Bettlägerigkeit oder Immobilität
  • Blutgerinnsel bei nahen Verwandten

Ohne solche Risikofaktoren und mit klarer Vorliebe für Tabletten bleibt niedrig dosiertes orales Östradiol mit mikronisiertem Progesteron eine vertretbare Wahl.[10] Das etwas höhere Gerinnselrisiko wägst du dann mit deiner Ärztin ab. Zwischen Pflaster und Gel ist es vor allem Geschmackssache: Gel lässt sich flexibler dosieren, das Pflaster klebst du auf und vergisst es. Gynokadin trägst du einmal täglich auf Arme und Schultern auf und lässt es einige Minuten trocknen, bevor du dich anziehst.[48]

Brauchen Frauen Testosteron? Was belegt ist und was in Deutschland gilt

Testosteron hilft Frauen nach heutiger Evidenz bei genau einer Beschwerde: wenn die sexuelle Lust nach der Menopause so weit fehlt, dass es belastet (hypoaktive sexuelle Luststörung, HSDD).[19] So steht es im Global Consensus von 2019, einem gemeinsamen Positionspapier mehrerer internationaler Fachgesellschaften für Hormone und Wechseljahre.[19] Für Knochen, Stimmung, Denkvermögen, Körperzusammensetzung, Energie oder die Vorbeugung von Krankheiten reichen die Daten laut diesem Papier nicht.[18, 19] Im Wellness-Marketing wird Testosteron trotzdem oft als Mittel für Energie und Figur beworben. Wie Hormone neben anderen Longevity-Themen für Frauen einzuordnen sind, steht im Guide zu Longevity für Frauen.

Ein zugelassenes Testosteronpräparat für Frauen gibt es in der EU derzeit nicht. Von 2006 bis 2012 war das Testosteronpflaster Intrinsa EU-weit zugelassen, bis der Hersteller es aus wirtschaftlichen Gründen zurückzog.[55] In Großbritannien ließ die Arzneimittelbehörde MHRA 2025 die Testosteroncreme AndroFeme gegen geringe sexuelle Lust nach der Menopause zu. Diese nationale Zulassung gilt für Deutschland, Österreich und die Schweiz nicht.

Ärztinnen verordnen deshalb manchmal ein Testosterongel für Männer off-label, also außerhalb der Zulassung, in einer viel kleineren Dosis. Für Frauen sind die männlichen Gele nicht zugelassen, und ihre Fachinformation warnt vor vermännlichenden Wirkungen.[50] Individuell hergestelltes (kompoundiertes) Testosteron empfiehlt der Global Consensus nicht.[19] Eine sorgfältig hergestellte Rezeptur kommt nur in Frage, wenn kein zugelassenes gleichwertiges Präparat verfügbar ist, und dann dosiert auf den Normalbereich von Frauen vor der Menopause.[19] Pellets, Spritzen und alles, was den Wert darüber hebt, empfiehlt das Papier nicht.[19]

Wenn deine Ärztin Testosteron verordnet

Die Dosis hängt vom Präparat ab und wird von der Ärztin festgelegt. Britische Fachempfehlungen beginnen mit etwa 5 mg Testosteron am Tag.[52] Bei Tostran ist das ein Pumpstoß mit 10 mg jeden zweiten Tag, bei Testogel-Beuteln etwa ein Achtel eines 40,5-mg-Beutels pro Tag.[52] Ein Pumpstoß Testogel enthält dagegen rund 20 mg, eine „Pumpdosis“ ist also kein einheitliches Maß.[50]

Ziel ist ein Blutwert im Normalbereich von Frauen vor der Menopause. Gemessen wird vor Beginn, nach 3 bis 6 Wochen und danach etwa halbjährlich.[19, 52] Dabei achtet die Ärztin auch auf Zeichen von zu viel Testosteron wie Akne oder vermehrten Haarwuchs.[19, 52] Ob die Behandlung wirkt, lässt sich oft erst nach 3 bis 6 Monaten beurteilen.[19, 52] Bringt sie nach sechs Monaten keinen Nutzen, soll sie laut Global Consensus beendet werden.[19, 52]

Die häufigsten Nebenwirkungen sind vermehrter Haarwuchs, Akne und Gewichtszunahme, während eine tiefere Stimme oder Haarausfall bei Frauendosen selten sind.[52] Zu Herz und Brust gibt es nur begrenzte Langzeitdaten.[52] Lass das Gel trocknen, wasch dir danach die Hände und vermeide Hautkontakt mit Partner und Kindern, weil Testosteron über die Haut übertragen werden kann.[50, 52]

In Deutschland zahlst du diese Behandlung normalerweise selbst, denn die gesetzliche Kasse übernimmt Off-Label-Verordnungen nur in engen Ausnahmen.[60] Sie gehört in die Hand einer Endokrinologin oder einer erfahrenen Gynäkologin, die die Blutwerte kontrolliert.

Testosteronersatztherapie (TRT): Ab welchem Wert ist sie sinnvoll?

Eine Testosteronersatztherapie (TRT) ist nur gerechtfertigt, wenn zwei Dinge zusammenkommen: typische Beschwerden und ein niedriger Testosteronwert, bestätigt in mindestens zwei Messungen am Morgen.[21, 39] Zu den typischen Beschwerden zählen wenig Lust auf Sex, Erektionsprobleme, Verlust von Körperbehaarung, weniger Muskelkraft, Erschöpfung und gedrückte Stimmung.[21] Ein niedriger Wert ohne Beschwerden reicht genauso wenig wie Beschwerden bei normalem Wert.

Bei der Frage, was als niedrig gilt, orientiert sich die Praxis in Europa meist an der European Association of Urology (EAU). Sie setzt die Grenze bei 12 nmol/L Gesamttestosteron (rund 350 ng/dL), gemessen nüchtern am Morgen an mindestens zwei Tagen.[39] Den größten Nutzen sieht sie unter 8 nmol/L.[39] Liegt der Wert knapp an der Grenze oder sind die Bindungseiweiße im Blut verändert, etwa bei Übergewicht, Schilddrüsenerkrankungen oder im hohen Alter, empfiehlt die Endocrine Society einen zweiten Blick.[21] Dann wird zusätzlich das freie Testosteron gemessen, also der Anteil, der nicht an Eiweiß gebunden ist.[21] Ist der Mangel bestätigt, soll vor der Behandlung seine Ursache gesucht werden.[21]

Andere Fachgesellschaften nennen andere Grenzen, weil sie andere Referenzdaten nutzen. Die Endocrine Society nimmt 264 ng/dL (9,2 nmol/L), die untere Normgrenze gesunder junger Männer aus vier Kohorten.[23] Diese Grenze gilt für Labore mit Tests nach dem Standard der US-Gesundheitsbehörde CDC, andere Labore bewerten nach ihrem eigenen Referenzbereich.[21] Bei den US-Urologen (AUA) sind es 300 ng/dL, ebenfalls mit zwei frühmorgendlichen Messungen.[22] Die 12 nmol/L der EAU liegen über beiden und sind damit die weniger strenge Grenze.[39]

Wie selten ein echter Mangel nach dieser Definition ist, zeigt die European Male Aging Study mit 3.369 Männern zwischen 40 und 79.[24] Mindestens drei sexuelle Beschwerden zusammen mit einem Gesamttestosteron unter 11 nmol/L und einem niedrigen freien Testosteron hatten nur etwa 2 %.[24] Viel höhere Zahlen, die in der Werbung kursieren, zählen meist nur einen niedrigen Laborwert ohne Beschwerden.

Selbst bei bestätigtem Mangel rät die Endocrine Society in diesen Fällen von einem Start ab.[21]:

  • aktiver Kinderwunsch
  • Prostata- oder Brustkrebs
  • tastbarer Knoten in der Prostata
  • PSA (ein Blutwert der Prostata) über 4 ng/mL, oder über 3 bei Männern mit höherem Risiko, ohne weitere urologische Abklärung
  • erhöhter Hämatokrit (Anteil der roten Blutkörperchen)
  • unbehandelte schwere Schlafapnoe
  • starke Beschwerden beim Wasserlassen
  • unkontrollierte Herzschwäche
  • Herzinfarkt oder Schlaganfall in den letzten 6 Monaten
  • Thrombophilie (Neigung zu Blutgerinnseln)

Was TRT bei Männern mit Mangel bringt, zeigen die T-Trials[20] Darin nahmen 790 Männer ab 65 mit einem Wert unter 275 ng/dL ein Jahr lang Testosteron-Gel oder Placebo.[20] Sexuelle Aktivität, Lust und Erektion besserten sich moderat.[20] Beim Gehen blieb der Nutzen unsicher: In der eigentlichen Bewegungsstudie gab es keinen sicheren Unterschied, nur über alle drei Teilstudien zusammen einen kleinen Vorteil.[20] Gegen Müdigkeit half Testosteron nicht, die Stimmung wurde leicht besser.[20] Das Versprechen, TRT bringe die Energie von 25 zurück, findet in diesen Daten also keine Stütze. Wie Hormone neben Training, Schlaf und Gewicht in einen größeren Plan passen, ordnet der Guide für Männer ab 40 ein.

Wer sich für ein Gel entscheidet, muss auch an andere denken. Testosterongel kann bei Hautkontakt auf Partnerin und Kinder übergehen, deshalb bedeckst du die Stelle mit Kleidung und wäschst dir nach dem Auftragen die Hände.[50]

Wenn du Kinder willst

Ein aktiver Kinderwunsch steht oben auf der Liste, weil Testosteron von außen die Signale aus dem Gehirn drosselt, die die Spermienbildung anregen.[39] Fehlen die Signale aus der Hirnanhangdrüse, können Gonadotropine wie hCG die Spermienbildung wiederherstellen.[39, 67] In Deutschland ist dafür Brevactid zugelassen.[67] Seine Produktion wurde Anfang 2026 eingestellt, deshalb dürfen Apotheken gleichwertige Präparate importieren (Stand: Oktober 2026).[68] Wird hCG zusätzlich zur TRT gegeben, um die Fruchtbarkeit zu erhalten, ist das dagegen off-label und gehört zu einer Andrologin oder einem Andrologen.[67]

Ist TRT schlecht fürs Herz? Was TRAVERSE 2023 zeigt

Für Männer mit bestätigtem Mangel und hohem Herzrisiko führte eine Testosteronersatztherapie (TRT) in der TRAVERSE-Studie über rund drei Jahre nicht zu mehr schweren Herzereignissen als Placebo.[25] Damit beantwortete die Studie eine Sorge, die die Verordnung zehn Jahre lang begleitet hatte.

Ausgelöst hatten diese Sorge zwei Auswertungen von Routinedaten, also Daten aus dem Behandlungsalltag statt aus einem Versuch. Eine Auswertung bei US-Veteranen meldete 2013 mehr Todesfälle, Herzinfarkte und Schlaganfälle unter Testosteron, doch ihre Methodik wurde scharf kritisiert, und die Daten mussten korrigiert werden.[26] Ein Jahr später fand eine Analyse von Versicherungsdaten kurz nach dem ersten Rezept häufiger Herzinfarkte.[27] Auf diese beiden Arbeiten folgte 2015 ein Warnhinweis der FDA zu Herz-Kreislauf-Risiken.[37]

TRAVERSE prüfte die Frage dann randomisiert, also per Los, an 5.246 Männern zwischen 45 und 80.[25] Alle hatten eine Herzerkrankung oder ein hohes Herzrisiko und einen Mangel, belegt durch Symptome und zwei Morgenwerte unter 300 ng/dL.[25] Sie trugen täglich ein Testosterongel oder ein Placebo auf, im Mittel knapp 22 Monate lang, und wurden fast drei Jahre beobachtet.[25] Ein schweres Herzereignis, also Herztod, Herzinfarkt oder Schlaganfall, traf 7,0 % der Männer mit Testosteron und 7,3 % mit Placebo.[25] Testosteron schnitt damit nicht schlechter ab als Placebo.

Die Alarme von 2013 und 2014 sind für diese Gruppe dadurch sehr viel unwahrscheinlicher geworden. TRAVERSE war allerdings auf die drei Ereignisse zusammen ausgelegt und kann einen Effekt auf die Sterblichkeit allein deshalb nicht sicher belegen.[25] Eine Anwendung über viele Jahre hat die Studie nicht geprüft, und ihr Ergebnis gilt nur für Männer mit bestätigtem Mangel.[25]

Im Februar 2025 forderte die FDA die Hersteller auf, die Herzrisiko-Passage aus dem Boxed Warning, ihrem schärfsten Warnhinweis, zu streichen und die TRAVERSE-Ergebnisse aufzunehmen.[37] Zugleich muss jedes Testosteronprodukt eine Blutdruckwarnung tragen.[37] Für rein altersbedingt niedriges Testosteron ist es in den USA weiterhin nicht zugelassen.[37]

Risikofrei war Testosteron in TRAVERSE trotzdem nicht. Diese Unterschiede gehören in jedes Aufklärungsgespräch:

  • Vorhofflimmern: 3,5 % mit Testosteron gegenüber 2,4 % mit Placebo[25]
  • Lungenembolie: 0,9 % gegenüber 0,5 %[25]
  • akute Nierenschädigung: 2,3 % gegenüber 1,5 %[25]
  • Knochenbrüche in einer Teilstudie: 3,5 % gegenüber 2,5 %; der Grund ist unklar, und dass TRT vor Brüchen schützt, ist nicht gezeigt[39, 46]
  • Prostata: Der PSA-Wert, ein Blutwert der Prostata, stieg stärker, bei Prostatakrebs, aggressiven Tumoren und Biopsien gab es aber keinen sicheren Unterschied; Männer mit PSA über 3 waren nicht dabei[38]

Bei bestätigtem Mangel und deutlichen Beschwerden sind diese Signale aus Sicht dieses Guides ein Thema für das Aufklärungsgespräch und kein Grund gegen die Verordnung. Wer dagegen normale Werte hat und Testosteron für Sport oder Anti-Aging nimmt, trägt diese Risiken ohne belegten Nutzen.

Östradiol beim Mann: Warum man es unter TRT nicht routinemäßig senken sollte

Unter einer Testosteronersatztherapie (TRT) solltest du dein Östradiol nicht routinemäßig mit Aromatasehemmern drücken, denn in einem sorgfältigen Experiment nahm ohne Östradiol das Körperfett zu.[28] Ein Teil des Testosterons wird im Körper zu Östradiol umgebaut, und genau diesen Schritt blockieren Aromatasehemmer wie Anastrozol.[28]

Den Beleg liefert ein Versuch mit 400 gesunden Männern zwischen 20 und 50, deren eigene Hormonproduktion für 16 Wochen medikamentös abgeschaltet wurde.[28] Sie bekamen unterschiedliche Testosterondosen, ein Teil von ihnen zusätzlich Anastrozol. So ließ sich trennen, was Testosteron selbst bewirkt und was das daraus gebildete Östradiol.[28] Muskelmasse und Kraft hingen am Testosteron, und für die sexuelle Lust zählten beide Hormone.[28] Das Körperfett aber stieg, wenn Östradiol fehlte.[28]

Ein Teil der Online-TRT-Szene behandelt Östradiol trotzdem als Feind und empfiehlt Anastrozol vorsorglich neben der Spritze. Dieser Versuch spricht dagegen, auch wenn ein Langzeitversuch bei TRT-Anwendern fehlt.[28] Ein Östradiolwert über dem Referenzbereich deines Labors ist ohne Beschwerden aus Sicht dieses Guides noch kein Grund zur Behandlung.

Und wenn die Brust wächst? Auch bei einer vergrößerten Brustdrüse (Gynäkomastie) sind Aromatasehemmer kein Standard, denn die europäische Andrologie-Leitlinie empfiehlt sie zur Behandlung allgemein nicht.[47] Eine Gynäkomastie braucht zuerst eine Suche nach der Ursache, und länger bestehende Fälle werden operiert.[47] Anastrozol ist ein Brustkrebsmedikament und für Männer mit Testosteronmangel nicht zugelassen, als Off-Label-Verordnung zahlst du es in der Regel selbst.[60]

Verlängern HRT oder TRT das Leben?

Für eine Hormonersatztherapie (HRT) und eine Testosteronersatztherapie (TRT) ist bisher nicht gezeigt, dass sie das Leben verlängern.[5, 29] In der WHI blieb die Gesamtsterblichkeit unter HRT über 18 Jahre unverändert.[5] Zugelassen sind beide Therapien für Beschwerden oder einen bestätigten Mangel, nicht für ein längeres Leben.[48, 69]

Die stärksten Daten zu Testosteron und Sterblichkeit sind Beobachtungen. Eine Auswertung von elf Langzeitbeobachtungen mit 24.109 Männern fand, dass Männer mit einem Gesamttestosteron unter 7,4 nmol/L häufiger starben.[29] Unter 5,3 nmol/L starben sie auch häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.[29] Diese Grenzen liegen deutlich unter der EAU-Schwelle von 12 nmol/L und noch weiter unter den „optimalen“ Bereichen, mit denen manche Kliniken werben.[29, 39]

Gemessen wurde dabei körpereigenes Testosteron, keine Behandlung. Ein niedriger Wert kann zum Teil ein Zeichen schlechter Gesundheit sein statt deren Ursache.[29] Einen Überlebensvorteil durch das Anheben des Werts hat noch kein langer Versuch gezeigt.[29] Wer mit 7 nmol/L häufiger stirbt, ist also nicht automatisch jemand, den Testosteron retten würde.

Bevor du für eine „Hormon-Optimierung“ oder „Andropause-Umkehr“ zahlst, frag die Praxis deshalb, welche Beschwerde sie behandelt und welches Leitlinienkriterium deine Blutwerte erfüllen.[21, 39] Frag auch, wie oft Blutbild, PSA und Hormonwerte kontrolliert werden.[21, 39]

Hormonersatztherapie und TRT: Kosten und was die Krankenkasse zahlt

Die gesetzliche Krankenkasse zahlt verschreibungspflichtige Arzneimittel im Rahmen ihrer Zulassung.[70] Dazu gehören HRT-Präparate gegen Wechseljahresbeschwerden und eine Testosteronersatztherapie (TRT) bei bestätigtem Mangel.[48, 69] Hormone für Menschen ohne Beschwerden und mit normalen Werten zahlst du dagegen selbst.

Für Kassenrezepte trägst du nur die Zuzahlung. Pro Packung sind das 10 % des Preises, mindestens 5 € und höchstens 10 €, aber nie mehr als der Preis selbst.[59] Wer im Jahr die Belastungsgrenze erreicht, wird für den Rest des Jahres befreit, und die Bescheinigung stellt deine Kasse aus.[64] Diese Grenze liegt bei 2 % der jährlichen Bruttoeinnahmen, bei schwerwiegend chronisch Kranken in Dauerbehandlung unter den gesetzlichen Voraussetzungen bei 1 %.[64]

Für TRT verlangt die Fachinformation von Nebido einen Mangel, der durch Beschwerden und zwei voneinander unabhängige Blutwerte bestätigt ist, nennt aber keinen festen Grenzwert.[69] Ärztinnen orientieren sich meist an der EAU-Grenze von etwa 12 nmol/L, nüchtern am Morgen gemessen.[39] Was du sonst aus eigener Tasche zahlst, ordnet der Selbstzahler-Longevity-Guide ein.

HRT-Präparate in Deutschland

Die Tabelle liest du am besten nach der Form und danach, ob du eine Gebärmutter hast, denn dann brauchst du zum Östrogen ein Gestagen.[14]:

Form Präparat (Beispiele) Wirkstoff und Stärke Hinweis
Pflaster Estramon (Hexal) Östradiol, 25 bis 100 µg pro 24 h Nachfolger des außer Handel genommenen Estradot
Pflaster, wöchentlich Climara (Bayer) Östradiol, 50 oder 100 µg pro 24 h einmal pro Woche wechseln
Gel Gynokadin Dosiergel (Besins) Östradiol 0,6 mg/g üblich 2,5 g am Tag, zwei Pumpstöße
Gel Estreva 0,1 % (Theramex) Östradiol 0,1 % Pumpspender
Tablette Estrifam, Femoston, Lafamme Östradiol, teils mit Gestagen höheres Thromboserisiko als über die Haut
Vaginal Vagifem, Estring, OeKolp Östradiol oder Östriol, niedrig dosiert für den Intimbereich, ohne Gestagen
Mikronisiertes Progesteron Utrogest, Famenita Progesteron 100 oder 200 mg abends; Utrogest enthält Soja (tabu bei Soja- oder Erdnussallergie)
Östradiol plus synthetisches Gestagen Activelle, Kliogest Östradiol plus Norethisteronacetat durchgehend kombiniert

Quellen: Fachinformationen und Apothekenangebote, Stand: Oktober 2026[10, 14, 48, 49, 63, 65, 66]

TRT-Präparate in Deutschland

Bei TRT entscheidest du vor allem zwischen Spritze alle paar Wochen und täglichem Gel:

Form Präparat Wirkstoff und Stärke Anwendung
Depotspritze Nebido (Grünenthal) Testosteronundecanoat 1.000 mg/4 ml alle 10 bis 14 Wochen in den Muskel
Depotspritze Testosteron-Depot Galen Testosteronenantat 250 mg alle 2 bis 3 Wochen
Depotspritze (Generikum) Testosteron-ratiopharm Testosteronundecanoat 1.000 mg/4 ml wie Nebido
Gel Testogel Beutel 50 mg; Pumpgel 16,2 mg/g, rund 20 mg pro Hub täglich
Gel Testavan 2 % Gel, 23 mg pro Pumpstoß täglich auf Oberarm und Schulter, mit Applikator
Gel Tostran 2 % 2 % Gel, 10 mg pro Pumpstoß täglich
Kapsel Andriol Testocaps Testosteronundecanoat 40 mg Aufnahme schwankt stark

Quellen: Fachinformationen und Apothekenangebote, Stand: Oktober 2026.[50, 51, 52, 63, 69]

Was du als Selbstzahler zahlst

Ohne Kassenrezept kosten die gängigen Packungen ungefähr so viel (Shop Apotheke, Abfrage vom 21. Oktober 2026; Preise schwanken zwischen Apotheken),[63]:

Präparat Packung Preis (€)
Estramon 50 µg 6 Pflaster ab 17
Estramon Uno 50 µg 12 Pflaster 27
Gynokadin Dosiergel 3 × 80 g ab 43
Famenita 100 mg 90 Kapseln 30
Nebido 1.000 mg/4 ml 1 Ampulle 139 bis 174
Testogel 50 mg 3 × 30 Beutel 200

Bei der üblichen Dosis von 2,5 g am Tag reichen 80 g Gynokadin etwa einen Monat[48] und die Testogel-Packung entspricht rund 65 € im Monat.[63] Dazu kommen Arzthonorare, etwa für die Nebido-Spritze, die meist in der Hausarzt- oder Urologiepraxis gegeben wird.

Online-Praxen und was in Deutschland erlaubt ist

Inzwischen bieten auch Online-Praxen HRT und TRT an, und diese Aufzählung ist keine Empfehlung. Für Frauen sind das etwa Hormone Online Clinic (Dr. Sheila de Liz) oder Hormonic Care. Für Männer gibt es Swiss TRT in der Schweiz und private Urologiepraxen unter dem Etikett „Männergesundheit“. In Deutschland verbietet das Heilmittelwerbegesetz Publikumswerbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel und begrenzt Werbung für Fernbehandlung.[61] Eine Behandlung ausschließlich per Video oder Chat erlaubt die Musterberufsordnung der Bundesärztekammer nur im Einzelfall, wenn sie ärztlich vertretbar ist.[62] Verbindlich wird diese Regel über die Berufsordnung der jeweiligen Landesärztekammer,[62] und Österreich und die Schweiz haben eigene Regeln.

Wer TRT über eine Online-Praxis beginnt, sollte darauf achten, dass dort Beschwerden und zwei Morgenwerte dokumentiert werden, bevor das erste Rezept kommt.[21] Den Anlass für diese Vorsicht liefert der Arzneiverordnungs-Report: Das Verordnungsvolumen von Testosteron in Deutschland stieg zwischen 2005 und 2023 um 415 %.[56] BfArM und Paul-Ehrlich-Institut vermuten in ihrem Bulletin zur Arzneimittelsicherheit, dass ein Teil davon auf Anwendungen außerhalb der zugelassenen Indikationen zurückgeht.[56]

Nebenwirkungen und Risiken von HRT und TRT

Eine Hormonersatztherapie (HRT) und eine Testosteronersatztherapie (TRT) haben beide echte Risiken. Bei HRT sind es vor allem Blutgerinnsel, Schlaganfall und Brustkrebs, bei TRT vor allem ein zu hoher Anteil roter Blutkörperchen, Herzrhythmusstörungen und Veränderungen an der Prostata.[1, 21, 25]

Eine HRT, die über das Blut im ganzen Körper wirkt (systemische HRT), wird bei folgenden Erkrankungen nicht verordnet.[48]:

  • bestehender, früherer oder vermuteter Brustkrebs oder ein anderer östrogenabhängiger Tumor
  • ungeklärte Genitalblutungen
  • unbehandelte Endometriumhyperplasie (verdickte Gebärmutterschleimhaut)
  • frühere oder bestehende venöse Thromboembolie, also ein Blutgerinnsel in einer tiefen Vene oder in der Lunge
  • bekannte Thrombophilie, eine angeborene oder erworbene Neigung zu Blutgerinnseln
  • aktive oder kürzliche arterielle Thrombose, etwa ein Herzinfarkt
  • akute Lebererkrankung
  • frühere Lebererkrankung, solange sich die Leberwerte nicht normalisiert haben
  • Porphyrie, eine seltene Stoffwechselkrankheit

Risiken für Frauen

Beim Brustkrebs hilft eine absolute Zahl mehr als jede Prozentangabe. Laut der deutschen S3-Leitlinie bedeuten fünf Jahre kombinierte HRT ab 50 etwa 14 bis 20 zusätzliche Brustkrebsfälle pro 1.000 Frauen in den folgenden 20 Jahren[17] Eine weltweite Sammelauswertung fand bei jeder systemischen HRT ein höheres Risiko, schon in den ersten Jahren und steigend mit der Dauer.[35] Ein risikofreies Fenster gibt es also nicht. Reines Östrogen brachte ein kleineres Plus, und teils hielt das höhere Risiko über 10 Jahre nach dem Absetzen an.[35]

Mikronisiertes Progesteron trägt nach Beobachtungsdaten womöglich weniger Brustkrebsrisiko als synthetische Gestagene.[8, 9] Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat die Produkttexte 2020 an die neuen Brustkrebsdaten angepasst.[32]

Blutgerinnsel in Bein oder Lunge sind unter Östrogentabletten etwa 1,6-mal so häufig wie unter Pflaster oder Gel.[10] Bei Risikofaktoren wie BMI über 30, Rauchen, Beginn nach 60, Immobilität oder Gerinnseln in der Familie ist Östradiol über die Haut deshalb die bevorzugte Form.[10, 17] Nach einer Thrombose oder bei bekannter Thrombophilie ist systemische HRT dagegen auch als Pflaster oder Gel ausgeschlossen, und eine Ausnahme kann nur eine Fachärztin entscheiden.[48]

Östrogen allein lässt bei Frauen mit Gebärmutter die Schleimhaut wuchern und erhöht das Risiko für Gebärmutterkrebs deutlich, deshalb brauchen sie immer zusätzlich ein Gestagen.[14, 48] Niedrig dosiertes Östrogen in der Scheide ist die Ausnahme, weil davon kaum etwas im übrigen Körper ankommt.[14]

Auch Schlaganfälle werden unter HRT häufiger, in der WHI mit und ohne Gestagen.[1, 2] Der relative Anstieg hing dort nicht vom Alter oder vom Abstand zur Menopause ab,[43] und die deutsche Fachinformation sagt dasselbe.[48] Weil Schlaganfälle bei Frauen in ihren 50ern selten sind, ist das absolute Plus in diesem Alter aber klein.[48] Östrogentabletten tragen nach der S3-Leitlinie womöglich mehr Schlaganfallrisiko als Östrogen über die Haut.[17]

Risiken für Männer

Unter TRT steigt die Zahl der roten Blutkörperchen. Liegt ihr Anteil am Blut, der Hämatokrit, über 54 %, wird die Behandlung in der Regel pausiert.[21] Mit Spritzen steigt der Wert häufiger als mit Gel, ebenso bei Schlafapnoe oder chronischer Lungenerkrankung.[21, 39] Die Endocrine Society rät, den Hämatokrit vor Beginn, nach 3 bis 6 Monaten, nach 12 Monaten und danach jährlich zu kontrollieren.[21]

Auch Herz und Kreislauf gehören in die Kontrollen. Seit 2025 verlangt die FDA auf jedem Testosteronprodukt eine Warnung, dass der Blutdruck steigen kann, weil Langzeitmessungen einen Anstieg zeigten.[37] Miss deinen Blutdruck deshalb vor dem Start und bei jeder Kontrolle. In TRAVERSE traten außerdem Vorhofflimmern, Lungenembolien und akute Nierenschäden unter Testosteron etwas häufiger auf, in einer Teilstudie auch Knochenbrüche.[25, 46] Das Risiko für Vorhofflimmern, eine Herzrhythmusstörung, lohnt ein Gespräch vor dem Start, vor allem bei Bluthochdruck, Schlafapnoe oder früheren Rhythmusstörungen.

Bei der Prostata stieg der PSA-Wert, ein Blutwert der Prostata, in TRAVERSE unter Testosteron stärker.[38] Prostatakrebs, aggressive Tumoren und Biopsien unterschieden sich aber nicht sicher.[38] Ein tastbarer Knoten oder ein PSA über 4 ng/mL, bei höherem Risiko über 3, spricht ohne weitere urologische Abklärung gegen den Start.[21]

Wer Gel nutzt, schützt außerdem die Menschen um sich herum. Testosterongel kann über die Haut auf Partnerin und Kinder übergehen, deshalb deckst du die Stelle ab und wäschst dir die Hände.[50]

Vertretbar sind die Risiken beider Therapien für Frauen mit Beschwerden, die vor 60 beginnen, und für Männer mit bestätigtem Mangel unter regelmäßiger Kontrolle.[14, 21] Als Anti-Aging- oder Longevity-Behandlung sind sie es nicht, weil ihnen dort kein belegter Nutzen gegenübersteht.[5] Der naheliegende erste Schritt ist deshalb ein Termin, bei dem deine Ärztin die Gegenanzeigen aus der Fachinformation mit dir durchgeht und bei Männern zwei Morgenwerte misst.

Häufig gestellte Fragen

Ist HRT in den Wechseljahren sicher?

Für die meisten Frauen mit Beschwerden, die vor 60 oder innerhalb von 10 Jahren nach der Menopause beginnen, überwiegt der Nutzen die Risiken.[14] Nach 18 Jahren WHI-Nachbeobachtung starben Frauen mit Hormonen nicht häufiger als Frauen mit Placebo.[5] Die FDA hat im November 2025 angekündigt, ihre Boxed Warnings zu Herz, Brustkrebs und Demenz zu streichen, die deutsche Fachinformation nennt Brustkrebs, Blutgerinnsel und Schlaganfall aber weiter als Risiken.[36, 48] Wer schon Brustkrebs oder eine Thrombose hatte, bekommt in der Regel keine systemische HRT.[48]

Wie lange darf man eine Hormonersatztherapie machen? Und kann man nach 60 noch anfangen?

Ein festes Enddatum gibt es nicht: Die Menopause Society sieht keinen Grund, mit 65 routinemäßig aufzuhören, wenn die Beschwerden bleiben und du Nutzen und Risiken regelmäßig mit deiner Ärztin neu abwägst.[14] Bei einem Erststart nach 60 oder mehr als 10 Jahre nach der Menopause sieht die Rechnung anders aus, weil die absoluten Risiken für Herzkrankheit, Schlaganfall, Thrombose und Demenz dann höher sind.[14] In der ELITE-Studie hatte Östradiol bei so spätem Beginn keinen Effekt auf die Gefäßwand.[11] Niedrig dosiertes vaginales Östrogen gegen Trockenheit oder wiederkehrende Harnwegsinfekte ist ein eigener Fall, weil davon im übrigen Körper kaum etwas ankommt.[14, 45]

Welche Nebenwirkungen hat eine Hormonersatztherapie?

Häufig sind Brustspannen, das auf eine zu hohe Dosis hinweisen kann,[48] Blähungen, Kopfschmerzen und Schmierblutungen, und ungeplante Blutungen kommen in den ersten 6 Monaten und in den 3 Monaten nach einem Wechsel von Dosis oder Präparat oft vor.[34] Blutungen, die später auftreten, stark sind oder nicht aufhören, gehören gynäkologisch abgeklärt.[34] Seltener, aber ernst sind Blutgerinnsel (vor allem mit Tabletten), Schlaganfall, ein höheres Brustkrebsrisiko bei längerer Anwendung und Gebärmutterkrebs, wenn eine Frau mit Gebärmutter Östrogen ohne Gestagen nimmt.[10, 14, 35, 43] Nicht verordnet wird systemische HRT unter anderem bei Brustkrebs, nach einer Thrombose, bei bekannter Thrombophilie, nach einem Herzinfarkt oder bei ungeklärten Genitalblutungen.[48]

Nimmt man durch eine Hormonersatztherapie zu?

Im Mittel nicht: Ein Cochrane-Review von 22 randomisierten Studien, die bis 1998 erschienen, fand keinen signifikanten Gewichtsunterschied zwischen Frauen mit und ohne HRT.[40] Die Unterschiede lagen bei +0,66 kg mit Östrogen allein und −0,47 kg mit Östrogen plus Gestagen, beides im Zufallsbereich.[40] Gewichtszunahme rund um die Menopause ist häufig, die Autoren sehen HRT aber nicht als Ursache.[40] Manche Frauen merken in den ersten Wochen Blähungen oder Wassereinlagerungen, die sich meist wieder legen.

Östrogen-Pflaster oder Tablette, was ist der Unterschied?

Pflaster (etwa Estramon) und Gel bringen Östradiol über die Haut ins Blut, während Tabletten zuerst die Leber passieren und dort die Blutgerinnung verändern.[12] In Beobachtungsstudien waren Blutgerinnsel mit Tabletten etwa 1,6-mal so häufig wie mit Östrogen über die Haut, bei niedriger Evidenzsicherheit.[10] Bei BMI über 30, Rauchen, Beginn nach 60 oder Gerinnseln in der Familie ist die Haut deshalb der bevorzugte Weg[10, 17]; nach einer Thrombose oder bei bekannter Thrombophilie ist systemische HRT dagegen auch als Pflaster oder Gel ausgeschlossen.[48] Ansonsten ist es Geschmackssache: Gel lässt sich flexibler dosieren, das Pflaster klebst du auf und vergisst es.

Was unterscheidet bioidentisches Progesteron von synthetischem Gestagen?

Mikronisiertes Progesteron (Utrogest, Famenita) gleicht dem körpereigenen Hormon, synthetische Gestagene wie MPA, Norethisteronacetat, Dienogest oder Levonorgestrel sind verwandte, aber andere Moleküle. In der französischen E3N-Kohorte war Brustkrebs mit Östradiol plus mikronisiertem Progesteron nicht statistisch sicher häufiger, mit den meisten synthetischen Gestagenen schon; das sind allerdings Beobachtungsdaten, und die Million Women Study sah kaum Unterschiede zwischen einzelnen Gestagenen.[7, 8] Die deutschen Fachinformationen nennen 200 mg abends an 12 bis 14 Tagen pro Monat,[65, 66] die britische zusätzlich 100 mg an den Tagen 1 bis 25,[49] und 100 mg jeden Abend ist gängige Praxis; zur HRT verordnet zahlt es die gesetzliche Kasse.[66, 70] Utrogest enthält Soja und ist bei Soja- oder Erdnussallergie tabu, Famenita führt kein Soja unter seinen Bestandteilen.[65, 66]

Welche Alternativen zur Hormonersatztherapie gibt es gegen Hitzewallungen?

Es gibt zwei hormonfreie Tabletten: Fezolinetant (Veoza), seit Dezember 2023 in der EU zugelassen, und seit dem 17. November 2025 Elinzanetant (Lynkuet), dessen Verfügbarkeit in Deutschland du in der Apotheke klärst (Stand: Oktober 2026).[41, 53, 54] Veoza braucht Leberkontrollen vor dem Start und in den ersten drei Monaten monatlich, darf nicht mit Fluvoxamin oder einer Pille mit Ethinylestradiol kombiniert werden und ist in der Schwangerschaft tabu.[53] NICE empfiehlt außerdem kognitive Verhaltenstherapie gegen Hitzewallungen.[34] Bei pflanzlichen Mitteln wie Traubensilberkerze, Isoflavonen oder Johanniskraut ist die Evidenz unsicher, die Qualität schwankt, und manche wechselwirken mit anderen Medikamenten.[34]

Darf man nach Brustkrebs eine Hormonersatztherapie machen?

In der Regel nicht: Die Menopause Society rät den meisten Frauen nach Brustkrebs von systemischer HRT ab, und die deutsche Fachinformation schließt sie nach Brustkrebs aus.[14, 48] Gegen Trockenheit kommen zuerst hormonfreie Cremes und Gleitmittel, danach kann niedrig dosiertes vaginales Östrogen gemeinsam mit deiner Onkologin erwogen werden.[14] Veoza empfiehlt die Fachinformation während einer Krebsbehandlung einschließlich Antihormontherapie nicht, weil diese Frauen nicht untersucht wurden; auch Frauen nach abgeschlossener Behandlung wurden nicht untersucht, die Entscheidung ist individuell und gehört zu deiner Onkologin.[53] Für Hitzewallungen durch Tamoxifen oder Aromatasehemmer ist dagegen Elinzanetant (Lynkuet) in der EU zugelassen, und auch Verhaltenstherapie ist eine Option.[34, 54]

Gibt es eine Hormonersatztherapie beim Mann?

Ja, sie heißt Testosteronersatztherapie (TRT), ist aber kein Spiegelbild der HRT bei Frauen. HRT ersetzt Östrogen, bei Frauen mit Gebärmutter zusammen mit einem Gestagen, gegen Beschwerden eines Übergangs, den jede Frau erlebt.[14] TRT gibt Männern Testosteron nur, wenn ein Mangel mit Beschwerden und zwei niedrigen Morgenwerten bestätigt ist.[21] Das trifft auf etwa 2 % der Männer zwischen 40 und 79 zu.[24]

Ab welchem Testosteronwert ist eine TRT indiziert?

In Europa orientiert sich die Praxis meist an der EAU-Grenze von 12 nmol/L Gesamttestosteron (rund 350 ng/dL), gemessen nüchtern am Morgen an mindestens zwei Tagen, zusammen mit eindeutigen Beschwerden wie wenig Lust, Erektionsproblemen oder Muskelschwund.[39] Die Endocrine Society nutzt die strengere Grenze von 264 ng/dL (9,2 nmol/L) für CDC-standardisierte Tests.[21, 23] Ein niedriger Wert allein reicht nicht,[21, 39] und die deutsche Fachinformation verlangt Beschwerden plus zwei unabhängige Messungen, ohne einen festen Grenzwert zu nennen.[69] Nur etwa 2 % der Männer zwischen 40 und 79 erfüllen die Definition aus Beschwerden plus niedrigen Werten.[24]

TRT und Herzinfarkt, was sagt TRAVERSE 2023?

TRAVERSE verglich bei 5.246 Männern zwischen 45 und 80 mit bestätigtem Mangel und hohem Herzrisiko Testosterongel mit Placebo und fand über rund drei Jahre nicht mehr schwere Herzereignisse: 7,0 % gegenüber 7,3 %.[25] Das macht die Herz-Alarme von 2013 und 2014 für diese Gruppe sehr viel unwahrscheinlicher, war aber auf den kombinierten Endpunkt ausgelegt, kann den Herztod allein also nicht sicher klären und hat keine Anwendung über viele Jahre geprüft.[25] Vorhofflimmern, Lungenembolien und akute Nierenschäden waren unter Testosteron etwas häufiger.[25] Im Februar 2025 ließ die FDA die Herzrisiko-Passage aus dem Boxed Warning streichen und eine Blutdruckwarnung ergänzen.[37]

Was kostet TRT in Deutschland?

Als Selbstzahler kostet eine Nebido-Ampulle, die alle 10 bis 14 Wochen gespritzt wird, etwa 139 bis 174 €, und drei Packungen Testogel mit je 30 Beuteln liegen bei etwa 200 €, also rund 65 € im Monat (Shop Apotheke, Stand: Oktober 2026).[63] Die Preise schwanken zwischen Apotheken. Dazu kommen Arzthonorare für Beratung, Labor und die Injektion, die je nach Praxis unterschiedlich ausfallen.

Bekomme ich HRT/TRT über die Krankenkasse?

Für HRT meist ja: Die gesetzliche Kasse zahlt verschreibungspflichtige Präparate im Rahmen ihrer Zulassung, also auch gegen Wechseljahresbeschwerden, und du trägst nur die Zuzahlung von 10 % des Preises, mindestens 5 € und höchstens 10 € pro Packung, sofern du die jährliche Belastungsgrenze noch nicht erreicht hast.[48, 59, 64, 70] TRT übernimmt sie, wenn der Mangel wie in der Fachinformation verlangt durch Beschwerden und zwei niedrige Messwerte bestätigt ist[69]; Ärztinnen orientieren sich meist an der EAU-Grenze von etwa 12 nmol/L.[39] Hormone ohne Beschwerden oder zur „Optimierung“ zahlst du selbst, und Off-Label-Verordnungen wie Testosteron für Frauen übernimmt die Kasse nur in engen Ausnahmen.[60]

Macht TRT unfruchtbar?

Das kann passieren: Testosteron von außen drosselt die Signale aus dem Gehirn (LH und FSH), die die Spermienbildung anregen, und die Spermienzahl kann auf null fallen.[39] Bei gesunden Männern kam die Spermienbildung nach dem Absetzen in Studien meist innerhalb von 6 bis 24 Monaten zurück, für Männer mit Testosteronmangel fehlen aber gute Daten, eine Erholung ist also nicht garantiert.[22] Wenn du jetzt oder bald Kinder willst, ist TRT nicht die richtige Behandlung: Die EAU führt einen aktiven Kinderwunsch als Gegenanzeige, und die Endocrine Society rät Männern mit Kinderplanung vom Start ab.[21, 39] Ob Gonadotropine wie hCG für dich infrage kommen, klärst du mit einer Andrologin oder einem Andrologen.[39, 67]

Brauchen Frauen Testosteron?

Nur bei einer Beschwerde: wenn die sexuelle Lust nach der Menopause so stark fehlt, dass es belastet (HSDD), sagt der Global Consensus 2019; für alles andere reichen die Daten nicht.[19] In der EU gibt es derzeit kein zugelassenes Testosteronpräparat für Frauen, Ärztinnen verordnen deshalb off-label Männergele in deutlich kleinerer, präparatabhängiger Dosis mit Laborkontrolle im Normalbereich prämenopausaler Frauen.[52, 55] Häufige Nebenwirkungen sind vermehrter Haarwuchs, Akne und Gewichtszunahme, und Langzeitdaten zu Herz und Brust sind begrenzt.[52] In Deutschland zahlst du das normalerweise selbst.[60]

Welche Privatkliniken bieten HRT/TRT in DACH an? Worauf muss ich achten?

Online- und Privatanbieter gibt es inzwischen einige, etwa Hormone Online Clinic oder Hormonic Care für HRT und Swiss TRT oder private Urologiepraxen für TRT; diese Aufzählung ist keine Empfehlung. Gute Zeichen sind ein echtes ärztliches Gespräch per Video oder vor Ort (eine reine Fernbehandlung erlaubt in Deutschland die Berufsordnung der jeweiligen Landesärztekammer nur im Einzelfall, wenn sie ärztlich vertretbar ist),[62] zwei Morgenwerte plus dokumentierte Beschwerden vor TRT[21] und bei HRT eine Begründung für Form und Gestagen, die dein Thromboserisiko berücksichtigt.[10, 17] Warnzeichen sind routinemäßig mitverordnetes Anastrozol, unter dem im Versuch das Körperfett stieg,[28] vermischte Versprechen von Behandlung und „Anti-Aging-Optimierung“ sowie kompoundierte Pellets, Troches oder Speicheltest-Protokolle, von denen die US-Akademien abraten.[31] „Bioidentisch“ meint in Deutschland, Österreich und der Schweiz dagegen meist ganz normale zugelassene Präparate mit Östradiol und mikronisiertem Progesteron, etwa Estramon, Gynokadin, Utrogest oder Famenita.[31]

Wer darf keine Hormonersatztherapie nehmen?

Eine systemische HRT, auch als Pflaster oder Gel, wird nicht verordnet bei bestehendem, früherem oder vermutetem Brustkrebs oder einem anderen östrogenabhängigen Tumor, ungeklärten Genitalblutungen, unbehandelter Endometriumhyperplasie, früherer oder bestehender Thrombose oder Lungenembolie, bekannter Thrombophilie, aktiver oder kürzlicher arterieller Thrombose wie einem Herzinfarkt, akuter Lebererkrankung, früherer Lebererkrankung, solange die Leberwerte nicht normal sind, oder Porphyrie.[48] Myome, Endometriose, Bluthochdruck, Diabetes, Migräne oder Brustkrebs bei nahen Verwandten schließen sie nicht aus, verlangen aber engere Kontrollen.[48] Vor Beginn erfragt deine Ärztin deine eigene und die familiäre Vorgeschichte und untersucht dich, auch die Brust.[48] Niedrig dosiertes vaginales Östrogen ist ein eigener Fall, den du nach Brustkrebs mit deiner Onkologin besprichst.[14]

Darf ich HRT nehmen, wenn ich schon eine Thrombose hatte?

In der Regel nicht: Eine frühere oder bestehende venöse Thromboembolie und eine bekannte Thrombophilie stehen in der deutschen Fachinformation als Gegenanzeigen für systemische HRT, Pflaster und Gel eingeschlossen.[48] Eine Ausnahme kann nur eine Fachärztin oder ein Facharzt entscheiden.[48] Anders ist es bei bloßen Risikofaktoren wie BMI über 30, Rauchen oder Gerinnseln in der Familie: Dann ist Östradiol über die Haut die bevorzugte Form, weil Gerinnsel damit in Beobachtungsstudien seltener waren als mit Tabletten.[10, 17]

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