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Check-up 35: Was wird gemacht, welche Blutwerte fehlen und was sie dich kosten

Die Gesundheitsuntersuchung der Kasse ab 35 ist kostenlos, aber schmal. Was laut G-BA-Richtlinie drin ist, welche Zusatzwerte gut belegt sind, welche nicht und was sie dich als Selbstzahler kosten.

Aktualisiert am 15 Min. Lesezeit31 Quellen

Kurz erklärt

Der Check-up 35, offiziell Gesundheitsuntersuchung, ist ein kostenloser Gesundheitscheck beim Hausarzt, den die gesetzliche Kasse ab 35 alle drei Jahre zahlt und zwischen 18 und 34 einmal.[1] Ab 35 gehören Anamnese, körperliche Untersuchung mit Blutdruck, Nüchternglukose, ein Lipidprofil, ein Urin-Streifentest und einmalig ein Test auf Hepatitis B und C dazu, während unter 35 nur bei Risikofaktoren Blut abgenommen wird und der Urintest fehlt.[1, 15] Nicht gemessen werden unter anderem ApoB, Lp(a), HbA1c, hs-CRP, Ferritin sowie Nieren- und Leberwerte, die du passend zu deinem Risiko als Selbstzahler für zusammen rund 95 bis 115 Euro inklusive Blutabnahme dazubuchen kannst (Stand: Oktober 2026); Nüchterninsulin käme mit etwa 17 bis 19 Euro dazu, wird von Laborleitlinien aber nicht als Routinetest empfohlen.[20, 23] Der G-BA überprüft den Check-up seit Oktober 2026 und muss bis Ende 2027 entscheiden, bis dahin gilt alles Bisherige.[13, 14]

Diese Inhalte dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere immer einen qualifizierten Arzt, bevor du Änderungen an deiner Ernährung, deinem Trainingsprogramm oder deiner Nahrungsergänzung vornimmst.

Was wird beim Check-up 35 gemacht und welche Blutwerte werden bestimmt?

Der Check-up 35 heißt offiziell Gesundheitsuntersuchung, und was drin ist, legt nicht deine Praxis fest, sondern die Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA).[1] Der G-BA ist das Gremium, das bestimmt, was die gesetzlichen Kassen bezahlen. Seine Richtlinie nennt fünf Bausteine.

1. Anamnese (deine Vorgeschichte). Deine Ärztin fragt nach deinen eigenen Erkrankungen, nach denen in deiner Familie und nach deinem Alltag. Aus Vorerkrankungen, Herzinfarkten oder Krebs in der Familie, Rauchen, Alkohol, Bewegung und Stress ergibt sich dein Risikoprofil.

2. Klinische Untersuchung. Sie hört Herz und Lunge ab, tastet den Bauch ab und schaut sich Haut, Sinnesorgane, Bewegungsapparat und Nervensystem an. Dazu kommen Gewicht, Größe und Blutdruck.

3. Labor. Ab 35 misst das Labor zwei Dinge im Blut und eines im Urin.[1] Im Blut sind das ein vollständiges Lipidprofil (Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin, Triglyzeride) und die Nüchternplasmaglukose, also dein Blutzucker ohne Frühstück. Der Urin-Streifentest sucht nach Eiweiß, Zucker, roten und weißen Blutkörperchen sowie Nitrit, das auf Bakterien hinweist. Seit April 2019 gehört das ganze Lipidprofil dazu, davor wurde nur das Gesamtcholesterin bestimmt.[16]

4. Impfstatus. Deine Ärztin schaut in den Impfpass und sagt dir, was nachgeimpft werden sollte.

5. Beratung. Sie bespricht die Befunde mit dir, spricht dein Risiko für Herz und Gefäße an und soll dich auf Präventionsangebote und die Krebsfrüherkennung hinweisen.

Extra: Ultraschall der Bauchschlagader (nur Männer ab 65). Einmalig gibt es ein Ultraschall-Screening auf ein Bauchaortenaneurysma, also eine Aussackung der Hauptschlagader im Bauch. Es steht als eigenes Screening in derselben Richtlinie und ist seit Januar 2018 Kassenleistung, du bekommst es also auch ohne Check-up.[1, 18]

Ein weiteres Extra gehört direkt zum Check-up: Ab 35 hast du einmalig Anspruch auf einen Test auf Hepatitis B und C aus derselben Blutprobe.[1, 2] Abrechnen können die Praxen diesen Test seit Oktober 2021.[15] Das Hautkrebs-Screening ab 35 alle zwei Jahre läuft dagegen über die Krebsfrüherkennungs-Richtlinie, auch wenn es oft am selben Tag stattfindet.[3] Der G-BA überprüft es derzeit ebenso wie den Check-up selbst.[13]

Genauso wichtig ist, was die Richtlinie nicht vorsieht: kein Blutbild, kein EKG, keinen Ultraschall außer dem Aorten-Screening, keine Leber-, Nieren- oder Schilddrüsenwerte, kein HbA1c und kein Vitamin D.[1] Ein EKG macht deine Ärztin nur, wenn Beschwerden oder Befunde dafür sprechen. Unter 35 wird Blut nur abgenommen, wenn ein Risikoprofil vorliegt, etwa Adipositas, Bluthochdruck oder Herzerkrankungen in der Familie, und der Urintest fällt in diesem Alter ganz weg.[1]

Wie oft du den Check-up 35 bekommst und was er kostet

Die gesetzliche Kasse zahlt den Check-up ab deinem 35. Geburtstag alle drei Jahre und zwischen 18 und 34 einmal.[1] Die Richtlinie sagt das umständlicher (einmalig bis zum Ende des 35. Lebensjahres, danach alle drei Jahre), meint aber dasselbe, denn dein 35. Lebensjahr endet an deinem 35. Geburtstag.[1] Früher lag der Abstand bei zwei Jahren, bis eine 2018 beschlossene Reform ihn auf drei Jahre verlängert hat.[17]

Diese drei Jahre zählt die Kasse nach Kalenderjahren: Nach einem Check-up fallen die zwei folgenden Kalenderjahre aus. Warst du im März 2024 dran, hast du ab dem 1. Januar 2027 wieder Anspruch.[1]

Für gesetzlich Versicherte kostet der Termin nichts, er läuft über die Versichertenkarte und ohne Zuzahlung.[14] Das gilt auch für das Hepatitis- und das Hautkrebs-Screening.[1, 3] Jede gesetzliche Kasse legt außerdem in ihrer Satzung fest, wann dir die Teilnahme an Check-ups einen Bonus bringt, nachfragen lohnt sich also.[30] Bist du privat versichert, rechnet die Praxis nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab und du reichst die Rechnung ein.[23] Ob und wie oft dein Tarif Vorsorgeuntersuchungen zahlt, hängt von diesem Tarif ab.

Kostenlos ist allerdings nur der Katalog aus der Richtlinie. Was du ohne medizinischen Grund zusätzlich haben willst, etwa ApoB, HbA1c, Ferritin oder ein großes Blutbild, ist eine IGeL (Individuelle Gesundheitsleistung), die du selbst bezahlst. Gibt es einen medizinischen Grund, zum Beispiel einen auffälligen Befund oder Beschwerden, kann deine Ärztin weitere Untersuchungen als ganz normale Kassenleistung anordnen.[19]

Stand: Oktober 2026 steht der Check-up selbst auf dem Prüfstand. Der G-BA hat am 15. Oktober 2026 ein Beratungsverfahren eingeleitet, das Altersgrenzen, Zielgruppen, Häufigkeit und Inhalte überprüft und auch eine mögliche Eingrenzung auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen.[13] Das IQWiG bewertet für den G-BA den Nutzen von Leistungen und soll dafür unter anderem den Harnstreifentest, einen einmaligen HIV-Test und einen Check-up nach persönlichem Risiko prüfen.[13] Entscheiden muss der G-BA bis Ende 2027, und bis eine neue Regel in Kraft tritt, gilt alles, was hier steht.[13, 14]

Bringt der Check-up 35 etwas? Was die Cochrane-Analyse zeigt

Ein allgemeiner Gesundheitscheck wie der Check-up 35 hat in Studien die Sterblichkeit kaum oder gar nicht gesenkt. Eine Cochrane-Analyse von 2019 hat 17 randomisierte Studien ausgewertet, in denen Menschen per Los zum Check eingeladen wurden oder nicht.[4] Die 15 Studien mit verwertbaren Ergebnissen umfassten rund 250.000 Erwachsene. An der Gesamt- und der Krebssterblichkeit änderten die Checks darin wenig bis nichts, an der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit wahrscheinlich ebenfalls.[4]

Gefunden haben die Checks dabei möglicherweise mehr, etwa Bluthochdruck oder erhöhtes Cholesterin, auch wenn die Evidenz dafür niedrig ist. Ob daraus auch mehr Behandlungen folgten, bleibt unklar: In manchen Studien bekamen mehr Menschen Blutdrucksenker, in anderen nicht.[4]

Bevor du den Termin absagst, lohnt ein Blick auf das Alter der Studien. Sie starteten zwischen 1963 und 1999, die frühen noch vor Statinen und heutiger Blutdrucktherapie, und weil die Behandlung seitdem besser geworden ist, könnte ein Check heute mehr bringen. Einen Trend über die Jahre fanden die Autoren allerdings nicht, und auch die größte Studie, die von 1999 bis 2009 lief, zeigte keinen Nutzen.[4] In manchen Studien bekamen außerdem die Vergleichsgruppen ebenfalls Check-ups, was den Unterschied in beide Richtungen verwischt.[4]

Was nach diesen Studien bleibt, ist der Wert einzelner Befunde, mit denen du etwas tust. Das kann ein erhöhter Blutdruck sein, der behandelt wird, ein Prädiabetes, den du früh umkehrst, oder ein LDL, das hoch bleibt, obwohl du gesund lebst. Der Termin ist dafür der Anlass, und den Nutzen bringt erst die Reaktion auf einen solchen Wert.

Genau hier hat das Kassenpanel für Longevity eine Lücke. Seine Blutwerte sind auf Diabetes und klassisch erhöhte Blutfette (Hyperlipidämie) zugeschnitten, während Insulinresistenz, unterschwellige Entzündung, das genetische Lp(a)-Risiko oder die Partikelzahl hinter deinem LDL gar nicht gemessen werden. Unauffällige Laborwerte im Check-up heißen deshalb nur, dass die gemessenen Blut- und Urinwerte unauffällig waren, über die Risiken außerhalb des Panels sagen sie nichts.

Welche Blutwerte fehlen beim Check-up 35? Die Liste mit Selbstzahler-Preisen

Das Kassenpanel misst im Blut nur Nüchternglukose und vier Lipidwerte, und für ein vollständigeres Bild deines Risikos für Herz und Stoffwechsel fehlen die zehn Werte in der Tabelle. Die Preise sind die Laborgebühren nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), Stand: Oktober 2026: Üblich ist der 1,15-fache Satz, höchstens erlaubt ist der 1,3-fache, und eine höhere Gebühr darf für Laborleistungen auch nicht vereinbart werden.[23] Homocystein hat keine eigene GOÄ-Nummer, sein Preis ist ein typischer Laborpreis. Pro Blutabnahme kommen grob 10 bis 20 Euro für Abnahme, Material und Versand dazu.

Wert Was er dir sagt Laborgebühr nach GOÄ (Stand: Oktober 2026).[23]
ApoB Zählt die gefäßschädigenden Partikel statt nur ihr Cholesterin. Die ESC/EAS-Leitlinie empfiehlt ihn (Klasse I, gestützt auf Expertenkonsens, Evidenzgrad C) vor allem bei hohen Triglyzeriden, Diabetes, Adipositas, metabolischem Syndrom oder sehr niedrigem LDL[5] 13 bis 15 Euro
Lp(a) Genetisches Herz-Kreislauf-Risiko, zu über 90 Prozent vererbt. Der EAS-Konsens rät, es im Erwachsenenleben mindestens einmal zu messen[6] 20 bis 23 Euro
HbA1c Blutzucker-Schnitt der letzten zwei bis drei Monate, zeigt einen Prädiabetes auch bei normaler Nüchternglukose[20] 13 bis 15 Euro
Nüchterninsulin (HOMA-IR) Ergibt einen Index für Insulinresistenz aus der Forschung[7] Für die Routine nicht empfohlen,[20] 17 bis 19 Euro
hs-CRP Unterschwellige Entzündung. Sagte in einer großen Studie an Frauen Herz-Kreislauf-Ereignisse mindestens so gut voraus wie das LDL[8] brachte in gepoolten Daten aber wenig zu den üblichen Risikofaktoren hinzu.[21] Am besten als Kontextwert, gemessen, wenn du nicht krank bist.[31] 13 bis 15 Euro
Ferritin Eisenspeicher. Ein niedriger Wert spricht für Mangel. Ein hoher kommt häufiger von Entzündung, Fettleber, Alkohol oder metabolischem Syndrom als von Eisenüberladung und braucht zur Einordnung die Transferrinsättigung[22] 17 bis 19 Euro
Homocystein B-Vitamin-Status, Aussagekraft fürs Herz begrenzt (siehe nächster Abschnitt)[10] 30 bis 45 Euro (typischer Laborpreis)
Vitamin D (25-OH) Versorgung mit Vitamin D, eine Routinemessung wird nicht empfohlen (siehe nächster Abschnitt)[28] 32 bis 36 Euro
Kreatinin mit eGFR Nierenfunktion (die eGFR schätzt, wie gut deine Nieren filtern), wichtig bei Bluthochdruck, Diabetes und vor Medikamenten, die nach der Nierenfunktion dosiert werden oder die Nieren belasten können etwa 3 Euro
ALT (GPT) und GGT Leberenzyme, ein erster Hinweis auf eine Fettleber 5 bis 6 Euro

Wie du die einzelnen Werte liest, erklärt der Guide zu den 8 Longevity-Biomarkern, und aus Nüchternglukose und Nüchterninsulin rechnet dir der HOMA-IR-Rechner den Index aus. Nicht jeder Wert der Tabelle muss aus eigener Tasche kommen: Mit einem medizinischen Grund, etwa einer auffälligen Glukose, kann deine Ärztin einzelne Werte über die Kasse anordnen[19] Wie das läuft, steht im Abschnitt zum Dazubuchen weiter unten.

Beim Preisvergleich fallen zwei Dinge auf. Die günstigsten Werte der Liste, Nieren- und Leberwerte, kosten zusammen nur etwa 8 bis 9 Euro und fehlen trotzdem im Kassenpanel.[23] Die teuersten, Homocystein und Vitamin D, sind dagegen ausgerechnet die mit der dünnsten Evidenz für eine Routinemessung.

Homocystein, Vitamin D, Nüchterninsulin: nur mit Anlass messen

Homocystein, Vitamin D und Nüchterninsulin, die drei Werte mit der dünnsten Evidenz für eine Routinemessung, lohnen sich nur mit einem konkreten Anlass. Bei allen dreien lässt sich ein Wert zwar messen und oft auch bewegen, doch für gesunde Menschen ohne besonderen Grund folgt daraus wenig.

Homocystein ist eine Aminosäure im Blut, die bei einem Mangel an B-Vitaminen steigt, und senken lässt sie sich leicht. In einer Meta-Analyse randomisierter Studien senkten 0,8 mg Folsäure am Tag den Spiegel um rund 23 Prozent, wobei schon 0,4 mg etwa 90 Prozent dieser Wirkung erreichten.[9] Vitamin B12 brachte mit rund 0,4 mg am Tag weitere 7 Prozent, Vitamin B6 keinen messbaren Zusatz.[9] Das Problem ist, was danach passiert: Homocystein zu senken verhinderte in einer Cochrane-Analyse keine Herzinfarkte und keine Todesfälle, nur Schlaganfälle wurden etwas seltener.[10] Homocystein ist damit ein Marker, den du billig bewegen kannst, ohne dass sich an dem, was zählt, viel ändert.

Folsäure solltest du trotzdem nicht auf eigene Faust nehmen. Sie kann die Blutarmut eines Vitamin-B12-Mangels verdecken, während Nervenschäden weiter fortschreiten. Deshalb liegt die EU-Obergrenze für Folsäure aus Nahrungsergänzung und angereicherten Lebensmitteln bei 1 mg am Tag.[26] Lass vorher B12 bestimmen und sprich eine Einnahme mit deiner Ärztin ab.

Steht ein B12-Mangel im Raum, etwa bei veganer Ernährung oder unter Metformin oder Säureblockern, ist der erste Test das Vitamin B12 selbst. Homocystein oder Methylmalonsäure helfen erst, wenn dieses Ergebnis grenzwertig ist.[27] Taubheit oder Kribbeln ohne erkennbaren Grund gehören bald zur Ärztin und nicht in ein Selbstzahler-Panel. Als Routine-Herzmarker für 30 bis 45 Euro bringt Homocystein dagegen wenig.

Vitamin D zu ergänzen hat in der großen VITAL-Studie bei älteren Erwachsenen in den USA weder Krebs noch Herz-Kreislauf-Ereignisse seltener gemacht. Rund fünf Jahre lang bekamen Männer ab 50 und Frauen ab 55 entweder 2.000 IE Vitamin D3 am Tag oder ein Placebo.[11] Ob das Messen selbst etwas nützt, hat VITAL allerdings nicht untersucht, denn die Teilnehmenden wurden nicht nach einem niedrigen Spiegel ausgewählt.[11] Getestet wurde Vitamin D also als allgemeiner Zusatz und nicht als Ausgleich eines echten Mangels.

Diese Frage nach dem Messen hat die Leitlinie der Endocrine Society von 2024 geprüft. Sie fand keine Studienbelege für eine Routinemessung, auch nicht bei dunkler Haut oder Übergewicht, und rät davon ab.[28] Menschen ab 75 schlägt sie vor, Vitamin D ohne vorherige Messung zu ergänzen.[28] Sinnvoll ist ein Test, wenn es einen medizinischen Grund gibt, etwa Osteoporose oder eine Malabsorption (dein Darm nimmt Nährstoffe schlecht auf). Ob das bei dir zutrifft, klärst du mit deiner Ärztin.

Nüchterninsulin ist günstig, und zusammen mit der Nüchternglukose ergibt es den HOMA-IR, einen Index für Insulinresistenz aus der Forschung.[7] In der britischen Whitehall-II-Studie sank die Insulinsensitivität bei Menschen, die später Diabetes bekamen, schon in den fünf Jahren vor der Diagnose deutlich.[12] Die Nüchternglukose stieg dagegen erst in den letzten drei Jahren steil an.[12] Das sind Durchschnittswerte einer Gruppe und keine Vorhersage für einen einzelnen Menschen.

Für die Routine taugt der Wert trotzdem kaum. Die gemeinsame Laborleitlinie der amerikanischen Diabetes-Gesellschaft ADA und des Laborverbands AACC rät bei den meisten Menschen mit Diabetes oder einem Diabetes- oder Herz-Kreislauf-Risiko von einer routinemäßigen Insulinmessung ab.[20] Nützlich ist sie laut dieser Leitlinie vor allem in der Forschung.[20] Labore messen Insulin zudem mit unterschiedlichen Tests, und einen vereinbarten Grenzwert gibt es nicht.[20] Wenn du ihn trotzdem bestimmen lässt, brauchst du eine echte Nüchternphase, und der HOMA-IR-Rechner gibt dir den Index aus. Einordnen solltest du ihn als Kontextwert mit deiner Ärztin, nicht als Screening-Test.

So kommst du an die fehlenden Werte: Hausarzt, Labor, Kasse

Die fehlenden Werte kannst du beim Hausarzt dazubuchen, und das ist meist der einfachste Weg, weil dir beim Check-up ohnehin Blut abgenommen wird. Du sagst vorher, welche Werte du zusätzlich willst, die Praxis schickt die Röhrchen mit einem zweiten Auftrag ans Labor und rechnet die Extras privat nach GOÄ ab.[23] Vor einer solchen IGeL muss die Praxis dich schriftlich über die Kosten informieren und deine ausdrückliche Zustimmung einholen, meist mit einer Vereinbarung, die du unterschreibst.[19] Frag deshalb nach dem Preis, bevor du unterschreibst.

Manche Praxen bieten das nicht an oder schätzen den Nutzen anders ein, und das ist kein Fehler deiner Ärztin, denn sie folgt dem Katalog. Dann bleibt der zweite Weg über ein Selbstzahler-Labor oder einen Online-Anbieter. Wie das läuft und was die Anbieter kosten, steht im Selbstzahler-Guide.

Der dritte Weg ist der medizinische Grund, und den übersehen viele. Gibt es einen, kann deine Ärztin weitere Untersuchungen als normale Kassenleistung anordnen, zum Beispiel das HbA1c bei auffälliger Glukose.[19] Ob auch ApoB oder Lp(a) übernommen werden, hängt von deinen Befunden ab, etwa von frühen Herzerkrankungen in der Familie oder einem sehr hohen LDL. Das entscheidet deine Ärztin nach Befund, nicht nach Wunsch, und wann die Kasse ApoB und Lp(a) zahlt, erklärt der ApoB- und Lp(a)-Guide.

Egal auf welchem Weg, damit die Werte etwas taugen, helfen fünf Dinge:

  • Komm nüchtern, üblich sind 8 bis 12 Stunden, Wasser ist erlaubt. Glukose und Insulin hängen davon ab, die Triglyzeride nur wenig.[25]
  • Miss nicht während oder kurz nach einem Infekt. Ferritin steigt bei Entzündungen,[22] und ein hs-CRP über 10 mg/L spricht für eine akute Entzündung und wird wiederholt, wenn du gesund bist.[31] Auch Lp(a) kann sich bei einer akuten Erkrankung verschieben, deshalb bestimmst du es, wenn du gesund bist.[6]
  • Sag der Praxis, welche Nahrungsergänzungen du nimmst. Hochdosiertes Biotin, häufig in Haar- und Nagelpräparaten, kann manche Labortests verfälschen, und das Labor sagt dir, ob du es pausieren sollst.[29] Nimmst du Insulin oder andere blutzuckersenkende Medikamente, sprich die Nüchternphase vorher mit deiner Ärztin ab.
  • Bitte um Lp(a) in nmol/L[6] und um ApoB als eigenen Posten, nicht als Teil eines Pakets, das du nicht brauchst.
  • Nimm den Befund mit nach Hause, denn die Werte gehören dir und du brauchst sie für den Vergleich beim nächsten Mal.

Die Rechnung und wann sich die Extras lohnen

Rund 95 bis 115 Euro kosten die sinnvollen Extras als Selbstzahler, Abnahme und Versand eingerechnet (Stand: Oktober 2026).[23] Alle zehn Werte aus der Tabelle kommen mit Abnahme auf grob 175 bis 220 Euro. Homocystein und Vitamin D kannst du nach der Evidenzlage streichen, das spart 60 bis 80 Euro, und das Nüchterninsulin, das Laborleitlinien nicht als Routinetest empfehlen, noch einmal 17 bis 19 Euro.[20] Weil Lp(a) meist nur einmal gemessen werden muss, wird außerdem jede weitere Runde günstiger.[6]

Longevity-Kliniken verlangen für ihre Pakete deutlich mehr. Eine Berliner Klinik zum Beispiel listet Pakete von 590 Euro, für Blutwerte plus Ultraschall der Halsschlagader, bis zu Paketen ab 2.500 Euro (Stand: Oktober 2026).[24] Je nach Paket kommen dort zu den Laborwerten Bildgebung, weitere Untersuchungen und eine ärztliche Auswertung hinzu.[24] Der Check-up plus ein paar gezielte Selbstzahler-Werte deckt die wichtigsten Blutwerte für einen Bruchteil des Preises ab, Bildgebung und lange Beratungsgespräche bekommst du so allerdings nicht.

Lohnen kann sich der Aufwand, wenn die Werte eine Frage zu deinem eigenen Risiko beantworten. Das kann ein erster Ausgangswert ab Mitte 30 sein, ein Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Familie, Bauchfett, hohe Triglyzeride oder ein HbA1c an der Grenze. Das Alter allein rechtfertigt nicht das ganze Panel, und Nüchterninsulin gehört nicht in einen Routine-Ausgangswert.[20] Lp(a) ist die Ausnahme: Der EAS-Konsens empfiehlt, es bei jedem Erwachsenen mindestens einmal zu messen.[6]

Lassen kannst du es, wenn du die Werte in den letzten ein bis zwei Jahren schon hattest und sie normal waren, denn die meisten bewegen sich langsam. Auffällige oder grenzwertige Werte, etwa ein HbA1c im Prädiabetes-Bereich, und Werte, die deine Ärztin beobachtet, folgen dagegen ihrem Zeitplan. Bist du unter 35 und hast keine Risikofaktoren, reicht der einmalige Kassen-Check, vielleicht ergänzt um Lp(a). Und wenn du niemanden hast, mit dem du das Ergebnis besprechen kannst, bringt dir ein Wert, auf den keiner reagiert, vor allem Unruhe.

Der kostenlose Check-up allein hat in Studien die Sterblichkeit kaum gesenkt, ist aber ein guter Anlass für ein paar gezielte Zusatzwerte. Ein naheliegender erster Schritt ist, beim nächsten Termin Lp(a) einmal mitbestimmen zu lassen und den Befund aufzuheben. Was deine Werte für dich bedeuten und ob du etwas ändern solltest, entscheidest du mit deiner Ärztin.

Häufig gestellte Fragen

Wie oft bekomme ich den Check-up 35?

Ab dem 35. Geburtstag alle drei Jahre, zwischen 18 und 34 einmal, so legt es die Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie des G-BA fest.[1] Gezählt wird nach Kalenderjahren, sodass nach einem Check-up die zwei folgenden Kalenderjahre ausfallen.[1] Das Hautkrebs-Screening gibt es ab 35 alle zwei Jahre, das Screening auf Hepatitis B und C einmalig ab 35.[2, 3]

Was wird beim Check-up unter 35 gemacht?

Zwischen 18 und 34 hast du einmal Anspruch, kostenlos: Anamnese, körperliche Untersuchung mit Blutdruck, ein Blick in den Impfpass und die Beratung.[1] Blut für Lipidprofil und Nüchternglukose wird nur abgenommen, wenn ein Risikoprofil vorliegt, etwa Adipositas, Bluthochdruck oder Herzerkrankungen in der Familie.[1] Urintest und Hepatitis-Screening gibt es erst ab 35.[1, 2]

Was kostet der Check-up 35?

Für gesetzlich Versicherte nichts, der Check-up läuft über die Versichertenkarte und ohne Zuzahlung.[14] Zusatzwerte wie ApoB, HbA1c oder Ferritin zahlst du ohne medizinischen Grund als IGeL selbst, mit medizinischem Grund kann deine Ärztin sie über die Kasse anordnen.[19] Privatversicherte reichen die GOÄ-Rechnung bei ihrer Versicherung ein.[23]

Welche Blutwerte fehlen beim Check-up 35?

Der Check-up misst im Blut nur Nüchternglukose und das Lipidprofil aus Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyzeriden.[1] Für einen vollständigeren Blick auf Herz und Stoffwechsel fehlen unter anderem ApoB, Lp(a), HbA1c, hs-CRP, Ferritin, Kreatinin mit eGFR sowie die Leberwerte ALT und GGT, dazu Nüchterninsulin (HOMA-IR) als optionales Extra, das Laborleitlinien nicht routinemäßig empfehlen.[5, 6, 20] Auch Blutbild, Schilddrüsenwerte und Vitamin D fehlen.[1]

Ist beim Check-up 35 ein Blutbild oder die Schilddrüse dabei?

Nein, weder ein kleines noch ein großes Blutbild ist drin und auch kein TSH für die Schilddrüse, denn im Blut sieht die Richtlinie nur Nüchternglukose und das Lipidprofil vor.[1] Gibt es einen Anlass, etwa Müdigkeit, Blässe, Verdacht auf Eisenmangel oder Schilddrüsenbeschwerden, kann deine Ärztin die Werte auf Kassenkosten anordnen.[19] Ohne Anlass kannst du sie bei der Check-up-Blutabnahme als IGeL dazubuchen.

Gehört ein EKG oder Ultraschall zum Check-up 35?

Ein EKG gehört nicht dazu, deine Ärztin macht es nur, wenn Beschwerden oder Befunde dafür sprechen, und dann zahlt die Kasse es als eigene Leistung. Ultraschall ist ebenfalls nicht drin, mit einer Ausnahme: Dieselbe Richtlinie gibt Männern ab 65 einen einmaligen Anspruch auf ein Ultraschall-Screening der Bauchschlagader auf ein Aneurysma, eine gefährliche Aussackung.[1, 18] Ultraschall von Bauch, Schilddrüse oder Herz gehört sonst nicht zum Check-up.[1]

Was kostet Nüchterninsulin als Selbstzahler?

Etwa 17 bis 19 Euro Laborgebühr nach GOÄ, plus grob 10 bis 20 Euro für Abnahme und Versand, wenn du nur diesen Wert bestellst (Stand: Oktober 2026).[23] Zusammen mit der Nüchternglukose aus dem Check-up ergibt sich daraus der HOMA-IR, den dir unser Rechner ausgibt.[7] Die Laborleitlinie von ADA und AACC empfiehlt die Insulinmessung allerdings nicht als Routine und hält sie vor allem für die Forschung nützlich.[20] Sinnvoll ist der Wert deshalb eher als Kontext im Gespräch mit deiner Ärztin.

Wie kann ich Homocystein senken?

B-Vitamine senken Homocystein: In Studien drückte Folsäure den Wert um rund 23 Prozent, Vitamin B12 brachte etwas zusätzlich.[9] Weniger Herzinfarkte oder Todesfälle folgten daraus nicht, nur Schlaganfälle wurden etwas seltener.[10] Folsäure auf eigene Faust kann einen B12-Mangel verdecken, während Nervenschäden fortschreiten, weshalb die EU-Obergrenze für Folsäure aus Nahrungsergänzung und angereicherten Lebensmitteln zusammen bei 1 mg am Tag liegt.[26] Lass deshalb erst B12 bestimmen und kläre eine Einnahme mit deiner Ärztin.

Kann ich die fehlenden Werte beim Hausarzt dazubuchen?

Ja, du sagst vor der Blutabnahme, welche Werte du zusätzlich willst, und die Praxis berechnet die Extras privat nach GOÄ, nachdem sie dich schriftlich über die Kosten informiert und deine Zustimmung eingeholt hat.[19, 23] Lehnt die Praxis ab, kannst du ein Selbstzahler-Labor oder einen Online-Anbieter nutzen. Gibt es einen medizinischen Grund, kann deine Ärztin einzelne Werte über die Kasse anordnen, bei ApoB und Lp(a) hängt das von deinen Befunden ab.[19]

Ab welchem Alter lohnen sich ApoB und Lp(a)?

Lp(a) ist zu über 90 Prozent genetisch festgelegt, erreicht schon in der Kindheit Erwachsenenwerte und steigt bei Frauen in den Wechseljahren oft an, deshalb empfiehlt der EAS-Konsens 2022, es bei jedem Erwachsenen mindestens einmal zu messen.[6] ApoB empfehlen ESC und EAS zur Risikoeinschätzung vor allem bei hohen Triglyzeriden, Diabetes, Adipositas, metabolischem Syndrom oder sehr niedrigem LDL.[5] Frühe Herzerkrankungen in der Familie sind ebenfalls ein guter Grund, danach zu fragen, das ist allerdings unsere Einschätzung und steht nicht in der Leitlinie. Ohne Risikofaktoren ist der erste Check-up mit 35 ein guter Zeitpunkt für einen Ausgangswert.

Muss ich zum Check-up 35 nüchtern kommen? Darf ich Kaffee trinken?

Ja, die Richtlinie sieht die Nüchternplasmaglukose vor,[1] und üblich sind 8 bis 12 Stunden ohne Essen, nur Wasser ist erlaubt. Für Glukose und Nüchterninsulin brauchst du eine echte Nüchternphase, Triglyzeride steigen nach einer normalen Mahlzeit dagegen nur wenig, und ein sehr hoher Wert wird nüchtern wiederholt.[25] Kaffee mit Milch oder Zucker liefert Kalorien, deshalb trinkst du auch den schwarzen Kaffee besser erst nach der Blutabnahme. Nimmst du Medikamente, vor allem Insulin oder andere Blutzuckersenker, oder hochdosiertes Biotin, sprich das vorher mit der Praxis ab.[29]

Ändert sich der Check-up 35?

Möglicherweise: Der G-BA hat am 15. Oktober 2026 ein Verfahren eröffnet, das Altersgrenzen, Häufigkeit und Inhalte des Check-ups überprüft, und das IQWiG unter anderem mit einer Bewertung des Harnstreifentests und eines einmaligen HIV-Tests beauftragt.[13] Entscheiden muss er bis Ende 2027.[14] Bis eine neue Regel in Kraft tritt, gilt der heutige Check-up unverändert (Stand: Oktober 2026).

Brauche ich einen Vitamin-D-Test?

Als Routine eher nicht: Die Leitlinie der Endocrine Society von 2024 fand keine Studienbelege für eine Routinemessung und rät davon ab, auch bei dunkler Haut oder Übergewicht.[28] In der VITAL-Studie senkte Vitamin D3 zudem weder Krebs noch Herz-Kreislauf-Ereignisse.[11] Mit einem medizinischen Grund wie Osteoporose oder einer gestörten Nährstoffaufnahme im Darm ist ein Test dagegen sinnvoll, das klärst du mit deiner Ärztin.[28]

Quellen31

  1. Gemeinsamer Bundesausschuss. (2020). Richtlinie über die Gesundheitsuntersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten (Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie). Gemeinsamer Bundesausschussg-ba.de
  2. Gemeinsamer Bundesausschuss, Pressemitteilung vom 20. November 2020. (2020). Screening auf Hepatitis B und C neuer Bestandteil des Gesundheits-Check-ups. Gemeinsamer Bundesausschussg-ba.de
  3. Gemeinsamer Bundesausschuss. (2025). Richtlinie über die Früherkennung von Krebserkrankungen (Krebsfrüherkennungs-Richtlinie, KFE-RL). Gemeinsamer Bundesausschussg-ba.de
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  5. Mach F, Baigent C, Catapano AL, Koskinas KC, Casula M, Badimon L, et al.; ESC Scientific Document Group. (2020). 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk. European Heart Journaldoi:10.1093/eurheartj/ehz455
  6. Kronenberg F, Mora S, Stroes ESG, Ference BA, Arsenault BJ, Berglund L, et al. (2022). Lipoprotein(a) in atherosclerotic cardiovascular disease and aortic stenosis: a European Atherosclerosis Society consensus statement. European Heart Journaldoi:10.1093/eurheartj/ehac361
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  8. Ridker PM, Rifai N, Rose L, Buring JE, Cook NR. (2002). Comparison of C-reactive protein and low-density lipoprotein cholesterol levels in the prediction of first cardiovascular events. New England Journal of Medicinedoi:10.1056/NEJMoa021993
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Erstellt von Maurice Lichtenberg, Gründer, Longevity Cities

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