Kältetherapie und Longevity
Eisbad, Cold Plunge, kalte Dusche: was die Forschung trägt und wo kaltes Wasser gefährlich wird.
Aktualisiert am 16 Min. Lesezeit28 Quellen
Kurz erklärt
Ein Cold Plunge, auf Deutsch Eisbad, heißt meist zwei bis fünf Minuten in 10–15 °C kaltem Wasser. Gut gesichert ist, dass Kälte das Stresshormon Noradrenalin kräftig ansteigen lässt,[1, 12] und nach dem Sport kann sie Muskelkater etwas lindern, auch wenn die Studien dazu klein sind.[8] Für Immunsystem, Stimmung, Fettabbau oder ein längeres Leben sind die Belege dünn oder widersprüchlich, und nach dem Krafttraining bremste kaltes Wasser in zwei kleinen Studien den Muskelaufbau.[4, 6] Gefährlich wird Kälte vor allem durch den Kälteschock in den ersten Minuten, der im offenen Wasser zum Ertrinken führen kann.[11]
Diese Inhalte dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere immer einen qualifizierten Arzt, bevor du Änderungen an deiner Ernährung, deinem Trainingsprogramm oder deiner Nahrungsergänzung vornimmst.
Cold Plunge, Eisbad, kalte Dusche: Was passiert in deinem Körper?
Ein Cold Plunge ist das, was man auf Deutsch Eisbad oder Kaltwasserbad nennt: Du sitzt ein paar Minuten bis zum Hals in Wasser von 10–15 °C. Kälte gibt es in vier Hauptformen, die sich in Temperatur, Dauer und Risiko deutlich unterscheiden:
- Kalte Dusche: der leichteste Einstieg, Wasser um 15 °C, eine bis fünf Minuten.
- Eisbad oder Cold Plunge: 10–15 °C, der ganze Körper bis zum Hals, meist zwei bis fünf Minuten. Aus solchen Bädern stammt der Großteil der Forschung.
- Winterschwimmen: offenes Wasser bei 0–8 °C, meist 30 Sekunden bis drei Minuten. Es hat im deutschsprachigen Raum eine lange Vereinstradition und gehört nur in eine erfahrene Gruppe; Vereine in München, Berlin, Wien und Zürich stehen im Praxisabschnitt.
- Kryokammer: Luft, die elektrisch oder mit flüssigem Stickstoff auf unter minus 100 °C gekühlt wird, für zwei bis vier Minuten.[17, 18] Ob sie Muskelkater lindert, lässt sich aus den wenigen Studien nicht sagen,[17] und was hier über kaltes Wasser steht, gilt für sie nicht. Zu ihren Risiken zählen Kälteverbrennungen, Erfrierungen und, wenn das Gerät versagt, Ersticken.[18] Geh nur mit geschultem Personal hinein.
Im Wasser reagiert dein Körper zuerst mit einem Schub Noradrenalin, einem Stresshormon, das dein Nervensystem in Alarmbereitschaft versetzt. In der bekanntesten Studie stieg es auf mehr als das Sechsfache, allerdings nach einer ganzen Stunde bis zum Hals in 14 °C kaltem Wasser.[1] Eine Stunde hält im Alltag kaum jemand durch. Näher an deinem Eisbad liegt eine Studie der TU München, in der sich das Noradrenalin im Blut nach fünf Minuten bei 8–12 °C etwa verdoppelte.[12]
Die oft zitierten 250 Prozent mehr Dopamin stammen dagegen aus der Stundenstudie und wurden im Blut gemessen, nicht im Gehirn, wo das Belohnungssignal entsteht.[1] Für kurze Bäder gibt es dazu keine Messwerte, denn die Münchner Studie hat Dopamin nicht bestimmt.[12]
Neben dem Hormonschub verändert Kälte auch die Durchblutung deiner Haut: Die Blutgefäße dort ziehen sich zusammen und öffnen sich wieder, sobald du dich aufwärmst. Ob dieses Wechselspiel die Gefäße auf Dauer in nützlicher Weise trainiert, ist nicht gezeigt.
Wärme erzeugen kann dein Körper unter anderem mit braunem Fett, einem Fettgewebe, das Energie in Wärme umsetzt, statt sie zu speichern. In einer Studie wurde es nach etwa zehn Tagen aktiver, in denen die Teilnehmenden mehrere Stunden täglich in kühler Luft saßen.[9] Ob kurze Bäder oder Duschen dasselbe bewirken, ist nicht gezeigt. Erfahrene dänische Winterschwimmer nahmen in der Kälte jedenfalls nicht mehr Zucker ins braune Fett auf als Männer, die nicht winterschwimmen.[5] Sie erzeugten in der Kälte zwar mehr Wärme, doch woher diese kam, konnte die Studie nicht klären.[5]
Auch dein Immunsystem reagiert auf das kalte Wasser. Entzündungsmarker, also Blutwerte, die auf eine Entzündungsreaktion hinweisen, steigen direkt nach der Kälte an und bleiben mindestens eine Stunde erhöht.[7] Ob regelmäßige Kälte Entzündungen auf Dauer senkt, ist dagegen offen, denn dafür müssten Studien Menschen über Monate begleiten statt über eine Stunde.
Ist Eisbaden gesund? Was die Studien tragen und was nicht
Am besten belegt sind beim Eisbaden zwei Dinge: der kräftige Anstieg des Stresshormons Noradrenalin.[1, 12] und, mit Abstrichen, etwas weniger Muskelkater nach dem Sport[8] Für fast alles andere, von Insulin über Stimmung bis zum Immunsystem, sind die Belege dünn oder widersprüchlich, und Sterblichkeitsdaten wie bei der Sauna-Forschung gibt es für Kälte nicht.
Viele dieser Urteile stützen sich auf eine Übersichtsarbeit von 2025, die elf Studien mit zusammen rund 3.200 Menschen ausgewertet hat.[7] Die Zahl klingt breiter, als sie ist, denn gut 3.000 dieser Menschen stammen aus einer einzigen niederländischen Duschstudie.[3, 7]
Am ehesten belegt: Hormonschub und, mit Abstrichen, weniger Muskelkater
Der Noradrenalin-Anstieg ist der verlässlichste Befund, denn er zeigte sich nach fünf Minuten im Eisbad ebenso wie nach einer Stunde.[1, 12] Die meisten fühlen sich danach hellwach, und das passt zu diesem Hormonschub. Gemessen haben kontrollierte Studien Wachheit oder Konzentration allerdings kaum,[7] der Wach-Effekt ist also vor allem ein Gefühl.
Beim Muskelkater ist die Lage weniger eindeutig. Kaltes Wasser nach dem Sport lindert ihn bis zu etwa vier Tage lang, doch die Studien dahinter sind klein, methodisch schwach und uneinheitlich.[8] Am besten schnitten in einer späteren Auswertung Bäder von etwa 10 bis 15 Minuten bei 11 bis 15 °C ab.[16] Das ist deutlich länger als die zwei bis fünf Minuten, die die meisten im Eisbad bleiben, und ob die kurze Variante genauso wirkt, ist nicht gezeigt.
Plausibel, aber dünn oder widersprüchlich
Beim Insulin zeigen die Studien in verschiedene Richtungen. In einer kleinen Studie saßen Menschen mit Typ-2-Diabetes zehn Tage lang bis zu sechs Stunden täglich in einem 14–15 °C kühlen Raum.[2] Ihre Insulinsensitivität, also wie gut die Zellen auf Insulin reagieren und Zucker aus dem Blut holen, stieg dabei um rund 43 Prozent.[2] Als dagegen junge Erwachsene ohne starkes Übergewicht 16 Tage lang täglich zehn Minuten in 14 °C kaltem Wasser saßen, sank ihre Insulinsensitivität vorübergehend.[14] Nach einer Woche war sie wieder normal.[14]
Die 43 Prozent stammen also aus stundenlanger kalter Luft und sagen über Eisbäder nichts aus. Wenn du Diabetes hast, ist das kein Grund, auf eigene Faust mit Eisbädern anzufangen; sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Auch beim braunen Fett stammen die Befunde aus stundenlanger Kälte, nicht aus kurzen Bädern.[2, 9] Selbst nach zehn Tagen im kühlen Raum nahm es in der Diabetes-Studie nur wenig mehr Zucker auf.[2] Wie viele Kalorien aktiveres braunes Fett über einen ganzen Tag zusätzlich verbrennt, ist unsicher und von Mensch zu Mensch sehr verschieden.[9] Der Effekt fällt vor allem an, solange dir kalt ist,[9] und ein Abnehmeffekt durch Eisbäder ist damit nicht gezeigt.
Bei Stimmung und Stress liegen Gefühl und Datenlage weit auseinander: Viele fühlen sich nach dem Eisbad großartig, doch die Auswertung von 2025 fand keine bessere Stimmung.[7] Weniger Stress zeigte sich dort nur zu einem einzigen Zeitpunkt, zwölf Stunden nach der Kälte, aber weder früher noch später.[7] Besseren Schlaf und mehr Lebensqualität meldeten nur einzelne Studien.[7] Den Schlaf bewerteten dabei Männer nach Hitzetraining in einer kleinen Studie selbst.[7] In der niederländischen Duschstudie lag die Lebensqualität nach 30 Tagen leicht höher, nach 90 Tagen aber nicht mehr.[7]
Eine neuere Übersicht der Berliner Charité mit 13 Studien bestätigt das Bild: Die Daten belegen keinen Nutzen für Stimmung, Depression oder Stress.[15] Die meisten dieser Studien hatten ein hohes Verzerrungsrisiko, waren also so angelegt, dass sich leicht falsche Ergebnisse einschleichen.[15] Kaltes Wasser ist deshalb keine Behandlung für Depression oder Angst; wenn du damit kämpfst, sind Ärztin, Arzt oder Psychotherapie die richtige Adresse.
Beim Immunsystem hängt der gute Ruf der Kälte vor allem an jener niederländischen Duschstudie. Rund 3.000 Erwachsene beendeten darin ihre warme Dusche mit 30 bis 90 Sekunden kaltem Wasser und hatten danach 29 Prozent weniger krankheitsbedingte Fehltage bei der Arbeit.[3] Krank waren sie allerdings nicht an weniger Tagen, und die Fehltage gaben sie selbst an.[3] Weil alle wussten, dass sie kalt duschten, schließen die Autoren einen Placebo-Effekt nicht aus, zumal die meisten Teilnehmenden ohnehin gar keine Fehltage hatten.[3]
Die Forscher vermuten, dass kalte Duschen eher beeinflussen, wie schlimm sich eine Krankheit anfühlt, als wie lange sie dauert.[3] Die Auswertung von 2025 stützt das kaum, denn Immunwerte änderten sich dort direkt und eine Stunde nach der Kälte nicht.[7] Einen unabhängigen Versuch, der den Duscheffekt bestätigt, enthält sie bisher nicht.[7]
Was fehlt und was Kälte kosten kann
Daten zur Lebenserwartung, wie sie die Sauna hat, gibt es für Kälte nicht. Bei der Sauna zeigt die finnische KIHD-Studie, eine große Langzeitbeobachtung von Männern mittleren Alters, dass häufiges Saunieren mit weniger Todesfällen einhergeht.[10] Selbst das ist ein Zusammenhang und kein Beweis, und für Eisbäder fehlt schon dieser erste Schritt.
Wer Kraft trainiert, zahlt für Kälte sogar einen messbaren Preis. In zwei kleinen Studien mit Männern bremste kaltes Wasser direkt nach dem Krafttraining den Muskelaufbau.[4, 6] Die längere der beiden ergab, dass die Oberschenkelmuskulatur über zwölf Wochen mit Kälte nur etwa ein Drittel so viel zulegte wie mit lockerer aktiver Erholung.[4] Gewachsen ist sie zwar in beiden Gruppen, doch mit Kälte fielen dort auch die Kraftzuwächse kleiner aus.[4] Die andere Studie fand bei der Kraft keinen solchen Unterschied.[6] Für Frauen und ältere Menschen fehlen solche Daten, und wie du Kälte und Training trotzdem kombinierst, steht im Praxisabschnitt.
Ist Eisbaden gefährlich? Risiken und wer es lassen sollte
Für die meisten gesunden Erwachsenen ist kurze, kontrollierte Kälte wenig riskant. Wenn kaltes Wasser tötet, dann meist schon, bevor der Körper auskühlt: durch den Atemreflex beim Eintauchen, durch Ertrinken oder durch Herzrhythmusstörungen.[11] Unterkühlung kommt erst später und erst bei längerem Aufenthalt im Wasser.[11] Bei manchen Erkrankungen wiegen gerade diese frühen Gefahren schwerer, deshalb holst du dir dann vor dem ersten Bad ärztlichen Rat.
Sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, wenn eines davon auf dich zutrifft:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Herzrhythmusstörungen, auch angeborene: Kälte kann den Herzrhythmus aus dem Takt bringen.[11]
- Bluthochdruck: Kälte treibt den Blutdruck im Moment nach oben.[1]
- Raynaud-Syndrom: Durchblutungsstörungen, die Kälte vor allem an Fingern und Zehen auslöst.
- Schwangerschaft
- Epilepsie
- Kälteurtikaria (Nesselsucht oder Schwellungen durch Kälte): Kaltes Wasser kann eine schwere allergische Reaktion auslösen.[27]
- Medikamente gegen Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, zur Blutverdünnung oder solche, die müde machen (mehr dazu im Praxisabschnitt).
Wie kaltes Wasser gefährlich wird
Der Kälteschock kommt zuerst: Beim Eintauchen schnappst du unwillkürlich nach Luft und atmest sehr schnell. Am stärksten ist das in der ersten Minute, es kann aber zwei bis drei Minuten oder länger anhalten.[20] Gefährlich ist der Kälteschock auch in 10–15 °C kaltem Wasser, also genau im üblichen Eisbad-Bereich.[20] Atmest du in diesem Moment Wasser ein, kannst du ertrinken. Steig deshalb langsam ein, halte das Gesicht über Wasser, bis sich dein Atem beruhigt hat, und geh NIE allein ins offene Wasser.
Wer danach weiterschwimmt, trifft auf die nächste Gefahr, denn Arme und Beine kühlen aus und gehorchen nicht mehr, während die Körpertemperatur innen noch fast normal ist.[11] Dazu kann die Kälte den Herzrhythmus stören, vor allem bei einer Herzerkrankung oder einer angeborenen Rhythmusstörung, und das ist ein Grund für den ärztlichen Check.[11] Eine Zeitgrenze, die für alle sicher ist, gibt es nicht, weil sie vom Wasser, von deinem Körper und davon abhängt, wie viel du dich bewegst. Steig aus, solange du dich noch unter Kontrolle fühlst.
Kein kaltes Wasser nach Alkohol, Drogen oder Medikamenten, die müde machen: Sie verschärfen all diese Risiken.[11]
Nach dem Aussteigen: der Afterdrop
Auch nach dem Aussteigen kann deine Körperkerntemperatur noch eine Weile weiter sinken, der sogenannte Afterdrop. Wärme fließt dann weiter aus dem Inneren in die ausgekühlten äußeren Gewebe, und abgekühltes Blut kehrt aus Armen und Beinen zurück.[21] Zieh dich deshalb sofort warm an und wärm dich nach und nach auf; manchen wird unter einer sehr heißen Dusche schwindelig.
Im offenen Wasser
Ins kalte Seewasser gehst du erst nach Monaten mit Dusche und Wanne, und dann nur mit einer erfahrenen Gruppe und Rettungsausrüstung in der Nähe. Selten füllt sich beim Schwimmen in kaltem Wasser die Lunge mit Flüssigkeit, auch bei gesunden, fitten Menschen; medizinisch heißt das Lungenödem beim Schwimmen (SIPE).[19] Als Risikofaktor dafür gilt Bluthochdruck.[19] Atemnot, die schlimmer wird, Husten oder blutiger Auswurf beim oder nach dem Schwimmen heißen deshalb: raus, Hilfe holen und dringend zum Arzt. Bei schwerer Atemnot rufst du die 112.
Wim-Hof-Atmung und Wasser
Kombiniere die Wim-Hof-Atemübungen niemals mit Wasser. Das schnelle Atmen drückt das Kohlendioxid im Blut nach unten, sodass der Drang zu atmen ausbleibt, während der Sauerstoff weiter sinkt. Unter Wasser kannst du so ohne jede Vorwarnung bewusstlos werden, was Fachleute Shallow-Water-Blackout (Flachwasser-Ohnmacht) nennen, und das kann in jedem Gewässer und in jeder Tiefe passieren.[23] Solche Blackouts nach schnellem Atmen haben schon zum Ertrinken geführt.[23]
Die Methode selbst warnt auf ihrer Website, dass eine Ohnmacht im oder am Wasser sehr gefährlich sein kann.[24] Mach die Atemübungen deshalb im Sitzen auf festem Boden, weit weg von jedem Wasser, und halte sie strikt vom Eisbad getrennt.
Eisbaden für Anfänger: wie lange, wie kalt, wie oft?
Der sicherste Einstieg ins Eisbaden ist die kalte Dusche am Ende der warmen, und erst wenn die sich gewohnt anfühlt, kommt die Wanne. Egal, was TikTok dir zeigt: Unter der Dusche kannst du jederzeit den Hahn zudrehen, und offenes Wasser ist weit weg.
Drei Wege hinein
- Kalte Dusche: 30 Sekunden am Ende der warmen Dusche, über zwei bis vier Wochen auf zwei bis drei Minuten steigern.
- Wanne oder Tonne zu Hause: kaltes Wasser plus Eis aus dem Supermarkt, Ziel 10–15 °C, zwei bis fünf Minuten.
- Studio oder fertiger Cold Plunge: Mit einer Tageskarte im Studio probierst du es aus, bevor du etwas kaufst (Preise in der Kostenliste unten).
Wie lange, wie kalt, wie oft
Wie lange und wie oft Eisbaden am besten ist, hat bisher keine Studie ermittelt; die Auswertung von 2025 nennt genau das als offene Frage für die Forschung.[7] Die Tabelle zeigt deshalb übliche Startwerte, keine in Studien getestete Dosis.
| Form | Wassertemperatur | Dauer pro Einheit | Üblicher Startwert |
|---|---|---|---|
| Kalte Dusche | etwa 15 °C | 30 s, steigern auf 2–3 Min. | täglich möglich |
| Eisbad oder Cold Plunge | 10–15 °C | 2–5 Min. | 2- bis 4-mal pro Woche |
| Winterschwimmen (nur im Verein) | 0–8 °C | 30 s bis 3 Min. | erfahrene Schwimmer einer dänischen Studie: 2- bis 3-mal pro Woche.[5] |
Quelle: verbreitete Praxiswerte; Winterschwimmen nach[5]
Einen Anhaltspunkt zur Häufigkeit gibt eine Online-Umfrage unter regelmäßigen Eisbadern: Etwa zwei Bäder pro Woche gingen dort mit der besten selbst angegebenen psychischen Gesundheit und den kürzesten Erkältungen einher.[25] Wer häufiger badete, gab etwas schlechtere Werte an, doch eine solche Befragung ist eine Momentaufnahme und zeigt keine Ursache.[25]
Auch die oft gehörten elf Minuten pro Woche, bekannt geworden durch den US-Podcaster Andrew Huberman, sind keine getestete Dosis. Sie beschreiben, wie viel Zeit eine kleine Gruppe erfahrener dänischer Winterschwimmer im Schnitt im kalten Wasser verbrachte.[5] Als grobe Orientierung taugt die Zahl, als Vorschrift nicht.
Eine beste Tageszeit ist ebenfalls nicht gezeigt. In der Münchner Studie stieg Noradrenalin morgens und abends ähnlich stark an.[12] Bei trainierten Radfahrern veränderte ein kaltes Bad nach dem Abendtraining zudem den gemessenen Schlaf nicht.[13] Viele mögen das Eisbad trotzdem lieber morgens; wenn dich ein Bad am Abend wach hält, leg es früher.
Der 4-Wochen-Plan zum Gewöhnen
- Woche 1: Kalte Dusche, 30 Sekunden am Ende einer normalen warmen Dusche, täglich.
- Woche 2: 60 bis 90 Sekunden kalt am Ende der Dusche.
- Woche 3: Badewanne mit so viel Eis aus dem Supermarkt, dass du 12 bis 15 °C erreichst. Wie viel das ist, hängt von deinem Leitungswasser und der Größe der Wanne ab, also miss mit einem schwimmenden Thermometer nach. Zwei Minuten, zwei- bis dreimal pro Woche.
- Woche 4: Drei Minuten bei 12 °C, dreimal pro Woche.
Notier dir, wie lange du nach dem Anziehen noch zitterst, und wenn du magst, auch deinen Ruhepuls vor und nach der Sitzung. Wenn du Woche für Woche weniger zitterst und sich die Kälte leichter anfühlt, gewöhnt sich dein Körper an sie. Sicherer macht dich das allerdings nicht, denn die Gewöhnung kann auch das Zittern und andere Warnsignale abschwächen.[22] Nimm sie also nicht als Grund, länger drin zu bleiben. An Freiwasserschwimmen in einem organisierten Verein denkst du erst nach mindestens vier Wochen mit Dusche und Wanne, und auch dann nie allein.
Atmung
Steig langsam ein und atme ruhig, am besten durch die Nase. Das Schnappen nach Luft ist in der ersten Minute am stärksten und kann zwei bis drei Minuten oder länger dauern.[20] Lass dein Gesicht deshalb über Wasser, bis du deinen Atem im Griff hast. Halte unter Wasser nie die Luft an.
Kälte und Training
- Heute Krafttraining? In den Muskelstudien saßen die Teilnehmer wenige Minuten nach dem Training im kalten Wasser.[4, 6] Ob ein paar Stunden Abstand den bremsenden Effekt verhindern, hat kein Versuch getestet. Vier bis sechs Stunden Abstand sind eine Faustregel von Coaches; ist dir Muskelaufbau wichtig, sind trainingsfreie Tage die sicherere Wahl.
- Heute Ausdauertraining? Kälte direkt danach ist okay und kann den Muskelkater etwas lindern,[8] etwa nach harten Lauf- oder Radtagen. Die Belege sind allerdings begrenzt: Am besten schnitten längere Bäder von 10 bis 15 Minuten bei 11 bis 15 °C ab, und ob zwei bis fünf Minuten genauso wirken, ist nicht gezeigt.[8, 16]
- Mitten in einem Aufbauprogramm, in dem du gezielt Muskelmasse zulegen willst? Dann lässt du Kälte in diesen acht bis zwölf Wochen besser weg oder beschränkst sie streng auf trainingsfreie Tage.
Gut kombinieren lässt sich Kälte mit Wärme: Sauna, dann Kälte, dann Ruhe. Oder du gehst morgens ins kalte Wasser und legst dein Training ein paar Stunden später.
Kälte und deine Medikamente
Wenn du Medikamente gegen Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen nimmst, Blutverdünner oder etwas, das müde macht, frag vor dem Start in der Arztpraxis oder Apotheke nach. Manche dieser Mittel verändern, wie Herz und Blutdruck auf Kälte reagieren, und für Eisbäder ist das kaum untersucht. Für Mittel, die müde machen, gilt dasselbe wie für Alkohol, denn sie verschärfen die Risiken im kalten Wasser.[11] Welche Erkrankungen vorher ärztlich abgeklärt gehören, steht im Abschnitt zu den Risiken.
Was Kälte kostet
Die Preise sind grobe Spannen (Stand: Oktober 2026):
- Badewanne plus Supermarkt-Eis: grob 3 bis 5 € pro Sitzung. Für die meisten reicht das völlig.
- Einfache Plastikwanne oder Tonne für Balkon und Garten: etwa 80 bis 150 €, oft als saisonales Angebot bei Lidl oder Aldi. Ohne Kühlung ist sie von Herbst bis Frühling nutzbar.
- Markenwannen und Eisbad-Tonnen: oft 1.000 € und mehr.
- Cold Plunge mit Kühlsystem (Chiller): isoliert, gekühlt, gefiltert und ganzjährig kalt, etwa 2.000 bis 6.000 €.
- Tageskarte in einem Studio mit Cold Plunge: zum Beispiel ab etwa 20 €.
Wo du in Gesellschaft ins kalte Wasser gehst
In München treffen sich Eisbade-Gruppen an der Isar und an Seen im Umland, etwa Alpines Eisbaden. Niemals im Englischen Garten: Dort ist das Baden in allen Gewässern verboten, Eisbach und Schwabinger Bach eingeschlossen. Die starke Strömung und der Sog des Eisbachs haben schon Menschen das Leben gekostet.
In Berlin gibt es die Berliner Seehunde am Orankesee, seit 1980 eine Abteilung der SG Bergmann-Borsig. Sie schwimmen von Mitte September bis Ende April sonntags, Treffpunkt ab 9:30 Uhr, ins Wasser geht es um 10 Uhr (Stand: Oktober 2026).[28] Dazu kommen Gruppen am Müggelsee. In Wien gibt es den österreichischen Ableger der International Ice Swimming Association (IISA Austria) und Sonntagstreffen am Donaukanal, am Zürichsee mehrere Winterschwimm-Gruppen. Geh immer mit Buddy, und am Ufer sollten eine Thermoskanne warmer Tee, trockene Kleidung und eine Mütze auf dich warten.
In diesen Winterbade-Vereinen triffst du viele rüstige 70- und 80-Jährige, die seit Jahrzehnten in den See steigen. Wer so lange dabeibleibt, war allerdings meist ohnehin gesund und fit genug dafür, sodass eher die Fitten durchgehalten haben, als dass die Kälte sie fit gemacht hätte. Einen Gesundheitsvorteil liest du aus ihnen deshalb nicht ab.
Was du realistisch erwarten kannst
Realistisch ist das Eisbad ein günstiges Werkzeug, das für die meisten gesunden Erwachsenen sicher ist, wenn sie die Sicherheitsregeln einhalten. Die meisten fühlen sich danach hellwach, nach dem Sport kann es den Muskelkater etwas lindern,[8] und ob es den Gefäßen oder einem längeren Leben dient, ist offen. Wenn du es ausprobieren willst, ist der naheliegende Anfang eine halbe Minute kaltes Wasser am Ende deiner nächsten warmen Dusche, ganz ohne Ausrüstung und weit weg vom offenen Wasser.
Häufig gestellte Fragen
Was heißt Cold Plunge auf Deutsch?
Wie kalt sollte ein Eisbad sein und wie lange solltest du drin bleiben?
Eisbad vor oder nach dem Training (Krafttraining)?
Eisbad vor oder nach der Sauna?
Sind die Longevity-Effekte so stark wie bei Sauna?
Aktiviert Kälte wirklich braunes Fett? Und wie lange dauert das?
Verbrennt Eisbaden Fett? Wie viele Kalorien verbraucht ein Eisbad?
Wie viel Dopamin schüttet ein Eisbad aus?
Kann ich Kälte zu oft machen?
Hilft Eisbaden gegen Depression oder Angst?
Welche Tageszeit ist am besten für ein Eisbad?
Ist eine Kryokammer dasselbe wie ein Eisbad?
Darf ich nach Alkohol ins Eisbad?
Quellen28
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Erstellt von Maurice Lichtenberg, Gründer, Longevity Cities
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