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Heilpraktiker und Longevity

Was ein Heilpraktiker für Longevity darf, was es kostet und worauf du bei Infusionen achten solltest

Aktualisiert am 15 Min. Lesezeit38 Quellen

Kurz erklärt

Heilpraktiker dürfen in Deutschland ohne Medizinstudium Krankheiten feststellen und behandeln, Blut abnehmen und Infusionen geben, aber keine verschreibungspflichtigen Medikamente verordnen.[1, 14, 31] Die gesetzliche Kasse zahlt in der Regel nicht[20]: Das Erstgespräch kostet dich meist 80 bis 200 €, eine Infusion mit Vitaminen 80 bis 250 € und eine mit NAD+ mehrere hundert Euro (Stand: Oktober 2026).[37, 38] Solche Longevity-Infusionen sind laut BfArM keine zugelassenen Arzneimittel, ihre Qualität und Sicherheit also nicht belegt.[24] Für die meisten Longevity-Fragen ist ein Arzt mit Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren oder Ernährungsmedizin die stärkere Wahl, weil er alles anbieten darf, was ein Heilpraktiker anbietet, und zusätzlich verschreiben kann.[7, 31]

Diese Inhalte dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere immer einen qualifizierten Arzt, bevor du Änderungen an deiner Ernährung, deinem Trainingsprogramm oder deiner Nahrungsergänzung vornimmst.

Was ist ein Heilpraktiker, und wie wird man es?

Ein Heilpraktiker darf in Deutschland Krankheiten feststellen und behandeln, ohne Arzt zu sein. Grundlage ist das Heilpraktikergesetz von 1939, das der Bundesgerichtshof 2011 auch auf Synergetik angewandt hat, eine Form der Psychotherapie.[1, 3] Eine Erlaubnis braucht nach diesem Gesetz jeder, der Heilkunde ausübt, die der Gesundheit schaden kann.[1]

Die einzige fachliche Hürde auf dem Weg zu dieser Erlaubnis ist eine Überprüfung beim Gesundheitsamt (§ 2 der Ersten Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz).[14] Dort prüft das Amt deine Kenntnisse und Fähigkeiten nach Leitlinien des Bundesgesundheitsministeriums. Gemessen wird dabei, ob du eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung oder für deine Patienten wärst, und nicht, ob du gut heilst.[14]

Neben der Überprüfung verlangt die Verordnung, dass du mindestens 25 Jahre alt bist und mindestens einen Hauptschulabschluss hast. Außerdem musst du zuverlässig sein, also keine schweren Straftaten begangen haben, und gesundheitlich geeignet (die deutsche Staatsangehörigkeit steht zwar noch im Text, gilt aber seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1988 nicht mehr).[14] Eine Ausbildung schreibt das Gesetz dagegen nicht vor, und einen staatlich anerkannten Lehrplan gibt es auch nicht. Manche bereiten sich in wenigen Monaten im Selbststudium vor, andere über mehrere Jahre berufsbegleitend an einer Heilpraktikerschule.

Wie groß dieser Abstand zur Medizin ist, zeigt der Vergleich mit Ärzten. Sie studieren sechs Jahre Medizin, inklusive Praktischem Jahr, bevor sie approbiert werden, also ihre staatliche Zulassung bekommen.[35] Fachärzte hängen danach noch mehrere Jahre Weiterbildung an.

Trotz dieses Abstands darf ein Heilpraktiker mit seiner Erlaubnis eigene Diagnosen stellen, naturheilkundlich behandeln, Blut abnehmen und Infusionen geben. Für Infusionen gibt es dabei keine eigene staatliche Qualifikation. Kurse für Infusionen in die Vene (IV-Kurse) bieten private Schulen und Berufsverbände an, und keiner davon ist gesetzlich vorgeschrieben oder staatlich anerkannt.

Die Grenzen dieser Befugnisse verlaufen dort, wo das Gesetz Ärzten etwas vorbehält. Verschreibungspflichtige Medikamente darf ein Heilpraktiker nicht verordnen.[31] Auch die im Infektionsschutzgesetz (§ 24 IfSG) genannten Infektionskrankheiten und andere sexuell übertragbare Infektionen darf er weder feststellen noch behandeln.[8] Schnelltests auf HIV, Hepatitis C, SARS-CoV-2 und Syphilis darf dagegen jeder anwenden, aber ein positives Ergebnis gehört zur Bestätigung und Behandlung zum Arzt.[8] Geburtshilfe leisten außer im Notfall nur Ärztinnen, Ärzte und Hebammen.[32] Und wo ein Problem über seine Kompetenz hinausgeht, muss ein Heilpraktiker dich aus seiner Sorgfaltspflicht heraus an einen Arzt verweisen.

Eine solche Erlaubnis gibt es in dieser Form nur in Deutschland. In Österreich bleibt Heilkunde Ärzten vorbehalten, und der Europäische Gerichtshof hat 2002 bestätigt, dass ein Staat das so regeln darf.[18] Die Schweiz geht einen eigenen Weg und vergibt seit April 2015 ein eidgenössisches Diplom für nichtärztliche Naturheilpraktiker.[19]

Für die Longevity-Szene ist der deutsche Sonderweg trotzdem interessant, weil er einen Platz zwischen Hausarztpraxis und Wellness schafft. Im Alltag landest du dort vor allem bei Laboren und Infusionen, die du selbst bezahlst.

Was bieten Heilpraktiker für Longevity an, und was kostet es?

Für Longevity bieten Heilpraktiker vor allem Laboruntersuchungen, Hormon- und Mikrobiom-Tests, biologische Alterstests und Infusionen an. Fast alles davon zahlst du als Selbstzahler-Leistung, und die Tabelle zeigt, in welchem Rahmen sich die Preise bewegen. Es sind übliche Selbstzahlerpreise laut Praxis-Preislisten, Stand: Oktober 2026.

Leistung Üblicher Preis Hinweis
Erstanamnese 80–200 €
Folgetermin 50–120 €
Erweitertes Longevity-Labor (Vitamin D, B12, Ferritin, Hormone) 200–600 € Ein Blutstatus allein ist ein kleiner Posten; die Beihilfe erkennt dafür 10,00 € an.[16]
Mikrobiom-Test 200–400 € Darmflora-Analyse über ein Labor
Biologischer Alterstest 250–500 € Aussagekraft je nach Test unterschiedlich, siehe epigenetische Tests
Infusion mit Vitaminen und Mineralstoffen (Myers Cocktail) oder Glutathion 80–250 € pro Sitzung Für Longevity kein Nutzen belegt, siehe Sicherheit von Infusionen
NAD+-Infusion etwa 300–740 € je nach Dosis[37, 38] Für Longevity kein Nutzen belegt, siehe Sicherheit von Infusionen

Neben diesen Posten stehen auf vielen Angebotslisten weitere Tests und Behandlungen. Manche Praxen messen Hormone in Speichel oder Urin, etwa das Stresshormon Cortisol mehrmals über den Tag verteilt, als sogenanntes Cortisol-Tagesprofil. Andere bestimmen deine Körperzusammensetzung, also wie viel von dir Fett, Muskeln und Wasser ist, mit einer Waage, die dafür einen schwachen Strom durch den Körper schickt (bioelektrische Impedanzanalyse). Behandeln lassen kannst du dich dort mit Darmsanierung, Akupunktur oder Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM), und oft gehört Ernährungs- und Lifestyle-Coaching dazu.

Umstrittener sind Schwermetall-Tests, und die Chelat-Therapie, bei der Infusionen Schwermetalle aus dem Körper holen sollen, ist keine etablierte Longevity-Behandlung. Sie gehört zur Behandlung einer gesicherten Schwermetallvergiftung und hat eigene, ernste Risiken[22]

Bezahlen musst du das alles in aller Regel selbst, weil Heilpraktiker nicht zum Kassensystem gehören: Ärztliche Behandlung erbringen dort Ärzte (§ 15 SGB V).[20] Eine Kasse kann in ihrer Satzung allerdings Zusatzleistungen vorsehen, auch von Anbietern außerhalb des Kassensystems (§ 11 Abs. 6 SGB V).[36] Frag also bei deiner nach. Private Krankenversicherungen und Heilpraktiker-Zusatztarife übernehmen je nach Vertrag oft einen Anteil bis zu einem jährlichen Höchstbetrag, deshalb lohnt es sich, Anteil und Höchstbetrag vor Abschluss zu vergleichen. Für Beamte setzt die Beihilfe eigene Höchstbeträge für Heilpraktikerleistungen an.[16]

Ob sich das Geld lohnt, prüft in Deutschland der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes Bund, der Selbstzahlerleistungen unabhängig auf Nutzen und Schaden bewertet.[6] Stand Oktober 2026 hat er 59 Leistungen bewertet, davon keine positiv, drei tendenziell positiv und den Rest unklar, tendenziell negativ oder negativ.[6] Bei den Angeboten aus der Heilpraktikerpraxis lohnt ein genauer Blick auf das Wort „unklar“. Es ist ein Urteil nach Prüfung, während der Monitor eine nicht bewertete Leistung gar nicht geprüft hat. So sieht es für die verwandten Angebote aus[6]:

  • unklar: Ozon-Eigenbluttherapie und hyperbare Sauerstofftherapie bei Long-COVID sowie die Früherkennung von Vitamin-D- oder B12-Mangel
  • negativ: die Colon-Hydro-Therapie, also Darmspülungen
  • nicht bewertet: Bioresonanz, Angewandte Kinesiologie, Haarmineralanalysen, Myers Cocktail, NAD+-Infusionen und Chelat-Therapie außerhalb einer gesicherten Vergiftung

Für die meisten Longevity-Angebote beim Heilpraktiker gibt es damit keine unabhängige Bewertung, und die naheliegende Frage an die Praxis lautet vor dem Bezahlen: Welche Studien stützen genau diese Leistung? Bei Infusionen reicht diese Frage allein allerdings nicht, weil hier neben dem Geld auch deine Gesundheit auf dem Spiel steht.

Wie sicher sind Infusionen beim Heilpraktiker?

Infusionen beim Heilpraktiker sind nicht ohne Risiko: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat im Mai 2026 ausdrücklich vor „Drip-Spa“- und „Longevity-Infusionen“ gewarnt.[24] Diese Infusionslösungen sind in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen, ihre Qualität und Sicherheit sind also nicht belegt.[24] Als Risiken nennt das BfArM.[24]:

  • Vitamin-Überdosierung
  • Volumenüberladung, also zu viel Flüssigkeit im Kreislauf
  • Störungen der Blutsalze (Elektrolyte) und des Säure-Basen-Gleichgewichts
  • allergische Reaktionen bis zum lebensbedrohlichen allergischen Schock (Anaphylaxie)
  • Paravasate, bei denen die Infusion ins Gewebe statt in die Vene läuft
  • Luftembolien, also Gefäßverschlüsse durch Luftblasen
  • Kreislaufprobleme durch zu schnelles Einlaufen

Dazu kommt, was jede Nadel in der Vene mit sich bringen kann, etwa eine Infektion oder eine Fehldosierung.

Einige dieser Risiken treffen bestimmte Menschen besonders. Hochdosierte Vitamin-C-Infusionen können bei G6PD-Mangel (einem angeborenen Enzymdefekt) rote Blutkörperchen zerstören und über ihr Abbauprodukt Oxalat die Nieren schädigen, vor allem bei sehr hohen oder wiederholten Dosen[25, 26] Übersichtsarbeiten raten deshalb, vorher auf G6PD-Mangel zu testen.[25, 26] Zu viel Flüssigkeit und gestörte Blutsalze sieht das BfArM vor allem bei besonders gefährdeten Menschen.[24] Wenn du eine Herz- oder Nierenerkrankung hast oder schwanger bist, sag das der Praxis vor jeder Infusion.

Ein eigenes, schweres Risiko hat die Chelat-Therapie. Chelat-Infusionen mit Natrium-EDTA (Na2EDTA) haben durch einen plötzlichen Abfall des Blutcalciums zu Todesfällen geführt.[22] In einem Fall bekam ein Kind mit Bleivergiftung versehentlich Na2EDTA statt des vorgesehenen Calciumdinatrium-EDTA (CaNa2EDTA). In einem anderen starb eine Frau in einer Naturheilpraxis während einer Infusion, die Schwermetalle ausleiten sollte.[22] Die US-Gesundheitsbehörde CDC rät deshalb, Kindern bei einer Chelat-Therapie kein Na2EDTA zu geben.[22]

Neben der Sicherheit wurde auch ein möglicher Nutzen für das Herz untersucht, und zwar in einer großen Studie, in der das Los über die Behandlung entschied. Bei Menschen mit Diabetes und früherem Herzinfarkt senkten 40 EDTA-Infusionen dort weder Herzinfarkte noch Schlaganfälle noch Todesfälle.[23] Eine Chelat-Therapie gehört deshalb nur in die Behandlung einer gesicherten Schwermetallvergiftung, mit einem für das jeweilige Metall passenden Mittel und unter fachärztlicher Aufsicht, nicht in die Vorsorge oder zur „Entgiftung“.

Auch eine angebliche Krebstherapie per Infusion endete tödlich. Im Juli 2016 starben in einer von einem Heilpraktiker geführten Praxis in Brüggen-Bracht drei Patienten nach überdosierten 3-Bromopyruvat-Infusionen, die als „Krebstherapie“ gegeben wurden.[9] Das Landgericht Krefeld verurteilte den Heilpraktiker am 15. Juli 2019 wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen und fahrlässigen Herstellens verfälschter Arzneimittel zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung.[9]

Nach diesem Fall wurde das Gesetz strenger. Heilpraktiker, die keine Ärzte sind, brauchen seit dem 16. August 2019 eine Herstellungserlaubnis, wenn sie verschreibungspflichtige Arzneimittel für eigene Patienten zubereiten.[11] Als Grund für die neue Regel (§ 13 Abs. 2b Satz 2 Nr. 3 AMG) nannte die Bundesregierung Vorfälle mit Heilpraktikern.[11, 12]

Diesen Risiken steht für Longevity kein nachgewiesener Gewinn gegenüber. Hochdosiertes Vitamin C als Infusion wurde bei Sepsis, also einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung, und bei Krebs untersucht, nicht für gesundes Altern.[25] Selbst dort sieht eine Übersichtsarbeit von 2026 keine Grundlage für den Routineeinsatz bei Sepsis und nennt seine Rolle in der Krebsbehandlung unterstützend und noch nicht gesichert.[25] Für NAD+- und Myers-Cocktail-Infusionen haben wir keinen randomisierten Versuch gefunden, der bei Gesunden einen Nutzen für Langlebigkeit zeigt, und der IGeL-Monitor hat diese Leistungen nicht bewertet.[6]

Ein IV-Kurs der Praxis ändert an dieser Abwägung nichts, denn er sagt nichts darüber, ob die Infusion wirkt oder das Produkt sicher ist. Kläre deshalb vor der Buchung diese Punkte:

  1. Frag, was genau in der Infusion ist und wer sie hergestellt hat.
  2. Frag, ob es bei dir einen medizinischen Grund für die Infusion gibt.
  3. Nenn alle Medikamente, die du nimmst, sowie Herz- oder Nierenerkrankungen und eine Schwangerschaft.
  4. Frag bei hochdosiertem Vitamin C, ob die Praxis vorher G6PD und Nierenwerte bestimmt. Wenn nicht, buch nicht.[25, 26]
  5. Frag, ob Adrenalin zur Injektion in den Muskel griffbereit im Raum liegt und ob das Personal es sofort geben kann. Lass dir außerdem das schriftliche Notfallprotokoll zeigen: Infusion stoppen, Adrenalin geben, 112 rufen. Ein Arzt, den man anrufen kann, reicht nicht, denn erste Maßnahme beim allergischen Schock ist schnell gegebenes Adrenalin in den Muskel.[24, 27]
  6. Frag, wie die Praxis steril arbeitet und ob sie schriftlich festhält, was sie dir in welcher Dosis gegeben hat.
  7. Lass dir die Erlaubnis zeigen. Eine Heilpraktikererlaubnis kann auf ein Gebiet beschränkt sein, etwa auf Physiotherapie,[33] und deckt dann keine Blutentnahmen oder Infusionen ab.

Bekommst du auf einen dieser Punkte keine klare Antwort, ist das ein guter Grund, die Infusion nicht zu buchen.

Was darf ein Heilpraktiker nicht? Heilpraktiker oder Arzt

Ein Heilpraktiker stößt vor allem beim Rezept an Grenzen: Er darf nichts Verschreibungspflichtiges verordnen, also kein Rapamycin, kein Metformin, keine Hormonersatztherapie (HRT) und keine GLP-1-Agonisten wie die Abnehmspritzen.[31] Er darf außerdem nicht impfen und die Infektionen, die Ärzten vorbehalten sind, weder feststellen noch behandeln.[8] Diese rechtlichen Grenzen zählen mehr als jedes Marketing, weil sie festlegen, was er dir überhaupt anbieten kann. Die Tabelle zeigt die Aufteilung:

Tätigkeit Heilpraktiker Arzt
Diagnose stellen ja ja
Blut abnehmen, Spritzen, Infusionen ja ja
Verschreibungspflichtige Mittel (Rapamycin, HRT, GLP-1) nein.[31] ja
Impfen nein, Impfstoffe sind verschreibungspflichtig[31] ja
Infektionen nach § 24 IfSG und sexuell übertragbare Infektionen nein, Schnelltests ausgenommen[8] ja
Eigenbluttherapie nur eine enge Ausnahme[2, 10] ja
Krankschreibung für den Arbeitgeber nein[15] ja
Gesetzliche Kasse zahlt nein[20] ja, mit Kassenzulassung

Krebs

Krebs wird schulmedizinisch behandelt, auch wenn kein Gesetz Heilpraktikern verbietet, Krebspatienten zu betreuen. Chemotherapie und die meisten Krebsmedikamente sind aber verschreibungspflichtig und damit für sie tabu[31] Öffentliche Werbung für Krebsbehandlungen schränkt zudem das Heilmittelwerbegesetz (§ 12 HWG) ein, bis auf wenige Ausnahmen wie Behandlungen in Heilbädern und Kurorten.[5]

Was ein Heilpraktiker begleitend anbietet, etwa Mistel, Ernährung oder hochdosiertes Vitamin C, soll dich unterstützen, nicht den Krebs behandeln, und nichts davon ist eine etablierte Krebsbehandlung. Selbst für hochdosiertes Vitamin C, zu dem kleine Studien erste Hinweise liefern, nennt eine Übersichtsarbeit von 2026 die Rolle in der Krebsbehandlung unterstützend und noch nicht gesichert.[25] Sprich es deshalb vorher mit deiner Onkologin oder deinem Onkologen ab.

Eigenbluttherapie

Bei der Eigenbluttherapie wird dir Blut abgenommen und wieder zurückgegeben, unverändert oder mit Ozon, homöopathischen Mitteln oder Vitaminen versetzt. Das Bundesverwaltungsgericht hat 2023 in einem Fall zu ozonisiertem Eigenblut entschieden, dass die Blutentnahme dafür nach dem Transfusionsgesetz als Spende gilt, auch bei kleinen Mengen.[2] Abnehmen dürfen eine solche Spende nur Ärzte oder qualifiziertes Personal unter ärztlicher Verantwortung (§ 7 Abs. 2 TFG).[4] Ein Heilpraktiker, der allein arbeitet, darf es deshalb nicht.[10]

Diese Regel gilt auch für unverändertes Eigenblut und für Blut, das mit homöopathischen oder pflanzlichen Mitteln oder Vitaminen versetzt ist.[10] So hat es ein bayerisches Gericht entschieden, und sein Urteil ist rechtskräftig, seit das Bundesverwaltungsgericht im Juni 2025 keine weitere Überprüfung (Revision) zugelassen hat.[10] Ausgenommen bleibt nur ein Eigenblutprodukt, das nach einem im Europäischen Arzneibuch oder einem amtlichen EU-Arzneibuch beschriebenen homöopathischen Zubereitungsverfahren hergestellt wird.[2, 10] Homöopathische Tropfen oder Ozon ins Blut zu mischen reicht dafür nicht.

Wer was besser kann

Im Alltag liegt der Vorteil des Arztes vor allem bei den Medikamenten, denn er kann HRT, GLP-1-Agonisten oder Cholesterinsenker verschreiben.[31] Außerdem kann er komplexe Bluttests und Bildgebung einordnen und direkt mit Fachärzten zusammenarbeiten.

Ein Rezept macht ein Mittel allerdings nicht automatisch sinnvoll, wie Rapamycin (Sirolimus) zeigt. Zugelassen ist es als Immunsuppressivum, also als Mittel, das die Immunabwehr unterdrückt, nach einer Nierentransplantation und für eine seltene Lungenerkrankung, nicht gegen das Altern.[29] Für Longevity ist es off-label, also außerhalb der Zulassung, und experimentell. In einer einjährigen Studie mit gesunden Erwachsenen, in der das Los entschied, wer Rapamycin bekam, erwies es sich als recht verträglich, doch das Bauchfett, ihr Hauptmesswert, veränderte sich nicht.[28] Durchgeführt hat die Studie eine Firma, die Rapamycin selbst verschreibt.[28] Mehr dazu steht im Rapamycin-Ratgeber.

Der Heilpraktiker punktet woanders: Er hat oft längere Termine, schaut breiter auf Ernährung, Stress und Lebensstil und ist offener für Themen, die in der Schulmedizin umstritten sind. Dazu kommt der leichte Zugang zu Infusionen, dessen Kehrseite der Abschnitt zur Sicherheit von Infusionen beschreibt.

Am sinnvollsten ist deshalb eine Arbeitsteilung. Für alles medizinisch Wichtige gehst du zum Hausarzt und bei Bedarf zum Facharzt, und dort bleiben auch Diagnose und Medikamente. Ein Heilpraktiker kann, wenn du magst, bei Ernährung, Lebensstil und Supplementen eine gute Ergänzung sein.

Wie findest du einen seriösen Heilpraktiker, und wann ist ein Arzt besser?

Ein seriöser Heilpraktiker arbeitet mit Ärzten zusammen, nennt die Grenzen seiner Erlaubnis von sich aus, veröffentlicht seine Preise und verkauft dir keine eigenen Produkte. Weil das Gesetz keine Ausbildung vorschreibt, schwankt die Qualität stark von Person zu Person, und ein paar Zeichen helfen dir beim Sortieren.

Für eine seriöse Praxis sprechen diese guten Zeichen:

  • Mitgliedschaft in einem Berufsverband wie dem Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH) oder dem Bund Deutscher Heilpraktiker (BDH)
  • ein medizinischer Beruf vor der Heilpraktiker-Prüfung, etwa in der Pflege, im Rettungsdienst oder in der Apotheke
  • ein ärztliches Netzwerk: Die Praxis arbeitet regelmäßig mit Hausärzten und Fachärzten zusammen
  • Blutwerte gehen an etablierte deutsche Labore wie Ganzimmun, IMD Berlin oder Synlab, nicht an obskure Anbieter mit Black-Box-Diagnostik
  • eine transparente Preisliste
  • klare Grenzen: Der Satz „Das ist eine Frage für einen Arzt“ fällt, wenn er passt
  • eine Erlaubnis, die zum Angebot passt: Sie kann auf ein Gebiet wie Physiotherapie beschränkt sein.[33] und deckt dann keine Blutentnahmen oder Infusionen ab, also lass sie dir zeigen

Zertifikate in orthomolekularer, Umwelt- oder Funktioneller Medizin sagen dagegen wenig aus. Sie stammen von privaten Anbietern, sind keine staatlich anerkannte Qualifikation und belegen nicht, dass eine Behandlung wirkt. Bewerte deshalb die Behandlung, nicht das Etikett.

Bei diesen Warnsignalen gehst du lieber:

  • Heilungsversprechen bei schweren Krankheiten, jede Form von „Krebs heilen“ oder „wir behandeln, was die Schulmedizin nicht kann“
  • „Spezielle Tests“ ohne wissenschaftliche Belege, vor allem Bioresonanz oder Kinesiologie als diagnostisches Kernangebot
  • pauschale Ablehnung der Schulmedizin und nie eine Überweisung an Ärzte
  • eigene Produkte, die es nur dort gibt, als Haupteinnahmequelle, vor allem Supplements weit über dem Preis vergleichbarer Produkte
  • Druck zu teuren Monats- oder Langzeitpaketen schon beim Erstbesuch
  • Werbeaussagen, die gegen das Heilmittelwerbegesetz (HWG) verstoßen würden[5]

Suchen kannst du im filterbaren Verzeichnis therapeutenfinder.com und in den Mitgliedersuchen der beiden großen Verbände, des BDH (bdh-online.de) und des FDH.

Wann ein Arzt die bessere Wahl ist

Für die meisten Longevity-Fragen ist ein Arzt mit Zusatzbezeichnung, also einer offiziellen ärztlichen Zusatzqualifikation, die stärkere Wahl. Er darf alles anbieten, was ein Heilpraktiker anbietet, und zusätzlich HRT, GLP-1-Agonisten oder ein Statin verschreiben, wenn es einen medizinischen Grund gibt[31] Die passenden Zusatz-Weiterbildungen der Bundesärztekammer heißen Naturheilverfahren und Ernährungsmedizin,[7] und nach beiden kannst du in der Arztsuche deiner Landesärztekammer oder bundesweit auf arzt-auskunft.de filtern. Präventivmedizin ist keine solche Zusatzbezeichnung. Dafür bietet die Bundesärztekammer nur das Fortbildungsprogramm „Gesundheitsförderung und Prävention“ an.[13] Manche Ärztinnen führen es als Schwerpunkt, als Suchfilter steht es aber nicht zur Verfügung.

Als Selbstzahler hat der Arztbesuch allerdings seinen Preis: Ein Erstbesuch in einer Longevity-Privatpraxis kostet meist 200 bis 500 € (Stand: Oktober 2026). Ärzte rechnen dabei nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab, in der jede Leistung einen festen Grundbetrag hat, den der Arzt mit einem Steigerungssatz multipliziert.[21] Welche Sätze gelten, hängt von der Art der Leistung ab:

Leistungsart In der Regel bis Mit schriftlicher Begründung bis Mehr per Honorarvereinbarung?
Persönliche ärztliche Leistungen 2,3-fach 3,5-fach ja, vor der Behandlung unterschrieben
Technische Leistungen 1,8-fach 2,5-fach nein
Laborleistungen 1,15-fach 1,3-fach nein

Quelle: GOÄ §§ 2 und 5.[21]

Jede GOÄ-Rechnung muss für jede Leistung Ziffer, Bezeichnung und Steigerungssatz nennen.[21] Ein Pauschalpreis ohne GOÄ-Ziffern ist deshalb ein Warnsignal, und ein Kostenvoranschlag nach GOÄ vor dem ersten Termin erspart dir Überraschungen. Stand Oktober 2026 gilt noch die GOÄ von 1982, und eine neue streben Bundesärztekammer und PKV-Verband zum 1. Januar 2028 an.[34]

Ob Arzt oder Heilpraktiker, für den Erstbesuch bringst du am besten diese Unterlagen mit:

  • aktuelle Laborergebnisse, idealerweise höchstens sechs Monate alt
  • eine vollständige Liste deiner Medikamente und Supplemente mit Dosen
  • deine Familienanamnese: Herz-Kreislauf-Ereignisse vor 65, Krebs, Demenz und Autoimmunerkrankungen bei Eltern, Geschwistern oder Kindern
  • Wearable-Daten, falls vorhanden (Whoop, Oura, Garmin, Apple Watch)
  • deine drei wichtigsten Gesundheitsziele, schriftlich

Mit den drei Zielen auf dem Zettel merkst du im Erstgespräch schnell, ob die Praxis auf das eingeht, was du willst, oder dir ein fertiges Paket verkauft.

Häufig gestellte Fragen

Zahlt die Krankenkasse (AOK, TK, Barmer) den Heilpraktiker?

Die **gesetzliche Krankenkasse (GKV)** zahlt den Heilpraktiker in der Regel nicht, weil ärztliche Behandlung im Kassensystem Ärzte erbringen (§ 15 SGB V).[20] Eine Kasse kann in ihrer Satzung aber Zusatzleistungen vorsehen, auch von Anbietern außerhalb des Kassensystems (§ 11 Abs. 6 SGB V),[36] also frag bei deiner nach. **Private Krankenversicherungen** und **Zusatzversicherungen** übernehmen je nach Tarif oft einen Anteil bis zu einem jährlichen Höchstbetrag. Vergleich Anteil und Höchstbetrag vor Abschluss.

Kann ein Heilpraktiker mir Rapamycin oder NMN besorgen?

**Rapamycin** darf ein Heilpraktiker nicht verordnen, weil es verschreibungspflichtig ist.[31] Zugelassen ist es als Immunsuppressivum, also als Mittel, das die Immunabwehr unterdrückt, etwa nach einer Nierentransplantation, nicht gegen das Altern.[29] **NMN** ist in Deutschland kein Arzneimittel, und als neuartiges Lebensmittel (Novel Food) braucht es eine EU-Zulassung, bevor es in Nahrungsergänzungsmitteln verkauft werden darf.[30] Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat im Mai 2026 ein β-NMN-Produkt bis 300 mg am Tag für Erwachsene als sicher bewertet, ausgenommen Schwangere und Stillende, doch die Zulassung selbst ist ein eigener, späterer Schritt der EU.[30] Beraten darf dich ein Heilpraktiker zu beidem, und den aktuellen Stand zu NMN findest du im [NMN-Deutschland-Ratgeber](/de/guide/nmn-deutschland).

Kann ein Heilpraktiker biologische Alterstests anbieten?

Ja, viele Heilpraktiker bieten epigenetische Alterstests an, meist über Partnerlabore, für typischerweise 250 bis 500 € (Stand: Oktober 2026). Wie belastbar die Ergebnisse sind, unterscheidet sich je nach Test. Mehr dazu steht im [Ratgeber zu epigenetischen Tests](/de/guide/epigenetic-tests).

Was ist der Unterschied zwischen Heilpraktiker und Naturheilkunde-Arzt?

Ein **Arzt mit Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren** ist ein voll ausgebildeter Arzt, der naturheilkundliche Verfahren in seine schulmedizinische Arbeit einbindet.[7] Ein **Heilpraktiker** ist kein Arzt und darf zum Beispiel nichts Verschreibungspflichtiges verordnen.[31] Für ernsthafte medizinische Fragen ist der Arzt mit Naturheilverfahren deshalb meist die qualifiziertere Wahl.

Sind IV-Therapien beim Heilpraktiker sicher?

Infusionen beim Heilpraktiker sind nicht automatisch sicher. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat im Mai 2026 vor nicht zugelassenen Drip-Spa- und Longevity-Infusionen gewarnt und nennt Risiken von Überdosierung bis zum lebensbedrohlichen allergischen Schock.[24] In Brüggen-Bracht starben 2016 drei Patienten nach überdosierten 3-Bromopyruvat-Infusionen in einer von einem Heilpraktiker geführten Praxis.[9] Hochdosiertes Vitamin C als Infusion wurde bei Sepsis und Krebs untersucht, nicht für gesundes Altern,[25] und für NAD+- und Myers-Cocktail-Infusionen haben wir keinen randomisierten Versuch gefunden, der bei Gesunden einen Longevity-Nutzen zeigt. Welche Fragen du vor der Buchung stellen solltest, steht im Abschnitt [Wie sicher sind Infusionen beim Heilpraktiker?](/de/guide/heilpraktiker-longevity#iv-therapie-sicherheit).

Wie finde ich einen seriösen Heilpraktiker für Longevity?

Drei Dinge kannst du schon vor dem ersten Termin prüfen. Lass dir die Erlaubnis zeigen, denn sie kann auf ein Gebiet wie Physiotherapie beschränkt sein und deckt dann keine Blutentnahmen oder Infusionen ab.[33] Schau außerdem, ob die Praxis eine Preisliste veröffentlicht und mit Ärzten zusammenarbeitet; eine Verbandsmitgliedschaft (FDH, BDH) ist ein Mindestsignal, private Zertifikate in orthomolekularer oder Funktioneller Medizin belegen dagegen keine Wirksamkeit.

Darf ein Heilpraktiker krankschreiben?

Eine Bescheinigung vom Heilpraktiker sichert dir gegenüber deinem Arbeitgeber keine Lohnfortzahlung.[15] Das Entgeltfortzahlungsgesetz verlangt eine ärztliche Bescheinigung, wenn du länger als drei Kalendertage arbeitsunfähig bist, und dein Arbeitgeber darf sie auch früher verlangen (§ 5 EFZG).[15] Weil ein Heilpraktiker kein Arzt ist, gehst du für die Krankschreibung also zum Hausarzt.

Zahlt die Beihilfe Infusionen beim Heilpraktiker?

Die Beihilfe übernimmt bei Heilpraktiker-Infusionen nur einen kleinen Teil der Kosten.[16] Für Bundesbeamte erkennt die Beihilfe höchstens 8,00 € für eine Infusion, 12,50 € für eine Dauertropfinfusion und 3,00 € für eine Blutentnahme an.[16] Für die Infusion selbst bleiben also nur wenige Euro einer Rechnung, die oft bei 80 € oder mehr liegt, und was du für die Wirkstoffe zurückbekommst, entscheidet deine Beihilfestelle nach ihren eigenen Regeln.[16] Die Länder sowie PKV- und Zusatztarife haben eigene Höchstsätze, deshalb lohnt sich vor der Buchung ein schriftlicher Kostenvoranschlag.

Kann ich Heilpraktiker-Kosten von der Steuer absetzen?

Oft ja, als außergewöhnliche Belastung, wenn du wegen einer Krankheit behandelt wirst: Die Regel betrifft Aufwendungen im Krankheitsfall, und für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel reicht als Nachweis eine Verordnung vom Arzt oder Heilpraktiker (§ 64 EStDV).[17] Vorsorge-Checks, Infusionen oder Tests für das allgemeine Wohlbefinden ohne Diagnose fallen nicht darunter. Für wissenschaftlich nicht anerkannte Methoden, die Vorschrift nennt etwa Chelat-, Sauerstoff- und Eigenbluttherapie, brauchst du vor Behandlungsbeginn ein amtsärztliches Gutachten oder eine Bescheinigung des Medizinischen Dienstes.[17] Das Finanzamt berücksichtigt nur Kosten oberhalb deiner „zumutbaren Belastung“, also des Anteils, den du steuerlich selbst tragen musst.

Gibt es Heilpraktiker in Österreich oder der Schweiz?

In Österreich nicht, dort ist die Heilkunde Ärzten vorbehalten, und der Europäische Gerichtshof hat 2002 entschieden, dass ein EU-Staat das so regeln darf.[18] Die Schweiz kennt keine Heilpraktiker-Erlaubnis nach deutschem Muster, vergibt aber seit April 2015 ein eidgenössisches Diplom für nichtärztliche Naturheilpraktiker.[19] Ob du für eine Praxis eine Bewilligung brauchst, regelt dort jeder Kanton selbst.

Wie wird man Heilpraktiker?

Du musst mindestens 25 sein, mindestens einen Hauptschulabschluss haben, zuverlässig und gesundheitlich geeignet sein und die Überprüfung beim Gesundheitsamt bestehen.[14] Das Amt prüft deine Kenntnisse und Fähigkeiten nach Leitlinien des Bundesgesundheitsministeriums, und der Maßstab ist, ob du eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung oder für Patienten wärst.[14] Die deutsche Staatsangehörigkeit steht noch in der Verordnung, das Bundesverfassungsgericht hat diese Voraussetzung aber 1988 für nichtig erklärt.[14] Eine Ausbildung schreibt das Gesetz nicht vor, deshalb schwankt die Qualität zwischen Praxen so stark.

Sind Longevity- oder Drip-Spa-Infusionen in Deutschland zugelassen?

Nein, laut BfArM sind diese Infusionslösungen in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen, ihre Qualität und Sicherheit sind also nicht belegt.[24] Das Amt hat im Mai 2026 vor ihnen gewarnt und nennt unter anderem Vitamin-Überdosierung, zu viel Flüssigkeit im Kreislauf, Störungen der Blutsalze, allergische Reaktionen bis zum lebensbedrohlichen allergischen Schock und Luftembolien, also Gefäßverschlüsse durch Luftblasen.[24]

Darf ein Heilpraktiker Blutwerte bestimmen lassen?

Ja, ein Heilpraktiker darf Blut abnehmen und Laborwerte über ein Labor bestimmen lassen, meist als Selbstzahler-Leistung. Die in § 24 IfSG genannten Infektionen darf er aber nicht feststellen, und davon ausgenommen sind nur Schnelltests auf HIV, Hepatitis C, SARS-CoV-2 und Syphilis, die jeder anwenden darf.[8] Ein positives Ergebnis gehört zur Bestätigung und Behandlung zum Arzt.[8] Mit verschreibungspflichtigen Medikamenten auf auffällige Werte reagieren kann er nicht, dafür brauchst du einen Arzt.[31]

Darf ein Heilpraktiker Eigenbluttherapie machen?

Ein Heilpraktiker darf Eigenbluttherapie in aller Regel nicht anbieten. Die Blutentnahme dafür gilt nach dem Transfusionsgesetz als Spende, und die dürfen nur Ärzte oder qualifiziertes Personal unter ärztlicher Verantwortung abnehmen.[2, 4] Das gilt auch für unverändertes Eigenblut und Blut mit homöopathischen oder pflanzlichen Mitteln oder Vitaminen.[10] Ausgenommen ist nur ein Eigenblutprodukt nach einem homöopathischen Zubereitungsverfahren aus dem Europäischen oder einem amtlichen EU-Arzneibuch.[2, 10]

Quellen38

  1. Bundesministerium der Justiz. (1939). Heilpraktikergesetz (HeilprG)gesetze-im-internet.de
  2. Bundesverwaltungsgericht. (2023). BVerwG, Urteil vom 15.06.2023, 3 C 3.22, 3 C 4.22 und 3 C 5.22 (Eigenbluttherapie / Transfusionsgesetz)bverwg.de
  3. Bundesgerichtshof. (2011). BGH, Urteil vom 22.06.2011, 2 StR 580/10 (unerlaubte Ausübung der Heilkunde, Synergetik)hrr-strafrecht.de
  4. Bundesministerium der Justiz. (2024). Transfusionsgesetz (TFG)gesetze-im-internet.de
  5. Bundesministerium der Justiz. (2024). Heilmittelwerbegesetz (HWG)gesetze-im-internet.de
  6. Medizinischer Dienst Bund. (2026). IGeL-Monitor: independent benefit-harm assessments of individual health servicesigel-monitor.de
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  38. Naturheilpraxis Dominik Ludwig. (2026). Infusionstherapie: Leistungen und Preisenaturheilpraxis-dominikludwig.de

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