Was macht eine Longevity-Klinik eigentlich?
Eine Longevity-Klinik ist eine Privatpraxis oder ein privates Zentrum, das gesunde Menschen ohne akute Beschwerden durchmisst, Risiken früh sichtbar machen will und daraus ein Programm aus Training, Ernährung, Schlaf, manchmal Medikamenten und oft Supplements ableitet. Der Begriff ist nicht geschützt. Jede Praxis darf sich Longevity-Klinik, Longevity-Zentrum oder Longevity-Praxis nennen, egal wer dort arbeitet.
Die Fachwelt definiert Longevity-Medizin als Prävention, die auf der Biologie des Alterns aufsetzt: Alterungsprozesse messen, bevor eine Krankheit entsteht, um gezielt gegenzusteuern. Bischof und Kollegen haben das 2021 in The Lancet Healthy Longevity so beschrieben, mit dem ehrlichen Zusatz, dass die meisten Ärztinnen und Ärzte dafür bisher gar nicht ausgebildet werden [1]. Longevity-Medizin ist also eine junge Disziplin ohne Facharzttitel, keine etablierte Fachrichtung wie Kardiologie.
Das steckt typischerweise in einem Paket:
- Erweitertes Blutbild: ApoB, Lp(a), HbA1c, Nüchterninsulin, hs-CRP, Schilddrüse, Sexualhormone, Vitamine, oft 50 bis 100 Parameter
- Körperzusammensetzung per DEXA: Fettmasse, Muskelmasse, Knochendichte
- VO2max per Spiroergometrie: die Ausdauerleistung, gemessen unter Belastung mit Atemmaske
- Blutdruck, Ruhe-EKG, oft ein Ultraschall der Halsschlagadern
- CGM: ein Glukosesensor am Arm für zwei Wochen
- Epigenetischer Alterstest aus Blut oder Speichel
- Teurere Pakete: Ganzkörper-MRT, Koronar-CT, Gentests, Mikrobiom
- Danach: Arztgespräch, schriftlicher Plan, Coaching, häufig Supplements aus dem eigenen Sortiment, bei Jahresmitgliedschaften Folgetermine und Wiederholungsmessungen
Nichts davon ist exotisch. Etwa die Hälfte bekommst du beim Hausarzt oder in einem Labor um die Ecke. Der eigentliche Wert einer Klinik liegt nicht in den Tests, sondern in der Zusammenschau und dem Plan danach. Genau dafür solltest du zahlen, wenn du zahlst.
Was kostet eine Longevity-Klinik? Pakete, Mitgliedschaften und Einzeltests
Rechne mit grob 1.500 bis 5.000 € für einen einmaligen Check-up und 5.000 bis 20.000 € oder mehr pro Jahr für eine Mitgliedschaft. Die Spanne ist mit Absicht breit, weil es kein festes Produkt gibt. Jeder Anbieter schnürt ein anderes Paket. Der Preis hängt vor allem davon ab, ob Bildgebung wie Ganzkörper-MRT und Gentests drin sind.
Die Abrechnung läuft über die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), also über Einzelziffern mit Steigerungsfaktor, meist als Paketpreis zusammengefasst [10]. Eine eigene GOÄ-Ziffer für Longevity gibt es nicht. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt keinen dieser Bausteine als Vorsorge, private Versicherungen erstatten je nach Tarif einzelne Positionen, wenn eine medizinische Begründung vorliegt.
| Angebot | Typische Spanne, je nach Anbieter | Zahlt die gesetzliche Kasse? |
|---|---|---|
| Einmaliger Longevity-Check-up (Blut, DEXA, VO2max, Gespräch) | 1.500 bis 5.000 € | Nein |
| Check-up mit Ganzkörper-MRT oder Gentests | 5.000 bis 10.000 € | Nein |
| Jahresmitgliedschaft mit Folgeterminen | 5.000 bis 20.000 € und mehr | Nein |
| Erstgespräch in einer Longevity-Praxis | 200 bis 500 € | Nein |
| Erweitertes Blutbild einzeln | 150 bis 450 € | Nein, IGeL |
| Spiroergometrie (VO2max) | 80 bis 250 € | Nur mit kardiologischer Indikation |
| DEXA-Messung | 50 bis 200 € | Nur bei Osteoporose-Verdacht |
| Epigenetischer Alterstest | 100 bis 500 € | Nein |
| Ganzkörper-MRT | 800 bis 2.000 € | Nein, als Routine-Screening |
| Check-up 35 beim Hausarzt | 0 € | Ja, ab 35 alle drei Jahre |
Der Check-up 35 ist die kostenlose Basis: Anamnese, Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, Urin, alle drei Jahre ab 35 und einmalig zwischen 18 und 34, festgelegt in der Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie des G-BA [8]. Er deckt einen Teil dessen ab, was eine Longevity-Klinik dir im Paket verkauft.
In der Schweiz liegen die Preise höher. Einmalige Check-ups beginnen bei rund 1.800 Franken, Jahresabos bewegen sich grob zwischen 5.000 und 9.000 Franken, Luxusprogramme in Privatkliniken kosten deutlich fünfstellig pro Woche [12]. Die Grundversicherung zahlt davon nichts, Zusatzversicherungen manchmal einen Anteil an Vorsorgeleistungen.
Was Preise über die Zeit angeht: Wer Wiederholungsmessungen will, zahlt in der Mitgliedschaft meist weniger als für zwei Einzel-Check-ups. Wer nur einmal wissen will, wo er steht, fährt mit Einzeltests fast immer günstiger. Mehr zur Aufteilung Kasse gegen Selbstzahler steht im Selbstzahler-Ratgeber.
Was ist belegt und was nicht?
Die ehrliche Antwort zuerst: Es gibt keine einzige Studie, die zeigt, dass ein Longevity-Klinik-Programm Menschen länger leben lässt. Die Programme sind zu neu, zu unterschiedlich und zu klein, um das zu messen. Wer dir etwas anderes verspricht, verkauft.
Es gibt sogar Gegenwind für die Idee des großen Check-ups an sich. Eine Cochrane-Analyse von 2019 hat 17 randomisierte Studien mit rund 250.000 Teilnehmenden zusammengerechnet. Allgemeine Gesundheitschecks für Erwachsene senkten weder die Gesamtsterblichkeit noch die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs [2]. Die Studien sind älter und die Checks darin einfacher als ein heutiges Longevity-Paket. Aber sie sind die beste Evidenz, die es zum Konzept Screening für Gesunde gibt. Sie fällt nüchtern aus.
Was dagegen gut belegt ist, sind die Marker einer guten Longevity-Klinik und die Gewohnheiten, die sie verändern will:
- VO2max: In einer Kohorte von 122.007 Menschen war niedrige Fitness mit einer höheren Sterblichkeit verbunden als Rauchen oder Diabetes. Es gab keine Obergrenze, ab der mehr Fitness nichts mehr brachte [3].
- Handkraft: In der PURE-Studie mit rund 140.000 Menschen aus 17 Ländern war jede 5 kg weniger Griffkraft mit 16 Prozent höherer Gesamtsterblichkeit verbunden [4].
- ApoB und LDL: Die ESC/EAS-Leitlinie stuft LDL-Cholesterin als ursächlich für Arteriosklerose ein und nennt ApoB als besseres Maß für die Zahl der schädlichen Partikel [5].
- Lp(a): Die EAS empfiehlt, den Wert einmal im Leben zu messen, weil er genetisch festgelegt ist und das Herz-Kreislauf-Risiko unabhängig von LDL erhöht [6].
- Blutdruck, Rauchen, Bewegung, Schlaf, Gewicht: Die ESC-Präventionsleitlinie 2021 baut die gesamte Risikoabschätzung auf diesen Faktoren auf [7].
Das ist der Punkt, den du dir merken solltest. Die Klinik hat keinen Beweis für ihr Programm, aber die Marker darin haben ihn. Der ehrliche Verkaufsgrund einer Longevity-Klinik ist deshalb nicht "wir verlängern dein Leben", sondern "wir bringen dich schneller und konsequenter zu den Dingen, die belegt sind". Ob dir das mehrere tausend Euro wert ist, hängt davon ab, ob du es ohne Klinik auch schaffst.
Dieselben Zahlen für ein Zehntel: die Selbstbau-Variante
Du kannst den Kern eines Longevity-Check-ups für rund 200 bis 450 € selbst zusammenstellen. So sieht die Rechnung aus:
| Baustein | Woher | Kosten |
|---|---|---|
| Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, Urin, Anamnese | Check-up 35 beim Hausarzt [8] | 0 € |
| ApoB, Lp(a), hs-CRP, HbA1c, Nüchterninsulin, Ferritin, Vitamin D | Hausarzt als IGeL oder Labor als Selbstzahler | 100 bis 200 € |
| VO2max per Spiroergometrie | Sportmedizinische Praxis | 80 bis 250 € |
| VO2max-Schätzung vorab | VO2max-Rechner | 0 € |
| Handkraft | Handkraft-Rechner mit Dynamometer (30 bis 40 € einmalig) | 0 bis 40 € |
| Insulinresistenz | HOMA-IR-Rechner aus Nüchterninsulin und Glukose | 0 € |
| Biologisches Alter, Schätzung | Longevity-Test und Gesichtsalter-Test | 0 € |
| DEXA, optional | Radiologie oder Sportmedizin | 50 bis 200 € |
Summe: rund 180 bis 450 € ohne DEXA, 230 bis 650 € mit DEXA. Ein typisches Klinikpaket kostet 1.500 bis 5.000 €. Du landest also bei etwa einem Zehntel, in der Sparvariante sogar darunter.
Was dir in dieser Variante fehlt, ist die Zusammenschau. Deine Hausärztin kann die Werte einordnen, wenn du sie mit einer konkreten Frage kommst: Wie ist mein Herz-Kreislauf-Risiko, was folgt aus meinem ApoB, mein Lp(a) ist hoch, was jetzt. Der ApoB- und Lp(a)-Ratgeber hilft dir, die Frage zu formulieren. Reicht dir das nicht, buch ein einzelnes Erstgespräch in einer Longevity-Praxis für 200 bis 500 € und bring deine Werte mit. Auch das liegt noch weit unter einem Paketpreis.
Was dir wirklich fehlt, ist der epigenetische Alterstest. Der kostet 100 bis 500 € extra. Ob du ihn brauchst, ist eine eigene Frage. Der Ratgeber zu epigenetischen Tests und der Ratgeber zum biologischen Alterstest gehen darauf ein. Kurzfassung: nett zu wissen, ändert aber selten, was du tun solltest.
Woran du einen seriösen Anbieter erkennst
Weil der Begriff nicht geschützt ist, musst du selbst prüfen. Diese Punkte trennen ernsthafte Longevity-Medizin von einem teuren Supplement-Shop mit Blutabnahme:
1. Ärztliche Leitung mit Facharzttitel. Innere Medizin, Allgemeinmedizin, Kardiologie, Endokrinologie oder Sportmedizin sind die passenden Hintergründe. Sportmedizin und Ernährungsmedizin sind Zusatzbezeichnungen nach der Weiterbildungsordnung der Ärztekammern, mit Prüfung [11]. Präventivmedizin ist dagegen nur eine curriculare Fortbildung, also ein Kurs, keine Zusatzbezeichnung. Ein Heilpraktiker darf kein Longevity-Arzt sein, auch wenn die Website so klingt.
2. Die Marker mit Evidenz stehen im Zentrum. ApoB, Lp(a), HbA1c, Blutdruck, VO2max, Kraft, Körperzusammensetzung. Wer stattdessen mit Mikrobiom-Panels, Schwermetall-Screenings und 200 Parametern wirbt, misst viel und weiß wenig.
3. Keine Supplements als Geschäftsmodell. Empfehlungen sind in Ordnung, wenn ein Mangel gemessen wurde. Ein eigener Shop mit Monatsabo, das im Programm schon eingepreist ist, ist ein Interessenkonflikt.
4. Keine unbelegten Therapien als Kernangebot. NAD+-Infusionen, Stammzellen, Ozon, Blutwäsche, Vitamin-Infusionen ohne Mangel: Für keine davon gibt es einen Beleg, dass sie das Altern bremsen. Der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes bewertet Selbstzahlerleistungen unabhängig. Die meisten dieser Angebote tauchen dort gar nicht auf, weil es nichts zu bewerten gibt [9]. Ein Anbieter darf so etwas anbieten. Wenn es das Zentrum des Programms ist, geh.
5. Transparente Preise vor dem Termin. Schriftlich, mit Aufschlüsselung nach GOÄ [10]. Wer erst im Gespräch über Geld reden will, hat einen Grund dafür.
6. Befunde mit Referenzbereichen und Konsequenz. Ein guter Bericht sagt nicht nur, dass dein Lp(a) hoch ist, sondern was das für dich heißt und was daraus folgt. Ein Test ohne Konsequenz ist Geld für Angst.
7. Der Bericht geht an deinen Hausarzt. Wer deine Daten nicht teilt, will dich binden, nicht behandeln.
Ein guter Gegencheck: Frag, was der Anbieter nicht anbietet und warum. Eine ehrliche Antwort klingt nach "Ganzkörper-MRT machen wir bei Ihrem Risiko nicht, weil die falsch-positiven Befunde mehr schaden als nutzen". Eine unehrliche klingt nach "alles ist möglich".
Longevity-Klinik in deiner Stadt: Berlin, München, Hamburg, Frankfurt, Köln, Zürich
Wir führen bewusst kein Verzeichnis und empfehlen keine Klinik. Was es in den großen Städten in etwa gibt, damit du weißt, wonach du suchst:
Berlin hat die dichteste Szene in Deutschland: mehrere spezialisierte Longevity-Zentren mit Paketpreisen, dazu Privatpraxen für Innere Medizin und Sportmedizin, die Longevity-Check-ups ohne das Label anbieten. Die Spanne reicht vom Einzel-Check-up unter 2.000 € bis zur Jahresmitgliedschaft im hohen vierstelligen Bereich. Ob es einen Longevity-Arzt in Berlin gibt, beantwortet die FAQ auf der Berlin-Seite.
München hat viele sportmedizinische und kardiologische Privatpraxen, die Spiroergometrie, DEXA und erweiterte Blutbilder einzeln anbieten, dazu einige Privatkliniken mit Vorsorgeprogrammen. Der Weg über Einzeltests ist hier besonders einfach. Mehr auf der München-Seite.
Hamburg liegt zwischen Berlin und München: einige Praxen mit Longevity-Fokus, viele Privatpraxen mit Check-up-Paketen, gute Abdeckung bei Sportmedizin. Details auf der Hamburg-Seite.
Frankfurt hat wegen der Banken eine lange Tradition von Executive-Check-ups in Privatkliniken. Die laufen oft unter dem alten Namen, enthalten aber ähnliche Bausteine wie ein Longevity-Paket und kosten ähnlich. Siehe Frankfurt-Seite.
Köln und das Rheinland haben eine dichte Versorgung mit sportmedizinischen Praxen und Radiologien, die DEXA und Spiroergometrie als Selbstzahlerleistung anbieten, dazu erste spezialisierte Longevity-Praxen in Köln und Düsseldorf. Mehr auf der Köln-Seite.
Zürich ist neben Genf das Schweizer Zentrum: mehrere Longevity-Kliniken mit Abo-Modellen zwischen grob 5.000 und 9.000 Franken im Jahr, Check-ups ab rund 1.800 Franken, dazu die Luxusprogramme am Zürichsee und im Tegernseer Raum auf deutscher Seite [12]. Siehe Zürich-Seite.
Wenn du in einer Stadt wohnst, die hier nicht steht: Die Kombination aus Hausarzt, sportmedizinischer Praxis und einem Labor deckt den Kern in jeder Stadt ab 100.000 Einwohnern ab.
Wann lohnt sich eine Longevity-Klinik wirklich?
Eine Longevity-Klinik lohnt sich, wenn du dir sicher bist, dass du die belegten Dinge ohne Struktur nicht tust und das Geld dich nicht schmerzt. Für alle anderen ist die Selbstbau-Variante die bessere Wette.
Es kann sich lohnen, wenn:
- du ein konkretes Risiko hast (familiäre Herzerkrankung, hohes Lp(a), Prädiabetes) und eine strukturierte Begleitung mit Wiederholungsmessungen willst
- du weißt, dass du Dinge nur mit Termin und Rechenschaft durchziehst
- du alles aus einer Hand willst und der Preis für dich keine Rolle spielt
- du bereits den Check-up 35 und die Selbstbau-Marker hast und jetzt die ärztliche Einordnung suchst
Es lohnt sich nicht, wenn:
- du erwartest, dass das Programm dein Leben verlängert. Das ist nicht belegt [2]
- das Kernangebot aus Infusionen, Stammzellen oder Supplements besteht
- du den kostenlosen Check-up 35 noch nie gemacht hast. Fang dort an
- du nur einmal wissen willst, wo du stehst. Dafür reichen Einzeltests
Der Unterschied zu Anti-Aging ist dabei wichtig. Anti-Aging zielte historisch auf Aussehen und Symptome: Haut, Hormone, Wohlbefinden. Longevity-Medizin zielt auf messbare Risikofaktoren für Krankheit und Tod [1]. Eine gute Longevity-Klinik redet über ApoB und VO2max. Eine Anti-Aging-Praxis redet über Falten und Energie. Beides darf sich heute Longevity nennen, deshalb hilft nur der Blick auf das Programm.
Und wenn du dich für eine Klinik entscheidest: Nimm die Werte mit nach Hause, teile sie mit deinem Hausarzt und miss die günstigen Marker weiter selbst. Die Klinik ist ein Werkzeug, nicht der Plan.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet eine Longevity-Klinik in Deutschland?
Je nach Anbieter grob 1.500 bis 5.000 € für einen einmaligen Check-up mit Blutbild, DEXA, VO2max und Arztgespräch, 5.000 bis 10.000 € mit Ganzkörper-MRT oder Gentests sowie 5.000 bis 20.000 € oder mehr pro Jahr für eine Mitgliedschaft mit Folgeterminen. Einzeltests kosten deutlich weniger: Spiroergometrie 80 bis 250 €, DEXA 50 bis 200 €, epigenetischer Alterstest 100 bis 500 €. Abgerechnet wird nach GOÄ [10].
Zahlt die Krankenkasse einen Longevity-Check-up?
Nein. Die gesetzliche Kasse zahlt den Check-up 35 beim Hausarzt (alle drei Jahre ab 35, einmalig zwischen 18 und 34) mit Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin und Urin [8]. Alles darüber hinaus ist Selbstzahlerleistung, auch ApoB, Lp(a), DEXA oder Spiroergometrie ohne medizinische Indikation. Private Versicherungen erstatten je nach Tarif einzelne Positionen, wenn ein Arzt sie begründet, fast nie das ganze Paket.
Gibt es Longevity-Ärzte in Berlin, München oder Hamburg?
Ja, in allen drei Städten gibt es spezialisierte Longevity-Praxen und Zentren, in Berlin am meisten. Dazu kommen in jeder Stadt Privatpraxen für Innere Medizin, Kardiologie und Sportmedizin, die dieselben Tests ohne das Label anbieten. Wir führen bewusst kein Verzeichnis. Die Stadtseiten für [Berlin](/de/city/berlin), [München](/de/city/munich) und [Hamburg](/de/city/hamburg) beantworten die Frage in ihren FAQ und zeigen dir die lokale Community.
Was ist der Unterschied zwischen Longevity-Medizin und Anti-Aging?
Anti-Aging zielte historisch auf Aussehen und Symptome: Haut, Hormone, Energie. Longevity-Medizin zielt auf messbare Risikofaktoren für Krankheit und Tod, gestützt auf die Biologie des Alterns [1]. Praktisch erkennst du den Unterschied am Programm: ApoB, Lp(a), VO2max und Kraft sind Longevity. Falten, Hormon-Cocktails und Infusionen sind Anti-Aging, auch wenn das Schild etwas anderes sagt.
Brauche ich einen Longevity-Arzt oder reicht der Hausarzt?
Für die meisten reicht der Hausarzt plus ein paar Selbstzahler-Marker. Der Check-up 35 ist kostenlos, ApoB, Lp(a), hs-CRP und HbA1c kosten als IGeL 100 bis 200 €. Dein Hausarzt kann sie einordnen, wenn du mit einer konkreten Frage kommst. Ein Longevity-Arzt lohnt sich, wenn du ein spezielles Risiko hast, eine strukturierte Begleitung willst oder die ärztliche Zusammenschau suchst, die der 10-Minuten-Termin nicht hergibt. Ein einzelnes Erstgespräch für 200 bis 500 € ist dafür der günstige Einstieg.
Welche Tests lohnen sich wirklich?
Die mit belegtem Zusammenhang zur Sterblichkeit: VO2max [3], Handkraft [4], ApoB und LDL [5], Lp(a) einmal im Leben [6], dazu Blutdruck, HbA1c und Körperzusammensetzung [7]. Die kosten zusammen 200 bis 450 €. Schwächer belegt und teurer sind epigenetische Alterstests, Mikrobiom-Panels und das Ganzkörper-MRT bei niedrigem Risiko. Bevor du eine Selbstzahlerleistung buchst, schau sie im IGeL-Monitor nach [9].
Was ist mit Longevity-Kliniken in der Schweiz?
Die Schweiz hat mit Zürich und Genf zwei Zentren mit mehreren Longevity-Kliniken und Abo-Modellen zwischen grob 5.000 und 9.000 Franken im Jahr, Check-ups ab rund 1.800 Franken sowie am oberen Ende Privatkliniken mit Wochenprogrammen im hohen fünfstelligen Bereich [12]. Die Grundversicherung zahlt davon nichts, manche Zusatzversicherungen einen Anteil an Vorsorgeleistungen. Die Evidenzlage ist dieselbe wie in Deutschland: belegte Marker, unbelegtes Programm. Mehr auf der [Zürich-Seite](/de/city/zurich).
Wie erkenne ich unseriöse Angebote?
An vier Dingen: keine ärztliche Leitung mit Facharzttitel, ein Kernangebot aus NAD+-Infusionen, Stammzellen, Ozon oder Supplements, keine Preise vor dem Termin sowie Befunde ohne Referenzbereiche oder Konsequenz. Seriöse Anbieter messen die Marker mit Evidenz, rechnen transparent nach GOÄ ab [10], erklären dir die Konsequenzen aus den Werten und schicken den Bericht an deinen Hausarzt. Frag außerdem, was der Anbieter bewusst nicht anbietet. Wer alles anbietet, wählt nicht aus.
Quellen
- Bischof E, Scheibye-Knudsen M, Siow R, Moskalev A. (2021). Longevity medicine: upskilling the physicians of tomorrow. The Lancet Healthy Longevitydoi:10.1016/S2666-7568(21)00024-6
- Krogsbøll LT, Jørgensen KJ, Gøtzsche PC. (2019). General health checks in adults for reducing morbidity and mortality from disease. Cochrane Database of Systematic Reviewsdoi:10.1002/14651858.CD009009.pub3
- Mandsager K, Harb S, Cremer P, Phelan D, Nissen SE, Jaber W. (2018). Association of Cardiorespiratory Fitness With Long-term Mortality Among Adults Undergoing Exercise Treadmill Testing. JAMA Network Opendoi:10.1001/jamanetworkopen.2018.3605
- Leong DP, Teo KK, Rangarajan S, et al.. (2015). Prognostic value of grip strength: findings from the Prospective Urban Rural Epidemiology (PURE) study. The Lancetdoi:10.1016/S0140-6736(14)62000-6
- Mach F, Baigent C, Catapano AL, et al.. (2020). 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk. European Heart Journaldoi:10.1093/eurheartj/ehz455
- Kronenberg F, Mora S, Stroes ESG, et al.. (2022). Lipoprotein(a) in atherosclerotic cardiovascular disease and aortic stenosis: a European Atherosclerosis Society consensus statement. European Heart Journaldoi:10.1093/eurheartj/ehac361
- Visseren FLJ, Mach F, Smulders YM, et al.. (2021). 2021 ESC Guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice. European Heart Journaldoi:10.1093/eurheartj/ehab484
- Gemeinsamer Bundesausschuss. (2024). Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie (Check-up ab 35)
- Medizinischer Dienst Bund. (2026). IGeL-Monitor, Bewertung von Selbstzahlerleistungen
- Bundesministerium der Justiz. (2024). Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ)
- Bundesärztekammer. (2026). (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018, Zusatz-Weiterbildungen Sportmedizin und Ernährungsmedizin
- Davis Plüss J, SWI swissinfo.ch. (2025). Longevity-Kliniken: moderne Quacksalberei oder Schlüssel zum gesunden Altern?
Erfahrungen mit Longevity-Kliniken und Laboren teilen
In der Longevity Cities Community erzählen Mitglieder, welche Praxen und Labore sie genutzt haben, was es wirklich gekostet hat und was sie beim nächsten Mal anders machen würden. Ehrlich, ohne Verkaufsdruck.
Community beitretenExperten auf diesem Gebiet
Speaker aus der Longevity Cities Community zu diesem Thema
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Erstellt von Maurice Lichtenberg, Gründer, Longevity Cities
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