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Männergesundheit ab 40

Deine 40er sind die wichtigste Dekade, die du nie zurückbekommst. Was die Forschung über Herz, Hormone, Muskeln, Schlaf und Prostata sagt und was du damit anfängst.

Aktualisiert am 20 Min. Lesezeit47 Quellen

Kurz erklärt

Als Mann ab 40 bringen dir ein paar günstige Schritte am meisten: zwei Blutwerte für deine Gefäße, Krafttraining an mindestens zwei Tagen pro Woche und genug Schlaf.[7, 9, 21, 29] Die beiden Blutwerte sind Lp(a), das du einmal im Leben misst, und ApoB, das die gefäßschädigenden Fetttransportteilchen im Blut zählt und dir einen Ausgangswert gibt.[7, 9] Ab 45 lohnt sich in Deutschland ein Gespräch über den PSA-Test.[13] Echten Testosteronmangel haben nach strenger Definition nur etwa 2 % der Männer von 40 bis 79, und eine Therapie setzt Beschwerden und zwei niedrige Nüchtern-Morgenwerte voraus.[1, 2]

Diese Inhalte dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere immer einen qualifizierten Arzt, bevor du Änderungen an deiner Ernährung, deinem Trainingsprogramm oder deiner Nahrungsergänzung vornimmst.

Warum die 40er zählen, auch wenn du dich fit fühlst

Schäden an den Gefäßen machen in den 40ern meist keine Beschwerden, und genau deshalb lohnt es sich, jetzt hinzuschauen. Plaque, also Ablagerungen in der Arterienwand, kann sich schon im frühen Erwachsenenalter bilden, lange bevor du etwas spürst. Zwei Blutwerte, ApoB und Lipoprotein(a), zeigen dir früh, wie hoch dein Risiko liegt und wie konsequent du gegensteuern solltest.[7, 9] Der Haken: Die meisten Männer fühlen sich mit 40 blendend und sehen keinen Grund für eine Blutabnahme.

Wie schnell diese Ablagerungen wachsen, hängt davon ab, wie viele schädliche Fetttransportteilchen durch deine Arterien laufen und über wie viele Jahre. Die europäische Leitlinie der Herz- und Gefäßfachleute will diese Belastung deshalb ein Leben lang niedrig halten, statt auf den ersten Herzinfarkt zu warten.[7, 8] Für dein Risiko zählen Höhe und Dauer der Belastung zusammen.[7] Ein Wert, den du mit 42 senkst, hatte also weniger Jahre Zeit für Schaden als einer, den du erst mit 62 senkst.

Wie viele dieser Teilchen du im Blut hast, schätzt Apolipoprotein B (ApoB). ApoB ist ein Eiweiß, das auf jedem dieser schädlichen Fetttransportteilchen sitzt, auch auf dem bekannten LDL, und deshalb spiegelt der ApoB-Wert ihre Gesamtzahl.[7] Bei etwa jedem fünften Patienten passen LDL-Cholesterin und ApoB trotzdem nicht zusammen.[7] Das passiert vor allem bei Diabetes, Übergewicht, sehr niedrigem LDL oder hohen Triglyzeriden, einer weiteren Gruppe von Blutfetten.[7] Ein Ausgangswert in den 40ern zeigt dir, ob du zu dieser Gruppe gehörst. Ist er hoch oder beginnst du eine Therapie, lässt du ApoB später zusammen mit den übrigen Blutfetten wiederholen.[7]

Lipoprotein(a), kurz Lp(a), ist der zweite Wert und eine eigene Sorte dieser Teilchen. Lp(a) ist weitgehend genetisch festgelegt, bleibt dein Leben lang ähnlich hoch und reagiert kaum auf Statine, die üblichen Cholesterinsenker.[9] Die europäische Fachgesellschaft für Arteriosklerose rät deshalb, Lp(a) bei allen Erwachsenen mindestens einmal zu messen.[9] Wie das in Deutschland, Österreich und der Schweiz geht, erklärt der Guide zu ApoB und Lp(a). Das Risiko steigt mit dem Wert stetig an. Ältere Empfehlungen sahen ab etwa 50 mg/dl einen Risikoverstärker, und bei rund 100 mg/dl ist das Risiko für Gefäßverkalkung ungefähr doppelt so hoch.[9] Viele Labore in DACH geben Lp(a) in nmol/l an, wobei 100 mg/dl etwa 250 nmol/l entsprechen; exakt umrechnen lassen sich die beiden Einheiten aber nicht.[9]

Ein hoher Lp(a)-Wert ändert vor allem, wie streng du mit dem Rest umgehst, denn bisher ist kein Medikament speziell zur Behandlung eines erhöhten Lp(a) zugelassen. Die erste große Ergebnisstudie mit einem solchen Wirkstoff, Pelacarsen, meldete im September 2026, dass Lp(a) zwar sank, Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Menschen mit bestehender Herzerkrankung aber nicht seltener wurden. Die vollständigen Daten stehen noch aus (Stand: Oktober 2026).[36] Bis dahin gehst du bei hohem Lp(a) die übrigen Risikofaktoren früher und konsequenter an: LDL beziehungsweise ApoB, Blutdruck, Blutzucker und Rauchen.[9] Genau dafür lohnt sich die einmalige Messung schon in den 40ern.

Testosteron: Wann ist ein niedriger Wert ein Problem?

Die meisten Männer haben keinen altersbedingten Testosteronmangel mit Beschwerden, den Ärzte Late-Onset-Hypogonadismus nennen. Eine große europäische Studie zum Altern von Männern verlangte dafür drei sexuelle Beschwerden plus klar niedriges Gesamt- und freies Testosteron.[1] So streng definiert, betraf der Mangel etwa 2 % der Männer von 40 bis 79.[1] Niedrige Einzelwerte sind viel häufiger, vor allem bei Übergewicht oder Diabetes. In einer US-Studie in Hausarztpraxen lag ein einzelner Morgenwert bei rund 4 von 10 Männern ab 45 unter der Grenze.[28] Viele dieser Werte bedeuten keine Krankheit, anhaltende Beschwerden lässt du trotzdem abklären.

Hinter vielen dieser niedrigen Werte steckt ein langsamer Alterseffekt. Das Gesamttestosteron sinkt mit dem Alter allmählich, und Männer mit höherem Körpergewicht haben niedrigere Werte.[27] Die Unterschiede zwischen einzelnen Männern sind groß, sodass dein Alter allein wenig über deinen Wert verrät. Weil Testosteron gern als Vitalitätsprodukt beworben wird, verschwimmt genau hier leicht die Grenze zwischen einer Diagnose und einem normalen Verlauf.

Die Diagnose ist eng gefasst. Die Endocrine Society, die US-Fachgesellschaft für Hormonmedizin, empfiehlt eine Testosterontherapie nur bei Beschwerden eines Mangels und einem niedrigen Gesamttestosteron in zwei Nüchtern-Morgenmessungen.[2] Liegt der Wert im Grenzbereich oder ist SHBG auffällig (das Eiweiß, das Testosteron im Blut transportiert), wird zusätzlich freies Testosteron bestimmt.[2] Bestätigt sich der niedrige Wert, sucht dein Arzt vor jeder Therapie nach der Ursache.[2] Die europäische Leitlinie zur Männerheilkunde und eine internationale Expertenkonferenz zur Sexualmedizin sehen das genauso.[3, 4] Ein einzelner grenzwertiger Wert aus einer stressigen, schlafarmen Woche ist also keine Diagnose.

Was TRAVERSE zur Sicherheit zeigt. Für Männer, bei denen die Diagnose steht, hat die TRAVERSE-Studie die Herzsicherheit geprüft. Sie teilte 5.246 Männer mit Mangelsymptomen und hohem Herz-Kreislauf-Risiko zufällig auf Testosteron oder ein Scheinmedikament (Placebo) auf. Über im Schnitt 33 Monate Nachbeobachtung traten schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse (Herzinfarkt, Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Tod) unter Testosteron nicht häufiger auf als unter Placebo.[5] Geprüft wurde allerdings ein tägliches Testosteron-Gel über im Schnitt knapp 22 Monate, deshalb sagt die Studie weniger über Spritzen, Pellets oder eine längere Anwendung.[5] Für Männer mit normalen Werten ist sie kein Freibrief, Testosteron als Anti-Aging-Mittel zu nehmen.

Drei andere Ereignisse traten in derselben Studie unter Testosteron etwas häufiger auf. Sie gehören in jedes Aufklärungsgespräch, besonders bei Männern mit Thrombose in der Vorgeschichte, Nierenerkrankung oder Herzrhythmusstörungen. Es sind Vorhofflimmern (eine Herzrhythmusstörung), akutes Nierenversagen und Lungenembolien, also Blutgerinnsel in der Lunge.[5]:

Ereignis Testosteron Placebo
Vorhofflimmern 3,5 % 2,4 %
Akutes Nierenversagen 2,3 % 1,5 %
Lungenembolie 0,9 % 0,5 %

Quelle: TRAVERSE-Studie[5]

Auf Grundlage des beruhigenden Herz-Ergebnisses strich die US-Arzneimittelbehörde FDA im Februar 2025 das erhöhte Herzrisiko aus dem schwarz umrandeten Warnhinweis aller Testosteronpräparate.[19] Gleichzeitig verlangt sie für alle Präparate eine Warnung, dass Testosteron den Blutdruck erhöhen kann.[19] Damals blieb in der US-Fachinformation auch der Hinweis, dass Sicherheit und Wirksamkeit bei niedrigen Werten, die allein vom Altern kommen, nicht belegt sind.[19] Im Juni 2026 hat die FDA beantragt, diese Einschränkung zu streichen und die Warnhinweise zu Prostatakrebs und gutartiger Prostatavergrößerung zu überarbeiten.[44] Beantragt heißt noch nicht umgesetzt, für deine Behandlung gilt deshalb die jeweils aktuelle Fachinformation (Stand: Oktober 2026).[44]

Wer kein Testosteron starten sollte. Testosteron ist verschreibungspflichtig.[19, 42] Die Endocrine Society rät in diesen Fällen vom Start ab.[2]:

  • wenn du in nächster Zeit Kinder zeugen willst, weil Testosteron die Spermienbildung unterdrücken kann
  • bei Prostata- oder Brustkrebs oder einem tastbaren Prostataknoten
  • bei einem PSA über 4 ng/ml, bei erhöhtem Risiko (etwa bei afrikanischer Abstammung oder mit Vater oder Bruder mit Prostatakrebs) schon über 3 ng/ml, solange ein Urologe das nicht abgeklärt hat
  • bei erhöhtem Hämatokrit (dem Anteil der roten Blutkörperchen am Blut), unbehandelter schwerer Schlafapnoe oder starken Beschwerden beim Wasserlassen
  • bei unkontrollierter Herzschwäche, einem Herzinfarkt oder Schlaganfall in den letzten sechs Monaten oder einer Gerinnungsstörung (Thrombophilie)

Startest du eine Therapie, gehören im ersten Jahr Kontrollen von Testosteronspiegel, Hämatokrit und Prostatarisiko dazu, und wegen der Blutdruckwarnung misst du zusätzlich zu Hause deinen Blutdruck[2, 19] Welche Präparate und Anwendungswege es gibt und wie sich ihre Risiken unterscheiden, beschreibt der Leitfaden zur Hormonersatztherapie (HRT/TRT) ausführlich.

Lebensstil und Low-T-Kliniken. Bei niedrigen Werten, die mit Übergewicht oder Begleiterkrankungen zusammenhängen, setzt die europäische Leitlinie zur Männerheilkunde zuerst auf Abnehmen und die Behandlung dieser Ursachen.[3] Manche Kliniken verkaufen Testosteron trotzdem als Vitalitätsprogramm, teils nach einer einzigen Messung. Bestehe deshalb auf zwei Nüchtern-Morgenmessungen, einer echten Erhebung deiner Beschwerden und einer Ursachensuche, und lass dich von einem Urologen, einem Hormonspezialisten (Endokrinologen), einem erfahrenen Hausarzt oder Wahlarzt behandeln.

Wie viel Krafttraining und Protein brauchst du ab 40?

Deinen Muskel hältst du ab 40 mit Krafttraining an mindestens zwei Tagen pro Woche und genug Protein.[29] Wer Kraft trainiert, braucht etwa 1,2 bis 1,6 g Protein pro kg Körpergewicht am Tag.[20, 24] Gemessen wird der Erfolg dabei an der Kraft, nicht am Spiegel.

Kraft zählt mehr als Masse. Die europäische Expertengruppe für Sarkopenie erkennt diesen altersbedingten Muskelschwund zuerst an niedriger Muskelkraft und bestätigt ihn dann über Muskelmenge und -qualität.[6] Getestet wird alltagsnah: wie fest du zudrückst und wie schnell du von einem Stuhl aufstehst.[6] Wie früh Sarkopenie kommt, hängt nach diesem Konsens davon ab, wie viel Muskel du bis ins junge Erwachsenenalter aufgebaut hast und wie schnell du ihn danach verlierst.[6] In den 40ern geht es also darum, diesen Abbau zu bremsen.

Gleichgewicht für später. Mit den Jahren zählt neben der Kraft auch das Gleichgewicht. Bei Menschen über 60 senken Trainingsprogramme Stürze um etwa ein Viertel, vor allem Gleichgewichtsübungen, Übungen für Alltagsbewegungen oder Programme, die beides mit Krafttraining kombinieren.[31] Für reines Krafttraining ist dieser Effekt unsicher, und für weniger Knochenbrüche ist die Evidenz schwächer.[31]

Wie oft trainieren? Die WHO empfiehlt Krafttraining für alle großen Muskelgruppen an mindestens zwei Tagen pro Woche, zusätzlich zu 150 bis 300 Minuten moderater Ausdauer.[29] Beobachtungsstudien begleiten Menschen über Jahre, ohne etwas auszuprobieren. In solchen Studien hatten Menschen mit Krafttraining ein um 10 bis 17 % niedrigeres Risiko für Tod, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes.[30] Der größte Teil dieses Vorteils lag schon bei etwa 30 bis 60 Minuten pro Woche.[30] Das sind Zusammenhänge und kein Beweis, als Richtgröße taugen sie trotzdem: Zwei bis vier Einheiten pro Woche sind ein praktischer Weg, auf diese Menge zu kommen. Die Ausdauerminuten der WHO deckst du am einfachsten mit Zone-2-Training und einem klugen Trainings-Mix ab, also in einem Tempo, bei dem du dich noch unterhalten kannst.[29]

Protein: genug, über den Tag verteilt. Die europäische Expertengruppe PROT-AGE empfiehlt Menschen über 65 mindestens 1,0 bis 1,2 g Protein pro kg Körpergewicht am Tag.[20] Für Aktive setzt sie 1,2 g/kg oder mehr an.[20] In Studien mit gesunden Erwachsenen, die Krafttraining machten, brachte Protein über etwa 1,6 g/kg am Tag keinen weiteren Muskelzuwachs, und mit dem Alter wurde der Effekt kleiner.[24] Für einen Mann in den 40ern mit Krafttraining sind 1,2 bis 1,6 g/kg am Tag daher eine sinnvolle Spanne.[20, 24] Hast du eine Nierenerkrankung, sprich dein Proteinziel vorher mit deinem Arzt ab, denn PROT-AGE nimmt stark eingeschränkte Nierenfunktion ausdrücklich aus.[20]

Im Alltag heißt diese Spanne: bei den meisten Mahlzeiten eine echte Eiweißquelle, auch beim Frühstück, wenn es sonst aus Croissant und Marmelade besteht. Wie viele Gramm das für dein Gewicht sind, rechnet dir unser kostenloser Kalorienrechner zusammen mit deinem Kalorienbedarf aus.

Was trainieren, und wie schwer? Deck fünf Grundbewegungen ab: Kniebeuge, Hüftbeuge (etwa Kreuzheben), Drücken, Ziehen und Tragen. Diese Übungen bewegen mehrere Gelenke auf einmal und gehören auch in den 40ern mit ordentlicher Last ins Training. Steigere Gewicht oder Wiederholungen nach und nach, denn diese Steigerung zählt mehr als die Frage, wie du deine Trainingstage aufteilst. Wenn du nie trainiert hast, nimm dir für sechs bis zwölf Wochen einen Trainer, der dir die Technik zeigt.

Was du für Herz und Stoffwechsel selbst in der Hand hast

Für Herz und Stoffwechsel zählen neben ApoB und Lp(a) vor allem Dinge, die du selbst steuerst: Blutdruck, Blutzucker, Bauchumfang, Alkohol und Rauchen. Diese Stellschrauben zählen, weil Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Männern in DACH und den USA zusammen mit Krebs zu den zwei häufigsten Todesursachen gehören.

Die meisten Werte dafür misst schon der kostenlose Check-up der Kasse: Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin.[38] Wie streng du sie lesen solltest, hängt von deinem persönlichen Risiko ab, denn die europäische Leitlinie zu Blutfetten setzt Zielwerte für LDL und ApoB nach Risiko fest.[7, 8] Der Normalbereich auf dem Laborzettel ist deshalb nicht automatisch dein Ziel, etwa bei hohem Lp(a) oder einer starken Familiengeschichte. Dasselbe gilt bei einem metabolischen Syndrom, also Bauchfett zusammen mit erhöhten Blutdruck-, Zucker- oder Fettwerten. Wie du ApoB und Lp(a) dafür zusammen liest, zeigt der Guide zu ApoB und Lp(a).

Entzündungswert hsCRP. Bei manchen Menschen hilft außerdem hsCRP, dieses persönliche Risiko einzuschätzen, ein Blutwert für stille Entzündungen. Die europäische Leitlinie zu Blutfetten von 2025 nennt ein dauerhaft erhöhtes hsCRP über 2 mg/l als einen Faktor, der jemanden in eine höhere Risikogruppe einordnen kann.[8] Ein Suchtest für alle ist hsCRP trotzdem nicht.[8]

Blutzucker: HbA1c reicht meist. Den Blutzucker beurteilst du mit HbA1c (dem Langzeit-Blutzucker der letzten drei Monate) und dem Nüchternzucker. Nüchtern-Insulin und der daraus berechnete HOMA-IR-Wert, der grob anzeigt, wie gut deine Zellen auf Insulin ansprechen, sind in Longevity-Praxen beliebt. Die US-Fachgesellschaften für Diabetes und Labormedizin raten aber von routinemäßigen Insulinmessungen bei Menschen mit Diabetes- oder Herzrisiko ab, weil HbA1c und Nüchternzucker die praktische Frage schon beantworten.[32]

Blutdruck zu Hause messen. In der Praxis liegt der Blutdruck oft höher als zu Hause, weil schon die Situation beim Arzt ihn hochtreibt (der sogenannte Weißkittel-Effekt). Ein günstiges Oberarm-Messgerät, kein Handgelenkgerät, zeigt dir deine echten Alltagswerte. Wer Testosteron nimmt, braucht es ohnehin, weil die FDA vor steigendem Blutdruck warnt.[19]

Bauchumfang. Ein wachsender Bauch ist ein grobes, aber brauchbares Warnzeichen, und das Maßband kostet nichts. Übergewicht gehört außerdem zu den Lagen, in denen LDL-Cholesterin und ApoB öfter auseinanderlaufen.[7] Wer am Bauch zulegt, hat also einen Grund mehr, ApoB messen zu lassen.

Alkohol: so wenig wie möglich. In einer Auswertung von knapp 600.000 Trinkenden ohne Herzerkrankung war das Sterberisiko bei etwa 100 g Alkohol pro Woche oder weniger am niedrigsten.[11] Das sind ungefähr 8 bis 10 Standardgetränke zu je 10 bis 12 g. Wer 100 bis 200 g pro Woche trank, hatte mit 40 im Schnitt eine um etwa ein halbes Jahr kürzere Lebenserwartung.[11]

Diese 100 g markieren den Punkt mit dem niedrigsten gemessenen Risiko, keine sichere Dosis. Das Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche stieg mit der Menge ohne klare Schwelle, und die Autoren plädieren für niedrigere Grenzen als die meisten Leitlinien.[11] Noch strenger urteilt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, für die keine Menge risikofrei ist.[34] Unter 27 g pro Woche gilt bei ihr als risikoarm, 27 bis 81 g als moderates und mehr als 81 g als hohes Risiko.[34]

Wessen Sozialleben sich um Wiesn, Stammtisch, Heurigen, Après-Ski oder die Feierabend-Hoibe dreht, muss deshalb nicht zum Asketen werden, sollte aber seine Wochenmenge kennen. Ein, zwei schwere Wochen im Monat gegen leichtere zu tauschen ist ein realistischer Anfang, und alkoholfreies Bier ist dabei ein einfacher Tausch.

Rauchen. Wenn du noch rauchst, ist der Rauchstopp einer der lohnendsten Schritte auf dieser Seite. Nikotinhaltige E-Zigaretten helfen mehr Menschen beim Aufhören als Nikotinpflaster oder -kaugummi, und die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz gilt als hoch.[35] Nutz sie als Brücke weg von der Zigarette, nicht als Dauerlösung.

Schlafapnoe, Depression, PSA: drei stille Checks ab 40

Ab 40 lohnen sich drei Checks, die im Alltag leicht untergehen: Schlaf, Stimmung und Prostata. Schütze 7 bis 9 Stunden Schlaf.[21] und lass bei lautem Schnarchen eine Schlafapnoe abklären. Reizbarkeit oder innere Leere in der Lebensmitte kann eine Depression sein und gehört ernst genommen, statt sie auf Stress oder Testosteron zu schieben. Das PSA-Screening, ein Bluttest auf ein Eiweiß aus der Prostata, senkt die Prostatakrebs-Sterblichkeit ein wenig und findet dabei viele harmlose Tumoren[25] Deshalb besprichst du es mit deinem Arzt, in Deutschland ab 45.[13]

Schlaf und Schlafapnoe

Die US-amerikanische National Sleep Foundation empfiehlt Erwachsenen zwischen 26 und 64 Jahren 7 bis 9 Stunden Schlaf pro Nacht.[21] Wachst du trotz genug Zeit im Bett unausgeruht auf, lohnt sich der Blick auf deine Atmung in der Nacht.

Schlafapnoe ist der unterschätzte Treiber. Bei der obstruktiven Schlafapnoe fallen die oberen Atemwege im Schlaf immer wieder zusammen, und die Atmung setzt kurz aus. Weil das im Schlaf passiert, wird sie leicht übersehen. Schlafapnoe ist bei Männern häufig, und das Risiko steigt zwischen 40 und 70 mit dem Alter und mit höherem Körpergewicht.[47] Sie hängt mit Tagesmüdigkeit, Herzerkrankungen, Schlaganfall und Bluthochdruck zusammen.[47] Außerdem tritt sie oft gemeinsam mit niedrigem Testosteron auf, und beides ist bei Übergewicht häufiger.[27, 47] In kleinen Studien, meist ohne Vergleichsgruppe, hob eine CPAP-Therapie (die nächtliche Überdruckmaske) allein das Testosteron nicht an.[22] Unbehandelte schwere Schlafapnoe ist laut Endocrine Society außerdem ein Grund, keine Testosterontherapie zu beginnen.[2]

Berichtet deine Partnerin oder dein Partner von Schnarchen oder Atemaussetzern, oder wachst du regelmäßig wie gerädert auf, sprich beim Hausarzt ein Schlafscreening an. Wichtigste Behandlung ist CPAP, bei Übergewicht kommt Abnehmen dazu, und eine Schiene, die den Unterkiefer nachts nach vorn hält, ist eine Alternative.[47]

Stimmung und Depression

Depression zeigt sich bei Männern in der Lebensmitte oft weniger als Traurigkeit, eher als Reizbarkeit, Rückzug, Interessensverlust, mehr Alkohol oder ein taubes Lebensgefühl. Viele Männer schieben das jahrelang auf den Job oder auf das Testosteron. Hält so ein Zustand länger als zwei Wochen an, sprich mit deinem Hausarzt oder Wahlarzt.

Bist du in akuter Gefahr oder denkst daran, dir das Leben zu nehmen, ruf sofort den Notruf: 112 in Deutschland und Österreich, 144 in der Schweiz. Für ein Gespräch erreichst du außerdem diese Telefonberatungen:

  • Deutschland: Telefonseelsorge 0800 111 0111 (kostenlos, rund um die Uhr)
  • Österreich: Telefonseelsorge 142
  • Schweiz: Die Dargebotene Hand 143

Erlebst du Gewalt, hilft in Deutschland das Hilfetelefon Gewalt an Männern (Männerhilfetelefon) 0800 123 99 00 (Mo bis Do 8 bis 20 Uhr, Fr 8 bis 15 Uhr). Es ist für Männer da, die Gewalt erleben oder erlebt haben: häusliche, sexualisierte, psychische und digitale Gewalt, Stalking, Mobbing, Gewalt in der Kindheit, im öffentlichen Raum und Zwangsheirat.

PSA-Screening: kleiner Nutzen, echte Nebenwirkungen

Die europäische ERSPC-Studie lud Männer zwischen 55 und 69 zum PSA-Screening ein. Nach 23 Jahren hatte das Screening etwa einen Prostatakrebs-Todesfall pro 456 eingeladene Männer verhindert.[25] Der Preis ist Überdiagnose: Für jeden verhinderten Todesfall bekamen etwa 12 Männer zusätzlich die Diagnose Prostatakrebs, und viele dieser Tumoren hätten nie geschadet.[25] Die Studienautoren folgern daraus, dass der Nutzen des Screenings anhält, es sich künftig aber stärker am persönlichen Risiko orientieren sollte, damit weniger harmlose Tumoren gefunden werden.[25]

Für Männer von 45 bis 54 ist dieser Nutzen aus den Daten älterer Männer übertragen. Die US-amerikanische PLCO-Studie scheint ihm zu widersprechen, denn sie fand keine geringere Prostatakrebs-Sterblichkeit. Allerdings ließen sich rund 86 % der Männer in ihrer Vergleichsgruppe trotzdem testen, sodass sie organisiertes mit ungeplantem Screening verglich statt Screening mit keinem.[26]

Wird ein Tumor gefunden, muss er nicht automatisch operiert werden. Die PIVOT-Studie teilte Männer mit lokal begrenztem Prostatakrebs zufällig auf Operation oder Beobachtung auf. Über im Mittel knapp 13 Jahre senkte die Operation die Sterblichkeit nicht deutlich, verursachte aber häufiger ungewollten Urinverlust (Inkontinenz) und Erektionsstörungen.[12] Bei einem entdeckten, lokal begrenzten Tumor ist Beobachten deshalb eine echte Option, die du mit dem Urologen gegen die Operation abwägst.

Ab wann, hängt vom Land ab. In Deutschland gilt die S3-Leitlinie, also die Leitlinienstufe mit der gründlichsten Methodik. Sie empfiehlt Männern ab 45 mit mindestens zehn Jahren Lebenserwartung ein ergebnisoffenes Gespräch und, wenn du danach willst, einen PSA-Test.[13] Auch Männern mit Vater oder Bruder mit Prostatakrebs wird das Screening ab 45 angeboten.[13] Männern mit einer krankheitsverursachenden Veränderung in den Genen BRCA2, MSH2 oder MSH6 soll ab 40 eine Risikosprechstunde angeboten werden, danach sieht die Leitlinie PSA plus Prostata-MRT vor.[13] Dein erster Wert steuert, wie es weitergeht.[13]:

  • unter 1,5 ng/ml: nächster Test in 5 Jahren
  • 1,5 bis 2,99 ng/ml: nächster Test in 2 Jahren
  • ab 3 ng/ml: Kontrolle innerhalb von drei Monaten, bestätigt sich der Wert, Urologe und MRT

Die Tastuntersuchung soll zur Früherkennung nicht mehr verwendet werden[13] Trotzdem zahlt die Kasse ab 45 genau diese Tastuntersuchung, einmal im Jahr.[37] Den PSA-Test zur Früherkennung zahlst du als IGeL, also als Selbstzahlerleistung, inklusive Beratung etwa 25 bis 35 Euro je nach Praxis (Angabe des IGeL-Monitors, Seite zuletzt 2017 aktualisiert).[39] Bei konkretem Verdacht, etwa einem tastbaren Knoten, oder zur Verlaufskontrolle bei bekanntem Prostatakrebs zahlt die Kasse den PSA-Test.[39]

In den USA raten Urologen zu einem ersten PSA-Wert mit 45 bis 50, bei afrikanischer Abstammung, Genvarianten oder starker familiärer Belastung zu einem Start mit 40 bis 45.[14] Die US Preventive Services Task Force, ein staatliches Expertengremium, sieht das Screening von 55 bis 69 als persönliche Entscheidung und rät ab 70 ab.[15] Diese Empfehlung stammt von 2018 und wird derzeit überarbeitet (Stand: Oktober 2026).[15] Mit 45 buchst du in Deutschland also das Gespräch, lässt einen ersten Wert bestimmen, wenn du dich dafür entscheidest, und folgst dann dem Abstand, den dieser Wert vorgibt.

Welche Vorsorge ab 40 zahlt die Kasse, und was ergänzt du?

Fang mit dem kostenlosen Check-up der Kasse an und ergänze Lp(a) einmal und ApoB als Ausgangswert.[7, 9, 38] Weitere Tests hebst du dir für den Moment auf, in dem Beschwerden oder ein konkreter Anlass dafür sprechen. Am meisten bringt dir der Check-up, wenn eine feste Hausarztpraxis deinen Verlauf über die Jahre kennt.

Deutschland. Die gesetzliche Krankenkasse zahlt ab 35 alle drei Jahre die Gesundheitsuntersuchung (früher Check-up 35) mit Blutdruck, Blutfetten, Nüchternzucker, Urintest und einer körperlichen Untersuchung.[38, 46] Einmalig ist dabei ein Test auf Hepatitis B und C enthalten.[38] ApoB, Lp(a), HbA1c oder ein Hormonprofil gehören nicht dazu.[46] Diese Werte bekommst du als IGeL (Individuelle Gesundheitsleistung, die du selbst zahlst) beim Hausarzt oder in einer präventivmedizinischen Praxis. Was die einzelnen Zusatzwerte kosten und welche sich lohnen, steht im Leitfaden zu Selbstzahler-Longevity-Tests.

Die Tabelle zeigt, welche Früherkennung die gesetzliche Kasse Männern in den 40ern zahlt und ab welchem Alter:

Untersuchung Ab wann Wer zahlt
Gesundheits-Check-up (Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker, Urin) ab 35, alle 3 Jahre.[38] Kasse
Hepatitis-B- und -C-Test einmal ab 35, im Check-up[38] Kasse
Hautkrebs-Screening ab 35, alle 2 Jahre[37] Kasse
Prostata-Tastuntersuchung ab 45, jährlich (laut S3-Leitlinie zur Früherkennung nicht mehr empfohlen)[13, 37] Kasse
PSA-Test ab 45 nach Aufklärung[13] du selbst, etwa 25 bis 35 Euro inkl. Beratung[39]
Darmkrebs: Stuhltest oder Darmspiegelung ab 50[17] Kasse
Lungenkrebs-Früherkennung per Niedrigdosis-CT 50 bis 75, mindestens 25 Jahre geraucht und mindestens 15 Packungsjahre, Rauchstopp höchstens 10 Jahre her, seit April 2026[17, 43] Kasse
ApoB, Lp(a), HbA1c wenn du dich dafür entscheidest meist du selbst (IGeL)[46]

Stand: Oktober 2026, PSA-Preis laut IGeL-Monitor von 2017. Der G-BA prüft seit dem 15. Oktober 2026 den Check-up und das Hautkrebs-Screening, Alter und Abstände können sich also ändern[17, 38]

Österreich. Die Vorsorgeuntersuchung ist für Versicherte ab 18 kostenfrei.[18] Ab 45 gehören ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl alle zwei Jahre und eine Vorsorge-Koloskopie alle zehn Jahre dazu.[18] Für Testosteron- oder PSA-Fragen gehen viele Männer zusätzlich zum Wahlarzt, also zu einer Ärztin oder einem Arzt ohne Kassenvertrag, und bekommen einen Teil der Kosten von der Krankenkasse zurück. Ein Wahlarzt-Urologe ist für diese Themen oft der schnellste Weg.

Schweiz. In der Schweiz zahlt die Grundversicherung Arztbesuche, sobald die Franchise erreicht ist. Danach trägst du noch 10 % Selbstbehalt, höchstens 700 Franken im Jahr.[41] Vorsorge übernimmt sie für die Maßnahmen, die in der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV) aufgelistet sind,[45]; zusätzliche Laborwerte außerhalb dieser Liste zahlst du meist selbst.

Was du in den 40ern ergänzt. Über alle drei Länder hinweg sieht ein sinnvolles Menü so aus:

  • Einmal: Lp(a) und ein volles Blutfettprofil mit ApoB[7, 9] dazu HbA1c (Langzeitblutzucker) oder Nüchternzucker.[32] ApoB wiederholst du mit den Blutfetten, wenn er hoch ist oder du eine Therapie beginnst.[7]
  • Nur mit Beschwerden oder Anlass: Morgen-Testosteron mit seinem Transporteiweiß SHBG,[2] TSH für die Schilddrüse, Ferritin für den Eisenspeicher und Vitamin D, wobei gesunde Erwachsene keinen routinemäßigen Vitamin-D-Test brauchen.[33] Auch ein Ruhe-EKG besprichst du nur, wenn dein Arzt einen Grund dafür sieht.
  • Nicht routinemäßig: Nüchtern-Insulin empfehlen die US-Fachgesellschaften nicht als Routinetest.[32] Der Entzündungswert hsCRP kann bei ausgewählten Personen die Herz-Risikoeinschätzung schärfen, ist aber kein Test für alle.[8]
  • PSA: das Gespräch ab 45 in Deutschland, mit krankheitsverursachender Genveränderung in BRCA2, MSH2 oder MSH6 die Risikosprechstunde ab 40.[13]
  • Regelmäßig: Blutdruck zu Hause, Gewicht und Bauchumfang, dazu ein Blick auf Schlaf und Alkohol. Blutfette und Blutzucker wiederholst du in dem Abstand, den dein Arzt nach Befund und Risiko festlegt; der Check-up der Kasse misst Blutfette und Nüchternzucker alle drei Jahre.[46]
  • Ab Ende 40: Ein Koronarkalk-Score (CAC, eine CT-Messung des Kalks in den Herzkranzgefäßen) kann bei mittlerem Risiko die Einschätzung schärfen.[7] Darmkrebs-Vorsorge beginnt in Österreich,[18] und den USA[40] mit 45, in Deutschland mit 50[17] bei familiärer Belastung früher; in der Schweiz fragst du deinen Arzt, welche Vorsorge die Grundversicherung übernimmt.[45]

Aus diesem Menü fehlen dem Check-up der Kasse vor allem Lp(a) und ApoB.[46] Ein naheliegender erster Schritt ist deshalb, beim nächsten Check-up nach diesen beiden Werten zu fragen und sie dir von deiner Ärztin oder deinem Arzt erklären zu lassen.

Häufig gestellte Fragen

Welche Blutwerte sollte ein Mann ab 40 checken lassen?

Über das normale Cholesterin hinaus lohnen sich zwei Werte: Lp(a) einmal im Leben und ein Ausgangswert für ApoB, das die gefäßschädigenden Fetttransportteilchen im Blut zählt.[7, 9] Für den Blutzucker reichen HbA1c, der Langzeitblutzucker der letzten drei Monate, und der Nüchternzucker; Insulintests empfehlen die US-Fachgesellschaften nicht routinemäßig.[32] Nur bei Beschwerden oder einem medizinischen Anlass misst du TSH für die Schilddrüse, Ferritin für den Eisenspeicher, Vitamin D oder Testosteron zusammen mit SHBG, dem Eiweiß, das Testosteron im Blut transportiert.[2, 33] Der Entzündungswert hsCRP kann bei ausgewählten Personen die Herz-Risikoeinschätzung schärfen, ist aber kein Test für alle.[8]

Sollte ich mein Testosteron testen lassen?

Ein Test lohnt sich, wenn du Symptome hast, etwa weniger Lust, Erektionsstörungen, seltenere Morgenerektionen, anhaltende Müdigkeit, Stimmungstiefs oder Kraftverlust trotz Training.[1, 2] Sinnvoll ist Gesamttestosteron in zwei Nüchtern-Morgenmessungen plus SHBG, bei Werten im Grenzbereich zusätzlich freies Testosteron.[2] Ein einzelner grenzwertiger Wert aus einer stressigen Phase ist keine Diagnose. Hast du Beschwerden und zwei niedrige Werte, geh zum Urologen oder Endokrinologen und arbeite gleichzeitig an Schlaf, Gewicht und Alkohol, nicht stattdessen.[2, 3, 4]

Ist eine Testosteron-Ersatztherapie sicher?

Bei korrekt diagnostiziertem Mangel traten in der TRAVERSE-Studie über im Schnitt 33 Monate unter Testosteron nicht mehr schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse auf als unter Placebo, dafür etwas häufiger Vorhofflimmern, akutes Nierenversagen und Lungenembolien.[5] TRAVERSE prüfte ein tägliches Testosteron-Gel über im Schnitt knapp 22 Monate, über Spritzen, Pellets oder längere Anwendung sagt die Studie weniger.[5] Auf dieser Grundlage strich die FDA 2025 die Herzrisiko-Warnung, warnt aber vor steigendem Blutdruck; zur Therapie gehören deshalb Blutdruckmessungen zu Hause und Kontrollen von Hämatokrit und PSA.[2, 19] Für Männer mit normalen Werten ist das kein Freibrief, mehr dazu im [Leitfaden zur Hormonersatztherapie (HRT/TRT)](./hormonersatztherapie-hrt-trt).

Brauche ich wirklich ein PSA-Screening?

Das ist eine persönliche Entscheidung: Die deutsche S3-Leitlinie und die US-Urologen empfehlen ein Aufklärungsgespräch und bieten den Test an, wenn du ihn danach willst, in Deutschland ab 45.[13, 14] Der Nutzen ist real, aber klein, denn in der ERSPC-Studie verhinderte das Screening nach 23 Jahren etwa einen Prostatakrebs-Todesfall pro 456 eingeladene Männer und fand dabei viele Tumoren, die nie geschadet hätten.[25] Der IGeL-Monitor bewertet den selbst bezahlten PSA-Test zur Früherkennung als „tendenziell negativ“ (Bewertung zuletzt 2017 aktualisiert).[39] Entscheidest du dich dafür, bestimmt der erste Wert, wie oft du weiter testest.[13]

PSA-Test ab wann, wie oft, was kostet er?

Die S3-Leitlinie empfiehlt ab 45 ein Aufklärungsgespräch und auf Wunsch den PSA-Test, Männern mit pathogener Variante in BRCA2, MSH2 oder MSH6 soll ab 40 eine Risikosprechstunde angeboten werden.[13] Der erste Wert steuert die Abstände: unter 1,5 ng/ml alle 5 Jahre, 1,5 bis 2,99 alle 2 Jahre, ab 3 eine Kontrolle innerhalb von drei Monaten und, wenn sich der Wert bestätigt, Urologe und MRT.[13] Die Kasse zahlt ab 45 nur die jährliche Tastuntersuchung,[37] den PSA-Test zur Früherkennung zahlst du als IGeL selbst, inklusive Beratung etwa 25 bis 35 Euro (IGeL-Monitor, Stand 2017); bei konkretem Verdacht zahlt die Kasse.[39] In den USA sieht die Task Force das Screening von 55 bis 69 als persönliche Entscheidung (Empfehlung von 2018, wird überarbeitet, Stand: Oktober 2026).[15]

Wie oft Krafttraining ab 40?

Die WHO empfiehlt Krafttraining für alle großen Muskelgruppen an mindestens zwei Tagen pro Woche,[29] und zwei bis vier Ganzkörper- oder Ober-/Unterkörper-Einheiten sind ein praktisches Ziel. Deck Kniebeuge, Hüftbeuge, Drücken, Ziehen und Tragen ab und steigere die Last nach und nach. Wenn du neu einsteigst, lohnt sich für sechs bis zwölf Wochen ein Trainer für die Technik. Dazu kommen laut WHO 150 bis 300 Minuten moderate Ausdauer pro Woche.[29]

Ist Bier in Maßen okay?

In einer Auswertung von knapp 600.000 Trinkenden war das Sterberisiko bei rund 100 g Alkohol pro Woche oder weniger am niedrigsten, das sind etwa 8 bis 10 Standardgetränke zu je 10 bis 12 g.[11] Eine sichere Dosis ist das nicht, und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung stuft schon mehr als 81 g pro Woche als hohes Risiko ein.[34] Wiesn, Stammtisch und Heuriger gehören trotzdem zum Leben; entscheidend ist, dass du deine Wochenmenge kennst. Alkoholfreie Biere sind in DACH ein einfacher Tausch für ein paar Abende.

Wechseljahre beim Mann: Gibt es das? Welche Symptome sind echt?

Nicht im selben Sinn wie bei Frauen, denn das Testosteron fällt bei Männern langsam und nicht abrupt.[27] In der European Male Aging Study hingen vor allem drei sexuelle Symptome mit niedrigem Testosteron zusammen: seltenere Morgenerektionen, weniger Lust und Erektionsstörungen.[1] Echter Late-Onset-Hypogonadismus hieß dort: alle drei plus Gesamttestosteron unter 11 nmol/l (etwa 3,2 ng/ml) und niedriges freies Testosteron, was auf etwa 2 % der Männer von 40 bis 79 zutraf.[1] Was im Volksmund „Wechseljahre beim Mann“ heißt, ist meist eine Mischung aus Altern, Stress, Schlafmangel, Gewichtszunahme, Alkohol und manchmal Depression.

Welche Supplements lohnen sich für Männer ab 40?

Kreatin ist das Supplement mit den besten Daten, am besten belegt in Kombination mit Krafttraining.[23] In einer Auswertung mehrerer Studien mit Frauen und Männern im Durchschnittsalter von 57 bis 70 brachte es rund 1,4 kg mehr fettfreie Masse, also Körpergewicht ohne Fett, und etwas mehr Kraft als Training allein; für Männer in den 40ern ist das übertragen, nicht direkt gemessen.[23] Bei Vitamin D ist der Einstieg unkompliziert: Eine übliche Tagesdosis im Rahmen der offiziellen Zufuhrempfehlungen setzt keinen Test voraus, und einen routinemäßigen Vitamin-D-Test brauchen gesunde Erwachsene nicht.[33] Am meisten holst du heraus, wenn diese kurze Liste auf Protein, Schlaf und Training aufbaut, mehr im [Guide zu Longevity-Supplements](./longevity-supplements).

Womit fange ich ab 40 dieses Jahr am besten an?

Zwei günstige Schritte zielen auf die zwei großen Baustellen der 40er, die Gefäße und den Muskel. Für die Gefäße lässt du Lp(a) einmal und ApoB als Ausgangswert messen und sprichst beide Werte mit deinem Hausarzt durch.[7, 9] Für den Muskel trainierst du an mindestens zwei Tagen pro Woche Kraft, oder du bleibst dran, wenn du schon trainierst.[29] Rauchst du, gehört der Rauchstopp als dritter Schritt dazu, und nikotinhaltige E-Zigaretten helfen dabei mehr Menschen als Pflaster oder Kaugummi.[35]

Beeinflusst eine Testosterontherapie die Fruchtbarkeit?

Ja, Testosteron von außen kann die Spermienbildung unterdrücken.[2] Die Endocrine Society rät deshalb Männern, die in nächster Zeit Kinder zeugen wollen, von einem Therapiestart ab.[2] Kommen Kinderwunsch und niedrige Werte zusammen, gehört die Frage zu einem Urologen oder Andrologen, bevor ein Rezept ausgestellt wird.

Was kann ich gegen ein hohes Lp(a) tun?

Lp(a) ist weitgehend genetisch festgelegt, und Statine verändern es kaum.[9] Ein Medikament speziell gegen erhöhtes Lp(a) ist bisher nicht zugelassen: Die erste große Ergebnisstudie mit Pelacarsen meldete im September 2026, dass es Lp(a) senkte, der zusammengesetzte Herz-Kreislauf-Endpunkt aber nicht sank, und die vollständigen Daten stehen noch aus (Stand: Oktober 2026).[36] Bei hohem Lp(a) empfiehlt die European Atherosclerosis Society deshalb, die übrigen Risikofaktoren früh und konsequent zu behandeln: LDL beziehungsweise ApoB, Blutdruck, Blutzucker und Rauchen.[9]

Quellen47

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  4. Khera M, Torres LO, Grober ED, Morgentaler A, Miner M, Jones TH, Mills JN, Salonia A. (2025). Male hypogonadism: recommendations from the Fifth International Consultation on Sexual Medicine (ICSM 2024). Sexual Medicine Reviewsdoi:10.1093/sxmrev/qeaf036
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  7. Mach F, Baigent C, Catapano AL, Koskinas KC, Casula M, et al. (2019). 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk. European Heart Journaldoi:10.1093/eurheartj/ehz455
  8. Mach F, Koskinas KC, Roeters van Lennep JE, Tokgözoğlu L, Badimon L, Baigent C, et al. (2025). 2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. European Heart Journaldoi:10.1093/eurheartj/ehaf190
  9. Kronenberg F, Mora S, Stroes ESG, Ference BA, Arsenault BJ, et al. (2022). Lipoprotein(a) in atherosclerotic cardiovascular disease and aortic stenosis: a European Atherosclerosis Society consensus statement. European Heart Journaldoi:10.1093/eurheartj/ehac361
  10. Hugosson J, Roobol MJ, Månsson M, Tammela TLJ, Zappa M, et al. (ERSPC investigators). (2019). A 16-yr Follow-up of the European Randomized study of Screening for Prostate Cancer. European Urologydoi:10.1016/j.eururo.2019.02.009
  11. Wood AM, Kaptoge S, Butterworth AS, Willeit P, Warnakula S, et al. (2018). Risk thresholds for alcohol consumption: combined analysis of individual-participant data for 599 912 current drinkers in 83 prospective studies. The Lancetdoi:10.1016/S0140-6736(18)30134-X
  12. Wilt TJ, Jones KM, Barry MJ, Andriole GL, Culkin D, et al. (2017). Follow-up of Prostatectomy versus Observation for Early Prostate Cancer (PIVOT). New England Journal of Medicinedoi:10.1056/NEJMoa1615869
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  14. Wei JT, Barocas D, Carlsson S, Coakley F, Eggener S, et al. (2023). Early Detection of Prostate Cancer: AUA/SUO Guideline Part I: Prostate Cancer Screening. The Journal of Urologydoi:10.1097/JU.0000000000003491
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