Bewegung und Herz-Kreislauf
7 Paper in der Bibliothek, stärkste Bewertung Moderat.
Bewertet als Moderat · Große Beobachtungsstudie mit 64.743 Erwachsenen und Messgeräten am Handgelenk; sie zeigt Zusammenhänge, kann aber nicht belegen, dass das Tempo selbst schützt.
Paper 7
- Unter 5.000 Schritte, aber zügig: geringeres SterberisikoModeratn = 64.7432026British journal of sports medicineWer am Tag nur wenige Schritte macht, dabei aber flott unterwegs ist, starb in einer großen britischen Studie seltener. Das galt schon für Menschen mit weniger als 5.000 Schritten am Tag. Kamen sie in ihren zügigsten 30 Minuten auf 80 Schritte pro Minute, war ihr Sterberisiko um 28 Prozent niedriger. Diese Minuten mussten nicht am Stück liegen. Zum Vergleich dienten Menschen, die ebenso wenig und sehr langsam gingen. Die Forschenden nutzten Daten der UK Biobank, einer großen britischen Gesundheitsstudie. 64.743 Erwachsene trugen dort ein Messgerät am Handgelenk, das Schritte und Tempo erfasste. Danach verfolgten die Forschenden, wer starb. Am niedrigsten lag das Risiko bei 7.500 bis 10.000 Schritten am Tag mit etwa 100 Schritten pro Minute, nämlich um 43 Prozent niedriger. Alter und andere Einflüsse wurden dabei herausgerechnet. Für Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigte sich ein ähnliches Muster. Die Autoren schließen daraus, dass verschiedene Kombinationen aus Schrittzahl und Tempo frühen Todesfällen vorbeugen könnten. Die Studie hat aber nur beobachtet, wer länger lebte. Ob ein schnelleres Tempo selbst das Risiko senkt, lässt sich daraus nicht ablesen.
- Training beim Dorfarzt: Ältere mit Herzleiden stürzen seltenerModeratn = 1282026Age and ageingÄltere Menschen mit Bluthochdruck oder einer Herzkrankheit stürzen leicht. In ländlichen Gegenden Chinas half ihnen ein einfaches Programm, das die Dorfärzte selbst leiteten. Nach einem Jahr berichteten 31,6 Prozent der Teilnehmenden im Programm von mindestens einem Sturz. In den Vergleichsdörfern waren es 42,7 Prozent. Forschende nahmen 128 Dörfer in die Studie auf. Das Los entschied, welche Dörfer das Programm bekamen und welche wie gewohnt versorgt wurden. Mitmachen konnten Menschen ab 60 Jahren, die nach eigener Angabe vom Arzt Bluthochdruck oder eine Herzkrankheit bescheinigt bekommen hatten. Zwölf Monate lang übten sie Gleichgewicht und alltägliche Bewegungen und erhielten Gesundheitsinfos. Im Programm kam es zu 0,9 Stürzen pro Person und Jahr, in den Vergleichsdörfern zu 1,6. Auch Verletzungen durch Stürze wurden seltener. Zudem standen die Teilnehmenden schneller vom Stuhl auf, hielten besser das Gleichgewicht und bewerteten ihre Lebensqualität höher. Beim Test, aufzustehen, ein Stück zu gehen und zurückzukehren, gab es keinen klaren Unterschied. Männer profitierten stärker. Die Ergebnisse stammen aus einer Zusatzauswertung einer größeren Studie, und alle wussten, in welcher Gruppe sie waren.
- Zehn Stunden Sitzen am Tag, kaum Pausen: höheres SterberisikoModeratn = 89.0102026Zhong nan da xue xue bao. Yi xue ban = Journal of Central South University. Medical sciencesWer täglich zehn Stunden oder länger sitzt und dabei selten aufsteht, hatte in einer großen britischen Studie ein um gut 50 Prozent höheres Sterberisiko. Verglichen wurde mit Menschen, die kürzer saßen und ihr Sitzen mindestens zwölfmal am Tag unterbrachen. Häufige Pausen schwächten den Nachteil langen Sitzens ab. Forschende werteten Daten von 89.010 Teilnehmenden der UK Biobank aus, im Mittel 63,5 Jahre alt. Sie trugen drei bis sieben Tage lang einen Bewegungssensor am Handgelenk und wurden danach im Mittel acht Jahre begleitet. Wer viel saß und wenig Pausen machte, hatte ein um 55 Prozent höheres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Mit 50 Jahren blieben Männern dieser Gruppe rechnerisch knapp drei Jahre weniger ohne solche Erkrankungen, Frauen gut drei. Ein Rechenmodell schätzt: Würden 30 Minuten Sitzen durch zügige Bewegung ersetzt, läge das Sterberisiko dieser Gruppe um 17 Prozent niedriger. Das ist eine Modellrechnung, kein getesteter Versuch. Zudem kann der Sensor am Handgelenk Sitzen nicht sicher von ruhigem Stehen unterscheiden. Die Teilnehmenden waren überwiegend weiß, eher gesund und sozial besser gestellt. Eine Ursache belegt die Studie nicht, das betonen die Forschenden selbst.
- Vier Leiden zugleich: Sterberisiko gut dreimal so hochModeratn = 39.9402026MedicineWer mehrere chronische Krankheiten gleichzeitig hatte, starb in einer großen US-Erhebung deutlich häufiger. Bei zwei der vier untersuchten Krankheiten war das Sterberisiko fast doppelt so hoch wie bei Menschen ohne diese Krankheiten. Bei allen vier war es gut dreimal so hoch. Körperlich Aktive hatten dagegen ein niedrigeres Risiko. Die Forschenden werteten Daten von 39.940 Erwachsenen aus, erhoben über rund 20 Jahre. Untersucht wurden vier häufige Krankheiten, darunter Diabetes, Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Der Anteil der Menschen mit mindestens zwei davon nahm über die Jahre zu. Wer sich mäßig bewegte, hatte ein um 22 Prozent niedrigeres Sterberisiko als wenig Aktive. Bei intensiver Bewegung lag es um 28 Prozent niedriger. Nach einer Modellrechnung der Autoren war die Lebenserwartung Mehrfachkranker um 5,64 Jahre kürzer. Bei Aktiven fiel dieser Verlust um bis zu 2,31 Jahre geringer aus. Diese Werte stammen aus Rechenmodellen und waren nicht in jeder Gruppe statistisch klar. Ob Bewegung selbst Lebensjahre zurückbringt, zeigt die Studie nicht, denn sie beobachtet nur. Die Krankheiten wurden zudem meist per Selbstauskunft erfasst.
- Armband-Daten: Wer im Tagestakt war, starb seltenerModeratn = 90.0002026Advanced science (Weinheim, Baden-Wurttemberg, Germany)Der Körper folgt einer inneren Uhr, die sich nach Tag und Nacht richtet. Gerät sie aus dem Takt, trägt das zu Krankheiten bei, etwa des Stoffwechsels, des Herzens oder der Psyche. Ein Messgerät am Handgelenk liefert dazu neue Hinweise. Bei Menschen, deren Bewegung und Gerätetemperatur über den Tag eng gekoppelt waren, traten später seltener Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und nächtliche Atemaussetzer auf. Rund 90.000 Teilnehmende der britischen UK Biobank, im Mittel 63 Jahre alt, trugen eine Woche lang ein solches Gerät. Normalerweise verlaufen Bewegung und Temperatur gegenläufig, mit rund zwölf Stunden Versatz. Die Forschenden maßen, wie eng diese Kopplung war, und begleiteten die Menschen 7 bis 11 Jahre. Mit jeder Stufe engerer Kopplung lag das Sterberisiko um 7 Prozent niedriger. Wich der Versatz vom üblichen Muster ab, war das Diabetesrisiko höher. Ob ein stabiler Tagesrhythmus selbst schützt, lässt sich daraus nicht ablesen. Obwohl viele Faktoren herausgerechnet wurden, können andere Unterschiede mitspielen. Zudem misst das Gerät nur grob die Haut am Handgelenk, nicht die Körpertemperatur. Die Teilnehmenden waren überwiegend weiß und mittleren bis höheren Alters.
- Wer 90 Minuten pro Woche Krafttraining machte, starb seltenerModeratn = 147.3742026British journal of sports medicineWer pro Woche anderthalb bis knapp zwei Stunden Krafttraining machte, starb im Lauf der Jahre seltener. Das Sterberisiko lag um 13 Prozent niedriger als bei Menschen ganz ohne Krafttraining. Das gilt auch, wenn man den Ausdauersport herausrechnet. Auch an Herz-Kreislauf-Erkrankungen starben sie seltener. Wer mehr als zwei Stunden pro Woche trainierte, hatte keinen zusätzlichen Vorteil. Forschende werteten drei große Langzeitstudien aus den USA aus. Darin wurden 147.374 Beschäftigte aus Gesundheitsberufen bis zu 30 Jahre begleitet, die meisten davon Frauen. Regelmäßig gaben sie an, wie viel Zeit sie mit Gewichten oder an Kraftgeräten verbrachten. Am niedrigsten war das Sterberisiko bei denen, die viel Ausdauersport und Krafttraining kombinierten. Es lag um 45 Prozent unter dem von Menschen mit wenig Ausdauersport und ganz ohne Krafttraining. Die Ergebnisse beruhen auf Beobachtungen, nicht auf einem Experiment. Ob das Krafttraining selbst das Leben verlängert, lässt sich daraus nicht ablesen. Die Teilnehmenden schätzten ihre Trainingszeit selbst ein, und wie intensiv sie trainierten, wurde nicht erfasst. Zudem waren sie überwiegend weiß und im mittleren bis höheren Alter.
- Tagesrhythmus plus Bewegung: 65 Prozent geringeres SterberisikoModeratn = 6.6212026The journals of gerontology. Series A, Biological sciences and medical sciencesWer tagsüber aktiv ist und nachts zur Ruhe kommt, hat einen klaren Tagesrhythmus. In einer Studie aus den USA starben Menschen mit einem solchen Rhythmus deutlich seltener, wenn sie sich zudem ausreichend bewegten. Verglichen mit Menschen mit schwachem Rhythmus und zu wenig Bewegung hatten sie ein um 65 Prozent niedrigeres Sterberisiko. Ihr Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, lag um 75 Prozent niedriger. Grundlage sind 6.621 Erwachsene aus einer großen US-Gesundheitsuntersuchung der Jahre 2011 bis 2014. Sie trugen einen Bewegungsmesser am Handgelenk. Daraus berechneten die Forschenden, wie ausgeprägt der Wechsel von Aktivität und Ruhe war. Nach im Mittel knapp sieben Jahren waren 518 Teilnehmende gestorben, 165 davon an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Autoren schließen daraus, dass genug Bewegung das höhere Risiko bei gestörtem Rhythmus abmildern könnte. In einer vorläufigen Zusatzauswertung erklärte ein schnelleres biologisches Altern, berechnet aus Blutwerten, rechnerisch einen kleinen Teil des Zusammenhangs. Diese Vermutung muss laut den Autoren erst geprüft werden. Ob ein festerer Rhythmus selbst das Leben verlängert, lässt sich nicht ablesen, denn die Daten zeigen nur einen Zusammenhang.
Wie diese Karte berechnet wird
Die Größe einer Markierung ist die Anzahl der Paper, die wir zu dieser Paarung halten. Das ist eine Zählung, keine Gewichtung nach Studiendesign oder Stichprobengröße.
Die Füllung zeigt die stärkste Bewertung in der Zelle. Ein starkes Paper unter vier vorläufigen füllt sie trotzdem dunkel, also öffne die Zelle für den Rest.
Bewertungen und Urteile vergibt ein Mensch mit Namen, niemals eine Zählung.
Eine leere Zelle heißt: Unsere Bibliothek hat zu dieser Paarung noch kein Paper. Das ist eine Lücke bei uns, kein Beweis, dass es niemand untersucht hat.
